Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1472 (19.3.1923)
- Date
- 1923-03-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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tfctteS Wien, Montag Wiener: Morgenzeitung, Von den Tätern leine S-m. Der Raubmordversuch, der Samstag abends auf die Postmeisterin Hermine Schweitzer in ihrem Amtslokal in der Simmeringer Hauptstraße 128 verübt wurde, stellt sich als ei nes der verwegenste nVerbre chen dar das die Wiener Kriminalchronik kennt. Picht nur "weil lieber.- fälle auf Postämter in Wien noch nie vorgek-Mmen sind, sondern weil die Bluttat bei hellichtem Tage an >dem belebtesten Punkte der Simmeringer HauY-straZe verstbt wurde und für die Tater somit die höchste Gefahr dev Neberraschtlng bestand. Uederdies mußte die Tat — wenn sie gelingen sollte —- .fast pünktlich um dreiviertel 6 Uhr verübt werden, weil gerade zu dieser Stunde die Uebersallene die ihr im Laufe des Tages zugeflossenen.Gelder stbrechnete und zur Absendnng, respektive Verpackung in einem Postbeutel bereitlegte und 'dieser regelmäßig Punkt 6 Uhr abends von einem PosteleLromobil abgeholt wurde. Diese Umstände stellen die Kriminalpolizei vor zwei Fragen: Sind hie Täter Mordgesellen, die in der Umgebung des Tatortes jvohnen und dadurch mit'den Verhältnissen des Opfersttid seiner Amtsgepflogenheiten genau vertraut - waren oder sind es Schwerverbrecher, die die Postmeistenn gelegentlich pufs Korn genommen und nachdem sie alle Umstände bis tzuf das geringste Detail „ausbaldowert" hatte», entschlössen jur Tat geschritten sind? Zur Stunde bieten sich?ein-5 Anhaltspunkte dafür, diese Fragen' zu beantworten. Tie Mörder haben auf dem Tatort weder eine Waffe noch sonst irgendeinen Gegenstand zurückgelassen, der aus ihre Spur führen könnte und auch hie Persynsbeschreibungen jwn junge« Burschen, die vor Uttd in der Nähe des Tadpries >herumlungernd beobachtet wurden, sind so vage, das; sie nicht hmreichen, ne zu erkennen, wenn man sie nichk selbst schon gesehen hat. Die Polizeibehörde zieht natürpch beide Kombinationen in Betracht und hat dementsprechend Vre Nachforschungen einseleitet. Vas. Opfer. Die Postmeisterm Hermine Schweitzer wurde, wie leuchtet, vorgestern abends durch die Rectungsgesellschaft vom Tatorte in« Rudolfsspital gebracht und dort auf der zweiten Liturgischen Abteilung des Hofrates Dr. Karl F unke aus- . genommen. Äsiistenzarzt Dr. Smi'tal befragte sie um ihre /erfonalien, die sie korrekt angröen konnte altem daß « das Opfer eines Raubmordversuches, wußte sie nicht fvb selbstverständlich konnte, sir auch deshalb keinerlei,Angaben über die Tat und die Täter machen. Auch der Ver- Mch einer Vernehmung durch Polizeiorgane siel negativ Im Laufe der Nacht hat Frau Schweizer sehr viel Blut erbrochen, das sie währenddes Uebersalls geschluckt hatte.' Während des gestrigen Tages war ihr Befinden unverändert. Es traten keinerlei Lähmungserscheinungen auf und sie war auch Lei Bewußtsein, so daß sie wieder polizeilich rinvernommen werden konnte. Allein sie konnte nur ihren Namen angeben und sagen, daß sie Postmeisterin fei. Auf die Frage, ob sie wisse, wo sie sich befinde, antwortete sie: Wien." Und als man sie fragte, was ihr geschehen sei und was ihr fehle, sagte sie nur: /Mir tut der Kopf weh." * Zur stunde besteht für die Bedauernswerte keine Lehensgefahr, cs ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß in den nächsten Tagen zu einer Trepanation geschritten werden muß, falls Knochensplitter ihS Gehirn gedrungen sein sollten. , ■ Der Aehc-rsall. \ Wie die Tat geschah, läßt sich nach einem Lokalaugenschein leicht kombinieren. Um 5 Uhr nachmittags schließt Fräulein Schtveitzer gewöhnlich die Annahme von Geld und anderen Wertsendungen: Sie läßt nur den zweiten Schalter für den Markenverkauf offen. Am SamStag hat sie gegen halb 6 Uhrden Rallhalken zur Hälfte, hsrabgelassen und ist durch die Türe im Hintergrund des Raumes für den Partejenverkehr in den AmtSrcmm zurückgekchrt. Da sie für 6 Uhr das Postelektromobil erwartete, dem sie wie täglich die Postsendungen und den Geldbeutel übergeben ivollte, schsoß s i e d i e s t Türc we d e r mit dem Schlüssel uoch mit einem an dem T irrst ock befindlichen, allerdings sehr lose sitzenden Niegel ab. Diese Unterlassung wurde ihr zum Verhängnis. Denn der Täter ist offenbar auf demselben Wege in der; Amtsraum gedrungen und hat die Unglückliche, die sich dem Eindringling zuwendete, sofort niedergeschlagen, das auf dem Schreibtisch liegende Geld zusammengerafft und mit dem Aufpasser, der wahrscheinlich vor der Türe des Postamtes' gewertet'hat, dir Flucht ergriffen. Zwei WMonsu EngreiferhrrärNre. Die Postdirektion hat auf die Ergreifung des TätcrS eine Prämie von zwei Millionen Kronen und zehn Prozent des zustandegebrachten Geldes ou-sgesetzt. »us. Doktor Smiial konstatierte, daß dir meiste;; Wunden nach dem Charakter der Wundränder mit einem scharfkantigen Instrument beigebracht wurden, während eine Wunde, deren Ränder gequetscht sind, von pinrm stumpfen Instrument herrührt. Daraus wäre dreierlei zu schließen, und zwar: 1. Daß der Täter zwei Waffen gehabt hat, 2. daß er vielleicht die Waffe um gedroht Und nicht mir mit deren scharfem Teil, sondern auch mit' hsm Stiel zugeschlagen hat und 3. daß vielleicht zwei Täter in Betracht kommen. Nr 9v?eM«rWlMr. In der Angelegenheit der vorgestern ausgehp heuen FälsHsrwerkstätte werden die Echobungen eifrig fortgesetzt und es scheint, daß außer dom eigentlichen FcchrilaMu der fälschen Noten Moritz Zismann und seine unmittelbaren Komplizen, noch eine gai'-zo Reihe von Personen in die Affäre verwickelt ist. So 'weit'chjSher, ffestgßMD'wUtze," lind im ganzen 70 Millionen falsche, Pöfenmark erzeugt' wSrdtu. Der technische Mitarbeiter Zismänns war der Chemigraph Lheador Kölz, der die Retuschierungon an den Noten vornahm. Auch in seiner Wohnung wurden eine Menge Falsifikate gesunden. Die Sache zieht immer wertere Kreise, denn mit der Erzeugung allein war die Sache nicht abgetan. Gleichwie die Stoöhammer, die an der Grenze in Hohenau mit Polsnmark :itt der Höhe von 31 Millionen abgefaßt worden ist, sollte noch ein ganzes Konsortium sich mit dem Vortriebe der hauptsächlich ffür den Export bestimmten Falsifikate befassen. Hauptsächlich; sollten sie wohl nach Polen gebracht werden, weil zu hoffen siyich, haß pit dort den heimischen,. Noten nicht so Ystl Auf- .