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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-13 · Heft 1466 (13.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1466 (13.3.1923)
Date
1923-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V/'v ,l 11 **'<? ' ' ■?'’?• m?. ß Wien: Zorn Abholen in der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik) monatl. IC 28.000 Mü Postverüand für Wien tu Oeeteer, monatl. K 28.000 Tsehech o-Slowakei: Mo». K17. Ungarn: Mob-, K 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 35. Polen: Mon. Mk. 8000. Deutschland: IMon. Mark 5000. Frankr., {Belgien: MmatL Frcs. 8 rNachxahtun?an “WA Prri^sriiSImartf Vorbehalten teuer Sr. 14M Bl«. Ututgg. 11. m» 1.11 fl.rf«Chtf«8nink|| t tichech. k l.— 11 a 1 i e n: Monatl. 10 lire Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 Lei bezw, Lewa, S eh w e! z und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 , —— t Redaktion u. Administrativ Wien» n.,Tabdrstrassel—1 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,16-301 Tel-Adr.: ,Morgeneeitung(> Wien Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 S. Fahrglmg Nach 75 Fahren. : —y. Wien, 13. März. -u^Moertretrwg, Preß- und Versammlungsfreiheit, Gleichberechtigung aller Bürger diese Forderungen stellten am 13. März die Studenten der Wiener Universität an die absolutistische Kamarilla. Die Antwort war zuerst, wütende Gegenwehr; die Erzherzoge ließen die Grenadiere schießen. Am Abend hatte die Resolution gesiegt. Alle Forderungen waren angenommen, 'Metternich entlassen; die Zensurspitzel mengten sich unters jubelnde Volk. Ganz Wien illuminierte. Die Studenten schützten Besitz und Arbeit gegen die in den Bor- {ftädten plündernden Banden. Mer die Nachwehen der Revolution waren schwer und schmerzlich. Der Absolutismus hatte sich nur dem ersten Sturm gebeugt. Er ließ ourch Windischgrätz erst die Ungarn vertreiben, dann Wien bombardieren. Die Revolution war nicht einheit- »ich organisiert und sie zerbrach in ihre Teile, als einer nach dem anderen isoliert angefaßt wurde. Prag, jKrakau ergaben sich, dann fiel auch Wien und der Teriror der Reaktion konnte sich schrankenlos ausleben. Ihm hrar der Rationalismus zuhilfe gekommen, der das t,teile und herrsche!" der Dynastie nun erst recht verwirklichte. Bis in das nächste Jahrhundert hinein, bis tonn Jahre 1907 dauerten die Verfassungskämpfe, denen erst die Erringung des allgemeinen Wahlrechtes scheinbar ein Ende setzte. Und noch sieben Jahre dauerte es, dann ging die Monarchie ins Grab. Das Werk von 11848 war nach einem Menschenalter vertan. Der Weltkrieg, den die Monarchie herausbeschwojeen, hatte sie zersplittert, ihre Kräfte ausgesogen. Ohne bedauern, in Verbitterung und Zorn schieden hie Völker von ihr, die sechs Jahrhunderte zusammersidelebt, aber niemals innerlich an einarcherAnteil genommen hätten. Sie standen immer Wmd. M,einMder «nd niePM^Minst;gelrnMi W1Ä schiede der fünf oder sechs nationalen Organismen zu überwinden und einen österreichischen Sürat zu schassen, tot dem sie alle aufgehen wollten oder konnten. Durch Ariegsverträge, durch Heiraten waren die Länder aneinander gefügt worden, kein seelisches Band knüpfte sie Zusammen, und die Völker hätten zu keiner Stunde dieses mechanische Gemenge, das