Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1485 (1.4.1923)
- Date
- 1923-04-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DuzeümiMirerKimft» Wien: Zum Abholen in der (Expedition,l!.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle j(Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien n. jOesterr. monatl. X 28.000 'Ts checho-S lowakei: Mon. K17. Ungarn: Mo». |K 600. Jugoslawien: Mon. (Dinar 38. P ölen: Mon. tMk.IO.OOQ.Deutschland: 'Mon. Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Fees. 8 rN.acbsahlaogca "W§ Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1485 MW2S(?. Me«. Sonntag. 1. «prll 1923 Tschtcho -Slowakei r> «schech. K 1.- Italien: Monatl. 10 Lire) Rumänien. Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw. Lewa,; Schweiz und das übrige! Ausland monatlich Frcs. 3| Redaktion u. Administration! Wien, II„ Taborstrassei—3' Telephone: 44-0-38.43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301i Tel- Adr.; .Morgenzeitung®' Wien Oesterrmchisches Postspar kassen-Konto Nr. 150.691 S. Zahrgang Die nSchfle Uusgdbe -er „Wiener M»rgr»zett«ng^ erscheint Liemtag den S. April alsMittagsansga-e. WeWiSNWsd"WW*I»N8>G80WSWlU»BM, ^ElnMeDBGoWSllstWdlHB Vom Wesen der Freiheit. —y. W i e n, 1. April. Mt einem feierlichen Bekenntnis zur Freiheit beflfant das jüdische Volk das Kalenderjahr. Ein tiefer Dinn liegt in diesem Vorgang. Unser -Volk zeigt damit, welche Bedeutung es der Freiheit zumißt. Nicht in irMytlichen Jubelfeiern, nicht in rauschenden Fanfaren, soMern dahmm im Kreise der Familie wird nach jahrtyivsendealtem Brauch vom Vater auf den Sohn das Bekenntnis der Liebe zur Freiheit, der Abscheu vor der Knechtschaft übergeben. Diese Erziehungsmethode hat dem Mischen Volk reiche Hilfe gebracht. Trotz aller Verfolgungen, trotz der Ghettis haben die Juden durch alle Werten ihren aufrechten Sinn und ihr Selbstgefühl bewahren können, und sie danken dies der alljährlich von neuem geweckten Erinnerung an die Zeiten der äghpßischen Sklaverei. Es hat auch bei uns Zeiten gegchen, Wo das hohe Ideal zurückgedrängt wurde durch dje Erinnerung an die Fleischtöpfe, aber das harte Schicksal hat dafür gesorgt, daß über solche Verirrungen immer wieder die große Idee rein und fleckenlos siegte. Frei sein heißt-Selbstzweck sein. Die Grundlage pder individuellen und staatlichen Ethik liegt in diesem Wort. Es legt uns Pflichten auf gegenüber unseren Mitmenschen, sie nicht zu Werkzeugen unseres Willens xn machen; es legt uns die Pflicht Men uns selbst aus, Ms zu tun, was unsere PersönlichM zur höchsten Entfaltung zN bringen vermag. Gilt dies für die Einzelperson, so gilt es in noch vielhöheremMaße füxdie Gesamtheit. Frei sein, heißt alles tun, was die Kräfte des Volkes entwickelt und fördert, um eben diese Kräfte kür das Volksganze und darüber hinaus für die Menschheit fruchtbringend zu verwerten. Frei sein bedeutet Wahrung der Freiheit der anderen Völker, aber auch unbedingte Wäyrung des eigenen Rechtes. Die jiidische Auffassung von der Freiheit unfo ihrem Wesen hat niemals die Änterdrückchrg einer Klasse oder einer fremden Nation in sich geschlossen. In der Bibel finden sich wiederholt Stellen, welche