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Wiener Morgenzeitung · 1923-04-01 · Heft 1485 (1.4.1923) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1485 (1.4.1923)
Date
1923-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Dr. Weizmann selbst ist des Glaubens, daß die diesjährige Keren HajessoL-Kampagne sich erfolgreich entwickeln und größere finanzielle Ergebnisse zeitigen wird, als diejenige, hie während seines ersten Aufenthaltes in Amerika vor sich gegangen war. Vorgänge. Esse«, 31-. März. (HavaS.) Anläßlich der Requirierung hon Kraftwagen in den Krupp-Werken wurde eine französische Abteilung von Arbeitern angegriffen, die auf das Militär Steine warfen, es mit Revolvern bedrohten, und schließlich versuchten, Dampfftrahlen auf die Soldaten z-u richten. Diese machten nach den vorschriftsmäßigen Aufforderungen von der Schußwaffe Gebrauch. Fünf oder sechs Deutsche wurden getötet, etwa dreißig verwundet. Auf Seite des Militärs wurde niemand verletzt. , Essen, 31. März. (Hadas.) Bald nach den gemeldeten Zwischenfällen wurde auf der Straße ein Kraftwagen mit zwei französischen Zechenkontrolloren von der Menge angehalten. Der Soldat, der den Wagen lenkte, wurde verletzt, und das Automobil zertrümmert. Die Leiden Ingenieure wurden mißhandelt und ihrer Uhren sowie ihrer Brieftaschen beraubt. W erscheint als ausgemacht, daß die Vorfälle von einer gewissen Zahl ehemaliger Schutzpolizei beamten vercnrlaßi und geleitet wo öden sirch, die nach den Krupp-Werken ßnrückgekchrt waren. Die Leitung dieses Betriebes trifft eine schwere Verantwortung, da sie die Sirenen ertönen ließ und hierdurch die Arbeiter m Erregung versetzt habe. Es ist unjKweffelhaft, daß man einem vereinbarten Versuch gegen-Wersteht, die seit Zwei Monaten vergeblich gesuchte Gelegenheit zu einem Zusammenstoß zwischen deutschen Arbeitern und französischen Truppen herbeizuftihren. Es sind sofort Antomitrailbeusen entsandt - worden, um die angwrdnete Requisition wieder auMnehmen und zu sichern. Die strengsten Strafmaßnahmen find im Zuge. Exkaiser Wilhelm mrd die Fuden. Tie Frankfurter „Bolksstsimme" bringt die Zuschrift eines schwedischen Kaufmannes, der die Zeitung auf das neue Buch des bekannten dänischen Altertumsforschers Frederie Pauls en aufmerksam macht, in welchem ein Kapitel sich mit dem früheren deutschen Kaffer Wilhelm dem Zweiten beschäftigt. Pa-nisen erzählt, ein Freund von ihm halbe im Jahre 1921 mit Wilhelm dem Zweiten in Doorn ein Gespräch gehabt chnd bei dieser Gelegenheit tat der Exkaiser den folgenden Ausspruch: „Die Juden sind an allem Unglück schuld! Deshalb sollte man einfach die Weit reinigen und alle Juden aushängen." Der. schwedische Kaufmann drückt sein Befremden darüber aus, daß ein früherer deutscher Monarch sich derartig äußern konnte, da sich doch die deutschen Juden im Kriege tapfer geschlagen und viele von ihnen Auszeichnungen von höchsten militärischen Behörden erhalten haben. Die Rot in der Ukraine. Der Berichterstatter des I. C. B. in Rußland meldet: Die anfangs April erfolgende Einstellung des Dierfftes der „Ara" in der Ue'bermittlung von Lebensmittel- Paketen hat in kompetenten jüdffchen Kreisen Beunruhigung chervorgerufen. Die Lage der jüdffchen Bevölkerung in der Akra ine drängt auf eine Fortsetzung der Unterstützung von außen. Es besteht nun die Gefahr, daß die Lebensmittelfendungen zwar aushören werden, daß ober auch kein Geld als 'Ersatz für dieselben geschickt werden wird. Sollte die Maßnahme der „Ara" überhaupt zur Einstellung der Hilfsleistungen von .außen führen, so würde dies das notleidende ukrainffche Judentum in eine katastrophale Lage bringen. ’v.v: , , knglisch-dontsche