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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-04 · Heft 1487 (4.4.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1487 (4.4.1923)
Date
1923-04-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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11 * \ 1, * ■ ' ’ ' ' , ‘ ' ' 1 nuaunanerK Ion# Wieni Zorn Abholea m dev Expedition, H.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschlei»stelle ifTrafik) mcnatl. K 28.000 {Mit Postversand für Wien o. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts che eh o-Slowakei: Mon. IC 17. Ungarn: Moa K600. Jugoslawien: Mon. Dinar 36. Polen: Mon. Mic.10.000. Deutschland: Mon. Mark 6000. Frank r., jßelgien: Monatl. Frcs. 8 WM" Nachtohlonyen "VW pei PreiscrliöljuBjren Vorbehalten Nk. 1487 Wiener mammmmimmmmmmmmmm Wiey. Mittwoch. 4. «prll 1823 Vv Uchech. K1.- Italien: Monatl. 10 lire R « m a r i e n. Ba Igarieit Monatl. 75 Lei bezvr. Lewa^ Se h y* e ir und das übrige Ansland monatlich Fres. Ä Redaktion u. Administration Wien, lUTabontrassel—2 Telephone: 44-0-38,43-3*19 ab 6 Uhr abds. 19483,16-301 Tel* Adr.: ,MorgenacitungM Wien Oesterreichisehes Postspar-j kassen- Konto Nr. 150.693 S. siahrgaug Der chronische Eiterherd.?. Wien, 4/Aprtt. Zur Zeit ungefähr, als die christlichen Osterglocken >as christliche Auferstehungswunder einzulauten bezannen, hat die neuerliche Erschießung deutscher Arbeiter m Zentrum der französischen Ruhraktion, in Essen, vieder einmal den Beweis erbracht, wie feil dieser Welt wch imer das Menschenleben ist und wie fern sie von der Erlösung ist, welcher das christliche Osterfest gilt. Frankreich verbeißt sich immer fester in seine Aktion, die ursprünglich als rein technische Jngenieurexpeditton unter militärischem Schutze ausgegeben wurde, und die setzten Erklärungen Pomcäres lassen keinen Geisel >!>aran übrig, daß man sich, in Paris nicht dazu entchließen will, zum Rückzug zu blasen, ehe man nicht zreifbare Pfänder und Garantien in Hauben hält. Von verschiedenen Seiten wird die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die zunehmende Kritik gelenkt, welche Frankreichs Vorgehen auf den ausländischen Tribünen hegegnet. In der Tat läßt es sich nickt leugnen, daß die Proteste der englischen öffentlichen Meinung gegen das französische Ruhrcckenteuer immer läuter werden und die Ausführungen Sir Griggs, des Intimus von Lloyd George, sowie des früheren englischen Premiers Asquith, reden in dieser Hinsicht eine klare Sprache. Auch die -leise des belgischen Ministers Iaspar.zu Mussolini, der immer deutlicher sein Wort in den europäischen politischen Fragen mitzusprechen sucht, läßt den naheliegenden Schluß zu, daß man auch in Belgien aus dritter Veite' eine gewisse Rückendeckung sucht und sich der französischen Führung micht aus die Dauer mit Haut und Eaaren verschreiben möchte. Aber so symptomatisch alle ese Vorgänge und dazu die Haltung, der verMedenen weWchM, Arbeiterparteien sein mögendes kann noch sshx wD M WuWOGMMi-Msd stände sein wird, die französische PoMk zmn Einlesen zu beeinst^lfsen. r Mit um so größerer Dringlichkeit muß die Frage aufgeworfen werden, was von deutscher- Seite selbst geschieht, um die Lösung einer Frage hevbeizufirhren, welche, wenn sie auf die lange Bank geschoben wird, zu einer Katastrophe für Deutschland fiihren und das übrige Mitteleuropa aufs schwerste treffen kann. Man hat sich in Deutschland auf die Methode der passiven Resistenz' im besetzten Gebiete festgelegt und es ist nicht zu bestreiten, daß dem französischen Säbel dort das Negieren recht sauer geworden ist, und man hat eine Einheitsfront der Parteien zusammengeschmiedet, gegen welche nur die rechtsradikalen Putschisten anrennen. Aber der Verfall der deutschen Wirtschaft ist damit, nicht aufzuhalten, und die Geldinflation nimmt gigantische Umfänge an/wovon man sich aus der Tatsache ein Bild zu machen vermag, daß weit über neunzig Milliarden Papiermark täglich fiir das besetzte Gebiet gedruckt werden, um als Löhne für Arbeiter und Angestellte verwendet zu werden, die seit Wochen keinerlei produktive Arbeit leisten, und es ist der deutsche Arbeiter, welcher in erster Reihe die Folgen des deutsch-französischen Konfliktes auf dem