Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-03-28 · Heft 1481 (28.3.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1481 (28.3.1923)
Date
1923-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980562--14248-3000966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

HüalmiinerKtOOO MienSfXmnAbholep in der Expedition, II., Taborstr. 1-3. «d*riBfdln«rVeraei)!<N*Mtdile (Trafik)“ moiurtL K 28.000 Mit Postversand für Wen n. Gestern roonatl. K 28.000 Ts ohne Ko-'S! bwa k ei: Mon. K17. Un ga*n: Mon, IC600. Inxoslavien: Mon. tXnar 36.: P ©len;. Mon. Mk.lO^QOO.Dentftcliiand: Mon. Mark 6000. Frank r.» Belgien: MonaO. Frcs.* 8 ■f Naehsahlaaxea "W> bei PrrfeeHiShoBsteo Vorbehalten. lener T«cf*«cfto »S|ewak«l i tschech. K 1— Italien: Monat!. 10 tare Ru man le n, Bulgarien, Monat!. 75 Lei bezw. Lewa. Sc h w ei z und das übrige, Ausland monatlich Frcs. 3j Redaktion u. Administration, Wien. U., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38.43-3-19.; ab6Uhrabds.l9-483,16-301; Tel-Adr.: .Morgenzeitung“' “Wien Oesterreichisches Postspar-, kassen-Konto Nr. 150.6931 Nr. 1481 Wie». Mittwoch. 28. Mrr 1928 8. ZahWMg kvtpolWenmg. —y. Wie«, 28. März. Der österreichische Natwnalrat ist gestern in die Osterferien gegangen. Eine Vereinbarung der Parteien über die Auflassung oder Erhaltung des Heeresministeriunis als selbständiges Regierungsressort ist nicht zustande gekommen. Diese Frage vereinigt alle Differenzpunkte, die in der letzten Zeit die politische Oeffentlichkeit der österreichischen Republik in Atem gehalten haben. Dieser Streit um das Heer ist ein Unikum, in der europäischen Welt und für den Außen- - stehenden, der die Entwicklung der politischen Verhält- Imsse nicht ganz genau verfolgt hat, eine der schwierigsten 'Angelegenheiten. Seit die Republik; sich eingerichtet ,hat, .geht das Hm und Her. der Parteien um dieses Kleine, vom Friedensvertrag in seiner Schwäche fixierte Heer. Man sollte meinen, daß diese Institution reichlich 'überflüssig ist. Oesterreich wird aus eigenem Antrieb wohl niemals einen Krieg führen und für die Ordnung ifetner inneren Verhältnisse genügt die Polizei und die Gendarmerie, beides Elitetruppen, die. an schwierige Dinge..gewöhnt sind und deren Takt, und Erziehung pom Standpunkt des Staates wohl kaum viel zu . wünschen übrig lassen. Diese Mannschaften würden wohl Mch zur -Sicherung der Grenzen für einen gewöhnlichen Fall aüsreichen. . Sollte. aber Oesterreich 'in einen auswärtigen Konflikt verwiW werden — wozu es nur durch seine eigene Schuld tMmen' könnte , so wären die 30.000 Mang BündeDeüppen kaum .imstande, den großen Armeen der NächMstyaten ernstlichen Widerstand zu leisten. . . Ätzer nicht darin liegt-das EigentstnsMe. hes Pryb-. WKÄ einWE^<WrkeÄ^eNt- 8en, me' sich' emsihm einp , wollen, die je nach Laune und Lage einein wipersirtzb^nden Bevölkerungsteil' .die'' GroSgrüHeit^.'. esnes Pro- 'grammes einbläüen soll: In den. ersten fahren der -Republik wurde das Heer als Besitzstand der Sozialdemokraten angesehen. ' Heute. , soll es angeblich ' entpolitisiert, das heißt den Gegnern' der Sozialdentokraten' zur Verfügung gestellt werden. Nun hat sich das Heer bisher in keiner Weise eine ärgerniserregende. Verletzung der gebotenen Stäatstreue oder Unparteilichkeit zuschulden kommen lassen, es hat bei der Besetzung des Burgenlandes seine militärische, bei verschiedenen Elementarkätastrophen ' seine bürgerliche Schuldigkeit, im vollsten Maß getan. Das scheint verschiedenen Elementen nicht zu genügen, die jetzt Plötzlich finden, daß das Heeresministerium zu einem Amt des Ministeriums des Innern umgestaltet, also erst'recht zu einem politischen Instrument gemacht werden solle. Eine Besserung ist bas wohl kaum,'eher eine Verschlechterung, die sehr wohl in das System paßt, dessen sich'Oesterreich derzeit erfreut. ■ ‘ Alle Vereinigungen, die der. Republik aus dem oder jenem Grunde gram sind, denen ihre Stellung in Mitteleuropa nicht gefällt, die sie nach Nordwesten öder nach Osten „aufchließen":wollen, beeilen