Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1456 (3.3.1923)
- Date
- 1923-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BozeliraiinerKiOOjJ Wien1 Zum Abholen in de? Expedition, 1 l.,Taboretr. 1 -3, oder m einer Verachleix^telle ((Trafik) monatl. K 28.000 iMit Postvereand fiirWten a, Oesterr. monatl. K 28.000 jT*che e h O'S Iowa hei. .Men. K17. Ungarn: Mon iK 600. Jugoslawien: Mon. iP-’nar?5. Polen: Mon.;Mk. 8000. Deutschland: Mon. Mark 5000. Frankr.. jßelgieh: Monatl. Fres. 8 fpT' NachzaMunreB ' [bei * Prei*wh5hunjren verbetialtea Rr. 1436 Me». Samtm. S. WUW» rs.tiaciia-Sla»al(.i ■ Ischech. K»ta«-o’' Ttalien: Monatl.lO Jire ’,Rominien, Bulgarien Monatl. (0 l ei be?.w I owa, , S chw ei z und das ubsigy Ausland monatlich Frei. 3 Redaktion i«. Administration Wien, ll^Taborstrassel—3 Telenhone: 44*rt-3!M3-3»19> aböÜhrabds. 19*483,16-301 Tel- Adr.: »Mcrgenseitung* : Wien Oesterreichisehea Posbpir* hassen-Konto Nr. 150,693 WVtWMWDWUlW 5. gahtgaus Sine jüdische Kundgebung. . ... F. Wien, 3. März. Das' sichtbarste Symptom für die Existenz einer Jubenfrage^ist darin zu suchen, daß das jüdische Volk, her territorialen Zusammenfassung entbehrend und zerstreut über die Wett, stets zull? Objekt aller politischen Strömungen wird, ohne sich zur vollen Höhe der qktiven Betätigung in den einzelnen Ländern mchschwingen zu Können, welche ihm vermöge seiner intellektuellen und wirtschaftlichen Bedeutung zukame. Jegliche Störung in den Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten und Molkern oder sozialen Klaffen findet ihren . Widerhall in einer antijüdischen Strömung, und stets noch hat' Man es versucht, den aus irgendwelchen Ursachen entspringenden Hatz in der Richtung'des geringsten Widerslandes zur Entladung zu bringen. Die jüdische Genteinschaft, sie mag wollen oder nickt, sie mag den jeweiligen politischen Vorgängen gegenüber m ihrer Mehrheit stoch so sehr eine Haltung bekunden, We stiän gemeiniglich ä's Patriotisch bezeichnet — niemals bleibt sie von dem Schicksal verschont, für die aufgepeitschten Haffessnstinkte den traditionellen Generalblitzäbleiter abzugeben und als willkommener Litckenbüßer für alle Äot her Zeit verantwortlich gemacht zu werden. Das jichische Volk,.dem auch seine Feinde besondere intellektuelle'.Gaben zrisprechen, ist in seiner Gesamtheit noch viel zu wenig politisch erzogen, uw begreifen zu können, datz jeder Völker- oder Klaffenkonstikt das Gesamtjudentum in seine Kreise zieht, um sich angesichts dieser Tatsache entsprechend zu ori-Nchieren. Die ganze Judennot findet den Ausdruck darin, daß der Jude stets in einer aller Objektivität hvhrrsprechLydrn Weise in die Vorgänge »der iMelLpMMHiWnMeM'Md^' Mast mag ' Erklärung der Sukarester UukverWtsseuater. hie europäische [Sf;;■ 4i>uv v . txuug. r der WMtHlüntz der JlchenstaZe fSsM 'MenlsHeit wv . W»iv , »Vjtuvw» vu», ut> YUU pscndo-wiffenschastliche Hülle gewickelte Gift ''.jenen.Mixern [vermittelt, die im Jargon der Uebetdentschen. als. zurückgeblieben bezeichnet weiden. Es ist nur-die Technik des Antisemitismus, die -sich geändert hat, sein' Mrsen ist sich gleich geblieben, undwahrend man in vergangenen Jahrhunderten, welche'die. Hetzer von Beruf von ihrem Standpunkte mit Unrecht als rückständig bezeichnen, überzeugt war oder so tat, datz der Judenrumpf drisch ein Teufelsschwänzchen seinen ' natürlichen Abschluß sinde, so müffen