diese Freiheitsliebe als das höchste ethische Gut des Einzelmenschen und des ganzen > Voltes preisen. Immer wieder wird die Vorschrift erneuert, die Freiheit des Individuums, die Freiheit der Arbeit, die Freiheit des Gedankens zu schützen; immer wieder wird gefordert, die Ausnützung der wirtschaftlichen Macht über den Schwachen zu unterlassen; innner , wieder wird der Sckuv des Fremden nachdrücklichst gefordert und die.Ausnützung der politischen Macht als ' ein Unrecht gegen Gott hingestellt. „Du sollst den Fremden nicht bedrucken, denn du^ warst selbst ein Fremder iim Lande Aegypten." ^us dem Begriff der Freiheit hat sich schon in den ersten Zeiten unserer staatlichen Selbständigkeit jene hohe Sittlichkeit entwickelt, um die die modernen Völker noch heute ringen. Was die verschiedenen Revolutionen nur in höchst unvollkommenem Grad als Kompromiß erreicht haben, die Festlegung der Freiheit in den Verfassungen, was die Bemühungen der besten Geister zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Nationen anstreben — das war unanfechtbarer geistiger Besitz des jüdischen Volkes jtt einer Zeit, wo Europa in tiefster Barbarei den Fremden für irgendeinen Götzen schlachtete. Durch die. zionisüsche Rennaissance ist das Mische Volks zum Bewußtsein seines nationalen Rechtes gelangt. Wenn es seine ganze Energie austvendet, um seine nationale Heimstätte zu bauen, so entspricht dies dem Gedanken der Freiheit. Wenn ein Volk mit so stolzen Traditionen seine Selbstbesümmnng erringen will, so steht es im Dienst der großen menschlichen Idee der Freiheit. Befreit von dem barbarischen Haß der Umgebung, nicht mehr gehemmt durch die Alltagskämpse gegen große und kleine Schikanen, will es seine Kräfte auf dem Boden seiner Väter entfalten. Es will seinem eigenen Zwecke leben uufo damit auch beitragen zur Entfaltung der Kultur der ganzen Menschheit. Wenn von 1 der Freiheit gesprochen wird, wenn heute die Erinnerung geweckt wird an die - Sklaverei in Aegypten, denkt jeder! Jude an Erez Israel. Denn erst n der eigenen Hennstätte wird der poMche-Begriff der Freiheit für das Jridentum zur Wirklichkeit werden. Schwere Zusammenstöße in Essen. Mt und Verwundete. — An stanMcher Mier mißhandelt. Essen, 31. März. (Tel. d. „Wr, Morgenzeitung" ) Bei einem Versuch, in der ganzen Stadt die Autohallen zu besetzen und die Autos zu beschlagnahmen, drangen die Franzosen auch in die Garagen der Firma Krupp ein. Auf diese Nachricht hin wurden sämtliche Sirenen der Firma Krupp in Tätigkeit gesetzt und die Arbeiterschaft verlieh d i e B et r i eb e. Die Franzosen, die sich die Autos gewaltsam aneignen wollten, wurden von der erregten Arbeiterschaft umzingelt. Die Franzosen schossen darauf mit Maschinengewehren mitten in die Menge. Wie es heißt, sind sechsbissiebenTotenndzwanzig Verwundete auf dem Platze geblieben. Als später nach dem Abzug der Franzosen ein französisches Auto, in dem anscheinend ein Offizier faß, durch die Straßen fuhr, stürzte sich die aufgeregte Menge der Arbeiter auf den Wagen, warf ihn um und mißhandelte den Insassen sch wer. Er konnte erst durch die Feuerwehr der Krupp-Werke in Sicherheit gebracht werden. In der Stadt Essen herrscht ungeheuer Erregung. Sie Krupp-Werke geschloffen. Essen. 