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Wiener Morgenzeitung · 1923-03-02 · Heft 1455 (2.3.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1455 (2.3.1923)
Date
1923-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WMHWMÄ1M Vien: Zum Abholen in der Expedition, JTijTabor*tr. 1 t3, oder i n einer Verschlei »stelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Poatversand für Wien a. Oesterr. monatl. K 28*000 Ta che c h o-S 1 owak e i: Mon. K17. Ungarn: Mon„ K 600, Jugoslawien: Mon, v,D'nar 25. Polens Mon, Mk. 8000. Deutschland: Mon. Mark 5000. Franke., Belgien: Monatl. Fres. 8 MT Naehsahlnn»ea *tM fcW Prwosrhötiunx^a »orbchaHe» icntr Ttchaclio StMaiiii Ischech, K 1.- Italien: Monatl. 10 Iirv Rumänien, Bulgarien "Monatl. 60! ei beaw. Lewa, S c hwe i r und das übrige Ausland monatlich Fres. 3 Redaktion u. Administration Wien, 1I„ Taborstrassei— 9 Teln>bone:44*n-3R.43»S-19, abßührabds. 19^83,16-301 TeL-Adr.: .Mvrgenreitunx" . . Wien Oesterreicbisches Postspat * kassen»Konto Nr. 150.693 s. Jahrgang Sr. 1485 Der fontroentale Mock. —y. Wien, L MLrz. Die französische Kriegsoperatiön im Ruhrland hat Der internationalen Bluthetzerei neuen Mut und hohe Hoffnungen gebracht. Die Entente macht eine Krisis Lurch, wohl die schwerste seit ihrem Bestände, und sie sieht Ihr dlplowati'sches System mit allen politischen .und territorialen Ergebnissen ivanken. Der Frieden, her geschaffen wurde, kann sich in keinem einzigen Punkte mit der wirtschaftlichen Entwicklung decken. Er sieht überall im aufreizendsten Wilderspruch, zu den Bedürfnissen der Völker, insbesondere der nationalen Min-r -erhellen, deren Beschwerden über, sprachliche und kulturelle, vielfach auch über politische Einengung heute schon ganze Bibliotheken füllen uw) leider meist'unbeachtet bleiben. Dem Völkerbund' ist es unmöglich, zu einer generellen Untersuchung der Wirkungen des Friedens- Vertrages zu gelanget. Seine Konstruktion, noch mehr über seine berechtigte Furcht, noch-tiefer in die Wirrsale der Kä'binettspolitrk zu gelangen, fassen es heute noch als ausgeschlossen erscheinen, daß er aus eigenem Antrieb Vertreter aller Minderheiten zu sich beruft und mit ihnen eine erschöpfende Expertise über ihr Verhältnis < zu den neuen Staaten und Stü-atsvölkern anstellt. So kommt es, daß die Unzufriedenheit mit den Bestimmung der Friedensverträge. immer gefährlichere Formen annimmt und daß sich allerorten Bestrebungen geltend machen, die Fehler statt auf dem Wege der Evolution durch die gleichen Mittel zu korrigieren, die sie geschaffen haben, durch, die-der Gewalt und, der SsLMnsirengungen der das UngW der Menschen zupölittschem-7- und nicht: Äoß politischem Kapital ausmünzen wollen. Und je tiefer die Krisis in dem Berhältms-M-gtoßen. eurojM Den Cntentestaaten zu einander greift, um so stMker «zeigen einzelne Genossen dieses heute noch bestehenden Bündes die Tendenz, die reakttonären, aus der Vet- Apeifelten Lage der nationalen und territorialen Minoritäten leicht erklärlichen Strömungen in ihren Dienst zu nehmen und ' in die sich vorbereitende neue Gruppierur^ der europäischen Kräfte einzüfügen. Französische und italienische Propagaiwsiten und Emissäre ^arbeiten schon seit den ersten Anzeichen der Krise in den mitteleuropäischen Staaten, deren ^Malkontente sie umwerben und mit. raffiniertester Benützung Mer Stimmungen: in ihre Netze ziehen. Die offiziellen Vertretungen zeigen. natürlich die peinlichste Korrektheit. Sie sind so korrekt, daß sie nicht einmal dort entschreiten, wo es ihnen ihr Amt und der Zweck ihrer Mission zur Pflicht machen würde. Die Entwicklung Ungarns vom demokratischen Rechtsstaat bis zum Galgen- und Bombensystem war doch nur dank der Aengstlichkeit der alliierten Kontrollkommissionen möglich, die jede Einmengung in innere Angelegenheiten perhorreszierten und den organisierten Mord und Raub als interne Fragen Ungarns sanktionierten. Aber inoffiziell bestehen sehr dichte Verbindungen zwischen den