Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1450 (25.2.1923)
- Date
- 1923-02-25
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980531--13908-3000595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seid, ö IH't, Ssuntü^ LSir,,-r 3R«t|ten$fc<tttttfe 95. Febnar 192S St. 1450 Anr Set Mische» Gememde. WM von Primarärzten für das Gemeindefpitaf. — Wahlreform. - In der letzten Sitzung wurden die Stellen von Primärärzterr des Gemeindespitals besetzt. Znm Primarius der chirurgischen Abteilung ivurde mit 16 Mgen 12 Stimmen der bisherige Assistent der Klinik Eiselsberg Dr. Goldschmied, zunr Primarius der neu zu schassenden urologischen Abteilung mit 16 gegen 11 Stimmen der bisherige Assistent der chirurgischen Abtcvllm-g des Gemeindespitals Dr. Schwarzwald gewählt. Damit hat eine jahrelang andauernde, nichts weniger als würdig geführte Kampagne ihren Abschluß gefunden. Linige dutzendemale hat hie derzeitige Majorität im Borstande Beschlüsse gefaßt und verworfen und immer war dieses Sä^vmÄen auf persönliche Beeinflussungen und Rücksichtnachrnon Zurückzuführen. Die sonderbarste Rolle hat in dieser Angelegenheit der Führer der Majorität Batrrat Kempler gespioli. Er ist in seinem Klub mit Vehemenz gegen Dr. Goldschmied ausgetreten, weil dieser eine Christin Zur Frau hat, die trotz der Mischehe ihren Glauben beibehiell. Sr hatte eL für absolut untunlich erklärt, einen Mann, der auf das jüdische Familienleben verzichtet, an eine exponierte jüdische Stelle zu setzen. Er hat hierbei feMstredend die Unterstützung seiner drei orthodoxen Klnbkollegsn Bondy, Pappenheim und März gefunden. Plötzlich aber ist Banrat Kempler abgeschwenkt und wurde zum feurigsten Verfechter der.Kandidatur Goldschmieds. Aber auch die Herren von der Orthodoxie gingen -Hi* sein neues Lager über. Sie versprachen, die Wahl Goldschnrieds dadurch zu ermöglichen, daß sie vor dem Wahlakt die Sitzung verlassen würden. Wie gesagt, so getan. Unter dem Gelächter der Eingeweihten verließen die Herren Orthodoxen den Saal, um ihre Ueberzeugu-ng ins Vorzimmer zu tragen. Wie sie dieses „stolze und würdige" Vorgehen ihren Wählern und Anhängern erklären werden, ist ihre Sache. Leicht werden es di« Heren jedenfalls nicht haben. Die Frömmsten ihrerseits stellten -die Forderung, daß bei Besetzung der Primariate dafür gesorgt Verden muffe, daß Männer herangezogen werden, die in die vernachlässigte Verwaltung Ordnung bringen können, und stimmten für einen Bewerber, der in dieser Hiht erstklassig qualifiziert war. Sie Micken aber in der Minorität und damit Aeibt das schwierige Verwaltnngsproblem im Gemeinde spital »ngelöst. In derselben Sitzung forderten die Zionisten die Majoritat ans, endlich das vor zwei Jchren gegebene Versprechen, das .schändliche Gemeindewahlvecht endlich zü reformieren, zu erfüllen. Sie brachen einen diesbezüglichen Dringlichkeitsantvag rin, der aber.von der MastwHät abgelehnt wurde. Bei dieser Gelegenheit Ricken die Herren Orthodoxen natürlich sitzen und stimmten wacker gegen das allgemeine Wahlrecht mit. Die.Zionisten erklärten, daß sie die entsprechenden Konsequenzen ziehen würden und verließen die