31. Mürz. (Wolfs.)Z« dem Bov falle bei der Firma Krupp wird weiters gemeldet, daß von den Franzosen eine Per, son getötet und eine Anzahl schwer oder leicht verletzt wurde. Züm Zeichen der Trauer und des Protestes wurde die g a n z e G u ßst a h l f a b r i k geschlossen. ßinzug der Franzose» in Mannheim. ,, Mannheim, 31. März. (Wolfs.) Heute früh rückten Hvz drei Kompagnien französische Infanterie mit Maschinell, gewchren über die Rheinbrücke zum alten Tor« ein. Ein Teil der Truppen besetzte die Zugänge zum alten B e n z- Werk in der WaWhofftvaße; der Rest marschierte zum hessischen Bahnhof, der ebenfalls besetzt wurde. - Die in den alten Benz-Werken erschienenen französischer: Truppen haben unter der Angabe, nach neuen Maschinen für Tauchboote zu suchen, sämtliche Abteilungen der Werke besetzt. Die Arbeiter sind aus den Werkstätten aus. gewiesen worden. Am Montag oder Dienstag soll eine Som verkomm ission zur Untersuchung der Fabrik emtreffen. Lie rechtsradikale antisemitische Hetze in Lentschtimd. Wie schamlos die hHenkreuzlerischen Rechtsradikalen.ihre ,BrurmrrvverMu,W hetrM^ tzGr,LiötLtdas^sLgeiüe Astgst aus dom berüchtigten/erst kürzlich verböteü geweftnen „Hammer" einen Beweis. Die von dem Apostel der Rassenantisemiten Fritsch herausgegebene Zeitschrift läßt sich von einem ,Zeser" aus den: besetzten Gebiet das Folgende schreiben: „Eine Möglichkeit, hier für den .Hammer" zv wirken, ist bei der überwiegend jüdischen Richtung der Besatz ungsbchörden ausgeschlossen. Nicht zufällig sind die herrschenden Generale Juden mtb'ter General-Gouverneur der $ u de Tirard! Kein Gasthaus würde es wagen, solck'e Schriften Mszulegen. Ueberdies werden die Hotels heute ja nur noch von Schiebern besucht, weil andere sich solche Ausgaben nicht leisten können. Also es wäre ein Schlag m die Luft. Allein in der Taunusstraße gibt es vier koschere Hotels, alle mit dom goldenen Davidszeicheu über der Firmatafel. Es wimmelt von koscheren Konditoreien. In der Wilhelm-Straße sieht inan gegen 11 Uhr vormittags fast nur herumflanierende Juden. Der größte Teil der franz-öiffchen Offizierssrauen sind Iüdinen oder Mischlinge. Große Hotels ersten Nantes, wie Metropole, Parchoiel usw., gehören dem Juden Maier aus Schwalbach. Wiesbaden, Köln, Koblenz nsto. sind heute richtige Judenburgen. Die neue Goldanleihe bezeichnete ein holländischer Diplomat als ein neues, höchst durchsichtiges Verfahren, um wieder einmal recht fette Bissen in die Taschen der deutschen Baukjuden zu lewen. — Vielleicht hat er recht. Auch der Menschenhandel treibt neue Müten. Uoberall wird im beisetzten Gebiet über das spurlose Verschwinden von jungen Männern und Mädchen geblafft. Erstere fallen gewöhnlich deutschen Werbern für die feindliche Fremdenlegion in die Hände; denn solche Schufte und Verräter lassen sich gar zu gern die hohen Kopfgelder zahlen, welche Frarckteieb dafür ansgcsctzt hat. Die unglücklichen Mädchen dagegen werden von jüdischen Agenten in die feindlichen Äusthanser verschleppt und von dort, wenn sie abgebraucht sind, nach Uebersee. Antwerpen und Havre sind neben Marseille heute die HwuPtdurchgangspuMe