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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-25 · Heft 1450 (25.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1450 (25.2.1923)
Date
1923-02-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ytzrchimimrLIM Vi«»' Zwn AWiolenin der l&tpedition, H^jäHoratr. 1-3, «kjerin einerVeractileisRteile (Trafik) moiiatI. 4C 28.000; MtoPoatv.er*a«d. fÖr^iejin. ’! ©nstern* monetl. K ' 28.000 -^-7— . . . iTaehach o-SIpwalceh :»on...K 17. Ungarn: Mob,! K600.J nxosl awien:Mon. :@*nar?ß. Fo iianr Mon. hfir« 8000. .Deutschland:;Man. Mark '5Ö00V F ra n Vr., Bel g i e n:' Monat).'. Frei. 8 iar N*ehia1ita«yc« *«■■ |M; Ptdierh8tmn(rm' WWuHeB tsc9Mio*8^«ikil i tschech. K 1.— ItalienM^natl. 10 Itirg R n,m S n i.e'n^Bnlgirteil Monat). (50 L ei beiMf.,Lewa^ Schwei.z and das^brige Aaslandmonatlich Fr«. 3- Redaktion n. Administration . Wien, II., TaHoratraaaei-r'ai ' Telephone: 44-0.38.4^3491 ab 6 Uhr abds. 19^483,16-30$ Tel-Adr.: .Morgenaeitnng^ Wien '.- i; . Oeaterreichjschea Foatepar*, , kasaen - Konto Nr. 150:693 91t. USO gBten. gonntttn. SS. ajebtnor 1923 ' 5. ^oincore miti Hemm. -y. W i e n, 25. Februar, Das ftanzvfiW Volk undntrt ihm seine obersten Organe feiern Mute. den hundertsten Geburtstag Ernest Renans. Mit/ dem großen Prunk, dey das offizielle trankreich für seine größten Männer nur nach ihrem ode aufbringt^ soll ein Fest des Geistes im großen Saale der .Sorbonne aufgeführt mnd in Gedenkreden, in Dlchen sich der französische Geist-mit der lateinischen Hhetorik vereinigt, einer' der Edelsten Frankreichs ge- Mert werden. Ueber den Aristokraten , der. völker- Wtzindenden Nissenschaft werden sprechen: Millerand, Mit * dem Orden des Aaren auf dem Präsidentenfrack^ Kyincare, der den deutschen Militarismus ins Fran- Msche übersetzt und jetzt im Rührgebiet gegen Postbeamte und Bergarbeiter praktiziert, Maurice Barres, her.Klassiker des gallischen Hakenkreüzlertums. Und hmter ihnen/wie der Sterne Chor um die Sonne sich Mll, der Schwarm des offiziellen Frankreich' von heute, hier uw nichts besser ist äls die Generale ünd Profefforen, hie zur Zeit- Wilhelms des Zweiten das offizielle Deutschland repräsentierten. Sie alle hüllügen dem Denker, der sie negierte,'der ein Kämpfer war fiir dasjenige, was der wahre Ruhm der franMsischen Ration war und. ist. Er wgr,. wie alle Großen'Frankreichs,, von tascal,; Voltaire,. Diderot, Rousseau bis'./ Zola.* und omerih Rollandj ein Tragen des Lichtes.' Hi-VerfüMt her Moßest^Pwmetheüs-Funktic^' Ht. ch^mchi/inWr- Fahnen' im Jiwalihendöm,. liegt.dse waM'BKesttung mr französischen Nütiön, Äe so viel bstMeyMheitge- AM M. . Meme Me Nyhm chN-M BoyrM. MüngslofihkM' des' Horschens, ^WMWWüWW' .M DerÜenß.,' ÄMr-^EnLrMje. derMWWMMl.W'. Mut/ das.Mannte Md. lehren,',)'.- MHMcher 'WWeUS -uMM'>MiÜkveich' VtySX .ktMase»'.jWft MWns; M^FchMeW')der-^ FEHeit/Und kein ItaNk- Mch der Kaserne;, ein .Frankreich dev Demokratie und oin.Frarllreich des.plutokratisch: -!verjüngten, republikanisch angestrichenen. Sonnenkönigtums. Diese' beiden Frankreich, deren' Teile -immereinander konKrntrisch deckten, stehen rm steten Kampf gegeneinander, und Sieg wie Niederlage des einen wie des anderen-hat immer auf die übrige Welt üusgestrahlt. - Das i demokratische Frankreich der Menschenrechte und des freien Denkens war auch daS Vatetltznd aller. jener; die;fcen Abfolutis-; mus in allen srinbn Erscheinungsformen haßten und; bekämpften. Jeder Mensch hat' zwei Vaterländer, sein eigenes und Frankreich. Fn diesem' Satz. kommt, die Weltgeltung Frankreichs zum Ausdruck — aber eine andere als jene, von der Millerand, Barres, Poincare und Leon Daudet -träumen.. . / . - - -, ., . 