Wirtschäfiskooperation. — Zu Gaste bei der Cunard Line., . . Hamburg, Ende März. knglisch-doutsche Wirtschäftskooperation. Zu Gaste bei DerckschkmdffL-ruuh wie vor das Land rastlos schassdnder Arbeit und. daran, 'hat. auch die Mchvbesetzung nichts ,zu ändewn vermocht. Die betrüblich^ Md. odiose Tatsache bildet das Ceterum ceusto aller Äußerungen, die man im Mspräch -mit Deutschen zu hören öekommt,Md die Politische Störung greift tief ein in die.deutsche.Wirtschaft. Der Berkehr hat keine wesentliche. Störung erfahren, obgleich ^zahlreiche Drosselungen. vorgeuonrrnen. wurden, auf den lBahe^ÄÄsen rollen allentha-lben Kohlenzüge und die ^Schlote rauchen nach wie vor. Ist einmal d-er ,/Anschlug ><m DsntMcmd" in Vastau, das anscheinend den Ehrgejz ____LStettev MörgenzeNung» darein setzt, ein Nachfolger von Lundenburg zu werdcn, glücklich vollzogen, so erfolgt der wertere Reiseverkehr rnib 'der alten Präzision. Aber man braucht nur die Preise deutscher Waren zu beobachten und mit Kaufleuten und Industriellen zu sprechen, um zu erkennen, welche tiefe Wandlungen die RuWesetzung hervovgeruftn Hat. ES sind Er« scheÄmngen, die den Qesterveicher sehr bekannt anmuten: Im Geiste uMreHnend, kommt MM ungöfW zu den heimischen Pveffen für die verschiedensten Artikel, der Export« absatz beginnt zu stocken, die heimische Kaufkraft ist stark erschöpft, Stagnation und die sich da und dort meldend« ArbeitsloMeit ist die Folge. Zcchlreiche Firmen sind ins Wanken geraten, die ihr Budget mit teueren Dollars belastet haben, ehe die große Stützungsaktion für die 'deutsche MaÄ einsetzte und der Zweifel an dem Schicksal der deutschen Währung will in Handelskveisen nicht verstummen. Die verschiedensten Mmffchen, mit denen zu sprechen wir Gelegenheit hatten, weisen darauf hin, wie sehr das Vorgehen Frankreichs an der Ruhr die Treibereien der rechtsradikalen Hetzer begünstigt, und wir fühlten Wiene Heimatluft, als uns ein Junge in einem befreundeten Hause in Hamburg seine Samnüung von kleinen hakeickreuzlerrschen Werbezettelchen in den verschiedensten Farben und Texten vorführte, die er von den Straßenmauern losgelöst 'hat und welche in dem prägnanten und herzhaften Ausruf:,/Schlagt die Juden tot" ihren vorläufigen Gipfel erklimmen. Aber ganz im Gegensatz zu der Isolierung, in welche Deutschland von fmnzösffch-belgischer Seite gedrängt wurde, stehen vielversprechende Anfänge englisch-deutscher Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiete, wovon man sich am 'besten in Hamburg überzeugen kann. Die Swdt Hamburg zeigt besser als Berlin schon dem slüchttgen Blicke die sieghafte Tendenz zmn Wiederaufbau. Das Stadtbild macht einen durchaus gediegenen und gepflegten Eindruck und die kürzlich erschienene Statistik für das verflossene Jahr, welche für Hamburg einen Gesamtschiffahrtsverkehr von über 13 Millionen netto Registertonnen — das ist mehr als Antwerpen und Rotterdam — aufweist, zeigt, daß Hamburg wieder der verkehrsreichste Hafen des europäischen Kontinents geworden ist. Auch die Ruhrbefetzung wird die Entwicklung der Stadt nicht zu hemme:: vermögen, ja, gegenwärtig erwachsen dern Hafen infolge der drrrch sie geänderten Route:: und drr starker: Kohleneinsichr aus England manche Vorteile, die natürlich durch die gegenwärtige Situation der deutschen Gesamtwirtschaft und Valuta vielfach illusorisch gemacht Werder«. Die deutsche Hcmdelsflottte, von der der Krieg nur ärmliche Reste übrig g-slafsen hat, wird fleißig ausgebaut, demnächst sollen ein paar neue Riesenschiffe von Stapel gehen und die deutsche Flagge, die vor dorn Kriege mit fast 70 Prozerrt im Hamburger Hafettverkchr führte, ist der gegenwärtig