Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1461 (8.3.1923)
- Date
- 1923-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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pntoffliUMwrKWO» 'Wien: Zum Abholenin der Expedition, II.,Taborstr. 1-3, Inder in einer Verschleisatelle (Trafik) monatl. K 28.000 |Mit Postversand fur#7ien u. lOesterr. monatl* 5^28.000 iTs che ch o-S Iowa k ei:!M6n.lC 17. Ungarn: Moa> 600. Jugoslawien: Mon. 'Dinar 38. Polen-: Mon. Mk. 8000. Deutschland:;Mon. Mark 5000. Frankr., jBelgien: Monatl. Frcs. 8 jQflf" Nachzahlungen 'Vfl;bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nr. 1461 T teuer , . . \ , ’ ' < . _' . Sie»,' Dornicrstne, 8. Mörz 1923 r m rsctoftcnv-siawaxei) tschech. K 1.— j 11alienr Monatl. 10 I.ir^ Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 L£i bezw, Lewa^ Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. 3< Redaktion u. Administritioi Wien, II., Taborstrassei-—3 Telephone: 44-0-38,4^-3-19*' ab 6 UÜr abds. 19-483,16-30l|, Tel.-Adr.:.Morgenzeitung“ > Wien Oesterreichischea Postspar-» hassen-Konto bl?. 150.693 S. Migau» IQen Serftel! —y. Wie«, 8. Marz. Weshalb ist wohl die Wiener Technische Hochschule infi dem Numerus clausus-Beschluß vorangegangen? Dieses Institut bewahrte bisher in politischen Dingen eine gewisse noble Zurückhaltung und ließ immer der ^Schwester am Franzensring gerne den Vortritt, wenn .es sich um Angelegenheiten handelte, die die Oeffentlichkeit in . Erregung versetzen. Zudem sind die Lehrer -er Technik Männer des harten praktischen Lebens, weniger erngesponnen in die gelehrtenhaste A^eltftemdheit. Daß sie sich jetzt an die Spitze-stellen, muß dem- > nach politisch bedingt feitx. Das Dunkel hellt eine gestern Pom-Wiener „Tag" veröffentlichte Mitteilung über die Ansichten ungarischer Kreise auf. Diese beeilen sich zu versichern: „Die Einführung des Numerus clausus an der Wiener Technischen Hochschule ist nicht nur eine innere österreichische Angelegenheit, sie ist eine innere Angelegenheit der Technischen Hochschule selbst, die ja Autonomie genießt. Wir sehen darin wohl eine bedauerliche Verhinderung des» einzelnen fin seinem Studium, aber keinerlei Verletzung der Rechte, die einem ungarischen Staatsbürger in Oesterreich zukommen. Urtgarn steht sich daher weder auf diplomatischen noch auf irgend welchem anderen Wege dazu.veranlaßt, zu Her Verfügung des Rektors der Technischen Hochschule in Wien, sei es welche Stellung immer einzunehmen." Ungarn hat bisher mit VergnÜMN jede Gelegenheit ergrifft«, gegenvermeintliche oder tatsächliche Verletzungen der Rechte seiner, Staatsbürger - einzusch'reiten. Wenn es jetzt so rasch mit der Versicherung seines Desinteressements zur Hand ist, so muß die Erklärung für diese ayffäll^eü Rtzserve' - w „Jtett inneren Verhältnissen Ungarns "felBft*: töerberti. Und da stößt die Ueberprüfung der Eteiguisse der letzten Zeit auf die neue JngenieurorLnung, die am 84. Februar von der Regierungsmehrheit - der- Magyarischen Nationalversammlung beschlossen worden ist. Dieses Gesetz ist einer der übelriechendsten Exzesse dieser merkwürdigen Volksvertretung: Es bindet in seinem Artikels die Zugehörigkeit zmn Beruf des Ingenieurs mcht cm die