sich mit ihrer Kampagne, um noch rasch vor Eintritt der Wahlen eine vollzogene Tatsache zu schaffen. Sie hoffen zwar, daß auch nachher, die Parteikonstellalion ihnen genehm sein werdet aber sicher ist sicher. Ist einmal das Ministerium ein untergeordnetes Amt, - sind alle wichtigen Stellen mit getreuen Antiösterreichern besetzt, dann wird es schwer, wenn nicht unmöglich sein, ihnen diese Position zu entreißen. .' . Der Kampf, der gegenwärtig'geführt wird, rührt «n ein Grundproblem der Republik und er steht in direkter Verbindung mit den Dingen, die in Deutschland im Gange sind. Von dort aus ist auch Oesterreich mit Orgeschbanden, mit Sturmtrupps Und Freikorps beglückt worden, deren Zweckbestimmung zunächst der antisemitische Exzeß, dann aber die Niederwerfung der demokratischen Republik ist: Die Hintermänner dieser Pläne brauchen das Territorium Oesterreichs - als strategische Schlüsselstellung. Hier wäre gemeinsam mit. den Horthy-Leuten die Barriere zwischen Tschechen und Jugoslawien zu legen und von. hier aus könnten-die Expeditionen der ukrainischen. Nationalisten und die Aufstanhsvetsüche aller mälkpntenten Kriegshetzer, in Szene gesetzt werben. - Die österreichische Hauptstadt ist schon seit geraumer Zeit en Mittelpunkt solcher Aspirationen, denen die Existenz einer aus die Republik vereidigten Armee sehr wider den Strich läuft. Daher die Sorge um. die „Entpolitisierung" der Wehrmacht, Pie in 'ihrem heutigen Ausbau nicht in das Luoendorff- Bäuersche Konzept Paßt. Re BerhandlmgsbedinMgen brllarungen Dr. Rofmdergs. — Fortsetzung der paffiven Widerstandes. Berlin,- 27. Mär?. (Tel. d. ,,Wr. Moygienzeffrurg".) I In -der heutigen Sitzung des Ausschusses für auswärtige! Angelegenheiten, an der der Reichskanzler nicht teilnahm, 1 da er noch ans Bett gefesselt ist, gab der Reichsautzenmmister Dr.- Rosenberg eine Darstellung der Politischen Verhältnisse, an die sich eine längere Aussprache anschwß. Dabei, wurde auch die Frage angeschnitten, wie sich die Reichsregierunig zu dem VmWage des Sdaatssekretärs H u g h e s stelle, den dieser um 21. Dezenrber in Newhaven bekanutgegeben Heck. Der ReichsMtzenminister Dr. Rosenberg erklärte daraufhin, die deutsche Regjerimg halbe den vom Staatssekretär Hughes gewählten Weg firrgangbar unb sehr emp f ehl e n sw e r t- Nach Ansicht, der Reichs-, ve-gierung sollte die' vom. Staatssekretär Hughes vorg-e- Magene' i n t e r Nation a l e K o M m i s s i on von G e s ch ä f t sleu t e n oder ein. ähnliches unparteiisches Konsortium von Sachverständigen, -in dem Dsutschlaudund Frankreich mit Poller Gleichberechtignng terlnehmen, möglichst bald zur Untersuchung und Boautwortung folgender.Fragenzusmnmentreten: -- ,", 1. Was hat DMffchläUd blsher'deistet?.. . ' . ' .. % .Was. kann und söll /Deutschland . gevechteMeise noch'lÄM? ' . , - i . ' - . ' : •,.. .^.^Auf^PelHe ^W .Muen.d^'^isstwK'N Halverk-' / ' ^WiA dieser oder ein ähnlicher .Weg beschritten, wäre Merchdregierung. h er e.i i,- an den rütematio-. nalrn' Mpitalsrnärkt' wegen' Bewilligung einer möglichst hohen. Anleihe, h e r a.n z n t r e-t e iitdie' von.Deutschland Mit jeder von dem Anleihckonsortium für notwendig gehaltenen Sicherheit anszustatten oder an Frankreich oder die Alliierten als sofortiger Barvorschuß auszrchäudigen sein würde. Die Reichsvegierung sei überzeugt — und würde erforderlichenfalls auch durch geeignete Maßnahmen in gesetzlicher Form dafür Sorge tragen —, daß die deutschen Industrie- und Wirtschaftskreise ihre Kraft in den Dienst der so. auf das Erfüllbare zurückgeführten deutschenj Repavatronspflicht stelle. ' Der Reichsaußenminister erinnerte tveiteichin au -du Schwierigkeiien des- Problems, wie Deutschland Sicherheiten dastir verschafft werden konnten, daß das über den Vertrag von Versailles hinaus besetzte Gebiet geräumt und vertragsmäßige' Zustände im R-heinlan-de tvieder hergestellt werden. Dieses Problem ist deswegen so wichtig, Werl kaum irgend ein Sachverständigenkonfortiunr die tatsächliche Leistrmgssahigkeit Deutschlands mit Sicherheit beurteilen könne, bevor nicht dem gewalffmnen Eingriff in das deutsche Mrffchaftsleben und der dadurch verursachten Wertvernichtung .Einhalt geboten sei. Auch' sehe töc Reichsregie-; ruug keiu-e Möglichkeit, daß Pas deutsche Polk seinem einzige! Waffe, .den Passiverr WiderstaÜd, aus der Hand geben könne, ohne daß sich auch der Gegner aufdie Stute des Status quo ante zurückziche. . . - ' 5 .'Das ErgebyiL der Debatte,.an der sich Vertreter aller P^ieu,L'eMigten, fftMM.'