Sitzurrg. Lrr zweite Zimplontuuner. Bmibrglmi 185)8. — EchluW-inI-gung 1922. — Sh' > Tätigkeit der deutschen Ingenieure. Bon Sig. Barber. Der bedeutende zweite Teil eines Bauwerkes, dem durch Jahrzchnte die hervorragendsten Ingenieure und Ersenbahnfachmamier dienten, die europäische Hauptverkehrsader, welche die Weskschweiz mit dem nördlichen Frankreich und England einerseits, und Italien, das Mittelmeer undtdöe Balkanstaaten andererseits verbindet, ist kürzlich glücklich vollendet worden, der zweite Srnrplontirttnel. ' Seme Mündung liegt im Rhone-Take bei Brkg; er durchquert das mächtige Simplonmassiv in einer Äuge von 19.825 Meter, wovon 9973 -Meter ans Schweizer und 10572 Meter auf italienischem Gckiete, nächst Domodoffola, liegen. Die Projekt für den Durchstich der ' penmnischen Alpen reichen noch auf das Jahr 1860 Zurück. Der Srmplontunne! ist nicht nur der längste, sondern auch der tiefliegendste. Er wird ohne Steilrampen erreicht, von der Schweizer Seite als reine Talbahn. Er ist der Typus eines Basistunnels. Die Ingenieure Brandt <nt£ Hamburg, Brand au aus Kassel, Locher o"s Zürich, die Gebrüder Sülzer in Winterthur hatten sich erbötig gemacht, dm Bau des Simplontuitnels auf Grund einer ganz neuen, bisher nicht bekannte- Methode zu übernehmen. > * ■ ' -v.b alle früheren Projekte von' der «Herstellung rintr . . nzlgen zweigeleisigen Tunnelröhr« ausgrngen, beschlosien die Eckauer zwei einspurige Tunnelrohren, dcken Sohlen auf gleicher Hohe liegen, in einem Abstand von 17 Meter parallel zueinander, herzustellen. Es war beabsichtigt, beide Tunnels gleichzeitig " vorzutreiben und'sie alle 260 Meter durch einen Querschlag miteinander zu verbinden. Doch würde vorläufig nur-ein Stollen ausgebaut, der zweite erst, als das Berkehrsbedürfnis eS verlangte. Man ging von der Erkenntnis tus, daß es mit dm damals zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich war, die in dieser Tiefe zu erwartenden Schwierigkeiten in einer einzigen Tunnelröhre wirksam zu bekämpfen, jederzeit genügend große Stengen fris ch e r Luft zuführen zu können, um das sttmen bei der Arbeit zu ermöglichen und die zu erwartenden hohen Temperaturen auf ein erträgliches Maß tzerabmdrücken. Dazu bedurfte es einer Luftzufuhr, wie sie vorher noch nie zur Anwendung, gelangte. Es wären zu ttoße Luftleitungen nötig gewesen, die nur durch die Ar» -eitsstrecke hatten hindurchgeführt. werden können. Das MtteMmen aus dem P»bM«m. Spezi«! - Mtndermoden--Merkstätte WvV«^VVWVWV)A^^VVV'.VAV^A^VVVSV^^WV^/A^^^^VVyVWA^^VVVVVV^/ Grete Meudert. l., Fleisckmrirkt l? empfiehlt sich für die Erzeugung von Nlodellen in Mänteln; stanz, u. »'Ngl. Kleidern. Lleider u. Mängel für Mädchen bis zu. »4 Iadren sowie Anzüge für Rnaben bis zu 5 Jahren in solidester Ausführung zu den reellsten Preisen 251 Irma Tichler Hermann Löw Traisen Verlobte Februar 1923 St. Polten ujfss finutsi -VU «n hwirt nmua nmwVnbm«a .