Qualifikation und an die sonst üblichen - Kanteten, sondern an den Nachweis der chriftlichnatiolen Gesinnung, schließt also in der praktischen Anwendung Juden Und Sozialdemokraten aus/ Es enthält aber auch die Bestimmung, daß ausländische Jngenieurdiplome imr aus der Grundlage des -Numerus clausus nostristzieick werden können, also derartig, daß immer Mir nach zehn chrfttlichen Diplomenein jüdisches anerkannt werden darf. Hier ergibt sich die Berührung mit den sonst nicht' ganz verständlichen VbvgänAm m Wien. Es mußte-verhindert lverden, daß die von den ungarischen, technischen Hochschulen, nach Wien... ge-? zogenen Mischen Hörer hier - Aufnahmeund Ausmldung finden. Darum ist die Zurückweisung magyarischer Staatsbürger in diesem Ktlle eine interne Angelegenheit Oesterreichs, die keine Verletzung ihrer Rechte involviert. Der Kreis ist geschlossen. Die Juden können in Ungarn nicht mehr, den Jngenieurbemf ergreifen. Es, ist anzunehmen, daß der Prorektor Ferstel diese Zusammenhänge nicht kannte, als er aus die Kundmachung seine Unterschrift.'setzte. Er und wahrscheinlich auch das Prosefforenkollegiunr sind.. in eine Falle gegangen, die ihnen von den Völkischen. gelegt worden -var. Daß zwischen diesen urch dem Gelichter der Erlvachenden die intimste Fühlung-besteht, ist kein Ge-' heimnis. Unausgesetzt weilen magyarische Emissäre'in Dien, um hier in die Ha-kentreuz-ProPagarcha ihr Temperament zu tragen und sie, wo es nottut, mit Anregungen zu versorgen. Sie begegnen sich in Wien mit den aus Bayern und Preußen kommenden Agitatoren, und bei diesen Zusammenkünften gibt es ftlbstverstärMch einen regen Austausch von Meinungen und — wenn das Wort hier am Platze ist -7von GedMken, die sich alle mit den Judenpunkt drehen und der planmäßigen Vorbereitung des Ritualmördes geltend Es' ist dies der Ansatz zu der großen Weltverschwörrmg derantisemitische >t Kanaille, dem Ideal der, Erlvachenden und Hakenkveuzler^ aller Riten und Rassen? Das Programm erstrebt die Unterdrückung, Entrechtung und Enteignung des Judentums, auf gesetzlichem und,' falls dies notivendig, auf ungesetzlichem Wege. . Der Numerus cwufus aü der Mener Technik,, der trotz aller Wortspielereien und. Auslegungskünste nuninehr Tatsache ist, bedeutet eine. Etappe auf dieftnr Weg. rln dieses bedeutsame Ereignis ist nünmehr der Name des Professors.Herstel. Mkn-üpft. Hell Hm! Wen UOSl England intervenieü nicht. (Sine Werhansdebaye Wer den AuhrkonW. London, 6. März. (Tel. den „Wiener. Morgenzeitung".) In der heute nachmittags stattgefundenen Unterhaussitznng brachte Namsah Ward0nald namens der Arbeiterpartei den Antrag ein, das Unterhaus möge die Part a m ent ö Belgiens und Frankreichs auffordern, einen Ausschuß aus . allen Parteien zu ernennen und mit einem gleichen Ausschuß des Unterhauses wegen der Besetzung des Ruhrgebietes und der Reparationsfrage Informationen auszutauschem Er, Maedonald, habe, von dem belgisch-sozialistischen Parlamentarier B ander v e l d e und von den parlamentarischen Vertretern der s r a n z ö f i s ch e n Arbeiter bereits die Zustimmung zu diesem Vorschläge einer interparlamentarischen' Konferenz erhalten. Lord Robert Heeil Gezeichnete ddn- Vorschlag Maedonalds als ungenügend; der Volk e r