Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1459 (6.3.1923)
- Date
- 1923-03-06
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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K«. US# Mm, Sbienlfa* Sühne und Kunst. Midemke-Nmt«. (UvMMHvung Avon Paul Wertheimers MWÄ «ÄsS h^an« Wunder".) DicheS ganz neue Ltffffpiel (wer'S gtauht, hat nie ein ganz chVeS Mm Vemdix oder Schönen goschen), mit dem Muzzi- PozlHhepaar, mit dom Kompagnon, der daS Zipperlein hat »nd im Salon des GhcPaaves eine beihagkche Ecke, mit dem älegauden H'-WnSbrecher, der eigentlich ei» gchautar Agent in ModeariM« ist, m it dom -um Zerspringen -Mischen -Küche»'' twmpel und dem mutigen »«verderbten Mädchen, daS den Schwerenöter brzwbngt, plätschert so harmlos dahin im cklt- 'vertranten Lusffpielwcffser, zaigt so wenig Amlbition deS Autors, eine eigene Note zu haben oder abgobvouchte Lustspiel' schalbllonen zu meiden, daß man ihm nicht döse sein Sann. Zur Hebung deS Reperwivetrügt die Novität fv.Dch nicht der, aiber diesen ,Mavmerspielen des Purgthsaters" ist ja die Ambition ftonüd, einen tauschen Spiochlan zu haben, und die Leute schllivfen die Wcchersuippe mit Behagen. Ein Thoateryast morntatvoWch, als der Autor vor dom i Dvchang erschien: Der Dichter bebanlkt sich für die Schauspiel r. Nämlich für die Damen Albach-Retty, Perey und Sen« jdarr und die Herren Hänssermann, Treßler und Zerka, die ein ausgezeichnetes Ensemble sind und Über den iMend hinwchhÄfen. UebrigenS zeigt Paul Werihevrwer diesmal gut« Technik, so daß man für nächstens Besseres erhoffen d«s. O.A. Narmuad.Aeater. tv««W«l «-r ZU.ein« drei Akte langen, überaus langwierigen Sache, tue ftdj als listige Komödie salschmeldst und „Der Herr Minister" Veiitelt ist, gibt Max Pallenberg eine» lspziMtischen „kleinen Mann", welcher beim Umsturz aus einer j totalen Parteigröße über Nacht Minister wird, ober eiusiehr, jdaß er der schweren- Verantwortung nicht gewachsen ist und daher (siehe Lesebuch für Volks« und Bürtzevschulen) seiner 'Würde entsagt. Das Machwerk ist tarn geradezu gigantischer Armseligkeit und sein Humor aus dem tiesstsn deutschen Merkste-waS-Fauuner bezogen. Bei dieser hoffnungslosen Sache vermag nicht einmal PallenbcrgS große Kuifft Wer die miserable Langeweile, welche Ms Wort dieses Stückes auZsträüt, hiwvvMhelftn. Das Interesse wird nur wachgehalten durch die Momente, in denen Pallenberg weit wog vom Stück jsrei gestaltet. Seine geradezu ins Metaphysisch«, gehende!KünMerschafi verleiht dem Nein«» Parteimcmn einige Züge» hie sich unauslöschlich oinprügen. Stimm« und Sprache seines iNelnen Tribunsind derartig, daß man förmlich fühlt, dieser Buchbinder Alexander Badetow sei nur deshalb in der Partei zu einem Exponenten geworden, well man gegen sein« Stimme stW gegen die Art seines Sprechens nicht «uffommen tonn. Mer da^ ist eine ganz ander« Komödie; die hat Herr Paul > Schirmer, welcher für das SesebuWück verantwortlich, ist» nicht geschrieben, könnt« eS auch nicht. Es ist jammerschade,- daß Max Pallewberg seine große Kunst, die mit sorgsamer Arbeit gepaart ist, aus ein so elendes Machwerk verwendet. Das MMÄum, welches sich noch immer nicht abgewöhnen kann, in Pallenibevg eine Art Wurstel zu sehen, lachte fleißig, wem» tS glaubt«, dazu Anlaß zu haben; und das geschah gewöhnlich «st den unrichtigsten Stellen. Pallenbevg wurde nach jedem At TAsmffch gefeiert.. S S. RenMauce-SSHue. (Gastspiel Albert StchnrAk.) Mbert St« in rück spielt den Kapitän in StrittdberyS ^Totecktanz". Sehr bemüht um Details, mit — wenn