‘rfiires »Dpn wi Unserem Freunde Herrn Wilhelm Beutel wünschen wir anlässlich seiner Verlobung mit Fraulein Rosa Krampei recht viel Glück 7 Familie Kohl-Müfa Möbelfabrik j. Spira Feine «- M. U. WMWW j—Z ^ohnungseim-ichtungen. (llcke Karl Schweighofergasse TEPPICHHAUS URACH & Co. Vl.rMariahilferst;aBe 79 ,sg -Stets größtes Lager In Teppichen, «Vorhängen, Tischdecken, Bettvorlegern sowie echte Knüpf- und Smyrna-Teppiche > AK AB. VEREIN JÜDISCHSB MEDIZINER IX. WiHRINGERSTRASSE 15 VEREiNtQUNQ JÜDIStHER HÖRI3 AN OER HOCHSSHULE FHK WELTHANDEL II. TABORSTRASSBJ-3 Mittwoch, den 28. Februar 1. J. Saphiansüle VORVERKAUF: Akademischer Verein ßd. Mediziner. IX Währingeretraes®. 15. von 11 Ms 1 Uhr; Vereinigung jüd- Hörer an der Hochseholo für-Welthandel, lL Tabor tr. 1—- (Merz,) »n 5 b a 7 Uhr; Kartenbarrau „Aida“, ll! Tabo® . atroaso 1—3, Karter-burean. Gusti Scbmid. 701r* S — ■—-— -- £n gros £bi detasS i WMMi m M W K 250.000 bsim Selbste?ztu.gcr' > Jakob Wancl ".' *r Helase®tr, 1.7 Oro?*e8 Bettfc ernua4AeuwttrenjagCr 359 ■wwwiiiiiiwiupwwwwiflwmmii . ia-7.rmr.gLtz j. .■/' Daoaenstoffe^ Leinenwiret) * ws1 Sstoffen und allen Futtert raren M os jetzt bei der schwierigste Problom war das der Ventilation, welches die Ingenieure Brandt und Brawdau zu neuen Leistungen anspornte, indem im Stollen 2 mittelst kräftiger Ventila- - toren bis zu 60 Kubikmeter Luft i» der Sekunde ving«-- blasen werden mußten. Dazu mußte die Mündung mit - einem beweglichen Tor abgeschlossen, von den alle 200 Meter vorhandenen Querschlägen stets nur die vordersten zwei offen gelassen und die rückwärts liegenden wieder zugemquert oder durch Tore abgeschlossen werdey. Dadurch wurde die so einge-blasem Lust gezwungen, stets bis zu den v 0 r d e r st e n Querschlägen vorzudringen, um dort im Tunnel 1 einzutreten und nur durch diesen den Rürk. wog ins Freie wieder zu finden. Bedingung derBauzeit warm für den ersten Tunnel fünfeinhalb Jahre, für den zweiten TuMel weitere vier Jahre, für jeden Tag Terminüberschreitung 6000. Franken Pönale, für jeden Tag Tevnringewinn 5000 Fmnken Prämier Der schweizerische Buudesrat als Aufsichtsbehörde ließ Projekt und Bauvertrag durch die Ingenieure Colo mb 0 in Mailand, Fox in London und I. C. Wagner, Inspektor der k. k. Stciatsbahnen in Wien, überprüfen. Selbe enipfahlen 1891 dieses Projekt zur Ausführung und erklärten die Bausumme i^ils ausreichend. Die Finauzrerung wurde noch durch. namDfte Zeichnungen -vom Schweizerischen Bund, dessen beteiligten Kantonen, von italienischen Behörden und Instituten gefördert. Auch strategische und staatsrechtliche V.edenken Italien gegenüber mußten vorher geklärt, von der italienischen Negierung die Zustimmung betreffs des auf ihrem Boden liegenden Teilstückes des Tunnels erlangt lverdeu, und wurde diese Vereinbarung 1896 von den beiderseits Parlamenten ratifiziert. Die Finanziemng stieß auf Schwierigkeiten, und erst 1898 konnte der endgültige Finanzplan dem Bundesrai, der italienischen Retzienmg unterbreitet, genehmigt und dir fünf Jahre vorher abgeschlossene Bauvertrag nochmals durch einen neuerlichen Vertrag ersetzt werden. Im Februar 1905 erfolgte, mit großer Spannung und Aufregung, der feierliche, herbeigesehnte Mommt der Durchschlag u n g des Tunnels 1 und Juli 1905 des Tunnels 2, Ende 1905 war Tunnel 1 vollständig ausgemauert. Dev erste Teil des Merkes war damit glücklich beendet. Im Dezember 