Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1474 (21.3.1923)
- Date
- 1923-03-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Mittwoch Wiener Morgenzeitung. LI. März 1923 Nr. 1471 Milteilungen aus dem Publikum. fOR MESSEBESUCHER 493 EXPORTSC111_fi(3ER m&m STROMPFLN UND HANDSCHUHEN ADOLF TARIER, WIEN. I. KOHLMESSERO. 6. Bühne und Kunst. Mademietheater. it&as Kaiserreich Guyana", Kornetdie van Adolf Rottaufcher.) Mit einer JnhalrsanMbe ist nicht' gedient. Der Leser müßte den Vorwurf amüsant finden und seine Phan asie würde ihn ein kräftiges, groteskes, geistvolles, amüsantes Spiel vermuten lassen, was wir in diesem Falle nicht gestatten dürfen. Die uraufgesührte „Komi-'die" ist ganz im Gegenteil weder kräftig. noch geistreich noch amüsant. Grotesk war lediglich der Einfall der B-urgchvaterleitung, „Das Kaiserreich Guyana" Zur Aufführung anzunehmen, und die Zumutung an die Schauspieler, die Rollen zu studieren. Die Herren T r e ß l e r, Ma i er ho fer, Hans Th i m i g und Eid^litz, die Damen Senders und Seidler waren durchaus vortrefflich. Vorher gab man, neu eirrstudiert, Goldonis „Mirando l i n a", vermutlich §u dem Endzweck, der hochgeschätzten Lotte Medelsky Berleeenhei zu bereiten. Ihre Bemühungen, die fesche, resche Florentiner Wirtin zu spielen, tun den Verehrern der Künstlerin in der Seele weh. O. A. In eigener Sache. In seinem Aufsätze „Die Tragödie des iüdaschen Theaters" schreibt Herr Dr. Siegfried Schmitz'(Nr. 1471 der „Wiener Morgenzeitung"): „Gin so ausgezeichnetes Ensemble wie die Wilnaer Truppe hat, wenn man es mit der Kritik genau, objektiv und fachuud theaterkundig nimmt, bei der Darstellung von Stücken aus der russischen Dramen'literatur, wie „Eifersucht" von Ar-Ybafchew und „Ter die Ohrseisen kriegt" von Andrejew, völlig versagt." Ich habe über die Auifführung von „Eifersucht" durch die Wilnaer unter anderem folgendes in diesem Blatte geschrieben: „Wir haben das Stuck mit Frau Roland «nd Darstellern wie Beregi mö Lessen an der „Neuen Wiener Bi'chne" gesehen. Die Gesamtouss'ührung durch die Wilnaer stcht turmhoch über jener und die Einzoldarsteller Hallen jeden Bergleich aus, nämlich di-esenigen, welche nicht weit bester sind. Nicht zu vergesten die geschmackvollen, wunderschönen Bühnenbilder, nicht zu vergessen der groß« künstlerische Ernst, der an der Arbeit war." Ueber das Stück „Der die Ohrfeigen kriegt" von Andrejew berichtete ich nach der Aufführung durch die Wilnaer, an der Darstellung des Trägers der Titelrolle nahm ich Anstoß, un'.er anderem folgendes: „Was an Ausstattung, feiner Abtönung der Szenen und Stimmungen, der Kostüm« «nd Farbenwirkungen geleistet w-rde, ist schwer Zu überbieten." (Das Stück selbst lehn e ich arö.) Ich darf hoffen, daß sich meine Leser diese der Auffassung des Herrn Siegfried Schmitz widersprechenden Urteile nicht daraus erklären, daß ich es „mit der Kritik nicht genau, objektiv und fach- und thea erkund^ig nehme", Dr. Otto Abeles. Ein neues historisches Drama. In Morris Schwarz' jüdischem Kunst hcater in New-Aork gelangt demnächst das Drama „Jiskor" von Harry Sa kl er Zur Abführung. Sailer hat sich mit einem hebräischen Dramolet, das während der Kriegszeit erschienen ist, bekannt gemacht. Diesmal hat er seinen S off aus der jüdischen Folklore genommen. Es spielt in Ostrcw; die Tochter eines Fürsten entbrennt in Liebe zu einem jüdischen Jüngling; da ihre Liebe unerwidert bleibt, vergibt sie sich. Um für' den Tod seiner Tochter Rache zu nehmen, läßt der Fürst den J.tden neben der Leich« seiner Tochter leibendig begraben. Durch seinen Märtyrertod rettet der Jüngling, dessen Gedenken heilig gchal en wird, die JuLengemeirde seiner Heimatstadt vor der Ausrottung. Das Drama hat den Charakter eines Legendcnstpieles und wird in diesem Stil von Morris Schwarz inszeniert, Dir in trn nach'oigrnbea Rubriken mit o bezeichn«!