1 Wenn.sie hellte'dem toten Renan.ihren Tribut zosten, so erinnert man sich unwillkürlichen einen änderen großen Sohn. Frankreichs,. an Möllere, der. in seinem Tartüff den Hehlern, de'r gesellschaftlichen. und politischen .Moral, die. scheinheilige . Maske heruntergeriffen hat. Würde .Renan heute läben; der Mann der unerbittlichen Wa-htheit, so würden Hn alle,' die ihn heute preisen, so behandeln wie Zola, gegen dessen Anklage sie die Gofie des eleganten, frechen Apachentums öffneten, wie.saures, den sie ermoHten, wie Caillaux,. sie in die Verbannung' jagten, wie Anatole France, den sie verfemen, wie Cachin,. den / H stts Gefängnis sperrten. Die Schichte, .hie heute'FraUkreich beherrscht, fft geistig auf dem gleichen Nitxau' wie ihr Gegner in Deutschland, der .Fichte auspfiff und ihn heute lobpreist, der' Gerhärt Hauptmann als Hudensreund ächtet. Sie stammt von gleichem Holz^wie das Ludendorffsche Hakenkreuz^ Könnten sich die Toten wehren, so wüche Renan die Hymnen der Wortführer, des Fmperialismus, des C.auvinismus und der ' Revanche zurückweisen, zu denen er. nicht gehört-.- D: bekannte sich zur Nation der Vernunft. Diese Nation.,ist Piel größer und stolzer als die der Foch/urw dtzr.aWUffchen Bluthetzer. Sie kennt keine. Grenzpfähle,' keitte Danks und, keine Sanktionen. DaS Bekenntnis' zu dieser Nation, die Arbeit an ihrem Si^Mdie große HWraffon, deren die Mevsclllieit. bedarf,- um sich aus E Hnglück des kleri^ kälen Äbergloubens und des ' Mastenmordes, zu retten. Dieses Unglück hat Renaü kommen gesehen und ihm zu Wehren^^ versticht; mit ' Prophetischem .Geist warnte er 187t in dem berühmten Brief an . seinen deutschen f reund David Friedrich Strauß vorder Annexion des lM'Aber ''nar.Meber'Härte''DWst'- Angprüf; das andere Deutschland ging den . Weck Varl Versailles bis MrsMeD ) - 24. Fevrttlw. (Tel. der „Wr. Myngenztg.") Der Brüsseler Berichterstatter des>Oeuvre" hat ^G-re Wsge, «ntex welchen Bedingungen? die Bepvündeten daä R ührgeviet räumen würden^ Non einew helgischen Minister. (vermutlich Jaspar) sorgende Antwyrt erhnltenr Die belgische Regierung kann eyvas VestimmteL'nicht eherfagen,alsbrsdie Sseichs- ^srern^s.,' .ttn^n.. MrMgs < gemacht hybe. Mch eine WrmitWNg nicht srsther .angenommen, werden. Menst ober das Reich eist Astervieten mache, banst wsttzte man im allgemeinen. was mast verlangen würde. Drr erste Kordernng wilöde seiM haß Deutschland seine Yinnnzwirpschstst in^ Mdstnng bringe stnd die UrLerwaMng des Garantrekomitees ) qder. stlMsittdereiUvtt l schafr rmierkönne. -'DaSä zeigte Was auf viMm MMWZM" dem -Die Alliierten köstnM glÄch^ettrst erklären, datz die NSümstng 'stes' Rührgebietes von d^r Mfüstunst d^r Sachliesermngen abhLnge. Die Rstnmustg soll etappenweise erfolgen, je nachdem Deutschland die Bedingungen^ anssühre.) ' Aus den Cinwnrs des Berichterstatters» es wäre wichtig, sogleich ein festes Programm für die Sicherung und die Raumungsabschnitte bekannlzugeben, antwortete der Minister:. ^,D.as. kennen wir nichst weil Deutschland dies als Zeichen der Schwäche auLLygen würde. Mir find aber fest entschlossen, nicht nachHugeben. Deutschland muß das erste Wort sprechend Finanzkontrolle nach österreichischem Ske Fnmrosm befeM Wmme. Perlin, 24. Februar. (Wolfs.) Wie üuS W an.« e ge» Meldet wird, drangen heute' frützs französischr Lkaväller'r^ Instrnterie, eine technische Elsenbahnabteilllng / und: eine Anzahl Taicks, von Herne und Recklinghausen kpmmey^ in die Stadt ein und besetzten, sofort., den B a h n hä f. Beamte, Arbeiter und Reisende wurden gezwungen, .de» Bahnhof zu verlosten. Der Eisenbahnbetrieb. ruht vollständig. Weitere Truppen stehe» m der Umgebung des Bahnhofes in Bereitschaft.' SesMgnHme van MtendmMatte«. - Elberfeid, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Die, Fränzofm. beschlagnahmten heute vopmittags bei Hagen im D-Zug Berlins-Köln G e l d sch ranke der Neichshank mit zwölf Msliard?» Raviermark und^ Drückplätteü zu« NotenhersteHttng. Ane Konferenz Kr DereWeiMchnng der; ) Bern, Ä4. F^Mar. (Schweizer. Dep^ Das /Generaksekretariat' des Böl^em WMWdK^M; MeUitrsteü WLrM. Mexikos und^ G^ÄWWxeine