1912 wurde auf der Nordseite, im Jahre '1913 auf der Südseite mit den Arbeiten begonnen. Vorher übergingen auf beiden Seiten die Installationoni ' der Bauleitung des ersten Stollens in das Eigentum de» Bundesbahnen und wurden der Bauabteilung zur Be- Nutzung und Verfügung gestellt, denn in der Zwischenzeit hatte auch die Technik ungeahnte neue Fortschritte gemacht Geniale ErsiMtngen für mechanische Gesteins^ bolMng, ökonomisch arbeitende Maschinen hatten dis früheren verdrängt, viele alte Einrichtungen müßten enk fallen und durch besiere ersetzt werden. Eine gänzliche Urwi gestaltnng der Installationen, foeS Bohrsystems erfolgte. Die Sohlenstöllen deD ersten und zweiten Tunnels warerj noch mit der Brandtschen' Drehöohrmaschine, mit Druckt Wasser, angetrieben worden. Zum Vohren der Ausweitung konnten diese jedoch kaum ntehr Verwendung finden. Di» Ausweitung war damals fast ausschließlich, mit Handi bohrung hevgeftellt worden. Seither hat die-Verwendung der komprimierten Luft einen gewaltigen Aufschwung genommen. Die mühsame Arbeit der Mineure» die früher mit Harmner und Schlegel in der Hand ihr Leben einsetzten und den Bohrer in den Felsen triebe^. wurde durch maschinelle Bohrhämmer ersetzt, von denen 'ein einziger die Arbeit von zchn Mineuren leistete. Di» - Hochdruckwasierpumpen 'nmßten unter diesen geänderten Verhältnissen durch Luftkompressoren ersetzt werden. Auch > die Transporte in der Arbeitsstrecke, die bei Tunnel 1 mit! Druckluftlokomotiven und in der fertigen Strecke mit 'Dampflokomotiven bewältigt wurden, waren wegen der vollständig veränderten Verhältnisse im Tunnel 2 mG mehr möglich. < Beabsichtigt war vollständige AusbrechMg rmd AuK- Weitung de§ Tunnels 2 in vier Jahren, so daß täglich aus. jeder Seite zehn Meter Tunnel hätte geschaffen^ werde« müssen, nebst Herstellung erforderlicher Materialmaschinen, Nspavaturwerkstätten, Kompressovenhallen, . Rollmaterial» Tvansstrrmatoren, öokomotivremifen. Elektrische Kraft lieferte das Merk in Lonza und ein Mailänder Merk; für Umtransformierung von hoher auf niedere Spannung Mirden neue Anlagen installiert von 1600 und 1800 K. V. A. Als Italien 1915 in den Krieg trat, wurde die Voll» en'dungsmöglichkeit noch schwieriger. Auf Schweizer Seite war die Einstellung 1914 erfolgt; erst nachdem die Kriegsgefahr für die Schweiz sich vermindert hatte, und Truppen entlassen werden konnten, " wurde der Bau 1915 wieder ausgenommen und bis 1918 rvichsam weitergeführt, da die Kriegsindustrie alle fteien Arbeitskräfte absorbierte. Im Mai 1918-wurde der Ausbau auch auf der Nordseite vollendet und als im Oktober 1918 Waffenruhe eintrat, die K^ogsindustrien untätig waren»i ' die Armeen demobilisierten, da wurde, aus dem ArbeitermaUgel, ein Apbeitevüberfluß. . Nachdem ersten Friedensschluß rm Juni -1919 und leichternng der Grenzübertritte, nahmen die Schlveizer' Bundesbahnen die- Jnstallationsarbeit und mt Dezember 1919 die Arbeit rm Tunnel selbst, wieder auf, wo. sie ohne weitere Unterbrechung fortgeführt wurde, so daß im D ez e m b e r 19 21 d e r S ch l u ß st e i n für 'die nördlich« Hälfhe gesetzt werden konnte. . > . ~V!„ WindmUh I. gasM Nr. 2