eigenen Rücken zu spüren bekommt. D^r deutsche Regierungspräsident hat an General Degoutte ein Protestschveiben gerichtet, in dem die Entrüstung über das samstägige Blutbad in flammenden Worten zum Ausdruck kommt, und der Arbeiter- und Angeftelltenrat der Firma Krupp veröffentlicht eine Erklärung, in welcher die sinnliche Absicht der demonstrierenden Arbeiter betont wird, auf welche ohne vorherige Warnung gefeuert worden sei, und das Solidaritätsgefühl der internationalen Arbeiterschaft aufgerufen wird. Aber bis zu einem wirksamen Eingreifen bat es leider noch gute Wege und die Bahn dazu müßte die deutsche Regierung in entschiedeneren: Maße frei rnaa-en als bisher. Es genügt nicht, daß Herr Cuno in verschiedenen deutschen Städten seine Reden hält und beteuert, daß er fiir keine Verhandlungen zu haben sein werde, so lange Frankreich nicht die Ruhr geräumt habe, so lange beteuert, bis der deutsche Außenminister,, wie es in den letzten Tage geschah, auch ohne jene Bedingung Deutschlands Verhandlungsbereitschaft erklärt und darüber hinaus Deutschlands Geneigtheit, gemäß' dem amerikanisäM Vorschlag Hughes', zur Bezahlung der Reparationen eine ausländische- Anleihe aufzu- . nehmen. Die Situation hat sich derart zugespitzt, daß -.nur eine bindende Erklärung Deutschlands, die mit sicheren Zahlen operiert, einen Auswegen bahnen vermag. Denn bei der schärfsten Verurteilung des französischen Vorgehens ist di« Behauptung nicht von der Hand zu. weisen» daß nur lavierend- Vorgehen Putfchgesahr und Hakenkreuz. Ernste Beurteilung in diplomatischen Kreisen.—Sabotage des Saniemugs» Werkes. Die stm-ntagige militärische Uebung der Hakenkreuzler hat, wie wir erfahren, in den Kreisen der hiesigen Diplomaten große Beachtung gefunden. Die Angelegenheit wird in diesen Kreisen sehr ernst beurteilt, dies um so mehrmals sichere Informaücmen vorl-iegen, daß die Böwaffmmg von Bayern aus mit Geldmitteln unterstützt wird und zu einer Bedrohung der Ruhe und Ordnung führen muß. Tie Organisierung bewaffneter Hakenkvenzlervrganisiationen, die nur zu dem Zwecke durchgeführt wird, um einen eventuellen Putsch dor zubereiten und eng mit den Ereignissen in Bayern und Preußen zusammenchangt, muß notgedrungen — so wird in den Kreisen der Diplomaten erklärt — ein ta t kr ästig es Ei nschreiten der österreichischen Negierung zur Folge haben. Von der Regierung wird nun erwartet, daß sie alle ähnlichen ungesetzlichen militärischen Uebumgen der Hakenkreuzler verbietet und vereikke und die auSlLndischeu Ar» r a n g e u r e dieser ungesetzlichen Handlungenfofovt a u sweise. Eine Parallele zwischen den HatenkrouzleroVgcml sationen und den Arbeiterwehren zu ziehen, sei untun-li^ Iveil dieft cvuSschließlich zu dem Zwecke gebildet wurden^ um antirepublckamsche und ungesetzliche Kundgebungen zu verhindern, während es die Hackenkveuzlerorganisationer» aus schließlich darauf abgesehen haben, die bestehende Ordnung zu stören und durch Vorbereitungen zu Pntscherr den Auftakt zu entern Umsturz nach Rechts zu geben.! Außerdem ist erwiesen, daß die Hakenkvvuz-er eine Kon-! sokidieruug der Verhältnisse in Oesterreich direkt sabotiere^ wollen, es also darauf abgesehen haben, die Sanieruugsq aktionzu stören. Die diplomatischen Kreise erwarten dahev von der Regierung die Ankündigirng, daß eS nun mit de«- Provokationen 'der .Hakerckvouzler ein Ende haben muffe. Seipel in Rom. Rom, 3. April. (Tel! der,Wiener Morgc»i§eiwilg".) Nnmittelbar vor ferner Mreife nach Wien enrpfiug Bundeskanzler Tr. Seipel die PvesWrtreter. Er erklärte ihnen, daß ferne Jtalienreife, d r ei e r l e i Zweck gehabt!habe: Italienische MWiMrg ap per' österreichischen -Sa* n ie ru ü g> sa n l>i he, Fordeimngr deS-'AkWusses stellung des V e r k e h r s imd dieMögnchste Ä e st« iM' gung der Handelsbeschränkungen. Der Zweck sei voll erfüllt durch das aufrichtige Entgegenkommen, das er beim MmfterpräsideMeu Mussolini und den SPeziaÜnstcmzsn gefunden habe. Italien habe sich bereit gezeigt, an dem österreichischen W i e d e r a u s b a u a k t i v teilzunehmen und dadurch die Bundesrepublik zu einem Lande der Ruhe und Ordnung zu machen. Sonntag abends wurde der Bundeskanzler vom Papste in einer Priva-taudieM empfangen, die über eine Stunde dauerte, worauf