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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-29 · Heft 1482 (29.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1482 (29.3.1923)
Date
1923-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 .W: i innnerKlOOO W j en *. Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 v Mit Poshrersand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 Tschecho-Slowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon, K600. Jogoslawien: Man. Dinar 36. Polen: Man. Mk,19.000. D ea t sch 1 and: Mon.Mark 6000. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 /W Nachtablungen bei PrelserhöbtmjfEO Vorbehalten Rk. 1482 Der Ruhrsumhf. —y. Wien, 29. Mörz. Mit starker Betonung hat der deutsche Außenminister Dr. von. Rosenberg vorgestern die Verhandlungsbereitschaft Deutschlands im Ruhrkonflikt hervorgehoben. Deutschland sei bereit, sich einem internationalen Schiedsspruch zu unterwerfen, der auf Grund einer Prüfung der Leistungsfähigkeit die Reparationen feststellen soll. Die Reichsregierung sei bereit, an den internationalen Kapitalsnrarkt wegen Bewilligung einer möglichst hohen Anleihe zu appellieren, die von Deutschland mit jeder gewünschten Sicherheit auszustatten wäre. Diese Erklärungen sind aber kaum geeignet, tiefer auf Frankreich zu wirken. Beide Staaten haben sich auf den Fetisch der Autorität festgelegt. Me offiziellen Aeußerungen Frankreichs enthalten die Versicherung, daß Deutschland zuerst alle Zweifel an seinem Zahlungswillen beheben und durch ausreichende Garantien. beseitigen müsse; Deutschland dagegen wiederholt immer wieder die Forderung nach der bedingungslosen Räumung des Ruhrgebietes. Die Krise ist also nicht weiter gekommen und man steht heute politisch auf dem gleichen Punkt wie Mitte Jänner beim Beginn der Okkupation. . Die deutsche Rechnung ist von allem Anfang unrichtig gewesen. Man hatte sich in Deutschland in der Meinung sestgexannt, daß England unmöglich eine Besetzung deutschen Gebietes zulasten könne. Da nun England tatsächlich nichts gegen die Besetzung unternommen und auch nachher jeden Schritt im Interesse Deutschlands Unterlasten hat, wird der Fehler im deutschen Kalkül üruner größer. Auch die Versuche, abseits von den Wegen der Diplomatie eine Verständigung der Jndustriellenkreise Frankreichs und Deutschlands anzubahnen, sind resultatlos geblieben. AM beiden Selten fehlen die Persönlichkeiten, die einander verstehen und die den guten Willen zu einem Ausgleich mitbrmgen. In früheren kritischen Stadien waren es immer die .Herren L'.'ucheur und Rathenau, die über den Detaklfrägen nicht das strotze internationale Interesse aus dem Auge ließen, und die so gut aufeinander eingestellt waren, daß sie immer das Aergste verhüten konnten. Rathenau wurde von den Hakenkreuzlern ermordet,. während Loucheur durch die gleiche Entwicklung in Frankreich gezwungen wuroe, in den Hintergrund zu treten. Die Versumpfung der Krise zeitigt in beiden Staaäu das gleiche Bild einer fortschreitenden Radikalisierung der Oeffentlichkeit. Das ist ein Zustand, der überall den politischen Schiebern die willkommene Gelegenheit gibt, sich hervorzutun und die Gemüter mit dem nationalistischen Hüßgesang zu betäuben. In dem besiegten Deutschland ist ' diese Entwicklung bereits bis knapp an den Bürgerkrieg gelangt und die Republik mußte sich in den Schutz der Polizei flüchten. In Frankreich beherrscht der Royalist und Chauvinist Leon Daudet die Kämmer. Dieser französische Hitler ist der Chef der parlamentarischen Majorität, und es scheint, daß er im Besitze , schwerwiegender Geheimnisse aus dem Leben Poincares ist und von diesen Kenntnissen unbedenklich Gebrauch macht. Der Ministerpräsident hat vor kurzem auf diesbezügliche Anfragen von kommunistischer Seite mit einem heftigen Zornesausbruche geantwortet^ ohne aber auf den sachlichen Inhalt der Fragen einzugehen. Natürlich ist Leon Daudet auch der Führer der französischen Ritualmordantisemiten, und sein Blatt wird von den deutschen Gesinnungsgenoffen gerne und oft zitiert. Nun läuft die Legislaturperiode der französischen Kammer noch in diesem Jahre ab. Weite Wählerschichten zeigen offen ihre Abneigung gegen diese Kammer,' die man das Haus des Hungers nennt; es besteht die Hoffnung, daß bei Nachwahlen