Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1475 (22.3.1923)
- Date
- 1923-03-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MnzslinnmnerKlOOß Wien: Zum Abholen in der Expedition, II.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl: K 28.000 Tschecho-Slowakei: Won. K17. Ungarn: Mob. K 600. Jugoslawien: Mob, Dinar SB. Polen: Mon. Mk. 8000. Deutschland: Won. Mark 5000. Frank r.. Belgien: Monatl. , Frca. 8 BV Naeh*al»lunjreo bt\ Preiierhöhungcn Vorbehalten toter fscheint* •Slowakei r Ischech. K 1.— Italien: Monatl. 10 Lir< Rumänien, ßulgarie» Monatl. 60 Lei bezw. Lewa- Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38.43*3-19, ab 6 Uhr abda.19-483,16-3Q1 Tel.« Adr,: ,Morgen?eitung“ Wien Oesterreichisches Postspar-> . hassen-Konto Nr, 150.693 Ne. 1473 FliedenssümMUM in Ser Türkei. —y, W i e n, 22. März. In London beginnen heute die Borbesprechungen der Alliierten über die Orientfrage. Sie haben sich mit den von der Türkei und von Italien-zum Lausanner Vertragsentwurf gemachten Vorschlägen zu blassen. Diese Konferenz wird ihre Anträge den alliierten Regierungen vorlegen, die sie dann wieder der Angora- Regierung übermitteln. Es wird demnach noch eine gemtme Weile verstreichen, ehe man wieder zu einer allgemeinen Friedensbesprechung. sich versammeln kann. Inzwischen gilt zwischen der Entente und der Türkei ,& Wasfenstillstan'dsvertrag von Mudania, der allerdings in vielen wichtigen Punkten durchlöchert worden ist. Da die- Mächte über die türkische Frage .uneinig waren, müßten sie die vielen Verstöße, gegen dieses Protokoll als vollzogene Tatsachen hinnehmen und sich mit formellen Protesten begnügen. Zu dieser Haltung waren sie auch durch die Vorgänge im Orient selbst gezwungen, der heute unterdem dominierenden Einfluß der großen. Wandlung steht. Die türkische Kammer in Angora hat zu Beginn dieses Monats nach einer Reihe vertraulicher Sitzungen der Regierung das Vertrauen ausgesprochen. Es ist bei diesem Beschluß zu beachten, daß dre Kammer nur aus einer einzigen.Partei, den Nationalisten, besteht, welche U40 Deputierte zählt und sich in vier. Gruppen teilt, die in der Behandlung europäischer Dinge durchaus geschlossener Meinung sind und sich von-einander nur in der stärkeren oder schwächeren Betonung der ovien-talischasiatrschen 'NoÜvendiMten unterscheiden. Eine Opposition int parlämentarischen Mnne gibtt es «cht. Lediglich eine Gruppe -von-zwamKW Mbgeyr-dneten kämpft .gegen d.ie PevsönMustasa Kemal^, den . sitz durch aÜer^ Hand Bosheiten ärgert. So würde jüngst der. Antrag gestellt, daß. nur bodenständige .wie heimelt'uns hoch dieser Ausdruck an! — Türken das: passive Wahlrecht erhalten dürfen, die seit miiwestens fitttf Jahren in einem Ort der heutigen Türkei wohnen. Mau sieht, daß sich das Wort von dem „bodenständigen chrrstlichdeutschen Volk" auch ins Türkische übersetzen läßt. Da Mustafa Kemal aus Saloniki stammt und als Offigier im Reich hin und her gewandert ist, wird es verständlich, wen der Antrag treffen sollte. Der Popularität des 'Nationälistenführers hat dieser Nadelstich keinen Eintrag tun können. Im Vertrauen aus die Volksstimmung konnte Mustafa der Nationalversammlung zur Politik des Einlenkens gegenüber England raten und seine Ansicht auch durchsetzen. Er hat wenige Tage vor dem Beschluß der Kammer in Smyrna einen Handelskongreß mit einer Rede eröffnet, in der er fafe Friedenssehnsucht seiner Armee und seiner Station aussprach. Er zeigte klares Verständnis für die realpolitischen , Erfordernisse, als er aussprach, daß nicht das Schwert, sondern der Pflug die Freiheit sichern könne. Das türkische Volk sei durch seine Herrscher zü einem Gendarm herabgewürdigt worden. In der Fremde habe es sich verblutet, indes seine Felder zur Steppe geworden seien. Diese Rede dringt vielleicht weniger ivasch in die Herzen der vielen Pölker, die sich zum Islam bekennen, und sie entspricht wenig den romantischen Hoffnungen auf eine Massenerhebung der 300 Millionen Islamiten, aber sie erhält ihre Bedeutung durch die Person des Sprechers, dessen Autorität . heute fest- Ibegründet erscheint. Er empfängt, wie englische und * französische Berichte aus Angora übereinstimmerch erzählen, täglich Deputationen