Cinladüng zu der am 13. DkLober in Genf staLtsrndenden Konferenz gerichtet, die sich mit de» Zollformalitäten und einschlägigen Fragen besasseu wird. Die Konferenz bezwecht, hie Zollformalitäten in allen Landern eistheiMch zu gestalten, insbesondere bezüglich der Aust stellung von Ursprungszertifikaten, bezüglich der. Zollager usw., die nach allgemeiner Ansicht den Handel hemmen. Der Einladung ist ein Provisorisches Programm der Konferenz beigegeben. Die Regierungen werden ersucht, sich mit ihren Experten und den Anständigen HaNdelsvrgaNisationen in Ber, bindung zu sehen. ' Gegen dresen^^ Geistkonnte sich . Renan nicht durchsetzen. Als er stärb, führte.chen:Millerand als Kriegsminister den Zapfenstreich' ein zur: freudigen Verwunderüng .des deutschen Kaisevs. Und heute'wird dieses Weite Fransteich seine offizielle Vertretung zum Sarg. Renans schicken, jene Berstetüng,^^ die, besser täte, sich in Nizza am Sarg' Delcasses zu versqÜM:ln,Mr;emer der ihren , war nnd mit ihnen,'mit den Tirpitz und Lüden- Vvrff,' 'M---Be'rchtold^ strÄ Tisza und Iswolßky ' den großen Mord organisiert hat. ° .! Wies >wr dem <; DortMynd, rm Fckbvuar 1W3.. '' Was das Ruhrgrbiet ist, .kann -er Österreicher, der in der Börstiegszeit n.iÄnals die- Grenzen der, DöPPelmonatchie üherHrilten hat,- sich Mp schwer vorftkllen -7der. Oesterreicher. Po»' heute natürliche noch viel weniger. Diesem ..unendlichen .Äirwirr ' von. Eisenbahngeleiftn. Kohlenwhexü, Muftrahneu,, HchyMürmen, q-uglnrenden Schlo! n upd Hochöftn- Krgenüberäst jede Schildemng uuzülänglich Md matt, - Der ' erste, Eindruck, den. ) man empfangt: DaS. Land, .besteht aus. EifenLahngeleisen und aus -Köhl-, die.allen DingeN dort Menschwarzen MrMel aus-mckr. Auch -dir Städte tvagen alle die schwarze Marke, die Straßen die Dbäude, das Wstcht der Menschen--Sie gehen dort eiltweder nnt sem rührgen und schwerfälligen Schritt der Bergleute oder aber rm Laufschritt. Unerhvrte Ge.'chästigöeit. bei Lag wie bei Nachts Diese dröhnende, rreischMc, 'knatternde, hämmernde, pseike^ Symphöme -m"drtner ' Technik tönt o-'E jetzt noch, aber unter der franzö'sischen Besetzung eorr sordrno. Bald hier, bald dort, flattert der Streik auf. Nicht etiva, daß man sich viel . um die Franzosen kümm-eru würde. Im Gegenteil, nran ignoriert sie dort, behändest sie als Luft, nur daß sich diese Lust oft störend und ärM,!ich fühlbar macht. Da. eskortiert man Leute von dep „Schupo" — wie man mit einer häßlichen Abkürzmrg Vis Leüte von' der Schutzpolizei bezeichnet —, dort' wird einem gutgekleideten Herrn — dem Anscheine nach ein höbe«« ■ Beamter drr Regierung, ein 'Werksdirektor, Bergaff,eflor oder ähnliches -— .mit äufgepflanztem. Bajonett das Ehrengeleit zu einem Auto gegeben. Das Wort „Bredemy"' flattert aus. Dort ist der Sitz des französischen Kriegsgerichtes. Und man hört viel Haß,'abrr noch mehr'Veräch, tung aus dett paar Silben heraus. Die Deutschen leihen unter der stanzösischrn Besetzung — das ist ganz offensicht- . lich,' obwohl inan gerade dort wrniger als irgendwo anders in. der Welt Zeit, -Luft und Neigung. hat, sich mit Gesühlsduselei, Sentimenta-litä'te» -und ähnlichen, bei der - Arbeit unzweckwäßlgen und nutzlosen Dingen abzugcbrn. Aber die Menschen, die als Werkzeug französischer Politik jetzt im Ruhrgebiet die Herren sind öder sein wallen, leiden auch. Anders als die Deutschen, Und ihre Mißsimr«' ntüng äußett sich '.auch) anders.' Sie. stütz' 'nrryyS,. gereizt, - sie haben Mr'ausbrüch^ Äöenn Man ihnen, auf der Straße begegnet», aus Mem Gesicht kann' män Äc-rger, Berbiffenheit- oder Zorn ^raüslesen. Die -'Müffchen''erzählen,'.haß' Regitnenwr auSgekruscht würden,' daß namentlich., btfcfe; ) Elsaffer — die,anscheinend auch im'französischen Heer qlS^ politisch verdächtig gelten , und schlecht behandelt werden' - — deiert'>Lrt.en.' Diese- ErMsnnaen' sind aber - nickt' kyn*

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