heute „die Meisen von Zion" herhalten, welche ar§ neueste Weisheit in die Massen geworfen werden. Ter Antisemitismus ist so stark geworden, daß er-jeglicher Logik spottet, und alle Berechnung über den Haufen wirst. Man hätte annehmen dürfen, daß das gewalttätige Borgehen Frankreichs im. Nuhrgebivt und dessen zu erwartende Folge, die Schassttng einer deutschen Einheitsfront, welche ideell auch die' Politisch'M Deutschland gravitierenden Volksgenossen außerhalb der. Pfähle -es - Reiches umfaßt, die antisemitischen Wühler für den Augenblick von ihrer unreinen Arbeit cbzulenkeN imstande sein werde, zumal es sich um Letzte handelt, die das Schlagwort von den „deutschen nationalen Idealen" ständig im Münde führen. Mer gerade das Gegenteil ist eingetreten, ntzd-' vährend sich die deutsche offizielle Agentur in Schillstrungen von den Exzessen der französischen Militärs auf deutschem Boden nicht genug tun kann, schürt die nationalistisch-a-nlisemitchche Hetzpresse in der gemeinsten Weise und ist die Hakenkreuzbewegnng am Werk, um .an dem Feuer der nationalen Entrüstung ihr eigenes Süppchen zu kochen und, wenn einmal die Juden erledigt sind, gegen alle, republikanischen und demokratischen Errungenschaften mobil zu machen. Der Kampf Men das Judentum bedeutet für die aufgerollte reaktionäre Einheitsfront nur' das Bovpastengefecht. . Aber die jüdische Bevölkerung in. Oesterreichs welches Land sich jene Bewegung als Aufmarschraum für ihre künftigen Aktionen ausersehen zu haben scheint, ist es müde, sich noch länger'.die?den jüdischen/Namen cerunglimpfende Hetze ruhig gefallen zu lassen, eine Hetze, gegen welche die Regierung, die beständig auf die Notlvendigkeit der[ ausländischen Sympathien hinweist, leinen Finger gerührt hat und der die Haltung der großdeutschen Minister geradezu Vorschub ttüstet. Der Protest, welchen heute nachmittags die. jildische Bevölkerung Wiens durch den Mund Jh rer berufenen-Bertreter gegen vieles Treiben erbebt, richtet sich nickt allein geaen das Wl« npch erinn«rllW hat sich dtt RÄto« der M^net Universität Hofrat Pr-sf. Dr. D i e n e r im Verlaut -er völkisch-antisemitischen Äsisire da« httgegeLen. die. Forderung der jüdischen PröMeinjchrsinmnq.öffentlich q« j dtttret ». Er hat sich VaMaus daS Bellpiel Polens und RnwSnien.föfort'.'nach-' weisen, daß weder 1 n-M» e^n o ch i n R u vr qn i e« ein Numerus claufnsststE Jüdischen HochschlU« ..besteht Jnzwsche« sind auf Hnttjällve der völkische«. Kreise Wiens an polnischen Nüd rumänischen Hochschulen antisemitisch« Mzeffeveranstaltet worden, die aber nirgends das imMtWe.-Aiel.'.erdichten.' .BrsotzderSheftig war M Bew gmiaD Ruchanlen, die mit blutigen Anrahen in Klaus enbnr q begann, in deren Verlaus «ln jüdischer Mediziner eM ch o s k e n 'wurde; Den Avlatz z« de« Exreffen bildete did Färd rnn^ daß in Hlykunft auch jüdische Leichen, zur [ anawünichey . rüehandkung komme« sollen. Die NechMmg und dir gkadenrischen Behörden nnterdrül^en dk-vBk'k^-mng, betraten jedoch wegen der jüdische« Leichen Weg der Verhandlungen mit' den jüdischen Kreisen, die. mit einem vo'len Einvernehmen abschlrffen. Da'außcrdM. Mch noch hie Verbände . der, rumänischen S'ndsnten ^im Auslandschars g e g e n. die antisemitischen Exzess? nach? Wiener - Master protestierten, zog die Studenteüschaft-RumgnienS die Fordernn^ .nach dem Num'krich elansns^n r nS. . - Es liegt mrs »«Mehr'die solgende Meldung aas Bukaresi vor: - - t cft, 2* MKÜL, Ltev'.