man so sagen darf — strimiMchen Doppelgriffen, mit > allerhand Nini« schon Aufputz und mit schweren Betonungen und drückende« Pausen. Dennoch stellt sich nicht die Erschütterung ein, welche die Figur, von Karno und Wegener gestaltet, auÄöste. Jarno gestaltete ein Dogma, Wegener einen Dämon, bei Stainviick wird vorwiegend ein Alkoholiker sichtbar, mit alle« naturalistischen' Kunstgriffen «usgestatlet. Einiges packt, wie z. B. der Danz und der Abgang zum Dienste. Mer das ist nicht VaS Wesentliche für diesen Edgar, der ein furchtbares Schicksal verkörpert. Das Schicksal Alices hatte Mario Eis zu gestalten; eS kam aber ärmliche Weinbüvgerlichkeit heraus. Herr T e übler als Kurt war, wie immer, fehl am Ort. Mr nächsten Abend gab Stemrück den Baumeister Solneß. Schwerblütig und wohl temperiert. Das Publikum nahm beide Darbietungen des Gastes beifällig auf. S. S. Die .Wllnaer" i« Lemberg. Aus Lemberg schreibt mau nnS: Wir sind der Direktion des jüdischen Theaters in Lemberg zu lokchafl«m Danke verpPichtet, daß sie uns nach längerer Zait ei« Gastspiel der Wiilnaer Truppe geboten hat. Es war wieder ein künstlerischer ' Hochgenuß, der nur durch die Tatsache der kurzen Dauer deS Besuches beeiwirächt igt tvuvde. Doch freut es uns, aus zahlreichen Äußerungen unserer lieben Gäste entnommen zu . haben, daß A« herzlichen GeMle, di« uns nunmehr an die Künstler knüpfen, von diesen dem Lemibc-rger PubWum gegenüber vollanf erwidem werden. Sollt« nicht der Wunsch, daß Lemberg den Wilnoern zu einer neuen Heimat werde, die in Betracht kommenden Faktoren zu einer großen Tat aneisern, di« »nsir jüdisches MAieat um ein bedeutendes Kulburinstitul be-- reichern würde? " . Das Rcpertoive umfaßte diesmal drei unter der Regk sdadffons hervorragend.gespielte Stücke, '-und ztvar An—skiS „Tag und Nacht", Arzyba>schew8 „Eisersuchr" und weiters „Der stummer". DaS letztgenannt« Stuck rief diesmal ganz besondere. . «VtlNK VtPfBvBsUtlHii ■■ f Wirkung hervor, wobei in erster Be>W die Mtzende« Darbietungen deS Stein und der Mm OrlcSta hervorige« hüben werden müssen, doch leisteten auch die übrigen Darsteller ganz Vorzügliches. Ein Teil des Ensembles (WeiSlitz, Taudn, Bulchv und Ljuba Kadison) war auch so liebenswürdig, in einem R'.'zitat'ionSabend zugunsten deS vom Mischen Fvauenvere'm erhaltenen Kriegswaffenhauses Mhutveten, wobei ihnen VaS PMWum stürmische Ovationen bereitete. Die. Vorsitzende deS -Be-vchre-, Frau Abgeordnete Rosa Melzer, sprach zum Schlüsse einige' herzliche PankeSworte. Die Wiknaer.Tmppe spidlt augenblicklich in Staniskm und begibt sich von dort zu omem Gastspiel nach Kvcckau. ' A. B. A«r dm Neuem. Vurgtheaier: Morgen, halb 8 Uhr, „Glertra". Akademietheater: Morgen, halb 8 Uhr, ^DaS blaue Wundes. BolkSoper: Honte „Fra Diavolo". Im Deutsche.« BolkStheater golangt nwrpien Mttlwoch um 7 Uhr Ber-nard Shaws Groteske „Die groß« Katharina" und destzlben Antors melodrMnatffche Pred^t »Blaneo DoSnetS Erweckung" mr ersten Aufführung. Spielleiter: Hans Bvahm. Paula Müller, das «och in bester Erinnerung stehende Mitglied der Deutschen BoMhoaters hat sich zu einem einmaligen Wiedevauff«1en zu wohltätigem Zweck «rffchlaffem Die Künstlerin wivd am 1ä. d. die Frartzisba -m LessbuK.