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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-24 · Heft 1477 (24.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1477 (24.3.1923)
Date
1923-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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['* HvK -T TO '»r, <* it n HnzelnnmrflerKiöOö Wien: Ztun Abholen in der Expedition, II., Taboratr. 1 -3, ©der in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. jOesterr. monatl. K 28.000 Tschecho«S lowakei: Mon. K17. Ungarn: Moa, K600. Jugoslawien: Mon. pinar 35. Polen: Mon. |Mk. ÖQOO. Deutschland: Mon. Mark 5000. Frankr., ßelgien: Monatl. Frcs. 8 Wff" N«chiahlunsr«o "WU bei Preiserhöhungen Vorbehalten T «checho -Slowakei s tschech. K 1.~ Italien: Monatl. 10 lire Rumänien, Bulgarier Monatl. 60 Lei bezw. Lewa, Schweiz und das übrige Ansland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19. ab6Uhrabds.l9-483,16-301 Tel.- Adr.: ,Morgenzeitung'* Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr/ 150.69- Nr. 1477 24. MW 1923 5. Zahrgaug M Bestochenen. —y. Wien, 21 März. Die innere Krise in Deutschland ist . nun soweit gediehen, daß die Rechtsparteien den Bürgerkrieg offen vorbereiten konnten. Gegenüber den bedrohlichen Symptomen der letzten Tage konnte selbst die Regierung Cuno Nicht ihren Gleichmut bewahren und sie mußte zu sehr ^scharfen Maßnahmen greifen, um den Versuch eines Putsches der Völkischen noch in der letzten Sekunde zu vereiteln. Die von München aus angezettelte Verschwörung, deren erste Anzeichen man als Kindereien und .Phantasien Halbwahnsinniger ausgegeben hatte, konnte sich sehr rasch entwickeln. Die Verschwörer wollten den Kapp-Putsch vom März 1920 wiederholen, diesmal aber den Fehler vermeiden, von einem Punkt aus . loszuschlagen. Der Äusstand sollte nicht, wie damals, von Berlin ausgehen, sondern von Bayern und Preußen aus die Zentrale des Reiches angveifen. Die neugegrinMe deutschvölkische Freiheitspartei, die im Reichstag nur Wer drei Mandate, im Land aber über ein wohlovganisiertes Heer bewaffneter Freikorps verfügt, hatte sich in den letzten Tagen mit den Natiormlsoziaststen Hitlers fusioniert, um mit diesem gemeinsam die Nationale Diktatur zu errichten. Der Plan ist von dem verhafteten Landsknechtführer Roßbach mitgeteilt worden,'der selbst damit beschäftigt war, einen aktiven Widerstand im Ruhrgebiet zu organisieren. Der Sinn dieses Treibens liegt weniger darin, der französischen Aktion zu schaden; er ist ihre offenkundigste Unterstützung. Daß sich die deutsche Regierung zu Gegenmaßnahmen entschlossen hat, zeigt, wie ' hoch die 'Gefahr gestiegen ist und wie sehr die Anwendung des Gesetzes zum Schutze der RchubM wüvendig würde. . /-VHst'.DeüWUMS ist eine Mische strschen Ideologie, der kein Mittel des Hochverrates mtfc der inneren Verhetzung M schlecht M wenn' sie damtt dem demokvattschen Deutschland ' schaden kann. Aus dieser Ideologie ist der Krieg entstanden,' und sie konnte sich dank der Versäumnisse der.Revolution behaupten mtb soweit söstsetzen, daß sie jeden Ausgleich Deutschlands mit seinen Gegnern verhinderte. Dieser Nationalismus hat den ehrlichen Ruf Deutschlands als eines loyalen und zuverlässigen Staates, untergraben. Er hat dazu geführt, daß Deutschland im Jahre 1914 die belgische Neutralität zerrissen hat und dieser Vertragsbruch wirkt noch heute nach, weil die DenÜveise, die ihn erzeugte, auch heute fortbesteht. Deutschland hat den Friedensvertrag von Versailles unterschrieben, aber seine Rechtsparteien dulden.es nicht, daß die Regierung die Unterschrift anerkennt, und sie haben es hintertrie- Len, daß das Reich die Reparationsleistungen vertragsgemäß ausfuhre. Der völkische Terrorismus arbeitete mit Mord und Lüge gegen die Ersüllungspolitik; die Politiker dieser Richtung wurden aus dem Wege geschafft und schließlich die Regierung auf die Bahn gedrängt, die den französischen Kriegsgenerälen den Borwand zu