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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-14 · Heft 1467 (14.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1467 (14.3.1923)
Date
1923-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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H HnzelmrannerKniOO Wi o y:?um Abholen in der Expedition, H.,Taboratr. 1-3, oder m einer VeirsehleicisteHe (Trafik) monatl. K 28.000 Mit PostVersand für Wien u. Ocsterr. monatl. X 28.000 Ta che c h o-S I ow a k e i: Mob. IC 17. Ungarn: Mon, K 600. Ja g o g I awi en: Mon. Dinar 35. Po len:. Mon. Mk. 8000. Deutschland:' Mon. Mark 5000^ Frank r„ jßelgien: Monatl. Frcs.8 4MP N*eh**Mungen WW bei. Preiserhöhungen Vorbehalten , Nr. 1467 SfcChwCll«<'SIOWnr*«l | tschech. K l.— ' I t a 1 re n t Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 Lei bezw. Lewa, S chw ei z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u. Administn Wien, II., Taborstrasse 1—3 T elephone: 44-0-38.43-3*19» abÖUhrabds. 19-483,16-301 TeL-Adr.: .Morgenzeitung1' Wien 1 Oesteireicbisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wien. Mittwoch. 14. MSkj 1923 i. Fahrgang Das erschütterte Vertrauen. -7. -W t e n, 14. März. Die Sanierung Oesterreichs ist in. vollster Entwicklung. Sie vollzieht sich strenge im Rohmen der -staatsbildenden Kräfte dieses Staates und ihre einzelnen Stadien rüarkieren deutlich und erkennbar den Willen oller Parteien, nach ihrer Weise Oesterreich in den Bund per ^Völker einzufügen. Daß ihr Wille und ihre Weise auf' Schritt^ und Tritt mit den Anschauungen des geiistigen Europa kollidieren, ficht diese Parteien nicht weiter au. Der Staat ist ihnen eine lästige Nebensache;, .für sie kommt vor allem ihr Parteiprogramm, dann die laus den Steuerfeldern, aus den Abgaben und Zöllen" sich süllendeStaatstripPe und schließlich der Wählerfang in Betracht. Das sind drei Richtlinien für Ihr Verhältnis zur Bevölkerung.. Die Lösung der Staatsprobleme bleibt dem Ausland Vorbehalten, auf dessen Tasche sie alle -die festesten Hoffnungen gegründet haben.- Wirdesschies gehen, dann wird —- so lautet ja diese Lehre Vom österzreichischen Staat — das Äirslaud sich bemühen müssen, Oesterreich zu retten. Denn man kann doch um Gottes- Mllen die Stätte alter Kultur nicht zugrundegehen lassen. Natürlich muß zum AuslaM gesprochen/ muß chm von dem Ernst erzählt werdest, mit dem Regierung »nd Volk die schweren Sorgen dK Ausbaues erftillen. Alles ist voll dänokrattschen. Empfindens, alle Stände pnd Klassen und Berufe wetteisern miteinander, sich des Vertrauens Europas würdig, zu zeigen. ' . - Mer so ganz, verschweigen laßt es sich' doch nicht; baß in Oesterreich die ^amerüng>hyiMW-' an-.den snneren Krieg streift. Neben demMe^ Ht^es noch be- OiNcmWw^ perneymen VW,' um ihren MftinßWck.K.HHiW. Ge ' halten 'yMngew ab,/hexnen den Verschlußes Männ- 'sichergÄvehres Wegen, fabrizieren.GhiMmÄm.'' mit Zündaufschlag und SchweftlstmsseMosiballöns, tragen sn der Tasche den Revolver und am' Handgelenk den Gummistock. Die Bestimmung dieser Organisationen,ijt eine mehrfache: den inneren Feind — das ist.die jüdische Demokratie —ftir die Errichtttng der Republik $u bestrafen und mit Bayern