rnit 34 Prozent fühvertden Flagge mit ihren 29 Prozent wieder nahe gekonnnen. Es ist ein benlerkenstvertes: mW chamkteristisches Zeichen der Zeit, daß unter den großen Schiffsredereien kr Welt em friedlicher Wettbewerb begonnen hat, um in deutschen Häfen Boden zu gewimrerr und Laß auch die deutschen Bestrebungen, die früher befahrener: Linien wieder zu aktivieren, auf jener Seite nicht Widerspruch, sondern Förderung finden. In erster Reihe' hat der praktische Sinn der Engländer erkannt, daß ein Krieg gegen die Wirtschaftsgeographie sinnlos ist und daß die krarrke Weltwirtschaft nur in wiedergawonnener Freiheit gedeihe^ kann. Die englischen 'Seeleute, - die Vertreter britischer SchiffaHrtsmteressen, aber auch die der großen englischen Weltpresse erklären uns, der Krieg sei zu Ende, und alle Erimvevmvgen an ihn müßten begraben werden. Nicht Kampf, soichern Zusamnwnarbeit und friedlicher Wettbetoe& sei die Devise. So suchen die großer: englischen Schiffcchrtsgostllschaften in deutschen Häfen feste« Fuß zu fassen und dir älteste Kompagnie, die Cunard'-Line, die vor denr Krieg keinen direkten Dienst von Hainburg versah, hat nnrrmehr Hamburg zum Ausgangshafen eines neuen Dienstes gcnracht. Einer der neuen Cunard-Dampfer, der diesem Zwecke dient, die „T h r r h e n i a", vereinigte dieser Tage an Wem Bord eine international-e Gesellschaft von Pressevertretern. Das neue Schiff, ein Siebzehntarffendtonnendcmrpfer repräsentiert den neuesten Typus der Ozearrfahrer. Es fft ei'uer jener zlvanzrg neuen Cunard-Dampfer, die nicht mehr mit Kohlen-, sondern mit Oelfeu-trung betrieben werden, eine Neuerung, die schon an dem Vorhandensem eines eillzigen Schornsteins äußerlich erkenntlich ist. Dieses neue System bietet die verschiedensten Vorteile, die lästige Rauch- und RußenÄvicklung wird vermieden und alle Kabinen und Räume konnten durch den Verzicht auf mehrere Schornsteine entsprechend vergrößert werden. Solid und mit erlesenen: Geschmack sind die zahlreichen Gesellschaftsräume, die verschiedenen Sabws und Kajüten^ eingerichtet, langgestreckte Pronrenadedecks bieten den Reisenden dieWglichkeit freier Bewegung, und das Cafe fehlt ebenso -wenig wie der Tnvnsacrl, die Wider nnd der-drahtlosc Telegraph, welcher in Verbindung mit der am Bord 'befindlicher: Druckerei die Herstellung einer täglichen' Zeitung, ermöglicht, die den Kontakt der Reisenden mit den Vorgängen irr der Welt aufrecht erhält. Natürlich galt unser besonderes JnteMe der Behandlung der Zwischendeckpassagiere. Aber die Be- 1. Apvkr 1V23 S&L SCHUHHAUS Wfenu I. Tuchlauben 16 »isn, I., Tuchlauben 16 Das Allerneueste fürs Frühjahr Feinste Handrahmenarbelt M Aensserst billige Preise sichtigung. der Schlaf-, Speise- und GesellfchastSräum» sowie des Promenodedecks für die dritte Klaffe be< lehrt uns, daß 'das Zwischendeck M allen seinen Schrecken hier ein der Vergangenheit ange^ivender Begriff ist. Dis Cunard Line -hat das Zwischendeck seit langem ab^-schafft^ und die Reisenden der letzten Klasse sind in netten und w quentcit Räumen untergebvacht, die keine Erinnerung an die errtsetzlichen Massenlager in verschiedenen Schiffs- Winkeln und meist unter freiem Himmel auffommeil lassen. Auch die Auswanderer der dritten Klasse habert ihre Kajüten für zwei, vier und, sofern es sich um Fami« lien handelt, sechs Personen, und man möchte::ur wün« schen, daß es auch für unsere Palästinafahrer ähnliche Eim richtungen gäbe. Den rituellen Bedürfnissen der jüdische» Reisenden wird durch eme besondere Küche Genüge ge-i lefftet, und man darf sich in dieser Hinsicht auf die Ansklärungen des Repräsentanten -der Cunard für Deilffchland, unseres liebeirswürdigen