dem militärischen Abenteuer im . Ruhrgebiet lieferte. Viele und schwerwiegende Verdachtsgründe sprechen dafür, daß die Radikalnationalen in Verbindung mit Frankreich standen und daß sie von dort auch das Geld für ihre geradezu gigantische Propaganda bezogen haben, die sich in erster Linie gegen den „jüdischen Geist" richtete. Die Führer dieser Bewegung höben bisher den gegen sie erhobenen Anschuldigungen nichts anderes entgegengesetzt als wütende Drohvufe gegen „Alljuda". Ob sie nun von Frankreich bestochen sind oder nicht, ob ihre Geldquellen die Kaffen der Schwer industvie und des Scharfmachertums sind — sicher ist, daß ihre Tätigkeit im Interesse Frankreichs geschieht und daß sie nicht im entferntesten Deutschland nü kann. Me geben vor, gegen den Vertrag von Bersai zu kämpfen, obzwar es doch schon heute mehr als fest steht, daß dieser Vertrag durch solche Mittel; nur gekrästigt wird. Das patriotische Mäntelchen soll verhüllen, daß sich das Attentat gegen die Republik und gegen die Verfassung von Weimar richtet. Eine Verfassung ist der höchste innere Vertrag eines Staates mtt seiner Bevölkerung. Das Treiben gegen die Weimarer Verfassung soll eben auch auf dem Gebiet der-inneren Politik den Vertragsbruch herbeiführen imd so das politische Leben des deutschen Volkes soweit aushöhlen, daß die Regierung des Herrn Poincare und die hinter ihr stehenden Kreise den Traum des Einmarsches in Berlin ohne viel Mühe erleben können. Die Patrioten, die aus solche Weise wieder in den Dattel zu gelangen hoffen, sind außerordentlich rührig Mpd geschäftig und verschmähen Geld von keiner Seite. Re geplante nationale Matur. — Ludendorss am Komplott beteiligt. Re SelbMntzorganiWonen werden aufgelSA. Berlin, 23. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Heute sind bereits die Beweise dafür vorhanden, daß die mit den N a t i onnlsozialisten verbundenen Deutschvölkischen ein weitverzweigtes hochverräterisch e s K o m.p l o t t inszeniert haben, welches durch das vorsichtige Eingreifen des preußischen Innenministeriums ausgedeckt wurde. Außer in Berlin find auch in anderen größeren Städten Preußens, so in Erfurt, H alb er stadt, Hann o ve r, K a s s e l, Magdeburg, Mersebn.rg, Minden und Stolp, Hausdurchsuchungen und B e r h a st u.n g e n von Mitgliedern der deutschvölkischen Freiheitspärtei vorgenommen worden, bei den Haussuchungen wurde, wie die amtlichen Mitteilungen - besagen, erdrückendes M aberial gefunden. Die im Anschluß an die Festnahme des Leutnants Roßbach erfolgte Untersuchung iN der Hauptgeschäftsstelle der Deutschvölkischen ergab vollständige Beweise dafür, daß in kurzer Frist an einem genau bestimmten Tage. die gegenwärtige Reich s Legier umg und die prenßis ch e Regi e r n n g. g e st A r z t, die . s onnenmtnisterv ao-l nn,Wl> t Ae N:r a tMt Mm /Dpsier - -fallen, tWv 'RIMMt MA'nW^M p r e n ß i sch e L a y d t a D nuse l n än b e rg e j a g t, die W e i m a r e r P e r f ä s f Ü n g ansgehoben und einä näMonale Diktatnr mit deutschvölkischen Und nationalsozialistischen Führern an bev Spitze errichtet werden sollte. Der PutsMM. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergaben, hatten die Deutschvölkischen und die Nationalsozialisten neben ihren ossiziellen Führern noch inos sizielle militärische F ü h r e r, fast durchwegs ehemalige Offiziere, welche die S tnr mir n p p e » zusammensehten, aus denen beim Ausbruch des Putsches sich -ie Avantgarde der Deutschvölkischen hätte bilden sollen. Diesm: Heerbann sollte in jzänr Preußen und Bayeru ansgeboteu werden. Durch«rarschpläue für die ekrDttnen Hnndertschafbeü der dentschvölkischen Garden waren genau festgesetzt und ein konze nt rischer Angei sf gegen Berlin in allen Einzelheiten ausgezeichnet. Der verhaftete Leutnant Roßbach hat in seinen Aussagen die deutschvölkische Freiheitspartei belastet, um sich zu entlasten. Es steht jedoch fest, daß zwischen Roßbach und den in Oberschlesie» verhafteten Personen