nicht einmal einen abgerundeten Namen erlangen konnte, gutgeheißen. Sie haßten es aus der tiefsten Seele, seiner Aushebung galt ihre gesamte Arbeit vom ersten Augenblick des Verfassungslebens an, und sie zerrissen unbedacht alle Bindungen, als ihnen die letzte Katastrophe an der Piave die Möglichkeit schuf. Die Ungarn führten den ersten Schlag, ihnen folgten dann die Tschechen, Polen und Jugoslawen. Die Deutschen blieben zurück. Zwar verarmt, ausgeblutet, besiegt, zermürbt. Wer doch, anders als die abmarschierten Staatsgenoffen, im unbestrittenen Besitz ihres Landes, mit freier Verfügung über die technischen Grundlagen eines Staates. Was die an-' Heren erst aufrichten, oÄmen und zweckentsprechend den -neuen Ausgaben einstigen mußten, Verwaltung, Schule, Justiz, das stand hier fertig da. Aber das Nebel, das die Monarchie zugrunde - gerichtet _ hatte, der Nationalismus, hatte die Katastrophe überlebt. Er richtete sich in dem Zwerglande sofort häuslich ein. In der Monarchie hatte er gegen Tschechen, Italiener, Jugoslawen toben können. Da diese Objekte durch den Wandel der Zeiten weggefallen waren, blieben nur die Juden, gegen die sich alsobald alle negativen Kräfte, alle zerstörenden Instinkte sammelten. Wie in diesem Staat der 'Aufbau betrieben wird, das haben wir in diesen letzten Jahren gesehen. Oesterreich hätte zum freisinnigsten, modernsten Land; zu einer Insel der Glücklichen werden können. Statt dessen ist es unter der Einwirkung einer chauvinistischen Staats¬ und Kantonsidee zu einem Bund von sieben Ländlein geworden, die einander befehden und nur im Judenhaß das Kloakensurrogat einer Staatseinheit gefunden haben. Die Nachbarstaaten bauen eine Kriegsmaßregel Nach der anderen ab und wünschen sich den Weg zur Wiedervereinigung mit dem Donaubecken offen zu halten. Oesterreich sperrt sich ab und nicht bloß wirtschaftlich, was unter dem Gesichtspunkt des Schutzes seiner Wirtschaft noch immerhin einen Sinn hat; es rsoliert sich kulturell, treibt die fremden Juden — gegen die fremden Nichtjuden wagt es sich einstweilen noch nicht r— von seinen Hochschulen. Es will den Juden, ohne die der Ausbau ein Kinderspott bleibt und die es in der allgemeinen Leitung auch gerne anerkennt, die Gleichberechtigung nehmen, schließt sie von der Volksvertretung ans und erklärt ihre Versammlungen als Provokation. Die Forderungen von 1848 sind in ihr Gegenteil verfälscht und an der Spitze der Reaktion marschieren die Studente». So üekt^etterreick ans —- nack 75 Jahren. Drohender Konflikt Wischen Staatsbeamtenschast und Regierung. Die im Reichsvevband der öffentlich Angestellten vereinigten Organisationen der Akademiker, des Zentralvervandes, der Gendarmerie nnd der Bundesangestellten der Länder sprachen am 10. d. beim Bundeskanzler und am 12. d. Heim Finanzminister vor, um die Antwort der Regierung auf den von ihnen erhobenen Einspruch gegen die Art, in der bisher das Saniernngswerk durchgefuhrt wurde, und auf die in der Massenversammlung am 8. Februar vom Verbände erhobenen Forderungen einznholen. Sowohl der Bundeskanzler wie auch der Finanzminister erklärten, trotz Anerkennung der Rot der Bundesangestellten, die ausgb stellten Forderungen ablehnen zu müssen und; begründeten diese ihre Haltung damit, daß die Sanierung des Staates