«» Notizen und Artikel find c tt t a c 111 i cf)« Ankündigungen (8 26 des Preftgefestes). Die Budho'che HagaSaf, der Schmuck des Sederjstches, ist in diesem Jabre auch in deutscher Uebersetzung von Rabbiner Tr. M. Gnmwald erschienen. Hebräisch-deutsche Aufgabe: Papptand 24.000 K., Leinenbmd 32.000 K.; hebräische Ausgabe allein: Pappband 16.000 K., Leinenbano 24.000 K. Außerdem ist lagernd: Hagadah mit Holzschnitten von. Jak. Steinhardt, hebräischer Text nach allen Handschriften von Franziska Baruch (Pappband (13.000 K.). ferner Hagadaß-AuSgabe« in reichster Auswahl. Für die Jugend: Chad Gadjcch, das Pessachbuch, heraus gegeben von Herrmcnn (kartonniert 22.000 K.). Alles durch Buchhandlung N. LLwit, 1. Bez., Notenlmmslraße 22. Aus de« Theater«. Bu rgth e at er: Morgen, 7 Uhr abends, „Julius /äsa^r". A k a d e m i e t h e a t e r: Morgen 7 Nhr abends. „M i r a n d o l i n a", hierauf „Das Kaiserreich G uy an a". . V o l k s o p e rr Heute „Carmen", morgen ,T ö 8 c a". - NeueWienerBühne: Das Theater D u v a n- Torzoff dringt von heute an einige neue Nummern zur Aufführung, darunterr „Eine Ballettaufführung ^---- Klub der Jüdtsc’natlora'ea Mandatare W.en.Leopoidstadt Morgen Donnerstag den 22. März 1922 In den Dlympia*Sälen. Rothgasae 2, präzise, halb 9 Uhr abends mit Tana Mit wirkende FRITZI MA Catlthealer SIEG»UMD BREITBART EISENKÖNIG sowie zahlreiche andere Kunstkräfte ersten Ranges 12 Uhr: Serpentinen* und Koriandollschlacht Eine Nacht der Uebert«schlingen Jazz* Band Tanz-Bar B gi n präzise 7*9 Uhr Abendkiddung Ende? Dm getarnt« ReiaertrSgnls mit jöd.. Armen der Leopoldstadt n. Nur noch wenige Karten ira Vorrerkaof bei: .Wien-? Mo rentel»»mg% *].. Tfcbo *tr. t—3. B Itd-r SeVfTmann, ll., Tahitslra#*« 48. Mori 2 Friedmans. II.. Iieine traene 27, Inspektor i naz Stern, II., Otone Ptwtgane 30. HL UM itt der Provinz" (Parodie), „AuS der guten a l t e n Z e i t", Etüde von Chopin, ,D i e Amazone". Samstag den 24. d. um 3 Uhr nachmittags einmalige Aufführung von Artur Schnitzlers „Das weite Land" mit Arnold Korff und Maria Karsten. * Kammer spiele: Heute, 7 Uhr abends. Premiere des dreiaktigen Lustspieles „Ein reizender Mensch" von Paul Frank mit Arnold Korff in der Titelrolle «nd Maria Karsten als Marielle. Renaissancebühne: Morgen, 7 Nhr abend-, Erstaufführung des fünfaktigen Schauspieles .Der Marquis von K e i t h" von Frank Wedekind mit Albert Steinbrück in der Titelrolle. __ Gerichtsfaal. Ser antisemitische «mübeamte. Der BanHeamt« Max St«idler, rmn.-kath., wchnt kn 20. Bezirk in der Nähe der Wallenstemstraße. Seine Fenster gehen auf einen Platz, auf dom halbwüchsige Jungen Fußball spielen. Es soll sich einige Male zugetrazen haben, daß ihm bl solchen Gelcget heilen cmS Unvorsichtigkeit die Fensterscheiben eingeschlagrn wurden, ohne daß er zu einem Schadenersatz kommen bannte. Der Wachmann gab chm daher den Rat, nächstens einen Jungen abzufangen und ans die Wachstube zu bringen. Der Herr Ban-kbeamte ließ sich das nicht zweimal sagen, und so kam es, daß err am 1. Jänner d. I. — den gut gemeinten Rat nicht eben streng wörtlich nehmend — dem Ibsährigen Josef Dorf Mi Ohrfeigen gab und chn etwaderb zu bew gen versuchte, mit auf die Wachstube zu gehen. Es entstand ein Auflauf. Zu dieser Zeit aber gingen Mutter und Schwester in der Wallensteinstraße spazieren