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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-11 · Heft 1464 (11.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1464 (11.3.1923)
Date
1923-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWDWMWM,-. •ny J'-' i.’r;. m?■#( ’i/SS-y •< «\ .Vien: Zum Abhqlehin der (Expedition, 11.,'TaboEStr. 1-3, »der in einer Verschfeisstelle ifTrafik) monatl. K 28.000 Mit Postmsand für Wien u. lOesterr. monatl. K 28.000 Ts che cli o-Slowakel: Ton. K17. Ungarn: Mo«, 600. J uxosl awien: Mon, 0inar SB. Polen: Mon, jMk. 8000. Deutschland: {Mon. Mark 5000; Frankr., jßeljfi.en: Monatl.Frcs.8 r Nacht ah (unsren Preiaerhöhunsfen ,Vorbehalte» f scheeho-Slowakei« tschech. K 1*— 11 a l i e n: Monatl. 10 Lire Rumänien, Bulgarien- Monatl. 60 Lei bezw, Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 ’ Redaktion u. Administntio v Wien, II., Taborstrasse 1t-3 Telephone: 44-0^38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitung“ Wien ' Oesterreiclüsches Postspar1 küssen - Konto Nr. 150.693 .11; MS« IM —y. W i c n, 11. März Einer der Führer der österreichischen Regierungssmehrheit hat vorgestern das Verhältnis der .Mischen Minorität zur übrigen Bevölkerung gemäß den Grundisätzender österreichischen Spielart republikanischer Demokratie erlyuterL Es bestehe in Wienneben, dem bewußten Antisemitismus noch ein iüstinktiver, der . zur ‘ Explosion neige. Die jüdische Protestversammlung habe diese beiden Wechselbälge der Demokratie provoziert, denn es fti eine Provykation, in der Nähe eines solchen Pulverfasses mit Licht zu - hantiereü. Diese wertvolle Aufklärung ist, wenn, man sie näher besieht,- nichts anderes als. die Umfrisierüng der Assimilantenmaxime, daß der Jude es vermeiden, müsse,, die Aufme.rksamkett jauf sich zu ziehen. Wird er provoziert, dann hat er sich eben nicht provozieren zu lassen. Nur daß diesmal der aus den bitteren Erfahrungen jahrhundertelänger Perfektion . immerhin^ verständliche Ratschhag jetzt' in der ^Gestalt eines herrischen Diktats auftritt: Die Juden!haben zu kuschen!' Die einzige Tätigkeit, die ihnen gestattet wird,, ist das Steuerzahlen. Und das nicht zu -knapp. , v Dieses Diktat hat Herr Kunschäk ausgesprochen/ der seit jeher von seiner Partei mit der Funktion betraut ist, im Porzellanladen ein,bißchen zu wirtschaften. Er hat sich auch diesmal gerne der Aufgabe unterzogen, . Sie ihm gestellt war. Er, oder vielmehr sein Vorgesetzter, Hat aber nicht daran gedacht, daß bei sMHMjeden auch lauf den Ort/an dem sie , gehalten WeMMPüüsicht genqmmen werden.müßte. Im- Rathaus '.befindet. , sich sie klagt immer wieder in. beweglichen WxtenWer die Vergewaltigung durch die kompaKe'Majovität und sie bezieht in solchen Momenten stets die demokratische Position,' die einen billigen Ausgleich . iw Men strittigen Fragen fordert/ um auch nur den Schein eines ungerechten Diktates zu vermeiden. Da es aber.um -die jüdi- Ische Frage ging, die durch die Hakenkreuzlerpropaganda Zu einem Staatsproblem geworden ist, schlug der Spre- - cher der Majorität, die sich inder Minorität befindet, alle heiklen Bedenken in den Wind und akzeptierte voll- . kommen die Theorie von Herren und' Sklaven. Er war sicherlich sehr gouvernemental. Mein Gott, wenn die Regierung des bodenständigen chdistlich-deutschen Volles ihre' Kreditgesuche „an alle", adressiert,, so muß man immerhin auch das Bedauern über , die Exzesse des in- . siinktiven - Antisemitismus aussprechen. Das . liest sich