-rnMarnkeit schenken würde wie fremden Noten in Wien. W!sind wieder einige Bschafrungm vorgenommen worden. Dagegen koynt? eine Anzahl der Samstag als verdächtig sestgenommenen' wieder in Freiheit gesetzt, wex^n. Tie Ausüärung des fürchterlichen Verbrecheps liegt in den Händen, des Vorstandes des Sicherheitsbureaus, Hofrates Wahl, der die tüchtigsten Kriminalbeamten mobil gemacht, hat.' Polizeipräsident Schober hatte sich noch Samstag Nacht am Tatorte eingesunden und an dem Lokalaugenschein, ieilgenourmen. - EiNS Lprrr? In lväter Nachtstunde erfahren wir: In der Wohimnfl des Fräulein Sechoeitzer wurde vor zwei Jahren ein Einbruch c-dicöswhi wrHn imh als Täter der Zljährige Albert B l a s ch! e eruiert und zu ^jährigem schweren Kerker verurteilt. Blcischke ist .nun vor einigen Tagen aus der Kerkerhaft entlassen worden und die Polizeibehörde wurde aus dreien Umstand aufmerksam gemacht. Nach dem Verleih des Blaschle wird, eifrig geforscht. sammelten sich die Dcnwnsiravten in der Volkshalle des Rathauses. Ass der Borsitzev.de mitteilie, daß der Delegierte der ' französischen lommlimmschen Jugendorganisation, Demo»'.in, der in dieser Versammlung sprechen sollte, von der Polizei a b g e f ch o b e n wurde, brach - ein .Sturm der Entrüstung aus. Es wurde eine Resolution beschlossen, .in'der erklärt wird, daß. nunmehr der Kampf f;2$p die polmsche und wirtschaftliche Reaktion mit allen Mitteln in. einheitlich geschlossener Front ausgenommen werden muß. Ein Antrag, gegen die Ausweisung Demoulins den schärfsten Protest zu erließen, wurde gleichfalls angenommen. Nach Schluß der Versammlung zogen die Teilnehmer üver di- Ringstraße bis zur Bellaria, wo sich der Zug ohne Zwischenfall ciuflöste. 19. März 1923 ^Nr. 147» ■zm Rüdigirrt von Dr. Sariel Beer. Ueber Herzschmerzenl -Hüufitzev als jemals stüher hört man jetzt viele Menschen über Herzbeschwerden klagen. Sicherlich ist ein großer' Teil her angegebenen Schmerzen <suf eine Schade gung des Herzens, des edelsten menschlichen Organes, zurückznführen. » Schon ein gewöhnlicher Herzkläppenfehler kann im Gefolge der sich' einstellenden Herzdehnung vexschiqdartig empfundene Schmerzen in der Herzgegend Vevursachen, doch sind diese Sensationen-selten so stark, daß sie allein die Veranlassung zur ärztlichen Untersuchung abgeben Atemnot, Schwellungen in^ deu BeineN 'und andere Shm« tome führen solche Pattenten ftü'her zum Arzte. ' Anders verhält es sich jedoch mit Menschen, die plotz ltch, wie von einem Blitz aus heiterem Himmel, von -heftigen Schmerzen in der .Herzgegend angefallen werden. Eine solche Attacke ist so fürchterlich, daß die Betroffemn fast immer , das Ende, herannahen glauben. Der Aufafh der die Brust zufammenkmairpft und ein ängstliches Gefühl der Verutchtung auslöst, geht meist mit einern Schweißausbruch mch ausstrahlenden Schmerzen in den linken Arm Nnd die Halsgegend über.. Der schreckliche schmerzhafte' Zustand geht nicht sehr rasch vorbei, wieder" holt sich jedoch nach bestmrmten Ursachen, nach üppiger Mahlzeit, größeren körperlichen Anstvengungen, Ausregmtgen, in größeren öder kleineren Zeiträumen und vermag so den Kranken die fernere Lebenszeit zu verleiden. Der geschilderte Anfall tritt bei sogenannter He^- bräime oder Stenokardie auf und hat seine Ursache ir e'nper ' Herznmskelerkrankung auf arteriosklerotischer Grundlage. Der Plötzlich austretende Schmerz ist die Folge einer 'Verengerung der HeMefäße, die eine schlechte Blr^» Versorgung mit sich bringt. 