Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1483 (30.3.1923)
- Date
- 1923-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^WWMWW rr, .7" ' 'yw '?T «* ' 'i' «WMMWI'irMW Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.*Taborstr. 1-3, oder in einer Verscbleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Ts ehe ob o-Sl owa ic e i: Mon. K17. Ungarn: Mon, K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 35. Polen: Mon. Mk.IO.OOO.Dentschland: Mon. Mark 6000. Frank r., Belgien: Monatl. Fres. 8 ■p* Nachsahlungen *M| »i Preiserhöhungen Vorbehalten rsctiecno-sTowaKM 11 rener ttichach. Kielt alien: Monatl. 10 Lire! ' Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Le^a; Schweiz ,und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administrativ« Wien, IL, Taborstrasse 1 —i : Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16*30, TeL-Adr.: ,Morgenzeitung'1 Wien Oesterreichisches Postspar* kassen-Konto Nr. 150.69? Nr. 1483 Wie«. Freitag. H. Mrr 1823 >. Jahrgang kine Cnteatekommiffion in Ungarn attackiert. EteinMrfe gegen kntenteoWere in Kerslemet. Budapest, 29. März. (Ungar. Tel.-Korr.-Bur.) Gestern mittags erschien in Keeskemet eine militärische Kontrollkommission der Entente, die infolge einer Anzeige nach angeblich'der steckten Waffen zu suchen chatte. Die Kommission 'begab sich zuerst in das Haus des KellereidrreUors Hejjas sowie in sechs iveitere Häuser, die ohne Ergebnis gründlich durchsucht wurden. Schließlich 'begab sich die Kommission in ein Haus im Armenviertel. ^Lähveud der Schlüssel zu diesem Hause cherbeigcholt wurde, sawmellte sich eine 300- bis 400kopfige Menge an, die Sch mach rufe gegen die Offiziere ausstietz. Als sich die Ententskommission, nachdem ihr Besuch ergebnislos geblieben war, im Kraftwagen entfernte, iouade aus der Menge ein Stein geworfen, der ein Fenster des Kraftwagens zertr-mmnerte.. Die Regierung hat tin* strenge Untersuchung ein-geleihet. Mch einer amtlichen Darstellung des PveßbureauA erfolgte der Angriff der Menge ganz nnbeeünflußt,? weil die Bevölkerung sehr gegen die ClMtteoffiziere,' ivolche eine Gehaltserhöhung von der uaMrDhen Regierung verlangten und erhielten, aufgebracht pW Der A-ws griff gegen die Offiziere erfolgte vor.dem Hause eines! aktiven Oberleutnants, in dessen Wohnung' ebenfalls! Waffen verborgen gewesen fein sollten, der aber den Ernlaß der Kommiffion mit der Begründung verweigerte, daß nur seine Vorgesetzte Behörde berechtigt ist, ihn dazu zw Veranlassair. Die Ententeoffiziere verlangen vom Außen-! nrmisterium eine entsprechende Genugtuung. Hochverrat mV Hakenkreuz. Roch einmal Lausanne. —y. Wien, 30. März. Die Londoner Konferenz der Sachverständigen der Alliierten ist zu einer Einigung über die türkischen Friodensvorschläge gelangt. Das Ergebnis der Bemtungeu, an denen die Vertreter Frankreichs, Englands, Italiens und Japans teilnahmen> bedarf nunmehr der vorläufigen Ratifikation durch die Regierungen dieser Staaten und durch die Angora-Türkei, und es soll dann auf einer neuerlichen Friedenskonferenz in Lausanne der Versuch wick)erholt werden, zu einem definitiven Frieden mit der Türkei zu gelangen. Es ist ziemlich zweifelhaft, ob dies erreicht werden wird, da die Türkei heute ebenso wie bei der evsten Lausanner Konferenz auf die englisch-französischen Differenzen in der Behandlung des deutschen Reparationskonflikles baut und die SchLvierigkeiten diesmal noch dadurch vermehrt, daß sic Italien keinerlei territoriale Konzession machen will. Die Entente hat in den türkischen und allen mit diesen verbundenen Fragen die gleichen Fehler begangen wie in der Behandlung der Liquidalionsprobleme überhaupt. Die innere Unsicherheit der Grotzstaaten hat in einer langen Reihe von Streitgegenständen eine definitive Entscheidung nicht Zustandekommen lassen, vielmehr ein PrMem nach dem anderen abgekapselt und so aps einfachen Bestimmungen der Friedensverträge komplizierte KonsMe gemacht, die immer nur auf dem Weg mühsamer Kompromisse gelöst werden können, wenn sie nicht gar durch einen Handstreich irgendeines vergossenen Faktors' beseitigt werden. So ist jetzt Memel nach einer vierjährigen Unsicherheit von den Litauern