solcher Mädchenkarawanen. Wie im Mtertum und Mittelalter ist und bleibt der Jude ausgeprägtester, gewissenloser Sklavenhändler. Wogen der großen Anzahl von Ostjuden, die sich überall unter feindlichem Schuh niederlassen, ist aber auch der Verdacht naheliegend, daß manches von ihnen dem jüdischen Blutaderglauden zunr Opfer Mt." Es ist bezeichnend für die Denkungsart dieser schändlichen Hetzer, daß sie auf den rohesten Instinkt durch die schmutzigen ' Märchen vom Mädchenhandel unfe vom Ritualmord spekulieren. Und cm sow>en Godanken dieses Gelichters soll das deutsche Voll genesen! klar neuerliche Lugsentgkisuns. Mannheim. 81.' März. (Wolff.) Gestern na5)ts entgleiste in Schifferstadt (Pfalz) ein Kohlenzug. Jtvei Lokomotiven, Tender und Packwagen stürzten die Böschung hinunter. Der Materialschaden ist beventend. Vier Fraügosen wurden getötet, drei Franzosen und ein Deutscher Re Wühlereien der Haleukreuzler. Berlin. 31. März. Wie das „Berlimr Tageblatt"i evsähr^ hat Ge n e r a l S e e ck t an die Reichswehr -einen Erlaß ge- -l-richtet, worin rs heigt:^^ VonLisogenannter<^m<dt ionLlsozial i st r s ch e r Seite werderi zurzeit, wie ein Einzelfall zeigt. Versuche gemacht, -. ReßWyHrjWchorige für die politischen Ziele der Partei zu' gewinuem Diese Bestrebungen gehen auf eine Verleitung der Offiziere und-Mannschaften zum Ungehorsam gegen die Befehle ihrer Vorgesetzter hinaus rrnd beinhalten den verbrecherischen Versuch, die Disziplin unter ihnen zu erschüttern. In dem Erlaß wird angeordnet, daß, sobald derartige Bestrebungen sichtbar werden, dem Generell Seeckt pevsönlich Meldung darüber zu erstatten sei. LÄenslLnglicher Kerker für die bulgarischen Exminister. Sofia, 31. Marz. (Tschech-stow. Preßbureau.) Der, Staatsgrichtshos hat Nadoslawow, Tontschew, Peschew, Popow, Dintschew und Petkow zu lebenslänglichem Kerker Verurteilt, den General Naidenow zu 15 Jahren Kerker, den Genera» liffinnls Jekow, ferner Apostolow, Koznieky^ und den Leiter des Statistischen Amtes Popow zc zehn Jahren und den General Bojdschew zu; fünf Jahren. Außerdem tvurden die Genannten der politischen und der bürgerlichen Rechte verlustig erklärt und zur solidarischen Bezahlung der Kriegs» schaden im Betrage vorr 32.500 Millionen Lewa verurteilt. Nadoslawow, der sofort nach dem Zusammellbruch Bulgariens im Jahre 1918 Sofia verlassen hatte, tvurd^ in contunmcialn abgeirrteilt. Gömbvs will den IrrrLentiAWen AnßeMr». Budapest, 31. März. (Tel. d. ,Mr. Morgeuzeitung".) Die G ö m b ö s - G r up p e bereitet sich zu neuen Kämpfen vor. Sie will in der nächsten Parteikonferenz heftige;’!ngviffe gegen den Ministerpräsidenten Grasen Bethlen richten, weil die Negierung vorn christlichnatio na^ l enK u r s e a b gew i ch e u sei. Gömbös fordert die! sofortige Schließung der Börse und die Befolgung eines irredeutistischen Kurses nach außen. Ncöer ^'ese Aktion, d'e keineswegs ungefährlich ist. äußert sich Graf A p p o n h i Än „Magyar Ovszag", Vaß die Zunahnu der Intransigenten in Ungarn für das Xwiw ein gr^tzev Schaden sei. Dieser Bewegung sei hauptsächlich die Iso. liermrg zuzuschreeben, aus der es sich gegernvärtig mit gro» ßer Müheberauszuwinden beginne.