und Ungarn gemeinsam ten Krieg zu erklären. Wem — das ist nicht präzise formuliert. Es komm t vielmehr aus den Auftrag des jeweiligen Geldgebers an. . Das kann einmal Frankreich, das nächstemal Italien, einmal Stinnes und das stächstemal Horthy sein. Für alle Fälle ober geht es einstweilen gegen die Juden. Ob sie demokrattsch, konservativ oder radikstlsozialistisch oder gar politisch indifferent sind, das kommt bei der frisch-fröhlichen Hatz. nicht Detter in Betracht. Sie sind da und durch ihre Existenz allein genügend, sich provoziert zu fühlen. Und so gibt es jeden Tag etwas zu tun.. Einen Tag. an der Universität, den nächsten an der Technik,.dann vor dem Rat- .haus?Die hohe Negierung weiß nichts dazu zu bemerken, und so.kann die Felddienstübung der Jugend luftig sortgesührt werden. Aber schließlich erfährt" auch das Ausland von diesen Harmlosigkeiten und redet recht Deutlich mit.. So liegt jetzt ein englisches Urteil vor: Die Londoner Daily Mail" läßt, sich aus Wien berichten: „HÄiisige Straszerrcmftäilllfe in -Wi>on ' nnld SEvungen öNeMch-er Pevs«Mmöiunu«.st während dvs letzten Monats ilMtzen iit vielen.AMandAr-eisen das Vertmiuen zu Oosterreichs wirlfchq'silichvr Wiederherst-ellnriig erschüittevt. Obwohl die Ansiäuse auch für die.MchibetMigtM gchährAch sind, hclb-nc sich an ihnen verhÄttnlsmWg weNiq, Personen' be teiÄgt. Das aMMAWe- Keniizqichen der, Krawalle. P die bvn!Äe MißhanMiNg 'von FWuon." - Jeder Einwohner'Mens weißdaß . diese Schilderung hinter den Tatsachen noch weit zurückbleibt. Sie muß aber noch, durch die Feststellung ergänzt werden, baß die für die Äerwalttmg und'Ordnung Verantwortliche Negierung ..sich in tiefstes Schweigenhüllt,und daß keine der Parteien, die mit.dieser Jugend in Verbindung stehen, ein äusklärendes Wort spricht. Im , Gegenteil, gerade vost diesen Stellen geschieht alles, um den - Schändern Oesterreichs moralische Unterstützung zu bringen. Ist es'etwas anderes, wenn jetzt im Nätionalrüt ein.Wahlgesetz vorgelegt wich, das es den Juden unmöglich machen will, sich eine parlamentarische Vertretung zu sichern? Ist esettvas anderes, wenn dieses Wahlgesetz die Mandatsverteilung an die Resultate der Volkszählung' bindet, derselben Volkszählung, bei welcher der Innenministereine Zählung ,der Juden purchsühren wollte? Allen' jüdischen! Einwohnern Oesterreichs ist es durch! densjetzigen Nätionalrat ins 'Bewußtsein gehämmert!' worden, .daß. sie'isti-ihm nicht vertreten sind und daß kein Mitglied des Hohen Hauses die vollberechtigten Ansprüche dieses nach Steuerlast und wirtschaftlicher Bedeutung für den Staat, unentbehrlichen Judentums zur Kenntnis der politischen Oettemilichkeit . Ruhr i« B«er. Be» l i «. 13. Miirr. Wie die BMter aus 'Buer melden, ist die vergangene Nacht r u hi g v et lau f e n. Bon den Franzosen wird eine auWoirdeIttlichscharfe B erk e h r s s7-e r r e aützgeüht. . Die ersten schaffen Verordnungen des kommandierenden Generals sind durch mildere erseht worden. Die Besatzung der Stckdt ist erheblich verstKrkt worden. Bor dem Rathaus haben die FranMen . sechs Tanks aufgefahren. M a nn he im, 13. März. (Wolfs.) Die Franzosen haben . heute vormittags den Thhssenschen Kohlenhafen in Rhein a u, einen großen Kohlenumschlgg-latz, besetzt und. die Kantinen für die Truppen requiriert. Die Hetze der IeuMuEomlen. Berlin, 13. März. (Tel.