hübsch, macht den israelitischen Informatoren der Partei. Freude und verpflichtet zu nichts. Hauptsache-. ist die Feststellung, daß die Juden provozieren . > Sie üben diese verruchte Praxis in zweierlei. Form: Sie provozieren zuerst die Arier' zu' Riesenplakaten, in denen sich-die Juden beschimpfen lassen; dann provozieren sie die Minister, antijüdische Erlässe hinauszugeben; sie provozieren-die deufichchristlichen Beamten, im Dienst das Hakenkreuz zu tragen; sie - provozieren die Akademischen Senate zur Einführung der Prozentzahl; sie provozieren die Hakenkreuzler zur Aufstellung eines ' lJudenkatasters. - Und dann setzen sie allen Provokationen die Krone auf und veranstalten eine Versammlung, in deren Gefolge es hundert Verhaftungen und' zwei Dutzend Verwundungen gibt. Sie provozieren — ja, wann provozieren sie eigentlich nicht?Möllen sie studieren, so reizen sie zum Numerus clausus; wollen sie nicht studieren, so reizen sie zum antisemitischen Boykott. Sind sie patriotisch, so drängen sie sich vor; sind' sie pazifistisch, so führen sie den Dolchstoß gegen die Armee. Immer findet sich ein Anlaß, das im Namen der überwertigen völkischen Moral, im Namen der christlichen Weltanschauung gebotene- AergerNis^ zu' nehmen und sich provoziert zu fühlen, Änd alles zu dem Zweck, auf die schönen Zeiten zurückzugreifen/ in denen das „cuius regio, illius religio" gast'! und in .denen: der Numerus clausus nur für die Juden: nicht galt, die man ad maiorem der gloriäm auf'den Scheiterhaufen' -braten könnte. * w; ■ Die--Regierungspartei- , die sich' solcherart ver- - ' . nehmen ließ, ist immerhin einige Schritte weiter vorgedrungen. Sie gibt zu, daß in Wien, aus der Straße , ein Pulverfaß liegt, und warnt die Jüden davor, eine .Explosion zu provozieren, die sicherlich dem guten Nahmen Wiens - nicht förderlich - sein könne.' - 2)ie.? Juden, . jdre sich in die.völkisch-arischen GeVankengänge nicht hineinsinden wollen, sind nun der'Ansicht, daß man poch einfgch dieses Pulverfaß entfernen Zolle. Aber da finden die'Provozierten, daß das gegen ^>ie Demokratie (bare. Dieses Pulverfaß, unter dessen Dienern, man U;l ^U^r..|rT 8tell««gnahme des Bürgermeisters. Der Bürgermeister hat Mf die gestern, mitgeteilte' Anfrage der Gemericherate S' k.a r e. t und Genossen betreffend die Ausschreitungen a n d e-r U.n i v erst t ä t folgende Antwort erteilt: , . 'Bon den Vorgängen anderU-niveMat Und den in der Oeffentlichkeit des In- und Auslandes, daran geknüpften Erörterungen habe ich mit Bedauern KenntM genommen. Ich erblicke mit ernster Besorgnis in der Haltmtg -der akademischen Behörden ein Zeichen der Schwäche ' gegenüber einer g efähr l ich en A gLta-tion, die zu immer nWn Pwvoikationen führen kann/ wodurch die Ruhe und der Ruf unserer Stadt schwer geschädigt -würde. - ,V: Ich will nicht bestreiten, daß dev Gedanke an geeignete Gegenmaßregeln gegenüber einem so unerPrten Terroristnrts Mheliegt'. Ich vermag mich jedoch insbesondere nach den Erfahrungen ,-der letzten Jähve -und -der Kriegszeit mit/dem Gedanken an Repressalien n i ch t, z-u b e s r e u n d x n und ich möchte diesem Gedanken nicht nahetWw -bevor nicht,alle anderen Mittel erschöpft such. - Z. ' . Die Mminnde wird, sich in asleMäHM Zeit , genötigt sehen, mit Rücksicht auf He (GDDHu ngsma ß r.e< g e l n, die' ihr durch die HUs . GeEWierte Bundes^esetzwerden,;ld6er /äH/Ws Münden W die/ MüWlMn sisst, ./hesoNdHsrn GWigDäudey,. an . r,eiMgNirge.'N' sind? rome-w" W Wrchri^n/Md, eine ge re'ch t)e/AuWWig