hauptsächlich nur im Wege der Ersparungen dnrchgesührt werden könne, da, was die Steuererhöhnngen anbelangt, bereits alles geschehen sei, wasmöglich war. Auch die Durchführung der> Ortsklassenrevision wurde trotz Anerkennung der gesetzlichen Unterlage abgelehnt. Der Reichsverband wird zu dieser für die Bundesangestellten unerträglichen Situatior sofort Stellung nehmen. A 8er Framosemnord in Buer. Die Mörder sestgestellt. E s s e nz 12. März. (Tel. der „Wiener Morgenzeitnng") Im Lause des heutigen Tages wurde o ssizi e ll s est g e stellt, da ß die Er mord u ng der bei den fr an z öf i schon O ff iz ier e du rch zw ei fr anzös Ische Soldaten e r s o tg t e, die gleich nach der Tat entflohen sind.;;v>; Düffelvorf, 1L, Mürz. (Havas.) Infolge des AttentÄs in Buer find zwei MMvahmerverhaftet worden. Als.sie zum GendaMierveposten gefichvtwuMn, vechrchten sie zu fliehen; die Gendarmmschossen daraufhin und töteten beide. Die Menge bedrohte den Posten, worauf die Soldaten Schüsse Abgaben, durch die fünf Deutsch« getötet wlüden. Buer, 12. Mürz. Wolfs.) Die hier von den.FrarHvjcn Gotötoten sind: KnNrvnMoMUter Burchhoss Ms Buer-Erle, der ClÄttömowteu-r Wittershagen und der- Kvainsührer Fahbeck aus GHvnKrchen. Die beiden erster-on sind nach ihrer Verhaftung schwer mißhandelt worden. Burchhoff wurde abends von zwei QffiMrou und zwei Soldaten unter fortwährenden KMonstöhül und Peitschenhieben hnrter das Rathaus Mischleppt. Gleich darauf fielen zwei Schüsse, dann wurde es ffcrtt und die Franzosen eutfewteu sich hastig. Die Leiche weist gräßliche BeÄetzungen. «uf. Wittershägeu wurde kurz nach diesem Vorfall - auf dem Lyzeumihof erschossen. Sein Schädel ist vollständig zerrissen. Die Leichen von Burchhoiff und Witters» l Hagen wurden im Lause - der Nacht in das Rathaus gebracht - mit dem BomerLsn, die beiden Deu>tschen seien Mffder Straße erschossen worden, weil siegegen die BeroridMMT betröffeud den Nachtverbchr verstoßen hatten. Fahbeck wurde in zwöffter Sttmde auf.der Straße ohne Anruf von eurem französischen Posten' erschossen.' Auf We. Hilferufe seiner Frau erschien eine ftm^istsche PatvcnMe, die erKärte, daß der Schuß gegen Fahbeck nur von einem Dorrtschon ftaamnem könnte. - Während der ganM Nacht zum Mouivg lvurden zahlreiche Stvaßenprsianten ohne Anruf von den Fvanzof-en.be-> schosson. Mehrere Personen wurden schlver verletzt. Honte , wurden der Leiter des Gymnafiuurs Dr. Weher und StMonrat Freibueier verhaftet. Die^FvauMfe-n machen donr Lchverkollegium zum Vorwurf, daß die Schü'ler §lvm Abveißen der fvanzösiischem Plakate austzefordert worden seien. Eine ventsche Erklärung. Berk«, 12. Mürz. Das WoLWche Miremr meDet: Der französische' Mvn-isterpräsidvnt und die französische Presse benützen den Vorfall in Buer zu eiaver ungchouerlichen Hetze gegen Deuischbcmd und die deutsche Regierung. Der ftanzÄsilsche MiMst^wüsident hat bereits Zimhe für die Opfer und Straf- Maßnahmen augeAmdigt. Das alles geschah, Äs weder vondeutscher, noch von französischer Seite ein Ergebnis der -Unter-- suchung' überhaupt Vovlag. Nach dem bisherigen Me-ldungen bestehen keine Anzeichen dafür, daß Deutsche an der Ermordung der ftanFösrschen Offiziere in Buer beleMgt waren, wohl aber weifen die Umstände darauf hin, daß Kvei SMatem der Besatzürrgsarmee, die