eine Aerbindung bestanden hat. Roßbach bleibt entgegen anders lautenden Meldungen weiter in Haft. Bon den sechsundzwanzig Verhafteten in Berlin ist eine Anzahl nach eingehendem Verhör f r e i g e l a s s e n worden. tzrMnmge» der prenbWe« Aus der Tagesordnung der heutigen Eihung des preußische« Landtages stand , die Interpellation der Sozialdemokraten Aber die Selbstschntzorganisationen. Man erwartete allgemein ausführliche Darlegungen des Innenministers S e v e ring über den Putschplan der deutschvölkischen Freiheitspartei. Der Minister erklärte zunächst, daß die preußische Regierung die S e l b st s ch n h o r g a n i s ationen jeder Art verbiete. Sie würden aufgelöst und die einzelnen Schuldtra-! genden strafrechtlich zur Verantwortung' gezogen. Die Arbeiterorganisationen seien; bei weitem nicht so gefährlich wie jene von; rechts. Es sei festgestellt worden, daß zahlreiche der nach dem Mord an Rathenau aus-, gelösten Organisationen und Verbände, die sich militärische und polizeiliche Befugnisse anmaßen, tatsächlich weiter bestünden. Ihr! Zweck sei wirtschaftlicher und p o l i t i s ch e r T e r r o r. Ueber de« Putsch- . 'plan äußerte sich Severing nur dahin, es gehe aus den Briefen Roßbachs deutlich, her»; vor, daß es sich um die Beseitigung der sozialistischen Minister handelte. Die Organisation Roßbachs habe Versuchs alle sogenannten nationalen Verbände in örtliche härteste LnsamMenznschfteßen. Bei den Sol-> Bev-. bittdüng nicht^ gelnngem aber mehreW. Offiziere hätten sich ihm an ge schlossen. Am letzten Samstag seien in Potsdam Offiziere aus dem ganzen Reich bei einer Besprechung gewesen, der Roßbach präsidierte. Es wurde ferner, wie Severing darlegte, sestgesteM, daß seit einige« Wochen die innigste organisatorische Gemeinschaft zwischen Henning, Wnlle, Grase und Roßbach einerfeits und Hittler sowie Ludendorff andererseitS bestehe. Ludendorff habe auch mit der Organisation Ehrhardt verhandelt, die Verhandlungen seien jedoch^ gescheitert. Weitere Mitteilungen sowie Einzelhüten Über de« beabsichtigten Rechtspntsch gab Severing nicht, wie amtlich erklärt wird deshalb, weö noch Exekntivmaßnahmen im Gange seien und die vom Oberrechtsanwalt Dr. Eben* m e i e r geführte Untersuchung nicht beeinträchtigt werden dürfe. •<*: Kampforganisatiane« der italienischen Faszlsten i« Deutschlmw. Berlin, 23. MarZ. (TÄ.--KomP.) Die Fahne^ veriMMcht eine» erngöhsrvden Bericht über die aivgeblichp TaWeit der italiertische-n Faszisteu itz DeutschkanÄ und öchcmpiet,' die Üalienffchen Faszisten HLtteu Ln>n derdenffcherr RepMik regelrechte K am p ft organisatioiren geschaffen. In Berlin jei vvnj >offtzieller Faszistenver-band gogründet worden, den sich auf die aktive Hilfe der diplomatischen Vertreter Italiens näd italienischer Offizvve Lei den verMedenen Enientekommiffronen stütze. Daß in ihren Tcffchen französisches Geld sich befindet, beweist nur die, eiihrtzr^TatiMt. ^-Zhr . . . daß Hew in Detroit einer der Prominentesten Speicher ist. Dö-is würde ade« noch immer nicht den Umstand erklärE^ daß das cmtffemittsche Gift an so vielen Punkten deü^Pelt zur gleichen Zett gebraut und Mevall nach den glühen Mechoden verbreitet wird. Mit machomattscher SickLvhett kann man die Existenz einer Geheimzentrale a^MmeN, die dem Judentum an dir Kehle will ■■ .. ' ' ■ -V'-' ' trachtet, wo Juden leben. Diese Zentrale, in der mbst den Geheimnissen der Weisen Von Zion alle Parolen erzeugt werden, die in allen Staaten und unter allen Nationen immer wieder den Haß beschwingen, steht ty reger Verbindung mit den Krcfften der reaktionären Ge^ genrevölution, sie arbeitet in den verschwiegenen Regier rmrgMnzleien, m den Werkstätten und Fabriken wie an den Hochschulen. Auch Ludendorff-Ärndström ist eines der Werkzeuge. Vielleicht steht jetzt schon für ihtz das Flugzeug bevett, um ihn für spätere Tage dep HakenkvenMkdatnr aufzusparen. WMUN« jL-JL. s\£, i

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