der veifiigba-ven' Räuche börzunehmen. Ms Verfahrest ist .bereits im Zuge und' ich? darf hoffen; daß' die. von den Gemeindeorgan^st. ber( .den. treffenden' Entscheidungen ‘ geätzte strenge SachlichMMd AnpärMWeii viellercht doch auch auf. die anderen BchöÄiest/'di'e.Mer Lokale Msiigen, Eindruck-machen'wird, so daß sich die von der. Gemeinde fy* tätigten Grimdsätze der Mrechtigkeit allgemein durchsetzen Ivevden. / SoM diese meine Hoffnung trügen, und sMe es absolut unmöglich sein, a n d e n. H o ch. s.ch ulenden T e rr o r is -mit s einer kl ei ne n Par tc t und gewisse ungerechte Entscheidungen abz-ust«liest, so würde ich zu Meinem Bedauern genötigt sein, . . zu dem letzten Mittil, das dev Wiener Bevölkerung, zu r Berfüg u n g st e h t, z u g r e i s e n. christlichen WelLanschauung stehenden Kollege^ und Kolleg innen zu - engerem Zusammenschlüsse" ein. > In, einer „Vereinigung,-die uns die Möglichkeit bieten soll,j " unsere Weltanschauung zu vertiefen, . ivahrhast kamerad-( schaftlichm Geist'zu pflegen, und zu den sozialen ProVemenjder Gegenwart Stellung "zu. -nehmen, wollen wir uns alle zusammenfmden., Diese. Bereinigung wird sich aber.auch die wichtige Ausgabe stellen, die. politische- N eutra-. 111 a t des Reich § herein es de r Ba nt beamte n sicherzustellen. Kollegen und Kolleginnen!- Es ergeht an Euch der Ruf, Euch der Vereinigung christ^ lich-deutscher Bankangestellter vollzählig anzuschließen!"' . - . Wie der Name 'besagt, handelt es sich hier, -um die Zu- - sammensassung ^der christlichen.'-deutschen Elemente unters den Bankbeamten und es ist nicht schwer zu erraten, von welchen Gesichtspunkten sich die Gründer -di-eser neuen Or--. gau-isatron leiten ließen, auch wenn sie 'vorläufig.ihrepolitische Neutralität ausdrücklich betonen. Es steht natürlich der chrfftlichen deutschen Beamtenschaft,' wie jeder anderen,' frei, sich zu organisieren.' Da aber -der größte Teil dieser Beamtenschaft in jüdischen .Unbernehmungen ang-e-. stellt ist und - von jüdischem Mlde. lebt, so sieht die Grün--, kmng einer derartigen Bereini-MMwohl.etwas merkwürdige aus. Denn die Erfahmng/EstWgt, daß es.in..solchen Mganffationen mit' der politischen 'Nsntralität nicht.'weit Hepfist. Es schein dies also wieW'ein neuer.Versuch zu sein, an t,i s'e mi t i s,ch e 'Tendenzen, in jüdische. Betfiebe zu. trägen. Oenn die , 'christlich-deutschen' Bankbeamten WvftendM^^HakenttM. fernestehen./. _ —^ Diese Antwort des Bürgermeisters' ist in ihrem letzten Satze ziemlich unklar. Sie sagt nicht, was dieses-letzte Mittel sein soll, und erreicht dadurch nicht den Zweck,,beruhiget und vorbeugend JU wirken. Der Herr Bürgerimister steht zu staÄ in dein Bastne der in seiner Parker herrschenden Besorgnis, sich - nicht provozieren, zu lassem Diese Besorgniis ha-ben dir Sozialdemokraten Italiens -so-- lange festgehalten, bis sie -überrannt und niederge-knüppelt. waren.. Das letzte Mittel, das der Bürgermeister a-ndeutet, kann unseres Erachtens -nur das sein, das jeder fwMitlich -, gesinnte.Mensch'- Heute vovschsägt: Die Beseitigung: der Mst-' -dalösen Hochschü-lantonönüe, 'für-die es in. einemrePUbfi-: kcrnischen Staat keinen Paüm geben kann, unddie Oeffnu-ng: der. Hochschulen' für- <Äe, :dve' lernen-wollen.' ' i :> Eine chListlich-deutsche BeamLenorganisation. Der - gestrige „Abend" teilt etliche interessante' Details, über, die militärische'Organisation der Hakenkreutzler mit: ‘ ' Die Wiener Hakenkreuzler sindin Züge, eingeteilt, die. Stärke eines Zuges beträgt 24 Mann. . Auf dem Fechtboden der Studenterwevbiudung „V a ud äl i a", 'Lerchenselderstraße '28, versammelte' sich vorgestern abends ein solcher Zug. Anwesend waren der Kommandant, der gewesene Oberleutnant Mayer, und- 24 Leute, darunter etwa die.Hälfte Mchtstndenten. Mit der V-ereinstätigkert der' ,/Vandalia" hatte diese. Zusam-' ndenkuust nichts zu tun, denn die „Vandalen" waren gleichzeitig in einem anderen- Rannr ihrer Bude - zu üblichem Tun versammelt. Die zur .