„Minna von Barnhelm" i^Kfetu In den Kammerspielen wird als nächst« Novität der NachlvorsteAmgen Mit LeopoMne Konstant4n ein Sinakterotbend vortöereitot. Aur Auiffichvung gelangen „Blanchefleur", ,L>as WachSfigurenlaür-nett" und ^Dor Tunnelsachyr" .; Roland-Bühne: Gisela Werbezirl begimü heute ihr Gastspiel in der Novität „Mama B laust ei von Armin Fviüdm«m «nd Gustav Beer. Serichtssaal. Aus der Seit der AuffM'FMiafim in Lemberg. Lemberg 4. März. (Tel. der ,,Gr. Morgsnztg.") Die letzten zwei BerhandlunxStage im BerleümdungSprozeß gege»t die ehemalige Lystumsinfebkrin Fanny Dittner brachten eine R:!hc sensationeller Z^ußencrussagen, die über den Gegenstand der Verhandlung btnsvö interessante Stveiflichter auf die damaligen Verhältnisse werfen und' manche Einzelheiten' Politisch-mMtärrscher Natur bekannt werden kaffen, die bisher in verschiedenen Archiven oder in der Erinnerung gewesener österveichischep Würdenträger schlmn-. rmrten. Unter den ««vernommenen Zeugen befand sich auch der Lembrvger Polizeidirektor Josef R e i n l ä n d e r. Er schickte seinen Aussagen.^n längeres Expose über Vas BerchAtimS der Pole« zur ehemaligen österreichisch-MMrischen Ncgi-erNng voraus, wobei er hervorhob, daß das österreichische Wir« im Geginsaxe zu Ven russischen Machthabern in Warschau von den polnis^n Bürgern keine Ent- Mitteilungen aus dem Publikum. IN JEOEMHAUSHXOr IST OAS BEWÄHRTE 100% REINES FETT AUS KOKOSNÜSSEN, f Herrn Alois Steiner oni seiner Cem;blin * gratoliere ieb hersliefat m> Feiet 4er sUbersen Hoehseit ■ . is8k Alster 18>3 Streng orthodox ny5 Hotel and Restaurant BARSCHAK II, Grosse Schiffgasse 3 Telephon 40*1*39 Lms ... Btfttelfangai für HocizeiistHnern ru «rbr nuB "W iWJ tnSssiKen Preisen. VonOKlidte KfieM^. " ■' --- Jr- Frühjahrsgarderoben nach neuester Mode, aus orig. englischen Stoffen ORmiüictt «rsiklassiie Arbeit und feinste Zngtbüve Gelbard & Fürst ** Wien, 2. Bez,, Hollandstrasse Nr. 16 0. März 1VSS «e» M^ Äußerung ihrer nationalen Ideale gefordert habe. Go Satz eS Venn, daß hechorragende Wortführer der fogenanntch nationalistischen Richtung (gemeint ist wohl in erster Reih der gewesene Minister Dr. Glombrnski. Anm. der Reds Mitglieder des. österveichifchen Kronvates waren unv heuß ihr polnischer Patriotismus von keiner Seite in Frage gß stellt werde. Dr. Reinländer bespricht auch des längeren dw Verhalten der Lsterreichlsch-ungariichen Heeresleitung, inD besondere des Armeeoberkomnmndos' in Tefchen gegen über der polnischen Gesellschaft, der gegenüber uwu sick in Verdächtigungen und Denunziationen über illoyale uns - verräterische HaMungen nicht genug tun -konnte. Aus dieser Basis hätte auch die Angeklagte Fanny Dittner ihm verhängnisvolle Wirksamkeit entwickelt.. Der Zeuge bo richtet auch üher. seine mehrfachen Konferenzen mit de» gewesenen Stadtkommandanten General L e t o v S k y, detz wahrscheinlich infolge der Anzeigen der Angekkag^en Absicht hatte, den Grafen Leon Pini»ski und den Erzi dischof BilczewSki verhaften zu lassen. Der Zeuge htzöß den Stadtkommandanten vor Verlei weitgehenden Matz nahmen auf das eindringlichste gewarnt. Im Laufe des gestrigen Verhandlungstages wurden nun der grwesertz Statthalter von Galizien Graf Pininski, dem man von verschiedenen Seiten extrem ruffophileS Verhalten vorwarf, wie auch die Dizebürgermeister von Lemberg Dr. Stahl und Dr. Schleicher einvernommen. Dr. Stahl bemft sich auf mehrere HochberraEPwzeff^ denen er infolge von Anzeigen ausgesetzt war und bea« sprucht eine größere Summe als Schadenersatz, die er , einem paiviotischen Zwecke' zuführe» wolle. Me ktzrenbelekdrgvvgsNage des Wrger» mekkers. Im Hyuse Schrottgaffe 11 des 3. Bezirkes, das dem Bam meffter Fvam Kat lein gehört, echoben dis BertrauenÄ Männer der Mieterschaft wegen einer vom HauSbestzer voyge« nomm-enen Zinserhöyung Einwendungen mw erklärten Herrn Katiem, er