und sahen auS der Ferne, wie ein Bub verprügelt wird. Näher herangekommen, crkann'e die Mutter chren Sohn und stellt« in begreiflicher Aufre^ug den unbefugten Lehrmeister zur Rede. Daran Hin soll ihr Sudler zugerufen htben: ,^ie sind eine gemeine Person, eine Dreckjüdin!" Dem h>übereilenden Datei Norbert Dorf, der ihn sberfalls zur Rede stellen wollte, soll er mit erhobener Faust und folgnüxn Worten entgeoengelawfen fein. „Saujud! S ch w e i n k e r l! Ich -Han' Ihnen tzw i Ohrfeigen herunter, daß Ihnen Hören und Schrn ver- Gcftern hatte er sich vor dem LandeSgerichtsrate Doktor Fuchsig wegen Chrenibeleidigung zu veranwovten. Der Anfoklagte Mr'.e anS, er hckie den Biüben, der sich weigorl«, se'm Nationale »bzugehen, auf die Wachstube sichren wollen und leugne:« alle inlkriminier'en Aeußerungen Mtt aib. Der Zeuge Jnfipekwr ZioKer, der damals amishandlt« und beim Tatort anwoseud war, war zwar zur Verhandlung geladen, -doch ohne Cn'fchuldigung aus-sedlieben. Der als Zeuge elnvcrnommene Josef Dorf sowie seine Schwester Klara b.stä-!-igten sämtliche an'.isenvitischen Ausfälle des Beschuldigten. Die Verteidigung beharrle ober auf der Einvernahme d s Inspektors. Der Richter vertagt« die Verhandlung zwecks Ladung dieses Zeugen unter gleichzeitiger Bekanntgabe an die Polizei, daß d.vseikbe einer bereits einmal erfolgten Aufforderung nicht Folge geleistet hat. , Abschaff»«« ein — MMgmmennmd. Dieser Tage sind vor dem BerufnngSstnat des Zivillandesgeriches eine Küirdignngsvechandlnng statt, deve-n Urteil eine prinzipielle Bedeutung znkommt. Im November kündigte der nach Russisch-Polen zuständige E. R y a b o i de n Ehepaar Israel Weinberg das von ihnen nach der Flucht aus Galizxn im Jahre 1914 gemietete Kabinett, invem er «SS ZdünVigungLgriurÄ geltend machte, daß er dasselbe für. ferne tuberkulös veranlagten Kinder benötige und übrigenS dvn Gekündigten auf Grund der allgemeinen Abschaffungskundmachung deS Londeshrrptmarmes Scver von 9. Sep ember 1919 der Schutz des Mietengrsetzes mcht zustatterkomme. Das BezirkSgrricht Leopoldst-adt tLanoesgerichtsrat Dr. Mifk^q) erklärte in dem abweiS'ichen Urteil, daß die vor drei J'chrm erfolgte generelle Abschaffung im Sinne der Kundmachung eine r-nne Verwalt-ungs-maßnähme beinhalte, auf welche das Gericht solange nicht Bedacht zu nehmen habe,, als nicht durch irgendein« kvimm«lle Hand-' lunMveise der Aftevmie er Bedenken gegen seine Person rechtfertigt, welche das auf mn Der rauensverlsiiltnis aufgeb.mte Zufammenwohn>:n dem Bevmöater nicht zumuten läßt. Bei der Benifungsverhaudlung führte der Vertreter der kündigerrd-.n Par!ei, Herr Dr. Ignaz Kurt Roser.feld,mis, daß die omrnäse Kundmachung d:s damaligen Landeshauptmannes Sever di« Gewalt d.-e berüch'iigten Notverordnung bedeutet und dc-n vermeintlichen Zweck einer Erleichterung des wirtschaftlichen Notstandes, in dam sich Wien befand, hätte erreichen sollen. Sie b'deuteie eir»n Schlag ins Wasser, weil sie mit den herrschenden Be hält nissen i.ichr rechne:« uwd die Schwierigkeiten übersah, die sich in rein menschlicher und politischer Bezihung der drakon>'.schen Durchführung der Ab» schaffungsor-der en'gegenftellten. Heute sind die Boratlssetzungen, die für die Erlassung der Kur»dmachung maßgeb.md waren, zum größten Teil schon obsolet gewogen. Immerhin besteht sie for-nel! noch zurecht und muß ihr Zweck!n wne« Fällen respektiert werden, in denen die Betroffenen die formelle Erlaubnis zum Aufenthalt von der Polizoidirek ion nicht erhallen. Auch ’ das Gericht hat diese Tatsache zu würdigen urd dcn Schutz des Mietetigese^es, dom ebenfalls