politischen Agenturen der wider einander hadernden Großstaaten und den Kriegspärteien der besiegten Lander. Es'wird Stimmungsspionage und auch militärische Ausspähung betriebenes werden Dokumente gejagt und gefälscht, und die verschiedensten Interessen des Ostens und des Westens kreuzen einander oftmals in der possierlichsten Meise. Es/ist em . ganz neuer Typus despolitifchen .Zwischenhändlers entstartden, der heute in einer Versammlung eine schöne Hetzrede hält, nachher irgeMvo. Waffen schiebt, Beamte Mit ferner hochwertigen Valuta kauft und mit falschen Pässen schwunghaften Handel treibt. - , Das System, das sich mit diesen Mitteln mittelalterlicher politischer Alchimie überall Einfluß und genaueste Kenntnis der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse schasst, hat als hauptsächlichsten Zweck die , Vorbereitung der Gewitter für einen neuen Krieg. Es hat sich eine neue Glelchgewichtsthtzorie gebildet, diecmf die Schafftmg eines romanischen Blocks in Europa hinarbeitet, der mit Benützung der Notlage Mitteleuropas alle Kräfte des Kontinents , zusammenfassen und der franko-italienischen Hegemonie untertan machen will. Diese Bestrebungen richten sich äffen und verhüllt gegen England, dessen Friedenspolitik nicht erst seit kurzer Frist auf allen Linien sabotiert wird. Mit'immer wachsendem Unbehagen verfolgt die' englische Oeffentlickfiett diese Tendenzen, und Lord Grey hat vorgestern aus einer Versammlung der.freien Kirchen auf diese j&fcMtuittg jinqesvWNa ®c hat davon seLvrocheg, dchß V u d a ft e st, 1. Müxz, (Lei. de« „Wiener Movgenzettrrng".) Hier sind Gerüchte aus Belgrader Quelle im Umlauf,' wonach in Paris bei der Reparätionskommiffion ein n k t i m zwischen der ungarischen Reparationsfrnge und der AWankung des Neichsverwesers Horthy ausgestellt worden tvare. / . Nicht nur die Llefne Entente, sondern auch einzelne MitHlieeer her großen Entente sotten Me Bewilligung zue Absetzung Horthys gegeben haben, falls ein demokratisches Regierungss tz st e m von seiten seines Nachfolgers garantiert werde. Auch die Pariser Reise des Grafen Al, bert Apponhl wird mit dieser Angelegen« heit in Zusammenhang gebracht. * ' ' '' v Wie weit Hirse Gerüchte auf Wahrheit, bemhech konnten wir nicht feststellen, so daß wir die Verantwortung hiefür der Belgrader Quelle überlassen. (Dir Red.) Der PrMeut verhindert die Fnterpellaüom«. Budapest, 1. MLitz. (Tel^ der „ÄZr. Morgenzeitung".) Der Präsident der Nationalversammlung. Scitovszky verweigerte heute vier Abgeordneten hie Erlaubnis, die Angelegenheit des Internierungslagers zü Zalaegerszeg in Form von dringenden Anfragen vor die Nationalversammlung zu bringen. Jnfolgsdessen wurde Lieseü Abgeordneten von denen zwei der RegierantzSpartei angehören — die Möglichkeit genommen, ihre ErWrungen und Vorschläge noch in dieserWochev->rM PaWtretsiakische OesfenMchkät W ferner HMWlWWMMruWueft wffell um wrM alle seine ErfahMygetz^HrWchlich jene bezüglich der ämtlicherfeitS verübten vor die Oeffentlichkeit bringen. Er wünsche nür die eine Frage an die Regierung zu richten: Ist die Regierung geneigt, die Institutionen der Internierung und der Polizeikontrolle bmnen kürzester Zell auszuheben'? Sie Schande bleibt beßehW. Budapest, 1. ML^. (Tel. der '.Wr. Morgenzeiiung".) Wie aus der Regierung nahesteherden Knisen verlaute^ wird in den nächsten Tagen eine Verfügung bezüglich des Jnterniemngslagers getrofftn rverden. Dessen Auflösung ist zwar nicht zu gewärtigen, es ist aber anzimehrnen, daß. das ganze Internierungslager i V; : /revidiert ’ '• . chMer ' iß HWW^WWKhMchLchPürbrecheru }öpr ■ d^jeuigen, dreitvDn^ ihrer MmeingefährlichkeiL' nichy'freiq' gelassen wepden MHW^^WWerkhäusern untergebtacht' wardien. - ' . ■ - y"': Bezüglich jener Unglücklichen, die. als fremde Staats^ bürger aus Ungarn ausgewiesen N-orven sind, in ihrer Hesi, mat jedoch keine behördliche Aufnahme finden, sind Bev, Handlungen mit den Nachfolgestaaten, hauptsächlich mit Polen, emgelertet . worden. Deitere fnmzWsche Besetzangeu. ' Nerv«, 1. März. (Wolfs.) Die Franzosen haben heute vormittags den Bahnhof E h r e n b r e i be n si e i n besetzt. Die Eisenbahner haben den Bahnhöf verlassen. Der Betrieb ist stillgrlegt. EhrenLreitenstein war ftüher von den Amerikanern besetzt gewesen. ‘ Eine Schwadron französischer farbiger Soldaten- (Spahis) hat die Stadt S i m m e r n (Hundsrück) besetzt. Die Bahnhöfe E n g e r s, N e u - W i e d, R S s d or f und Wa hn wurden von den Franzosen besetzt. Der Zugsvrrkehr nach Ehrenöreitenstein ist unterbrochen. . Soziatdemokrateii mH die Widerkimdr« bewegung im Ruhrgebiet. Perli»,-1.-Mürz^ (Tel. der „Wiener MorgenzeilÄng"^ Bon fozialdAtokvatischer^ Seite wird die Reichsregiönrng aufgefordert, von dem auf dem - d e ü t sch n ft t i o n a l en Landesparte itag ausgestellten . Programm: nach Widerstaud^bis zum äußersten usid Ab-' Lrhnnng jeglicher Berhandlungen bis zur! Räumimg nicht nur des Ruhrgebietes, sondern, auch des ganzen Rhe'mlandes schleunigst klar und deutlich a b z ü-' r ück e n, Um nicht in. pen Ruft zu kommen, das! Treiben von Leuten, die der Reichswehrmmifter im Reichstag kürz-, lich als „v er r ü ck t" bezeichnet hat, zu begünstigen.' ' Ab Meu W WWWchm »otztotts. Mffeldvr^ 1. Marz. Die^ StimmumpPerMvölkerung sin- Abschnitt H»ttMW^scheint '.sich' zu bessern. Die KaUfleuft beginne i r m i t d d m B er k 0 u f von Warm an französische und helgischr Soldaten., . Re WerreMche Anleihe. In London überzeichnet» E London, 1. März.. Wie die Blätter melden, hat d«s Emission der britischen Tranche der Schatzbons der öshev, ^rerchlschen Anleihe zu einem vollen Erfolg geführt^ Nach den „Times" haben die Zeichnungen dr^ Millionen Pfund überstiegen. Die Emiffiau war auf 1,800.000 Pfund ausgeschrieben worden. / Der füdafrckanische .FinauzNUnn Strakosch evklärte, daß die österreichische Anleihe eiuerr vollen Erfolg erzielt habe. Oesterreichs Fortschritte, sagte er, halben allss Erwartungen weit Mertrofftn. Die österreichische Wähe rung hat sich v oll stän dig sta bil isier t und die Auspräche der Verwaltung, sind bis Ende Jänner vollständig durch eigens Mittel des Landes befriedigt worden. Das Vertraue» kehrt rasch wieder und findet seinen Ausdruck . in der fortwährenden Zunahme -der Sparkassenemlagen und der Bankdepots. ... Nach einer-Mitteilung des - Präsidenten der Schwedischen Reichsbank werden die schwedischen Banken 160.060 Pfundder kurzfristigen > österreichischen Anleihe ü-öer-nehmeu. Die.Emission wird aufschwedische Kronen lyuten. Die Hälfte dLr EMssionssumme übernimmt die Schwedische Reichsbank, die andere'Hälfte wich vier schwedischen.Privatbanken aufgebracht. Im Hinblick auf den geringen Betrag wird keine öffentliche Zeichnung stattfiMn. / . :' - , Londo«, I. März. (Reuters Der GesamÄetvag deL ' Zeichnungen auf, die österreichischen' Schatzscheine beträgt 3,107.506 Pfund Sterling.7.W sind 367 Zeichnungen eingelaufen. Zeichnungen bis zu 5000 Pfund 'einschließlich werden voll, solche über 5060. Pfund mit 51 Prozent zugeteilt. - - das Wettrüsten wieder beginnt und daß England m eine, gefährliche Lage kommen müsse, da es isoliert zu werden drohe. In dieser Lage gewinnt die entzttschanierikanische Schuldenfundierung, einen^ttefen politischen Sinn. Es ist ein Wcirnungszeichen nach- Paris und Rom. An diesen beiden Punkten, wo die Fäden der Weltverschwörungen irrider den' Frieden zusammen-' laufen,- ist man im- Augenblick seh^ stark beschäftigt.' In .Paris' diM Mn die Siege^ die die Generale mr Ruhr-; revier mit ihren Megern . über die Bergarbeite täglich, erfechten und rüstet -ejm-' Deputation - .-.tzach. - - dem' vor einem Jahre noch dremiäl verhaßten Söwjetrußland, aus; in Rom bereitet der Faszismus seine moralischen Eroberungen - in Süddeütschland, . in Hesterretch, - in ' Kroatien und in Ungarn vor.. Ter Schutz der Welt ljeg! heute mchr denn jtz in der englisch-ameritämschen Gruppe, , '

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