-Miener DrovKnzeÄünA".)' TeL- ÜMvessiMtLsenat hat,, nachdem- -Kie'^ rb«ßst5Wtz-. WiMaterischafL,. w'Le berettA -MrichLet,.hMch/'' feiÄ- «#f; ilc Forderüng des -NriMrrrD efapsuS' dett störten Verkärtf >^Äep'^B.sVrDjVÄzLep'' rmSMHj'. Ssnmchtz'sM,./ WschWserr,SD.'/Laö'vM^.^en datz die von den in die aöhTMdn, nahnre der UniverftLal für das tzMze laufende Mndien'ahr fystien wird» Aus 'diesem Llnlast erliest per NniyerfttätSfenat einen 'Aufruf Nn die Hochschnler, wüste. Hakenkreuzlertum^ das . Argumenten unzugänglich ist.. sind-.mit. dem - zu disktrtreren aufrechte Juden verschmähen. Er richtet., sich vielmehr gegen die: Regle-, rung, in '..weWr.-Mnkster- 'sitzen, die. -dem Numerus. clausus-Geiste dietiende- .Nassenvcr.ordnunFen erlassen oder, wie. in' diesem.- Blqtte nachgetviesens wur^> um*. stürzlerische Geheiniorganisailonen mit ihrem --wohlwollenden. Schütze bedenken. Es ist abei auch. eiw Protest, gegen tzqs.gesamte deutsche Bürgertum,, welches nichtdie sittliche. Kraft aufbringt,^ gegen eine Bew^ung zu remonstrieren, die den deutschen Namen schändet.und den echtesten, deutschen Traditionen' zuwiderläusl, eine^ Bewegirng, welche schon ein gutes Stück- Arierfrage geworden ist,, weilsie den morälrschen Ban des' Volkes zu unfeptzüMy, seine, JrtgerL i zu', korrumpierendroht, in der'^ste'sich.einMistet 'hat. Herste soll die jüdische Be-- völkerung Wiens .kundtün, daß . sie nicht -längerjenes, provoziereMi Treiben dulden, will, das sich zu einer Gefahr. für den ganzen Staat aüswachst. Ihr Protest soll die Regierung veranlaffen, einmal.Farhe zu bekennen und zu sagen, ob sie mit den Waber und. Frank solidarisch ist. Kein Jude fehle, i der zur jüdischen 'Sache.- hält und.der weitz,^^was jüdische Ehre ersördett! MWler und Unfug. Eine psychologische Betrachtung. ) Von Dr. Vkgmnültornseld. In.der.cr.r>ffe^mrrege-nl>en VerhaM'Mig,. die am 82.',d, vor dem Strafbezivksger'lcht Innere -Stadt 'gegen dm Advokaten Dr.'^M» H t r äa.tz 'purHgeWrt. Umicde, welcher bei ÄNM Gerichtsverfahren einen Schriftführer Äs bsfa-n-srn' ahgolchnt hatte, 'Ml'-dichridurch, das H.ak e nk r e u z seine .poLi'vische - Richtung. 'afftrisichLlch -' dokimd u-tierte,- - hich:n sich die .Gegrnsätze iw den Anifchrmüngen m .diesen den Titel dieses. Äuiisatzes '^kdycheü^Bezeichmin^n, veidich'.et.' Während nichf etwa^der Anksitger,. wasija-Äs'der A(>iicht,.di>e MchmtngSgrülche--hes. angsllagten.R'chisa>m»2l-;es Äs möglichst nichtig enM'Mn/zu Wen» eMviich wäre, Mer» der «.Mkrte-'^che Richter.,-Zielleicht" chnen Verstoß gegen d?n Takt Mten ließ, beM-te - der V-evteW r des; amgokiaigten R-echtsMva>l'.es mit allom Machdruck. dab «in ^drvart-iaes ZnrschMvagrn der durch tzaS WkenzAe in. der Vergängenhekr ^'8ir Brennpunkte der in welchem er Mnäksift feststem, nntifemitifche Betoctung Feinden des rnmanischen Volkes Kreise der JMend hineinLetrn^en wurde, NM uns diesem We^e in Rumänien Ruhe» störungen grAsreren Gtiss hervorzürnfen. ,^Der Senat ist bereit, die Universität für fiimtliche. GärLr, « tz n e Unter s ch i e d der Rasfe «nd der Konfefff on, wieder zu eröffnen. Pie in schlechtem Latein Numerus elausus äe>anfte Bewennng stehe der Se<e des rumänischen Volkes ebenso ferne, wie den Lraditione» der UniverfiL8teit aller gevildete«Völker. Der Numerus clausus ist aus Budapest über die Grenze xeschinnggelt chorden, wo der