aus der gesamten Mlselmanischen Welt. Die indischen Mohammedaner wie der Großmeister des mächtigen Senussi-Ordens holend sich bei ihm ihre Instruktionen. Wenn er heute.zum Frieden rät, dann bekommt nmn eine. Vorstellung von den furchtbaren Zerstörungen des Krieges in diesem Teile der Welt und man versteht, welches Verbrechen die Genevalsdiplomatie' Berlins im Herbst 1914 begangen hat, als' sie den Sultan zur ProAamierung des heiligen Krieges zwang. Durch diese Handlung sirch Instinkte und Hoffnungen wachgerufen worden, die sich nicht mehr mit Waffen zurückwmsen lassen, deren Erfüllung im Rahmen der Möglichkeit Europa zugestehen muß, wenn es. nicht zu allen seinen Konflikten auch noch die Eventualität blutiger Kolonialkriege provozieren will. . Was.dieses Wagnis heute bedeuten würde, wo der europäische Militarismus in seinem Wahnsinn den Orient bewaffnet und. militaristisch. erzogen hat,, darüber gibt man sich vielleicht auch in Paris keinen optimistischen Vorstellungen hin. Men, Donnerstag. SL.Mrz 1923 8. Jahrgang HWIVfl¥IVIIv MH. wIIHHIIiIIvIh Paris,21. Mävz. (Tel. der „Wr. Mors werden auch spezielle Bestimmungen übep genztg.") Wie Ihr Korrespondent aus gut ineinen ausgiebigen Schutz der Minderheitenformierter Quelle erfährt, soll Polen vor der als im Versailler Friedensvertrag vorge- Ünterfertigung des Protokolls über die Ost- . sehen ist, erlassen werden. Der gewesene grenzen düs Versprechen abgegeben haben,! amerikanische Staatssekretär Cokby, der in Ostgalizien eine .territoriale Autonomie die Vertretung der ukrainischen Forderunauf möglichst breiter Grundlage einzu-! gen übernommen hat, bemühte sich vor dem. führen. Ostgalizien soK eine Art Dominioni Botschasterrate diese Forderungen zu verversassung mit eitztzin vom oftgalizischen j treten. Der Botschasterrat hat jedoch seine Landtage gewähten Gouverneur an der j Zulassung mit der Begründung abgelehnt, Spitze erhalten. Ebenso sollen jetzt in Ost- -atz -er Botschafterrat kein Tribunal sei, vor galizien Neuwahlen: für den Warschauer dem Forderungen einer Partei zu vertreten Sejm durchgesührt werden. Das Autonomiewären. Poineare soll den polnischen Antzenstatnt wird gegenwärtig in London ansgearminister Skrzynski ans die Notwendigkeit beitet und soll dann vom Botschafterrat beder striktesten Durchführung der Autonomie stätigt werden. Nutzer dem Autonomiestatut in Ostgalizien aufmerksam gemacht haben. Me interparlamentarische Zozialistenkonferenz über die Ruhrfrage. Paris, 21. März. (M.-Komp.) Die lnter Parkäme n t a r i s ch e s o zia li stisch e K o nferenz nahin gestern'eine Entschließung an, worin, erklärt wird: 1. Das die Lösung des Reparattonsproblems nicht durch Gebiet sannexionen und Schaffung von Pufferstaaten möglich sei. 2, Daß die gegenwärtige Be.setzungsPolitik keine Losung dieses Problenis bedeute. 3.. 'Daiß die Eigenliebe der Regierungen das größte Hindernis Kr dje Eröffnung von^ PevhcuWrnaeuMW, WoMn, iäne K o m m i s s i v tr von 4 Mitgliedern zu bilden, die mit der d e n t f ch e n sozialdomowkttschen Partei eine Z-ivfammenkunst vereirwaren solle, um mit ihr über eine Anpassung des Repavaittonsplanes an die gegenwärtigen Verhältnisse zu bemten. Die Konferenz beschloß hierauf, sich auf den 29. d. zn vertagen und in der Zwischenzeit den Bericht der genannten Kommission entgegerizrmehrnen. Sin Schritt Seutschlands? London, 21. März. (Havas.) „Westnttnster Gazette" ^hauptet, aus befugter Quelle erfahren zu haben, daß Deutschland allen Alliierten beit Entwurf eines Abkommens 'bezüglich der Reparationen übermitteln «werde. Der englische Botschafter in Berlin Lord D'Abernon ist gestern nachmittags hier angekommen. Er hatte eine Unterredung mit Bonar Law mvd Lord Churzon. In gut unterrichteten Kreisen meint mau, daß Lord D'Abernon Vorschläge des deutschen Reichskanzlers überbringe. Amerikanische Vorschläge zur Reparattonrsrage. Rom, 21. März. (T. K. B.) Die, ,^ribuna" kündigt au, daß die amerikanischen Teilnehmer an dem Internationalen Handelskammerkongreß in Rom einen Sanierungsplan der amerikanischen Industrie und Fmanz für den jvrrtschaftlrchen und finanziellen Wiederaufban Europas vorlegen «tvÜLen. Falls Frankreich znsttmme, würde dadurch eine durchschlagende