er dem Kardmal-Siaatssekretär Ga spar ri einen längeren Bestich abstattek. Ler Prager Besuch der Dr. zimmerman. Prag, 3. April. <TÄ. der «Wirnrr Mopgenzeilurvz".) Gestern hatte der Völkerbundkomm'ffär Dr. Zimmerman eine längere Unterredung mit dem tschecho-flowakischen. Zklßenminister Dr. Benesch. Wie wir erfahren, hat Doktor Zimmerman dem Außenminister Dr. Benesch einen ausführlichen Bericht über die bisher durchgeführten Maßnahmen die zur Sanievung Oesterreichs führen sollen, erstattet. Dr. Zrnrmermann hat auch Gelegenheit gehabt, die Ansichten.des Außenministers Dr. Benesch über die Scmievungsaktt'0-n kennen zu lernen und ist mit der Usberzeu-gung von Prag abgereist, daß die t s ch e ch o- Dentschlands zur heutigen Katastrophe gestihrt hat. DaS von der französischen Regierung der Pariser Kammer vorgelegte Gelbbuch über die dem Entschluffe Pomcäres zu einem selbständigen Vorgehen vorangeheiwen VerhaMungen mit den Alliierten ist in dieser Hinsicht sehr interessant. Wie sehr auch Bonar Laws Ansichten über die von der Ruhraktion zu erwartenden Ergebnisse von denen Poincares abweichen, in der Beurteilung der deutschen Haltung herrscht unter ihnen volle Einrnütigkeit; die deutschen Industriellen hätten riesige Devisenbestände nn' Auslande, welche der Reparationsleistung'! entzogen, würden, und der Belgier Tl)eunis schiebt die ganze Schuld ans Stinnes, der schon seinerzeit in Spa dreiste Erklärungen abgegeben habe/ und „dessen tra-> gischer Schatten sich im Hintergrund der Regierung Cuno abzeichnet". . . Man sieht in Deutschland gu wenig, wie wenig Vertrauen das Ausland zu Cunos Regierung hat, welche in erster Reihe das Industriekapital vertritt, uito die Mvache Haltung der demtschen Sozialdemokratie.- slowakische Regierung irr wohlwollendt, st er Werse alle Bestrebungen, die zur Sanierung Oesterreichs führen, unterstützen wird. Alle Meldrr-ni gen, die M berichten wilßtzeWdaß Dr. Z-vmmerman einer pollttschon Mission in Prag weilte, entspreche nicht den Tatsachen. Dr. Zimmerman tvurde cruch vom! Präsidenten Dr. M a s a r h k' in einer längeres Audiem 'empfangen. : 1 M HWMEMAN ZtMen. Rom, 3. Apnll Die VcHaMnngen über den österreichisch. ° italierrrschen HandelLerLrag - wurden heute fortgesetzt. Dies Weiterberatun-g erfolgt morgen. Zunächst wird der definitiv e Te x L des Berirages festgestellt. Die Triester Fr-ageq sind bereits am Dormersta-g -befriedigend geregelt worden. Ae BeMung eines Berater» bei der Sester reichMe« Sfoifonalüsml Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf übei die Bestellumy eines Beratet bei' der Oestervcichischuh Nattonalbank dem Nattonalrat vorgelegt. Die diesbezüg' lichen Aenderungen der Satzungen ha«ben bekaun-Mch bereitt die Zustimmung des Gsneralrates der Bank gefunden mt* werderr eine für den 17. d. ernbemfene mr'ßcrordcntlich GeneralversamnÄung beschäftigen. Ae deatschvAMe Freihevrpartei irr Sachse» verboten. Dreien, 3. April. (Wolff.) Das sächsische Minffteri-ua» des Innern hat auf Grund des Gesetzes zmn Schutze de^ RepMtt die Deutschvölkische Freiheitspartei mit allen Zweigvereinen umd Organisationen der boten mrd das Vermögen der aufgelösten VereinigunAe» zuWnfüen des Reiches beschlagnahmt. welche bisher alle ihre Wünsche dem Einheitsfront- Programm untergeordnet hat, hat die Situ-ation nicht gerade entspannt. Erst in den letzten Tagen zeigt sich aus dieser Seite eine schärfere kritische Haltung und der eben abgehaltene Parteitag der Unabhängigen hat gegen Cuno scharfe Stellung genommen und energisch gefordert, das deutsche Kapital solle entsprechend zur Wiedergutmachuug herangezogen werden. Die Wege, die aus ' dem Rnhrsumpf heransführen können, müssen — daran kann es keinen Zweifel geben — in Deutschland selbst gebahnt werden, denn jeder andere Ausweg ist heute ungangbar. Die deutsche Regierung muß ein klares und eindeutiges Wort sprechen. Unfruchtbare Preftigepolitik vermag die-Frage nicht zu lösen und von der Einheitsfront, wie sie bisher Praktiziert wurde/Profitieren letzten Endes nur die hakenkreuzlerischen Putschisten, die nun auch schon in Wien militärische'Exerzierübuiigen der-, anstalten und die unbändigste Lust zu neuen Waffengängen zeigev

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