okkupiert wovden und die Botschästerkonferenz hat ihre Ohnmacht offen eingestanden. Sie erklärt sich bereit, Herr Zustand, so wie er sich, hevausgebildet hat, anzuerkermen. Das nennt man eine, rechtliche Begründung. Und die Staaten, die nicht einmal^ imstande sind, die lötanischen es auf sich ßMvftvmen,. den noch Wft schwrevrgek Ur behandelnden Orient zur Mffon zu brmgeln Die Türkei hat den Alliierten Vorschläge gemacht, hie abgelehnt wuvden. Diese Vorschläge versuchen die anglo-ffranzöstschen Differenzen schr Mchickt und ' sehr harmlos zu verwerten. Mit biederer Selbstverständlichkeit spricht Angora davon, daß das ftaiHösisch-türikische Abkommen vom 20. OAober 1921 in Kraft bleiben möge. Das ist der bekannte Geheimvertrag FvaMin- Bouillons mit Justus Kemal, där zu einem zornigen Notenkrieg zwischen Briand und Lloyd George führte und in der Folge von Frankreich verleugnet wurde. Jetzt taucht es wick>er.auf, gleichsam zur Dtahnung an die vergeßliche französische Pölitik an ihre Verpflichtung zur dramatischen Unterstützung Mustafa Kemals. Dieses Wbkommen ist von den Sachverständigen abgelehnt worden. Es wäre interessant, die Stimmenverteilung in der Kommission zu erfahren.^ Wahrscheinlich hat Italien, durch die Ber-vckgerung der Insel Eastelorrzo, die es seit dein Kriegsende besetzt hält, erzürnt, sich aus die Berte Englands gestellt. Dem Schicksal der Ablehnung verfiel auch dle zweite wichtige Forderung Angoras, es ftien aus dem Friedensvertrag alle 'wirtschaftlichen Klauseln zu entfernen. Hier Mußte Frankreich den Ansprüchen seiner Industrie diß Freundschaft zur Türkei Hpftrn. 1 In der Türkei haben die Beschlüsse der Londoner Sachverständigen große Erregung erzeugt. Es wurde eine außerordentliche Session der Nationalversammlung angesetzt. Zweifellos wird Mustafa Kemal die Ermächtigung zu neuen Verhandlungen verlangen und erhalten, da ein anderer Weg kaum praktikabel ist..Es hat den Anschein, als ob seine Armee nicht mehr so schlaAbereit ist wie im November vor der Lausanner Konferenz und daß auch die Rückendeckung durch die Sowjets unverläßlich geworden ist. Von außertürkischen Fragen erwähnen seine Vorschläge nur die -Jrakgrenzen und Mostul, bezüglich derer eine zwanzrgjäihrlge Frist für einen Schiedsspruch durch den Völkerbund beantragt Wird, während die englischen Vorschläge ursprünglich eine zweijährige Frist vorgesehen hatten. Die Zeiten find unsicher und niemand weiß, wie die Situation Heutesiber ein Jahr beschaffen sein wich. Es ist darum gänzlich irrelevant, ob das jetzige Provisorium für zwei oder zwanzig Jahre mAussicht genommen ist. Die Entwicksimg wird die Entscheidung fällen. Von den arabischen Geibieten und von den Mandatsländern Palästina und Syrien ist bei den Verhandlungen nicht , mehr die Rckre. Auch die zukürrftige Lausanner Konferenz wird sich mit her Poläftinafrage nicht mehr zu beflissen haben. Sie ist auf ruhigen politischen Boden gelangt und dem Bereich per Jntriaen entrück . Ja» zukuustsdeutschllmd Ludendorffs. München, 29. März. Der Vorsitzende der bayrischen BoVsPartei, Abgeochrreber Held, hat erklärt, daß er 'den Angriffen seines Blattes, d^ ,Megmsburger Anzeigers", Men Ladendorff ferne stehe, es umß aber doch als . zumindestauffällig^ b^eichnet werden, daß-trotz dieser Ver-! 'Mt ArtM'hes i tzöMchöst'ÄM'' M Mt j Kttage: Auf die einfachste Formal . gebtachit, soll. das r SchLuKrama im Smme der Mfioven MHrÄen Äerbmf nehmen: - Die Bayern ristHr B e r l iO Uiit seiner verhatztmr Regiermvg, dam PMÄndnt,. Zentrum, SchialPen Mck iFudetr nieder und lvevfen Frankreich zu Boden. s An der Spitze der stegveichen Truppen zieht der Hohenzoller in Berlin ein, richtet ein absolutes Kaisertum auf preußisch-protestantischer Grundlage ans mrd vereinigt unter seinem Zepter alle wieder eroberten 'Bäsid-er mW Landesterle. Elsaß- Äochvmyen, Oesterreich und die Bundesstaaten erhallten p'reußische Priuzen als Herrscher, Bayern, das zweideutige Händel mid Zwietracht m das derttsche Boilk getragen W/. eichäl-t michO. Gegebenenfalls vmtz es mit G e w a 'i t' m' die Schranken verwiesen. München, 29. Mach. ^WoM) Abgeordneter Held Märte in einer Versammlung in Amberg nur solche Organisationen für