Führers Herrn Karls« b e r g, verlassen, der selbst ein ko-uservativer Jude fft unl! allein Jüdischen ein warnres Interesse entgegeübring« Unser Wunsch, mit jüdffchen Ansivanderevmaffen in Ba rührung zukommen, scheiterte leider an dm Tatsachen denn die amerikanische Quotengefetzgebrrrlg sorgt dast'iv daß sich gegenwärtig nur schr wenig jüdische Emigranten in Hamburg befinden. Ist schon die Besichtigmrg dieses modernen Dcnnpfer! auch fiir den, der schon so manches gesehm hat, lohnenl genug, so gebührt dem Empfang, der sich an die Besicht: gung anschloß, ent besonderes Wort. Er trug eine:: geradezu politffchen Charakter. Nebm englischen und der:« schen Seeleuten sitzen deutsche, englffche und mitten europäische Preffevertreter, und die Unterhaltung söwn die gehaltenen Reden stehen im Zeichen des Verstands gungsged-Lnteus. Es nmg das erste Mal sein, daß, fozusage» offiziell, auf deuffchem Bodm eine englisih-Leuffche freundschaftliche Aussprache nach dem Kriege effolgt fft, und dil Presse ist dazu gelader:, nicht um zu berichten, sondern um mitzutun. Hier sitzt sie nicht am Nckbmtisch^ sondern sie iss der Mittelpunkt. -Es fft siWsagm ein Friedens presse-guartier, düs die Cunard Line an ihren Bord bewirtet, und Herr Karlsberg, der nach humorvollen englffchen Begrüßungswortm des Kapitäns n deutscher Sprache das Wort nimmt, unterstreicht deu-Üic die Aufgabe der Presse, gefftige Brücken der VerstÄldigun zwischen den Völkern zn schlagen, wie es eine Ausgabe det Schiffahrt sei, das Werk friedlicher Vermittlung zu e» füllen. Die Cunard Line selbst hat, wie man weiß, in/ Kriege ihre „Lusitania" durch ein deutsches Torpedt verloren, und man erinnert sich, welche unheilvolle Wir! langen jener Schuß ausgelöst hat. Nach dem Kriege hw sie zun: Ersatz den gewaltigen deuffchen Imperator" einen 63.000 Tonnen-Koloß, erhalten, der jetzt ,Ieven garia" heißt/Aber nunmehr sitzen die Herren von dei Culmrd, unter ihnen Mr. MacConkey, dev als erste! Offizier auf der „Luisitanva" diercke, nicht nw mit deutschen Pressevertretern, sondern auä mit Kmnmandanten Rufer, dem früherer Kapitän des „Imperator" und Ver e-msm dq brlannt-oslen dorrtschen Seeleuten, an einen: Tisch, nrrd Her: Nufer läßt es sich nicht nehmen, in knappen Worten dff Liebenswürdigkeit und Tüchtigkeit des Kapitäns der „Tyü rhenia" zu rühn:iei: Ultd auf dessen Wohl zu trinken. S, scheidet n:an rnit wirMcher Gemrgtuiu^ von den freund! lichei: Gastgeber::, nüt dein Gefühl, an Bord eines eugli scheu Tch'fsts und auf deutschen: Boden dei: Hauch eines neuen Geistes ensiffunden zu haben. &fo Lehrmftmg Kr Wische tzchch»-.,.:; > der Berliner ÜniversitA. Der preußische Änlrusminister hat dein Mötci-llurg^ direltor an der ÄaatsbiWochok und ordentlichen Honorar Professor an der B-erliner Unversität, Prof. Dr. Gottholl We i l, einen Lchrausirag' für^ n a ch!b ibl i s che j \td is chl Geschichte erteilt. Indische Geschichte der nachMlifchen Zess ist bisher an der Universität Berlin nicht vorgetragen worden Pros. Weil, der-Zion ist ist,-war Jahre hindurch Mitglick des Deutschen zionistischen Zentralloinitees, und gehört der On gamsation des „Binjan Haarez" an. Sein Stridium absoll vierte Pws. Weil an der Hochschule siir die Wissenschaft d«> Jwdentnms in Berlin, an der er auch zeitweffe als Dozem tätig war. (I. C. B.) . Aus aller Welt. London, S1..März.. (Reuter.) Die Regiermrg hat den Gouverneur von Gibraltar den-Auftrag erteilt, Zaglu Pascha nüt Rücksicht auf dessen Gesundheitszustand in Fr es heit zu setzen. (Zaglul war als Führer der ägyptischen Nä lioicasisten roecien ferner Propaganda interniert worden.

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