möge die Entscheidung' dom Mietamte Lberlaffeu Darauif erwiderte Ka'lein: ,Ich pfeise aus daS Mtetamt, be| Vorsitzende und die.Beisitzer aus Mieterkreffen sind voH Bürgermeister beeMflußt." W>sgen dieser Bvmerkr na erhrb Bürgermeister Reumann gegen Baume ist« K Mein ditz ChrenbeleivigungsKage und Katlein wurde vom Baj-irksgericht Jlffefftadt zu 50.000 K. Geldstrafe ver-urteilt. Beid« TeÄ« be, riesen gegen das Urteil. Ein Appellsenat des Landesgerich etz unter Vorsitz des Hosrates Heller bsschästigte sich gestern mit dieser EhrerwÄe idigungsklage. Der. Senat, gab der BeMftrng des klägenschen Vertreters Dr. Ornstein Folg^ urÄ erhöht« die Strafe auf 500.000 Kronen, im Nichts eilnbrinMUgssalle mit' zehn Tagen Arrests Ws besonders er- ' schwerend würde die Schwere der Beleidigung, sowie der Um* starch, daß sie gegen den Düvgevmeffter der Stadt Wie« erhoben wurde, angenommen. kw RayoaMpÄtor «ater der Aullage der Mörder. Die BechaMung gegen den des Mordes asrgeMoAte» Rayonsinfpektor Rudolf Eder endete mit der Devurteimng der Beschmdigten zu einer, zweijährige» schwere» Kerker st rase. Aus die Frage der Vorsitzenden, ob er sich schuldig bekenne, antworte e rGder mit fester Stimme: ,Lch erklär« mich nicht schuldig. Ich habe die Tat zwar begangen, war zu jener Zeit aber meiner Sinne nicht mächtig." Die als Zeugin vernommene Braut des Angeklagten^ Joistffine Blavolil, gibt an, daß sie nie die AMicht achabd hatte,' den Angeklagten zu heiraten, wen» sie dessen Lerde« auch nur entfernt geahnt hätte. - Gerich spfychiaier Dozent Dr. Frischauf sagt, daß Eder durch die gefftige» Erkrankungen in seiner FamÄie iom erblich belastet wäre, aber selbst in keiner Beziehung di aeisteÄrank erklärt werden könne. Auch die Tat 4abe er nicht m entern Zustand der S'mnesvrrwirvung, sondrr» n-ur « einem Zustorwe höchster Erregung begangen, d» durch sein« eMiche Belastung und dem in semom Innern durch längere Zeit angesammelten Zündstoff einen v^'ondercn Grad erreicht hätte. Die Geschwornen beantwortet» die H»g»tfrä-e «üf . Mord mit 18 Rein, die Evenwaffrage aus Totschlag mit 12 Ja» die Zusatzfrage auf Sinnesverwirrung mit 12 Nom, In einem Beisatze baten die Volksrichter den Gerichtshof, bet der Strafbemeffnng Mlde wal'en zu laffen, worauf dieser dar eingangs Publrzierte Urteil Mt«. Der Verteidiger meldete di« Nichtigkeitsbeschwerde und die BeruHu'Ng an. .' - Sollsmirt. Seftevchelte Krone — 0.0075 Senümes. . Allszshlsug SBiot — 0.00747/« kmtimes. Z» Zürich nottstte / die österreichische Krone . . 0.0074*,, (0.0074% am 3. März) die österr. gestempelte 5kroNe.0.v07S (0.0075 am 3. März^ die tschechische Krone . . . 15.85 ( 15.80 am 8. März) die Mark., 0.0236 (0.0236 am 3. Marz) Belgrad......... 5.85 ( 5.50 am S. Mä^> Bukarest . .. .. 2.50 ( 2.50 am 3. März) Sofia3.10 ( 3.10 am 3. März>, Budapest . . . . .... 0.17*/, ( 0.17'/, am 3. März) Warschau ........ 0.0120 (0.0120 3am . Marz) Sie Jevisenvrelse. . I« Zürich hat.sich di« Devise Berlin nicht verändert. Die TevSse Prag stieg um ein g..r'mges von 15,80 auf 15,85. Der Dinar ha-tte eine weitere kräftige Steigerung von 5,50 auf 5,85 aufzuweisen. Di« übrigen Devisen waren unverändert. I tzn B e r l i» senkte sich der Dollar von 22.788,0! ans 22.710,58. Das Pfund blieb unverändert. Ebenso wiese» alle andern Devisen mit unbcheutende D^xändevungen - auf. Die Devffe Dien.siel von 31,92 auf 81,72. Hingegen stieg W Devise Pvag für Haufen und Herren, oowie alle Seidenwarea domanÄ«» VI., i.inVe Wienzeile 4Q. im Hol* 'M. ■ r-nr iMramnr-! ii WM I ■ iminliiiüi