7 Embgen auch meist keinerlei Zeichen einer BlutgefäßeutartnnI uachzulmistn fein, an den Kranzgefäßm . Herzens besteht o'5tt die Degeneration. Fanden sich solche Stenokardien ftüher mchr bsi älteren Männevn — Frauen werden seltener befallenso^ trifft man heute auf zahlreiche Kranke im mittleren^ Lebensalter. Dqs erklärt sich zur Genüge aus dem <mfrsibenden, sorgenvollen Leben, das diese dreißig- bis vierjährigen Diänner m den letzten zehn Jahren durchzumachen hatten. Doch -in erster Linie muß Mn. die starke Vergiftung des Körpers mit Nikotin beschuldigen, dessen Herrschaft seit -dein Kriege stark zugeimmmen hät. Der starke Tabakgenuß führt sogenannte Gefäßkrisen -herbei, deren äußerer. Ausdruck die starken Herzattacken sind. In der jüngsten Zett durchgeführte Untersuchungen^ über die Giftigkeit des Tabakrauchens haben ergeben, daßj ins'bason'dere das Inhalieren beim Rauchen schädlich tftj und daß' beim Inhalieren achtmal mehr Nikotin.iw den Körper ausgenommen wird als' beim Wundrauchen.1 Leidenschaftliche Zigavettenra-ucher inhalieren aber 3^] meist, weshalb gerade bei starken Zigarettenrauchevn tot verhältnismäßig' jungen Jahren steuokavdische' Anfälle zu' beobachten sind. Durch Entn-ikotinisieren lassen sich die! giftigen Wirkungen stark herabmindern. Auch haben dke -verschi-edenen Tabakpräpavcrte.verschiedenen Nikotingehalt. Kau- und- 'Schnupftabak sind stark cntnikotinisiert. Auch! Pfeifentabak -enthält weniger N-ikotingehalt als Zigarottentabak. Manche Zigarren, wie -die österreichische Vir-' ginier, haben bis zu 7 Prozent Nikotin. Es kommt auch, viel daraus an, ob die Zigarren trocken-oder feucht sind.! Lassen sich auch die durch übermäßigen Tabakgenuß! herbeigeführten Herzbeschwerden durch Ausgehen oder! Eiuschränken des Rauchens vermeiden, so erfordert das! Unterbleiben der ftenokardischen Attakken. eine völlig ge» änderte Lebensweff,;,- die nicht rinmcr leicht durchführbar ist. Alle schweren körperlichen.Anstrengungen, alle seelffcheu Erregungen/der Genuß geistiger Getränke, die Ueberladung des AtagenS mit Speisen, besonders des Aberchs uO qn Festtagen, sind zu verMiderrs Was die Diät betrifft, so sei neben der BeschräutunH des FLeischgenusses auf die Wobachtung des- Breslauer Professors Rosenthal hiuzuwersen, der behauptet, daß Früchte, beziehungsweise die in diesen' enthaltenen Fruchtsäüren,. solche GrfäWvungen auslösen. Es wäre denrnach Obst und Konrpot durch fettimd sahneretche Kost zu ersetzen, Aber nicht jeder plötzlich eintreteM Bxustschmerz an der linken Seite ist der gefürchtete Anfall von Herzbräune. Intensiver Schmerz/ in der -Herzgegend, kann ein aus die ftuWitigen Brustmuskeln allein sich beziehender R-heu- Mtismus bei einem sonst kväjtigen und gesunden IM» viduum Hervorrufen. Der kundige Mick des Arztes wird den Patienten vor einer Verwechslung in der Diagnose Le-, Wahren NO durch eine der Herzbmunchehaudlring entgegengesetzte Einwirkung von Massage und Heißluft eine Heilung hecheifü'hren. Auch eine linksseitige RippenfellentzüudU'Ng kann unter dem Bilde einer Herzattacke verlaufen, doch ist hier der Schmerz meist von der Atmung ah» LMS aus Me». \ In allen Städten Europas, wo .komuiuuistische Organisationen bestehen, fanden gestern auf Einberufung her kommunistischen Jugeudk'uterngffynqjte DemynstraLionen gegen Reaktion Mh Kriegsgefahr statt. In Wien ver- GkrMPs wqrtznincderlA, wn Her^rä-mpsen wird das schöne Geschlecht Wweilen gerne b.'sallen und vermag damit für eine Zeit die WmMWkeit aus sich M leMn «-7 bis der Wt erscheint, der dann sofort den geängstigten - Gatten über die M uud HkMBMit dtztzDeschwMu für die Patientin hUchWN Wll- Glche WphD Hex hysterisch? HerzarHlle ßpkchllt MN MSN daran, daß hie Bejrßffeuden ysitzM-