Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1447 (22.2.1923)
- Date
- 1923-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wien; Zum'Äbholen in der Expedition, U„1>borstr; 1-3*. , oder in einerVerscbleisirtelle (Trafik) monati. K 28.000 Wit Postrersand fur Wien u; Oeateir.. monktl., K . 28.Q00 Tb eh e c h o-S lowak e i r Mon. K17.-Ungarn: Mon K 600, J ti g 0» I «Wien: Mön. D-nar :B. * P o le n: .Moni. Mir. 8000. Deutschland: Mon. Mark 5000.! Frank r., jB'elgien: Monats. Fres. 8 09T N.etitahiunrca (vei .PrciserhöKunsrea vorbehttlteo Wiener &■>. - . . , fT»<k«cito*8iovii(«h - '^4:.,f»cli®eh. Itl,- ';' "! t a 1 i e y: Monatf» 10 lixe. Ro man ien, Bnljgarie» ' Monat]. 60Leibezw?Lewa,. S c h w dz und das übrige - Aasland monatlich Frca. S Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—8 Telephone: 44-0-38.43-3.19., ab 6 Uhr abds.16-301,19483; Tel-Adr.: .Morgenteitung“ Wien Oesterreiehische? Po8tapar«-, - kaaseo-Kpntb Nr. 150.693 Kr. 1447 Wie». So««er»tag. SS. Febniar 1923 S. Fahrgang SchEu oder Urten. < —y. Wie n. 22. Febmar. In der Vorwoche waren aus Syßa zwei Bomben- Lttentate gegen den Chef der Regierung gemeldet worden. In Prag ist der Finanzminister Raschin den Der-, letzungen erlegen, die ihm der. Revolver eines kommunistischen Versicherungsbeamten zugefügt hatte. In Bendin wurde die Wohnung eines jüdischen Abgeordneten durch einen Bombenwurf zeMrt./ ',$«■ Wien, wurde ein Arbeiter von 'monarchistischen Banditen er- - mordet. In Budapest erhielten zwei. oppositionelle Pp-, sftiker Pakete mit Ekrasitgranaten zygeschickt. . Diese' Vorfälle find nur scheinbar ohne Verbindung miteinander. Es besteht fischen ihnen ein Zusammenhang, nicht so sehr politischer als vielnrehr psychischer Natur. Sie reihen sich an eine ganze Kette ähnlicher Ereignisse, an, die alle miteinander den Umstand gemeinsam haben, paß sie sich ln'Ländern mit unklaren Verhältnissen ereigneten, die alle noch unter den giftigen Wirkungen des Krieges sichen und ihrer inneren Konsolidierung kaum' näher gekommen sind. Es sind ' Staaten, deren' Entwicklung alle . Schwankungen der Weltpolitik mitchächen muß, obwohl sie sich ihnen zw entziehen trachten, und deren Wirtschaft unter den Stößen in dem Ringen zittert, das zwischen den großen Mächten noch immer im Gange ist. Im einzelnen freilich ließe sich jedes dieser Attenitüte aus' der besonderenKonstruktion'der betroffenen Staaten erklären Zn Bulgarien wird das Bürgertum und die Arbeiterschaftvon der unmittelbar nach dem, Krieg eingerichteten^ Bauerndiktatur nrederge halten und persucht vergeblich,'sich m der legalen Form der politisch^ paklamenwrischen.Opposition Luftzu-machen.-In der Dschecho-Sldwakei - hat die -scharfeDeflalivttspölitik des - Ministers Raschln'viel böses Blut erzeugt,'und die von des tschechischen - Gründcharakters"^ W' Mpublikdie umcren Gegensätze bis "zur PnnKiöllen^sMi'ösen Opposrtion weiter Kreise 'verschärfte unter der alle Friedensbemühungen der zur Nachgiebigkeit bereiten Mehrheit leiden. In Polen hat die' Ermordung 'des Präsidenten Narutowicz, .noch mehr aber dienationaldemokratische Ehrung seines Möchers, . den