-Komp.) Angesichts der Voo gange in. Buer.verlangen die D e u t s ch n a t i o n a l e n erneut B erg e l t u n g s m a ß nahmen gegen Franzosen und Belgier. Die extrem nationale deutsche Zeitung fordert darüber hinaus die deutsche Regierung aus, allen Regierungeu der Welt b'Aannt zu geben, ^daß Deutschland nunmehr zur Abhilfe und Abwehr greifen werde, mit' Mit- , teilt, die man freilich in einem modernen Krieg nicht kennt, die aber die Erklärung des Kriegszustandes überflüssig machten und e s j e d e m s e l b st ü b e vließ e,. wie er sich zur Wehr setzte. W»e deutsche Rote an Kankreich. Berlbr, 13. März. (Tell h. - -,Wr.- Morgenzettuug".> Zu den frattzösrschen Strasmatznahmen gegen die Stadt Buer betont Pie deutsche RegieMug .iN ^einer Note an die ftauzüsische. Regierung, es stehe.-keiWEegs fest, daß Deutsche M freut Tode, der beifren fvanzssischeu Offlzveve - beteiligt sind. Mensowsntg liegen Anhaüspupkte >dafür vor,, daß. den staatliche^ stnd stäPtis^nPehvEt/ern^Bers zuv Last faWDchWch KxpreMM.M, ein M g r o bev? Wäll l-Lüb-bezeichneb werden. - ' Paris, 13. März. (Wolff.) Nach einer Meldung des „New-Iork Herald" aus Washington, werden die Vereinig^ ten Staaten ihrem Unterhändler in der Pariser Kommission < für die Rückzahlung der amerikqmschen' Besatzungskosten Wads Worth die Weisung geben, aus Bezahlung der Besatz n n a s k oft e n aus Grund einer angemessenen Beteiligung der Vereinigten Staaten an den bisherigen Barzahlungen und Sachleistungen Deutschlands zu. be- .stehen. . . Das Angebot der AlliDMt^das die Bezahlung aus .den künftigen deutschen Leistungen vorsehe,. solle Wadstvorth gar .nicht beanttvortsn.. Man nehme daher.gn, daß düe -Ve.rh.ändlünge'n' in Päris aüf einen tote n,P.u.n.kt g.eraten würden.^ Brüssel, 13. Marz. (Havas.) In Besprechung des Commüniques über die ftanzvsisch-belgische Konferenz unterstreicht der Vertreter der Ageuoe Havas die politische Bedeutung der Erklärung, die auf - Verlangen Belgiens ausgegeben wovden ist und «neuerlich in feierlicher F orm die Tlbsicht Frankreichs und Belgiens znm Ausdruck bringe, das Ruhrgebiet zu räumen. Entgegen den Behauptungen der deutschen Propaganda erklären Frankreich und Belgien, 'daß sie ui ch t de n H i nt er ge da nken einer Annexion haben. Bor kurzem haben die Verhandlungen über die große Völkerbundanleiihe für Oesterreich begonnen. Die Vorbesprechungen werden gegenwärtig in Wien geführt. Der österreichische Gesandte in London Franckenstein und der.ehemalige russische Fmanzminister Peter Bark, der Mitglied des Londoner Komitees der Änglo-Austrian Bank ist, befinden sich in Wien und die Finanzverwaltung hat mit ihnen wiederholte Konferenzen wegen der Bedingungen der Anleihe gepflogen. Die Telegierten werpen von hier nach Genf, Rom und London reisen, um frort die Verhandlungen in das Stadinnr der praktischen Durchführung zu leiten. Sie Staatsbeamten gegen Vethlen. Büdapest, 13. Marz. (Tek. d. „Wr.' Morgenzeittmg".) Der Landesverballd' der Staatsangestellten hielt gestern abends eine stark besuchte Versammlung ab, in welcher der weitaus größte Tell der Beamtenschaft