gewesene ungarische Nnterrichtsminister Steplan Haller im Sevlember 1920 ein gleichnamiges Gesetz -geschaffen hat. An einer Universität, die sich ihrer Würde und ihrer i kulturelle« M i f f i o n b e w N tz t i st, gibt es keinen Nm merns e'lanftts. SoMe ein Leit der Studenten die Vorlesungen an der Universität detrnoch weiter stören, so würde die Universität! Mr'dieses Mhr endMtiq geschloffen werden. ' Der Ansrnf des Senats' fchlietzt -mit d! Wortenr „Die Universitäten dürftzn. nichß Vrntstätten des Hasseüi werden^ sie müssen auch in der. An LLnrraherungsbestredNnsen zwischen den Völkern und. des Kortfchritts der Wissen» schaft sein, wenn sie ihre Existenz rechtserti« gen wollen." . : > krortz' gck^niNl'eich'neten Gesinnung - durch chw«' vichterllchrn. F'.rMronär. in feiner amtlichen Eigenschaft — zurnÄ in e-mer ein e - j ü!d i s ch >e Partei belrMnden Amtshackdbuug als Unfag bezeichnet' werden mü'^e. Ja, er nannte-dieses Hrrvorkehven einer so pDononcieirken Rich!>u-ng,. die seKst in dem- HÄenkrauz?hr SyM'bok'sS ht und es aller West ÄS solches kirnldt'Ut, durch einen richlevlichm Funktionär wälhvrnV seiner Älnts'ätiMt Äs' groSrn, ja, veribrechervschen Unfug. Maw . wird dem Berleid^r.sicheckich darin, be'stimmen, daß di-esmn! Pro^-Lß eine tveit L<'er den Eir.zelfall hinans^Tlh^ride Bciten'^mg zn-kommt und does-alb Äüche oin näheres auf die. ipsyWogilschrn Wurzeln des Mü-kze' geiret-sn'n Gegensatzes - m A.r M-ffaffnng von Rich'er urcft Vev'e'.d'>^r. sich lehnen. : . Wenn man von .Dakt spricht, bewegt sich immer vm rein Aentze-rlichen, an der Obrrffäche. Darftber kann sichjcher i durch EnMick i>n em Lehr>?>'lch der Pshchologie oder auch in. di«. - MpWgr>.'<jchie- 'den. TE" von. La>zavus Htl-chven. Takt vechAt sich zur Sit'il'M-ett wie etwa G-^-chmack in der Kke'ldu.ng zrim Liefen künstleri-schen EvM-rn.c6er Schaffen. .So wonig aus dem Geschmack m der over in der Wohnurv''s-. einrichiimg auif ein tö is-ercs ästhetisches GosW, auf wehrhafte. / t>iofer-e ümcre 'Bezi'HMen .zur Kunst geschaffen werk«« darf, läßt der „Takt", den ei-v MnTsch an den Dag' lagt, ein sichaveS i Urteil.übsr die sittlichen G-cMal.' zu, die dielfer M'rsch in sich ' aars.-^bildet hat, .ffmi't auch ü»er daffen sittlichen. Wert. Takt ist. mch's anderes Äs die Sicherheit in.der .Erßasstmg und Wahrung der Gverazen des SchiMchen «nd - dos. GöMi^en. .«lch .hat. mit Sit'lichkert nn cigeMicken Sinn« nichts zu' tun, eibcmso wenig als eitva die Gsvanld.'ihe'si, mit der sich ein Mrirsch aus- -zndrücken vermag,-aus die S'ärke seiner Drickkwft schließen läßt. Takt ist immer'Mr eüwas AätrßeckicheS. Angel-eM''s nnd, -! kommt gar nicht in Frage, wo es auf. di« sitll-iche Wer-Imrg Mer, Händlnng ' 'oder' eines 'menschlichsn Ht^vNlmn's ' lniSonmit.- Ganz anders V'-egt die Frage, ctö das BerhEen od r das' Borgehen eines Menschen als Umsttg «ngnschm.st-r cder nicht. Der' ^Bottvurf des ÜMges dringt-West tiefer Äs dar. der TEDgketti er bey-Ü ht' sich «nicht ^mchr «st k-ie rein, formale, mißerilichr- - Seist des Handelns,' stichem' schließt schon eine sitt-liche 'Bewertrmg in'sich, indam er in die'in neren TrlÄ<«chern, m die Triebkraft des Hanttelns. ein>.-)chtt Mer einen - Usifüg -boicht, ja' eines solchen y-w'fähig' ist, - Vor'V «kündet damit emr«. MmigÄ des e-ige-mn sittlichen-Wertes; er zesyt, daßseine'stüllchen" GeiüHle nickt voll entwickelt sind, daß «ffc inniedriger