b u n d sei die einzige) Organisation, welche die Neparati.onHfrage .uud die übrige« bittttü; verbundenen Problpmtz irinetz Lösuuü rung Wie dresbezAILtchtz ErkMru abgebe. Premierirtinister ÄUWr L a w erklärte, in der Politik der Regierung trete keine Aendernng rin, eine Intervention Englands im Puhrkonflikt sei/auch in der von Maedouald beantragten Form gegenwärtig n i ch t nützlich. — Das Unterhaus vertagte sodann die Debatte für unbestimmte Zeit. aus, an Mn französischen Imperialismus sei die deutsch- E-r.sullungsp olitik gescheitert. Sie war abe^ wichtig. Sie. hat bewirkt, daß Framkroich-b« seinem jetzigen Vorgehen'fast isoliert dasteht. Sie muß fortgesetzt werden. Deutschland muß im Sinne der auf den intern nationalen sozialistischen Konferenz^ getroffenen Vereins baMngen erklären, daß es den Wied eranfbast derzerstörten Gebie 1 e Novdfrankveichs und Bebj giens als moralische Ehrenpflicht ansieht. — Mge-; ovdgeter H epgt (deutschnatimuri) ' dessen Ausführungen^ wiederholt durch Zwischenrufe -der Kommumsten unter-i bvochen wurden, gab der Meinung Ausdruck, das Wort! ErsüllungspolM habe eigentlich durch die Tatsachen feint) Existenzberechtigung verloren. Des Redners Partei Wft .den Abbruch der diplomatischen Beziehungen und Mergel-: tungsmaßregeln gegen Frankreich r«ld Belgien' gewünscht.; In dieser schweren Zeit müsse die AutorW der RGieriMg unbedingt gestützt werden. —. Mg. Marx (Zeytrun^ .führte aus: Wir Höhen lsider tatsächlich allem, aber wirj haben mehr als früher die Ueberzepgung, daß das Recht) auf unserer Seite ist. Wir haben.zmn Reichskanzler -doA Vertrauen, daß er jede Aiöglichkeit, die sich für. eine Ver-j ständigung bietet, wcchrnchr.ten wird. Wir -'werden: bni pasiivey Widerstand fortsetzen. .. .! / ' . Abg. Dr. StreßemannlHeutsch_ begsichWte, das-Bö^ngechK,^ , entgeKMtreten- Mre. '^e«d ÄMchest) um PeHandkungen-M. schvn "daMM' .Wechloy..weit Frank» reich'erklärt'-hat, daß es^^ Wn-VerstrcheiE.BermMrng) als feindseligen- Akt bewachte- Unser 'Mparatiousplan ist in Paris nrcht einmal-diskutiert worden. Der Ruhreinbruch sÄlte.eben ans alle Fälle durchgeführt werden. Jetzt müssest wir aus eigener Kraft den Mwe'hrkampf durchführen. 'Nachdem noch Pr' die Demokraten D e tu bü rg und für die kommmüstische FMtion Mava Zetkin - gesprochen hatten, war die Debatte über dw-RüWa«tzlerrede beendet? - . ' ' - ' ' So weit dir Mitteilungen unseres Loiidioner Korrespondenten. Die Meldungen der'Agence Havas und des Woitfffchen Bureaus -bringen verschiedene Fassmtgen der Rede Bouar LaUvs. Mich der Havas-Agentur erMirte der r ierminister, alle bchuss Herbeisühru-Ug 'einer briti- JnterivtzMon. eingebrachten Anträge verlangten eÄvas, was' Frankreich als fexuds*eli.gen Akt betrachten ivürde. Die Franzosen leiden. Da er aber lvisie, daß Deutschland noch' mehr leide, wstrde er einen Vevmittkm-gÄrersuch mit tiefer Genugtuung begrüßen. Wir dürfen rms, sagte Bonar Law, dem französischen Anteruchmen nicht anschließen; aber wenn einige Abgeordnete vergessen, daß wir wahtend des Krieges mit den Franzosen ecks Berbün-dete gekämpft haben, so vergißt es die Mchrheit der - Engländer nicht.•!