berechtigt, die kein anderes Ziel hätten, als S i ch e r h e r i, Rü h e. u u d. O r d nu ü g, rrrch^ wandte sich dann gegen jeden Bersitch, vme neue RevoMion herbeizwfühxeu/' ' ' Er lehnte, alle Parteibtzstreöuugen, die die Gewalt als politffches Kampfunttel 'benützen, ab Md wies auch die national s ozialt st ischen Kampfmethoden zurück. Jer DSMsche Sowatenbmd. Berlin, 29. März. (Tel. der ,Mr. Ntorgonzeitnug".) Wie die Blätter /berichten, / hat der Gewerkschaftsführerdes V ö lk r s ch e n S o lL ä t e n L u n de s, gegen den ein richterlicher Haftbefehl erlassen wurde, bei seiner^ Vermhnuwg zuMeiben, daß zahlreiche Mitglieder seines Soldatenbundes dem nach dem Rachenau-Mord verbotenen Verband nationalgesinüter Soldaten an- , gehörte. Gegen den Völkischen Söl-datenbund - liegt der 'Verdacht vor, daß er weiters nichts sei als ein DeckmcvrM für den verbotenen stÄheren Verband. Mn deutscher General Wer die Hakenlrenzhetze. Die detusche Revolutioir sollte im jüdischen ^lute erträntt werden. Das „Hämburger Israelitische Fanülienblati" veröffentlicht ein Schreiben des auch als Demokraten bekannten Generalmajors Dr. Freiherrn V. Schönaich, welches sich auf die Aussührungen des antisemitischen Putschisten H e nnig im Reichstag bezieht und die törichten Behauptungen der Deutschvölkischen mit allem Nachdruck, verurteilt. Baron Schöiwich hält eine ".rnsthafte -.Entaegnung als zu große Ehre für diese Leute, welche zur Verschleierung fremder Sünden, die Inden zu Sündenbocken verwenden wollen rrnd geht mit, - den Rasseufanatikern recht scharf ins Gericht. Interessant ist! eine Episode, welche der General im Züsammeichange mitteilt! und die für die stets gleiche Mentalität des politischen Anti-i semitisnins besonders charakteristisch ist. Er schreibt wörtlich'. „Als am 8. Povember 1918 im großen Hauptquartier- ' in Spq das grinsende .Gespenst der Revolution die Rech- Mntz 'präftntierte, schlug ein geschichtskundiger 'G en e r a l vo^ fbK/Ku-i scv sollte Mit einigen zuverläffigen Divisionen m’! dp: Parokd Mi ebe r i mitbenJuden" in die Heimat marschieren, und die Revolution' Niederschlagen. Zur Au sführung dieses Plaucs reichte es nicht mehr : Viele von denen, die heutc mit dem Maule vorweg sind, stellten sich flugs auf den Boden der Tatsachen oder verreisten mit unbekannter Adresse. Als dann allmählich, dank der sehr verständigen Rutschen Sozialdemokratie, wieder Ruhe und Ordnung eülzogcn/ da krochen die Jndenhetzer aller Schattierungen arrs ihrer Mauselöchern." < Die nur Hitler und Henning schemen ähnliche Wünsche gehabt zu haben, um die verhaßte deuffche Demokratie im jüdischen Blrrte zu ersäufen. Die MniftemsammeMGe in Aaye«. Makkmd, 29. März. (TÄ. der „Wr. MorgenzeiiuW^ Wie der „Corriere della sera" erfährt, ging die U-ntervckmng zwischen Mussolini und Jufpar nicht über' wllgerucine Fragen hntaus, so daß jeder Anhaltspunkt M mMvätzende. Neuigkeiten schlt. . Der Logische - Akrni ster des Aeußern habe nur die GeLegenheit benützt, mtt nritder italienischen Regierung Fühlung zu nehmen. . Jaspar wivd heute Marland wieder verlassen. 8bn Nachmittag trifft der polnische Außemninisier Skrzhnski, aus London konttmwd, iit Rom ein. Au den Verhandlungen' wird auch der polnische Gcsarckte in Rom teKuehrnerr. Saftiglioni der SchrUtmachsr für Stkimes. . Die ,Munde" meldet aus Ronu Kamillo Castiglroni hat Hugo Stinnes in Rom evivarte' Md ihnr seine Beziehungen, zu maßgebenden italienischen Regierungsstellen zrrr Verfügung gestellt. KamMs Castiglioni hat Hugo StiMes bei. fernen verschiedemn' Konferenzen, die auch einen hervorragend polv tischen Charakter haben, bis nach Mailand gleitet. __ Ar Londoner Kreditverhanvlunge». Giinpig« Verlauf. London, 29. März. Die Besprechungen, die' Gesandtes F r a n ke n -st e i n -und der Verwältungsrat der Augiloösterveichlschen Bank Bark in den letzten Hrgen nrit der» hiesigen Finanzkreisear führten, sind g ü n ft'i g verlaufen. Unter dent starken CindMck, den die Mitt-eilungckr Mvr die bisherigen Fortschritte des österreichischen Wiedevcmft. bauwerkes ausübten, wurde von den in Betracht kommenden Faktoren die Bereitwilligkeit zur T e i l n a hm e a> der Kreditaktion ausaesvrccheü.