die demokratische Linke ihre Position so weit verbessern wird können, daß sie die Regierung auf deu Weg des Friedens drängt. Das wäre eine Katastrophe für Daudet und feine Gefolgschaft, und deshalb ist in der Kammer von der Mehrheit die Parole ausgegeben worden, die Neuwahlen zu verschieben und die Legislaturperiode zu verlängern. Die Daudets und die Ludendorffs haben die Oeffentlichkeit ihrer Staaten unter den brutalsten Terrorismus gestellt, und sie glauben sich stark genug, die Völker in einen Neuen Krieg zu hetzen. Aber in Deutschland haben die Arbeiter in nicht mtßzuverstehender Eindeutigkeit ausgesprochen, daß die Regie- Mng den Weg der direkten Verhandlungen mit Frankreich werde betreten müsten, und in Frankreich rüstet die' demokratische Linke unter der Führung des Bürgermeisters von Lyon, Herriot, zu einer' erbitterten Fehde gegen de»» Blutrausch der Okkupationsbtzünen. wmmrnmmmmmiimmmmmmimmttsam Wien. Donnerstag. 29. MSrz 1928 Tscheche-Slowakei i tschech. K 1.- Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 75 Lei bezw, Lewa, Schweiz und das übrige, Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration, Wien, II., Taborstrasse 1 —3 Telephone: 44*0-38,43-3-19. ah 6 Öhr abds. 19r483,16-301; Tel-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 S. Fahrgang Mailand, 28. März. (Tel.-Kornp.) Ministerpräsident Mussolini hat heute den belgischen Minister des Aenffer« I a s- Par zum Mittagessen eingeladen, an dem auch der belgische Botschafter beim Quirinal, der belgische Generalkonsul und der / Kabinettschef Mussolinis teilnahmey. Später kehrte Jaspar mit dem belgischen Botschafter nochmals ins Hotel Milano zu einer neuen Besprechung mit Mussolini zurück. Uever den Inhalt dieser Unterredung wird das strengste Stillschweigen bewahrt. Nach einem römischen Telegramm der „Bossischen Zeitung wollen in dortigen politischen Kreisen die Gerüchte nicht verstummen, vast den belgische« Ministerpräsidenten Jaspar eine politische Mission nach Mailand führe, obwohl offiziell des öfteren hervorgehoben wurde, dah Jaspar als Privatmann nach Mailand komme und dort nur zufällig mit Mussolini zrrs«nnmentrefse. Die Unterredung Jaspars mit Mussolini soll vor allem darauf zurückzuführen sein, daß die Interessen Fra n kreichs und Belgiens in der Ruhrfragr keineswegs «bereinstimmten. daß Italien und Belgien gleichmäßig an der ^Wahrung des eurojärischeu Gleichgewichtes interessiert und daher besonders geeignet seien, eine gemeinsame Aktion zu unternehmen, um vorerst mäßigend aus Frankreich einzuwirken und späterhin eine Vermittlung im Ruhrkonslikt zu versuchen. Stianes soll Aalieu zur BermMluug ve» Massen. > Mailand, 28. Mürz. (TeL-KomP.) Der m diplomatischen Kreisen gut eiargchührte Pariser Korrespondent des ,Karriere della Sem." schreibt, in ftcmzöstschen politischen Kreisen spreche man anläßlich des Besuches von Hugo Stinnes in Italien offen von Versuchen der deutschen Diplomatie, Italien zur Vermittlung zu veranlasseu. Die Nachricht von Besprechungen in MaAand wurde daher in Frankreich mit lebhaftester Spannung verfolgt. . ~ ’ Nalien greift aM in die Mittelemovaftage« ei». Rom, 28. Akärz. (Tel. d. ALorgeutzeitung".). PavMel mit der amerikanischen Aktion beim internationalen Kongreß der Handelskammern in Rom, 'die eine R-e-- gelung der Reparatwnsfvage und der interalliierten Schulden mit Hilfe des amerikanischen Kapitals ins Auge faßte, hät der itfiltznische Mnisterprä-sident Mussol-ini Ät , Verfolg seines Planes, gvmemsmn mit «den Snkz'efsionsstafiten den wirtschaftlichen Wiederaufbau Mit- - telvuropas raschest durchzusühren, führende Politiker, mchi Staatsmänner der Su-^stionGtaatzn _ nach. Rour emge- Msche Äußesturmrster Skrzyns k-r MnstMvr besuchen, Mit dem Außenminister Dr. Benesch und mit dem jugo- Mvischen Premier P a s i c hat, ime verlautet, die italienische Regierung ebeuMs ^veits FüGung gLnommen. S Die Steümg PalSMas. — Die WMen. Sie Mische kinwan-emug. London, 27. März. (I. C. B.) Das Parlamentsmitglied Lerim er fragte im englischen Unterhaus den Airterstaatssikretär der Kolonien, wann das. im Jahre ISIS den Arabern gegebene Versprechen verwirklicht werden wird, durch welches d« arabische Unabhängigkeit, worunter auch Re Unabhängigkeit Palästinas zu verstehen ist, garantiert>wordeu ist. Der