•’Wir wollen, wenn,es möglich ist, mit Frankreich nicht herumstreiten.. Wolfs meldet, Bonar Law habe gesagt, England sei kriegsmüde. Er könne dchn^Hcmse versichern, daß, wenn die Sache, für dt« in zahlreichen Reden entgetveten worden sei, angenommen, werden würde, man,, statt die Entente zu erhalten, sich auf die Möglichkeit vorbereiten müßte, seinen Willen"Frank.reich durch Krieg anfznzfviirgem Beide Lesarten find stark widersprechLnd. Eines scheint cchvr mit Sicherheit aus chnen hervorzugchen, nüMich, daß Mtgland. Jnterventionsversuche gvmjächt hat, die jedoch von Fvankverch als Bedrohuitg feiner '^Positiottäufgefaßt Ivurden, und daß daher die Wiederholung einer englischen In-' tewentiort Weiterungen mit Frankreich herbeiführen kö-imte. Es scheint, daß Deutschland einen Weg/zur; WM - deS^KvyftÄs' s.« l b st wird.finden, müssen.^ Iie Iedgtte Wer die Michskimzlörrede. / Berlin, 7.' März^ -Bei..'Cröfftimtg ^der' -'Sitzungdes RetMlages vevlgs Ptästderit Lo eh e ein Schreiben ' der - JnheMüerten'. Rhoinlandkornmifsion über .die' Äu s-- tv e rs u st g - des demokvcttischetr . ..Obgeordneten- K 0 r e -l 'l, iväs zu stürmischen EsttrüfLmt-gsvmtdgeÄt'Ugen Anlaß^gab./- Sodann begann 'die-Aussprache üster die gestrige Rededes > RÄchskanz-lers. Die 'Rcdtter der großen. -»Parteien- 'stellten, .sich. im. weftntljcheit <mf ..dm -Bcdc-u. der Er-tlärungen ' lümos. Ns erster sprach der SozialldeMokrat Dr. D a v id. ' . lÄMtste Mch einigen krüftiaen nationalen TrowvetLv^utzn Kehl-Karlsruhe besetzt. - .Karlsruhe, 7. März. (Wolfs.) Hcitte früh sind'über'dich Maxauer Rheinürücke französische, mit Soldaten und Matevialien beladene Lastautos, vermutlich zur Verstärkung derfranzösischen'Zollrme, nach Karls rühr-Ke hl geleitet worden. Der Bahnhof von "K e h l ist ebenfalls besetzt. Die Beamten wurden, aus den Diensträumen vertrieben und leere und beladene Güterwagen .nach dem Elsaß äbge< schoben. Re beWagüahmten MMarre«. Berlin, 7. März. (Tel.-Komp:) Auf das..Telegramm des . Generäls Drg ou t t'e -an die Reichsbank, worin der General erklärt, die Beschlagnah.me der 12.8 NM-' liarden Alark aufrecht zu erhalten, hat das Direk- ' tormm der Reichsbank Me Antwort an General Degoutte gerichtet, indererMt gegen 'die Beschlagnahme Protest erhoben, wird. In der Note ivird unters anderem daraus. hingÄviesen, daß die vMg aujortome Bank nur ifcti .PrivaÄapital gegründet uprd -von. ^der Regierungvöllig unabhängig sei; >sie hafte nicht für 'deren Zahlun-gsverMchtrmgen. . W H«tschverf«ch ia Äayem. ' München/ 7. März. (Wolff.)-An amtlicher Stelle -lvar. - anfangs' Februar bekannt , geworden, daß eine Reihe von» Pevschtlichkeiten, die attherhalü der politischen^ Welt stehen,! den Beschluß gefaßt 'hatte, in ällevnächster Zeit-eine -ge-; '. w a l t s a m e B e r ä n d e r u n g der - bayrischest M'rfasfimg.! herbeiKuführen.'Bisher siitd 15 Verhaftmtgetr vorgenotnnten' und"? Personen dem. Richter. übergeben worden. Die^ Hauptbeteiligkrt sind Proseffor Fuchs und Kapellmeister: Hugo Macha us, beide aus München. In der.H'ochysr-i ratsasifäre Machaüs und Getwssen wurde Mittwoch öert- 28:-Februar auch Rechts rat a. D. Dr. K ühle s sestge»! uommeu, jedoch nach .einigen. Sttlnden wegen Maügelsj an Belastuatgsntateria-l wieder tzrÄaffen. Dp. Kühles hat! M gestern in ftinep Billa erschos-seu