politische Aent^rung eintveten. Die ReorganifMon der österreichischen Bundesbahnen. Ein Nachwort zur Enquete. Ein EiserGahnfa chrnann schreibt uns: Die Enquete über die Reorganisatton und Sanierung der Bmtdesbahnen ist wie offiziell verlauÜLnrt, beendet, nach die Vorschläge der Fachleute werden an den Kabinetts-rat weitergeleitet. , Jnr Schoß der Wgieruirg aiber war der erste Schritt glmr Reformplan schon-beschlossen, bevor noch die Enquete begonür hatte: Die Errichtung einer General«, direktion. Mit derseVben geniailen'Einfachheit, mit der: die Anzahl der Ministexien dadurch verringert werden soll, daß inan einzelne Minister in Hinknrrft Staatssekretäre nennen wich,- sonst aber alles bestn altert belaßt, M M Bündesministerinm für Verkehrswesen' die Hoheitsperwviltung tzbenso einfach-genial -in. der - Weife abgetvennt werden, daß das Departement Kr Personalangelegenheiten dem Bundesnrinisterimn Kr Handel und GÄverbe zugeteilt und dos heutige Berkehrsminisberium der verblüfften Das Anbot der amerkkanffchen Frnanzleute: gehe dahin, zu den Reparationen Kr die'Alliierten beizulragen,.' soferire Frankreich. auf die . sofortige Eintreibung der Schllld DenLschlanÄs. verzichte. - Me HakenkrMer dl Riga. Riga, 20. März. (I. C B^) Eine ^Deputation,. be» stehend aus den Abgeordneten Fischmann, Dubin und, Wittenberg -erschien heim Präsidenten der lstt» ländischen Republik und überreichte ihm ein Prot-estmentorandunr über die letzten Geschehnisse an der Rigaer Universität, wo die lettlärMchen Studenten, umgeAewdie> Ablehnung des MmeE?öMM"GwH'. schuß zu demonstrieren, einen Proteststreik proklamierten und den Mischen Studenten den Eintrttt in. das^ Univer- Mtsgebaude mit ^ivcllt veMchrten. Der Staatspräsident erklärte, mit dem Inhalt Mmorandmns vollständig übeventzuftimmen und versprach, die nötigen Schritte zu unternehmen, um die Frage auf Gmud von Recht und Billigkeit zu lösen. Me Wudensrage in Jenifchland. Aus Berlin wird uns gemeldet: In der letztetr Zeit mach sich im deutschen Reichstag und im preußischen Lariidtag --ine verschärfte« Hetzpropaganda der artisAnittschen Partemr gegen die Ostjuden bemerkbar, welche darauf aibzielt, eine scharfe Praxis der deutschen Regierung in der Ostjuden-frage zu proroheren. In einer der letzten Reichstagssitzungen legte -der HetzaMsemit Bruhn einen Antrag der. Deutschnatlonalev vor, -der die Ausweisung der Ostjuden fordert. Da die Sozialisten in ZWischenrufion darauf hinwiesen, daß es ja Lude ndovff gewesen sei, der die -Ostjuden zivangsw-eise nach Deutschland gebmcht habe, mußte Herr Bruhn auf den Wortlaut des deutschnatioMen Antrages verweisen, der seine Forderung auf die nach dem 1. Jänner 1919 Eingewanderten beschränke, um die zwangsweise nach Deutschlanb gebrachten Inden nicht zu treffen. Mart muß den Hetzantisemiten in Berlin demnach zw billigen, daß sie ihrer» österreichischen Gesinnungsgenossen rwch um etliches voraus sind. Die Wiener Hetzer wollen die Tatsache völlig itznorierert, daß die Ostjuden nicht gerade freiwillig hierher gekommen sind und daß es die Arbeit der von jener Seite so bÄvnudevten Kviegsmacher und -VerLängerer gewesen ist, wckche die Ostjardm um ihre srnheve Hemrat gebracht hat. Oeffentlichkert als die neugegründete Generaldirektton Präsenttert w-ird. Hervorragende Fachleute haben in den Wiemr Blättern kundgettvn, daß die Sanierung der Bundesbahnen vom I nl'an-de ans überhaupt nicht möglich sei, weil bei e'nvem Abgänge von zwei Billionen die im Höchstaustmße von 600 bis 800 Milliarden.M erzielenden Ersparnngerr kaum ins Gewicht fallen. Wenn die oben geschilderte Art der Errichtung einer GeneraMvektion wider alle Vernunft MMchkoittvevden sollte, dann werden diese FaWeute nicht nur Recht behalten, sondert! votr der nackten Tatsache eines noch bedeutend erhöhten Abgamges übertrumpft werden. Die Monopolbettiebe sollen bereits aktiv arbeiten und die Stmer als Einnaihrnepost festgestellt sein, nur .die Bundesbahnen sind das einzige Schmerzenskind. unserer- BerlMtung. Eine eigenarttge GeKhlsPolM hat tausende Familien nach dem Umsturz dem Personalstande der Bundesbahn zugeKhrt und «^rdurch die in der ganzen Welt einzig- Mttge Tatsache geschaffen, daß bei uns auf einen Be-