Unterstaatssekretär der Kolonien Ormsby Gore erwiderte: Die Regierung hat ihr möglichstes getan, um die Verpflichtungen zu erfüllen und die Unabhängigkeit der, a r a bi s ch en Bevölkerung in b esti m Mt e « räumlichen Grenzen anzuerkennen. Die Regierung ist aber der Meinung» daß Palästina sich außerhalb dieser Grenzen befindet. Die englische Negierung hatte immer die Absicht gehegt, Palästina angesichts der vielen internatio-- nalen und der anderen speziellen Interessen, die mit diesem Lande verbunden sind, auf eine besondere Weise zu behandeln. Sir I. Sunderson fragte, ob angesttW der.Tatsache» daß sich alle arabischen Urwähler ohne Ausnahme der Teilnahme an den Wahlen enthielten, und daß auf solche Weise 93 Prozent (!) der Bevölkerung gegen diese Wahlen protestiert hätten, die auf solchem Regime basierende Regierung als von allen Bürgern des Landes, Mohammedaner, Christen, und Juden, anerkannt angesehen werden und die Ermächtigung haben könne, die Angelegenheiten des Landes weiter zu verwalten. Der Unterstaatssekretär der Kolonien Mr. Ormsby Gore «klärst:: «Die Palästinensischen Wahlen sind noch nicht beendet. Im ersten Stadium wurden 126 Mohammedaner, 87 Christen, 90 Juden nnd 8 Druson als Wahlmänner gewählt. Rach dem königlichen Erlaß (Orders in Council), besteht das zweite Stadium in der Bildung von Wahlkvllegie« aus den Wahlmännern, welche die Wahl der Mitglieder des gesetzgebenden Ratesvornehmen. Am 1. März hatte der Staatssekretär der Kolonien die Ausdehnung der Wahlperiode quf zwei oder drei Monate gebilligt Vor der endgAtkgen Bekanntmachung der Wahlergebnisse würde es voreilig erscheinen, weitere . Er-, klärüngen abzügeben." Lord A P s l e h fragte: „Wie viele jüdische Einwanderer werden monatlich in Palästina emgelafsen? Wie viele arbeitslose Chaluzim sind beretts im Lande antvestnd? Wie viele rede« ützwxtz? Ist es dem Unterstaatssekretär'bekamtt, daß eine große Anzahl der sbgenannten Kolonisten sich zu keinem Glauben bÄkermt?" Wr Unt«sta<ttss^kretär'Ormsby Gore, erwiderte: ,Me durchschnittliche Monatszahl der jüdischen Einwandermsg nn Jahre 1922 betrug. 684 Personen. Im Jahre. 1923 wanderten 872 Juden ein. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen iw Palästinch im Februar 1923 betrug 2600. Die Angaben über die Arbeitslosigkeit lassen unerwähnt, wie viele Juden unter den Arbeits- - losen waren. Der Oberkommissär von Palästina wird aber angeftagt werden, ob er in Zukunft die entsprechenden Ziffern Mitteilen kann." Aus die Frage, wie viele orthodoxe Juden sich unter den Arbeitslosen blinden und ob das Ministerium weiß, daß die! Mchrzahl der jüdischen Kolonisten sich zu keinem Glauben bekennt, erwiderte Mr. Ormsby Gore: „Ich glaube nicht, daß. die entsprechende Statistik nützlich sein kann. Was den zweiten Teil der Frage betrifft, so glaube ich kaum, daß ein Jude Pa-:; lästma als Einwanderungsland wählt, ohne-daß er dazu durchs «üigiöse Gefühle bewogen wird, catch wenn er nicht strenge orthodox gesinnt sei." London, 26. März. (I. C. B.) Im Oberhaus stellte Lord Sydenham die Frage, tMche Summen die PoillMnaMeg-lernng gegen Sichechrit ^der von ihr nach.der endgültige« MandatZvatisixierung auszuschvribeno-n Anleihe inMschen erhalten hat. Der «Äa-atssekvÄär der Kolonien Herzog ' V04. Dvvonshire erwiderte: Die Summe, die die Regievurig von Pcckästina gegen Sicherheit der künftigen Anleihe geliehen eMAen hat, beträgt 1,865.900 Psd, St. Die aujyu- - nehmende Anleiche betrifft die Gesamtistunme von 2,500.0.00, Pfd. St. .Ich möchte r/icht eine Streitfrage beriihren, -die Mt der Mlechesvage nicht, direkt Iusiynmvnhängt. Man soll <cher nicht glauben, daß ich mit der von Lord SYÄenham ausgesprochenen VoraNiffetzung üibereinstmnne, daß das Palästina-Mandat noch nicht r-atirfiziert s« und daher die Aüsschre>i>b»ng einer Anleihe bis zu einer solchen Ratifikation verschoben Werder.» muß. Ich glaube ferner! nicht, daß die BevöKevrmg von Palästina mehr bestsuert wird als die Bevölkerlurg m allen anderen Ländern der Welt. Diese Bevölkerung hat aber zweiMos dafür Verständnis, daß es uns unmöglich ist; Wege zu bauien und andere's^fent-. liche Arbeiter,- auZzufiihren sotnie überhaupt ein wäh»' rend JahchllNderton vevnochlässigtes ÄcM> auftubcaveu, ohne!

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