-militärischen AusbiLdung Erschieneu-en waren in ihrem Beka-mrrenkveis geworben wordest. Ein Anwesender, der die Mehrzahl der „Nmen" karmte, verlas die. Nanrensliste. Es .waren genau 24, fo stark ist ein HakenkreuzleMug. Einer fehlte unentschnl-digt- und wurd,esofort von der Liste gestrichen. Dannwurde. „Vergatterung!" -und „Habt acht!" kommandiert und. der . Mann, der die Aste verlesen hatte, erstattete dem Ober-, leutnant Mayer die Meldung. -.Mayer.fragte sodann,^ -wer von den Anwesenden mit einem Mannlicher-Gewehr, umgehen, könn«!.. Einige meldeten sich. - Es kam dann rin: Mannlicher-Gewehr Mm -Vorschein und einer, der SMatz gewesen, war, erklärte den Nichtsoldaten das Zerlegen des! HerschlMes, Das' Wurde. öd-M so lange geübt, bis alle eszustande brachten.- ^Damit-wurde die gestrige Uebiuvg -des- HstkerckreNzlerzuges, LerchenMerstraße 28, ausgeMt. - , Gesprochen, wuche . 'laut -VerrinbaMNg. ivemg, es'; Wurde betont,- daß es-immer'ga nz militärisch zugehen -müsse., Mitgeteilt tMvde,' -daß Öberleutnant Herl-in-ger: : Exerziermöister -aller Hakenkreuzl-rr-Siurmkompagnien seh - Iniden Kreisens der-Bankangestellten, die bisher--im..: und daß mit dem,..-EM-tritte.'schöner.Mlterünga« beitl Nelchsverejn der Bankböancten Oesterreichs orga-nisierttwa?- . Sonntagen-'Feld-d,an.siü bI-,n ge.n statffindeu werden.: ren, -macht sich-.eine Bewegung geltend, die-a-uf eine ^Spql-- Die. wöchentliche' Jnstpu^fiyMttmde :.des^ ZiMs Lerchentung dev einheitlich ovgaM-erien, -.Peamtenfchwft hinzM. sr-ldersttäße sei.FxeiMig '-Mnds. Wer.evumÄ u-nenffchulidigsi Em^Terl,--tzr.Ba-nhmMti;lltey.'hältes 'für 'uAedin>gi',--n«t- . cyrsbleibe,:werde. :gsstxichen.'. Dünn hieß es noch, daß dem-: wendig, eine neue Bereinigung, die sich Be re inig.-nng^' -nächst's ed.er Anw es ende ohne E-n.tg'e.ld eine chr hst lich e r - . d.ents ch er Ba. n kÄnge st.alll iev t Gwm mi k n ü t te l ..u nd . e i n m' Rev ol-v er er-' nennt, M schaffen stüd;läbt. „bie awf i>einJ8oieit Ti.-aTteit werde. . , j : ' .; : . keinen einzigen W iener, - - sondern - lauter Ortsfremde' aus Böhmisch-Leipa, aus Troppau, aus. Hamburg, äüs München, aus Budapest findet, bedroht zwar, die Demokratie ünd die RepuhlWMle'itziese'^^„Zuagrästen" machen kein-Hehl daraus, .-dM siv- Ästter-: den. Opfernder Explosion auch die demv'krattsche Republik mit all ihrem Plmcher, tvie Rechtsgleichheit der Bürger, sozialenFort-- schritt, Frieden mit den Nachbarn, zu finden Höffen. - .Sie haben die urteilsünsähige Jugend bewaffnet und BjBBapBBinsnH exerzieren sie fsir dest^ „Ernstfall" , ein. Der Üebunßsplatz ist das Judentum/ weil mast dessen^ Schäfsgeduld! schlechtweg alles zutrastt. Hber das Judentum will. —: istan öestke . '-nicht-' außerhalb--' 'des Gesetzes^ stellen lassen Md wM die Attentate der jugendlichen\ Zauirgaste der völkischen Politik nicht dulden. Das ist: Provokation und um. ihm alle weitere Lust zum Pro-- dozieren-zu benehmen,-bleibt das Pirwersaß im Vorder»! gründe %

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