.züsawMnzusaffen,^^ daß der b'er von der fra nzöfischen Regiarung. geforderten K a p i t u l a t i on und iu der lleberzeugung von der Not- Wendigkeit der Fortführung des Pass i v e n W i d e r- ' st a n d e s mit denr Ziele, hierdurch und durch rnternalionale Abmachungen die Befreiung des Ruhrgebietes von i der . heutigen unrechtmäßigen Revision herbeizusühren. Re deutsche HochverratsaUre. Juden und lvWalisten als Geiseln. Rene BerNaftnnnen. B e r tx n, 27. März. In dev Hochverratsfnche Roßbnch und Genosseit sind gestern hier weitere drei Personen feftgenommen worden, nämlich Major v. Stefani, Oberleutnant a. D. v. Bülow und der frühere Privatsekretar Roßbachs, Pelz. Alle drei werden heute dem Richter vorgeführt werden. Die in der Provinz von der Berliner Polizei verhafteten Personen sind inzwischen sämtlich den zuständigen Gerichten übergeben worden. Gegen zehn von ihnen wurden richterliche Haftbefehle erlassen. Wie.„Das Volk" aus Jena meldet, hat die dortige Polizei den Geschäftsführer der Deutschvölkischen Freiheilspartei Wünsche und den Vorsitzenden der Ortsgruppe Korvettenkapitän a. D. Götting festgenommen. Hiüers 8er«mkse>Aett.. München. 27. März. (Tel. d. »Wie«er Morgenzeitung".) Die Sozialdemokratische Partei ist im Besitze von Material über Hit l e r, ,das auf die: Person dieses Mannes tfo merkwürdiges Licht wirft. Danach war Hitler, der in Versammlungen und in feinen Zeitungen fortwährend-den Kampf gegen die sogenannten N o ve m b er ver h r e ch e r predigt,-im. November 1918 selbst Mitglied des.Arbeiter- und Poldatenrates, und betrieb im Kreise des Regiments- und Bataillynskommanvos in einer diesen Kreisen angepaßtru Form die lebhafteste Propaganda für eine Politik im Sinne der Mehrheitssozialdemokraten. Ms sein ParteiPrograMM dezeichnete er hauptsächlich die Bekämpfung des Bolschewismus und die Verwerflichkeit des antokrätifchen wilhelminischen Regierunasfystems sowie die Demokratie als einzigen Ausweg aus dem Nebel. Die SturmaMee. München, 27. März. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Die Nationalsozialistische Partei zählt gegenwärtig in Bayern 40 Hnnderschaften, die jetzt zu Regimentsverbanden zusammengesetzt werden. Aus diesen soll eine nationale Stnrmarmee organisiert werden, deren Zweck Hitler dahin erklärt, daß sie Deutschland von den Parlamenten und von den Novemberverbrechern befreit. Nach , einer Aeüßerung Hitlers stehen seine Abteii lungen mit der Reichswehr und der Schutzpolizei in Verbindung. Bor kurzem hat (wie die „Wr. Morgew zeitung" berichtete) der Nationalsozialist Esser in einer Versammlung verlangt, Deutschland solle alle Inden in einem Konzentrationslager internieren und dann der Entente mitteilen, für den Fall der weiteren! Besetzung des Ruhrgebfetes würden 50.000 Juden „einem besseren Jenseits" zugeführt.! Man war zuerst geneigt, diese Aeußernng als eine demagogische Redewendung anzusehen. Indessen haben die Nationalsozialisten nach Meldung der „Münchner Post" tatsächlich ein Geis elk omman dvausgestellt, das die , Bezeichnung „T reu sch a s t" Mhrt und dazu bestimmt ist, im Ernstfälle sozialistische Führer und jüdische PersönlichkeiLen als Geiseln sestzünehmen. Die Mitglieder dieses Geiselkommandos werden vereidigt und z in Meister, Gesellen und Lehrlinge, also logenmäßig eingeteilt. Der erste Vorsitzende der Organisation ist ein Prosess o r, der zweite ein p r a k t i s ch e r A r.z t, ' der bisher votttisch nicht hervorgetreten ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.