eniflohen fmk, die Dat. ausgchührt haben. AchMH, wie es. jetzt.ia-lömr gefchehM soll, wurden aMWch. der Mmdaffaire in Oberka'M Deutsche beschuldigt, bis die ge-' riWiche Umteckuchung ihre völlüre UuLchM bowiHjrn b»» Der ftanzöfische Plan zur Lösune des Nevaraüonsvroblemr. Berlin, 12. März. (WMff.) ' De-r. ,/2oMan>zsiM" mÄdet aus Paris: Der dMamatische MrdarbÄter der ,Dckily MÄÄ" will von autoritativer Stelle Mitteilungen über e-'ineu serügen Plan echalten haben, zu dessen Amvcchme Poinca-re die belgische Reglern^ HÄ den heute.beglinuenden Verhandlungen angeblich veranlassen möchte. . Danach sollen DeutiMand folgende BMimgumgen auferklogt werden: . . 1. Deutschland wird zuuäMt zu-Mären haben, daß dtz Rrchrbssetzuüg, die' nach den §§ 1.7 und 16, ' Anhang 2 zu AE 6' des FrÄeusverjrägeS von Bvchtilles, elin gesetzlicher M gewesen sei. 2. Da Deutschland Berfehlunjgen begangen habe; düvf-e es nicht sordem, daß M 16jährige Bchrtzuntzsdauer der Rheintlande bereits begonnen habe. 3. DsuWland dürfe sich nicht Maßnahmen widerfetzen, die den §§ 42, 43 und 44 des Vertrages von Versailles, die sich aus die ständige EntmMitarisierung der dche^inlande blichen, dauernde Achtung; verfchafifen sollen. Die Vorschläge zu Punkt 3 betreiffen die, Einführung einer ewigen internationalen Kontrolle über die Eisenbahnen im RnhrgMet omfoin den Rheinlanden. 4. Das Ruhrgebiet soll verwalltuwgstechnlisch zu den MMnlaudeu geschlagen werden, sonst aber bei Deutschland Werben. 3. Ziu den Rheinlanden emd zmn Ruhrgebret soll auch das Saiargebiet ohne VMIcchstimmung kommen. 6. Die Französen sollen ständige Eigentümer der Bergwerke im SaargMet bleibew 7.- Für die Annahme dieser BedilMmgen soll Deutschland sin Morawriumerhalten. Deutschland soll während 30 bis 36 Jahren im ganzen jährlich 2^5 MiMardon Goldwar'k zu g-chlen hcchen. Die italienischen SriegÄosten. Rom, 12. März. (Tel.-Komp.) Der Kammemusschuß zur Untersuchung der Kriegskosten hat nun einen ausführlichen Bericht veröffentlicht. Danach belaufen sich die Kriegskosten Italiens von 1914 an bis zmn lauftMn Rechnungsjahre aus insgesamt 144 Mlliarden Live. Außer 2 Milliarden noch nicht im Budget angeführte Kosten sind für die Kriegspropaganda 18 Mllio-nen ausgegeben worden. Ueber 300 MMönen Lire mußten den' Kriegslieferanten nachgezahlt werden. Minifteranklage in Bulgarien. Sophia, 11. Marz. (Tel. d. „Wr. Mvvgenzeltung".') Das Sobranje nahm 'das Gesetz, mit welchem acht Mitglieder der früheren Kabinett Geschow.-Dauew mch M a l i n o w -K o stur.k-y.tv m den Anklagezustamd Vevsetzt werden, an. Sodann löste sich dich Sobranfe zufolge eines mit den Stimmen der Agrarier und der Komrtt u n i ft« n gefaßten Be-schlnffes. auf. Gegen die Auflösung stimmten die bürgerlichen Blockparteien unb die Sozialdemokraten. Der Termin für die Ausschverbung der N e uw a h l e » ist noch nicht festgesetzt. Es sieht eim R e k o n struktion des Kabinetts -bevor, Die intkmationaie HilfsUtion für Rußlcnkd. Genf, 11. März. (I. C. B.) Das Nanftn-Komitee fetzt seine , copagauda für die Hilfsaktion in Rußland fort. Wie von der Leitung des Komitees mitgeteilt wird, ist es Doktor FrWof Nansen gelungen, die südamerikanffLen Republiken für die Hilfsaktion «t gewinnen-

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