der Charaker eines Notstondsfesetzes zukommt, gegebenenfalls zu versagen. Der Berustrngssenat unter dem Vorsitz des Hofrates Nothartsberger pflichtete dieser Ausführung bet und hat die Kündigung mit der Begründung für wirksam erklärt, daß die Abschaffung eines Fremden an sich eine Mndigung rechtfertigt, wenn er, wie im vorlioger^en Falle, eine Aufenthaltsbawillign-ng nicht besitzt. Er kann den Mie'erschntz nicht in Anspruch w-hmen, weil er ebensowenig die rechtliche Fäh^keit besitzt, sich h'«er niederzulnssen oder auszuhai-en oder ein Gewevbe anszuüben. All diese Tatsachen treffen aber vor« liegLn>deu>fatts zu. Bolksivirt. Nnrzaliluug Me« Rn Zürich notierte die österreichische Krcne . . die österr. gestempelte Krone die tschechische Krone . . . die Mark ........ Belgrad. Bukarest •«•..««. Sofia. . Budapest Warschau 0.0075 Centimes. 0.0074*1. Centimes. 0.C074*/. (0.00747, 0.0075 (0.6075 15.95 ( 15.95 0.0258 (0.0258 5.45 ( 5.42‘/, 3.30 ( 3,30 0.14 ( 0.15 V, 0.0145 (0.0125 am 19. Mürz) am 19. März) am 19. März) am 19. Marz) am 19. März) am 19. März) am 19. Mürz) am 19. Mäi^) am 19. März) Sie Ssterreichisch-ukrainischrn Handeledezlehnngen. Oesterreichs Beteiligung an der Kirwer Messe. (Aus einer Unterredung mit d.m Wiener sowjelukrainifcheitz Handelsvertreter Dr. Derewienko.) ' Mit Rücksicht auf die kürzlich oFtftidl cmsgenom menen politische Beziehungen zwischen Oesterreich und der Sow'eMkrcrina sind die Ans>'ührun:ien des ersten Handelsver.reb.rs der Sotvietnikraiüa von besonderer Bedeutung. Di« alten Wir schaftsbeziehungen der sich gegenwärtig gut ergänzenden südruffischen und mitteleuropäischen Gtzb'.ete haben durch den Krieg ein zei'.weilige Un!> rbrechung erfaihren; sobald aber die Truppen der Mittelmächte in SüdrußlarL) eingerückt waren, wurde — alleMngs in verminderter und durch das Militärreyime wesentlich veränderter Meise — ein neuer Warenaustausch eingeleitet, der aber durch die verschieidcnen politischen Umsbürge alsbaöd wi-cder abgebrochen wurdc. Zaghaft, tastend, etwas mißtrauisch be>gann man im vergangenen Jahre neuerdings, Verbindungen, anznknüpfen. Von den Wirt« «schafllichen Zusammenhängen und den beiderseitigen Bedürfnissen diktiert, durch die jahrzchntelangen Evfahrungen geleitet, kamen schon m v.rhäl nismäßig krirzer Zeit neue Bez-.e-hu-ngen zwischen der SewMvkraina und den mittelenrppärschen Staaten zustande. Zum Ausbau derselÄen und zur Intensivierung des langsam einfetzei.den Handelsverkehrs etabliert« d» Sowjetragierung der Mraina eigene Handelsvcrlretunzen in den meisten Hmipstädten Mitteleuropas. Die Sowjetukraina ist heute ein vollkommen s e >l b st ä w» diger Wrrtschaftskörper, der in hanLelspoliMxr Hbniicht ein Monopolgcibiet darstellt. Ein- und Ausfuhr sind Staatsmonopol. Diese Maßnahme wurde nicht so sche durch poilitffche, als vielmehr durch wirtschaftliche Momente di>ktiert. Durch das Konzentrieren der War«'n>bewcgung in der Hand der Regievung bchielt sich /diese a-uch jede Mögllchkeir, zur Reguli rung der finanziellen Berhältnitse des Landes. ES wurde verhindert, daß durch planlose ArKfuhr, beziehungsweise durch Schmuggel im Lande notwenidtger Produkte und durch Einfuhr unwichtiger Artikel die wirtschaftliche Situation «rsck)lwert und die Zahlungsbilanz unnötigerweise verschüchtert werde. Das Handelskammissariat gestattet nur von Fall zn Fall den Im- »nd Export von Waren. T^e Einfuhr erfolgte bisher zumeist gegen Barzahlung, nur selten gegen kurz-'! frostigen Kredit. AuS leicht verständlichen Gründen sorgt die.! Sowjetreaier."7rq für di« striktelt« EiMMuna der ukrainischer»' C$^C