entschieden gegen die Regierung Stellung nahm. Die exlrem rechts orrentierteü Elemente beabsichtigen, die. Bewegidng von der bisherigen wirtschaftlichen Grundlage ins politische Gebiet zu übertragen. Diese Leute, hinter denen der ^Verein der Erwachenden Magyaren steht, beabsichtigen nichts' Geringeres, als die R e g i e r u n g z u stürzen unv die Macht in die Hände der Erwach enden'Magyaren zu spielen. ' Heute Mittags waren schon Gerüchte verbreitet, daß die Beamten und Angestellten der Staatsbahnen und der Post bereits 'die' Anwendung der extremste« M i ttel gegen die Regierung beschlossen!hatten.-Es'kamen auch Mldungen, daß tu verschiedenen staatlichen Anstalten bereits' die Vorbeteituingen für den Streik der Angestellten getroffen worden stnfr. Die Erklärung des Mmistievpräsidenten Bethle n, daß er. keine revolutionäre Stimme dulden -werde, hat die Lage noch^mehr zugespitzt. In der Nationalversammülng warfür. heute eine dringende Anfrage. des Mgeordüeten F a v k a'.S.in dev'ZlWlcgeMtt der' Staatsbeantten^ bewoguüg angemeldet. Die Trihünen waren von Staatsbeämten dicht besttzt. Ministerpräsident Beihlen ersuchte jedoch Abg. Farkas, von seiner. Rede Abstand zu nehmest, was dieser auch znsagte. In Politischen Kreisen benrtellt ncan die ^age sehr ernst und verhehlt nicht, daß durch die Bewegung der Staatsbeamten die 'Stellung der R egierung immer unhaltbarer wird. Dieses Bedenken hgt - augenscheinlich den Ministerpräsidenten Bechlen bewogen, im weiteren Verlaufe der Sitzung doch eine Erklärung abzugeben, wonach die Frage der Gehaltsreguli-erung keine Angelegenheit der Siaatsbeamten, sondern die des gangen Landes und der Nationalvevsammlung sei. Er erklärte, daß ' die Regierung noch nicht ihren endgültigen Beschl«ß in dieser Sache gefaßt habe, doch hoffe er, chis Mittwoch eine definitive Aeußevung abg-oben zu können. Nachmittags trat ein M r n i st e r r a t zusammen, jvelcher sich' eingehend mit der Frage beschäftigte. Der Ministerrat' ^dauerte bis in. die späten. Abendstunden. Im Klub der Regierungspartei war die Stimmung geteilt, die Gegensätze zwischen Erwachenden' und sogenannten Liberalen im Schoße dieser Partei traten klar zutage. In der Partei.der christlichen l e g i t i m i st i.s, ch e n Opposition, wo sich das Hauptquartier eines Teiles der Staatsbeamten zu befinden scheint, herrschte lebhaftes Treiben. Man sieht denmorgigen Erklämngen der Regiemng mit größter Spannung entgegen. . bvintzt.' Dieser Ziistanfr soll durch das Wahlgesetz. Fleisch und Blut bekommen. Es ist notwendig, daß sich das Fudenttrm Wiens selbst auf seine Stellung in diesem Staate besinnt und seine Kräfte er^nnt.. Der Kampf, der hier von allen geführt wird, ailt uns allen ausnahmslos, und soaar die ftüher beliebte heuchlerische Unterscheidung zwischen Ost- und WestjudentllM hält vor dem - NilnteruZ clausus mtd der Pogrompropaganda nicht mehr. staM. Das Judenttnn Oesterreichs muß eine Eiuheitsftont schassen^ noch ehe es zu spät ist. ' Wir.müssen die Gesclnchte der?i'den Ungarns beherzigen yiiXnnnyrxviv" iiiiiim im' ii i i ui ii mini ii iimn irn iim>iiiiiiiiikiMMiiMiBiiAMiiiiiaiiHTTT imMffiTftMiitiBiMainfmWBifrg

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