Grad der stechenantiftrEschen Verhetzung gezeigt. In Wien ist durch die Machenschaften, bayrischer, magyarischer und wahrscheinlich' auch rüMcher Agenten eine antisemitische und zugleich antisoziale Psychose geschaffen worden, die eine. loyale politische Auseinandersetzung kaum; mehr duldet. Und daß in Ungarn Bomben durch Drenstmänner den vnßUebigen Gegnern des GälgensWms ins Haus geschickt werden, erklärt sich zur Genüge aus der neumagyarischen Mentalität, deren Herrschaft'sich auf nichts anderes stützen kann als eben nur auf die Brutalität und. die. nackte, von allen Gerichten sorgsam gehegte Wvdjt. Es ist. aber,' wenn man diese Dinge genauer- Mrachtet,' unverkennbar, düß der Appell 'an die Waffe . Nls 'politisches Argument, der. sich jetzt gegen einzelne Personen. öder einzelne Bevölkerungsklässen richtet, aus dem politischen Arsenal der Vorkriegszeit herrühtt, - unddaß er seine -Psychologische Wurzel aus der Politik holt, pie den großen Krieg erzeugt, ihn aber , überlebt hat. Bis zum Jahr 1914 war in ganz Europa die politische Diskussion der Staaten voll aus den' Krieg eingestellt, ' auf die Anwendung der Gewalt für den Fall des Versagens der friedlichen Mittel. Dieser Fall trat denn auch ein, weil alle Staaten Armeen besoldeten, die das natürliche Bestreben' hatten) , ihre 'lHstenzberech- ,tigung zu btzveisen, und Pas stäamche und Völkerrecht- .- iliche Zusammenleben unter ihren Druck stellten. Aber keine einzige der Fragest die zum Kriege, führten, ihn. gewisserniaßen rechtfertigen 'solltest-M''gelöst worden pnd alle die Probleme ist Zentral- und Siideuropa, die offen blieben, münden in neues Rüsten aus, da keine Regierung ihre Klärung ernst und mit vorausschauender Gewiffenhästlgkeit betreibt. Wieder.gibt es. Geheimverträge über die Territorien ' nasionäler - Minderheiten, wieder gibt es hinter diesen Geheimverträgen Militär-- konventionen und immer wiedeic' gibt es bald hier, bald dort RebeMonesi gegen den FriedenMrtrag, die sich in blutigen Konflikten äustoben. Man hat die yberschlesische ünh die Mlna-Frage kaum notdürftig verstopft und. Mön ist die Dkkupätiön Memels düxch. litauische Kräfte auf der- Tagesordnung der internationälen'. :.S5o-. es keine internationale- Autorität Mt,^ versucht jeder Gtäat seine Interessen so zu wahren,- wie er eS im Augenblick für. gut befindet underhat immer Pröfesjyren zur.Verfügung, die dieses^ Giltauch für recht stw billig, ja sogar voll Gott gewollt -erklären. Das NN Ae Mio» einer -Mwarren HaO? Esse«, 20. Februar. (I. C. B.) Der'in das Ruhrgebiet entsandte Sonderberichterstatter des'J. C. B., meldet: Am Tage nach dem Einmärsche'der Franzosen in Essen erhielt der Präsident der Effener jüdischen. Gemeinde einen a non y m e n'>Drohbrief, in welchem.angekündigt wurde, daß an der Judenheit der Stadt blutige Rache genommen werden wird, falls sie die Okkupationsmacht irgendwie unterstützen sollte. Einem anderen-angesehenen Mitglied der Essener jüdischen Genveinde wurde unter dem falschen Vorwände, er/ habe aus Anlaß des französischen. Einmarsches ' in seinem Hause Ae Trikolore ausgehängy in einem ' anonymen Schreiben schlimme Strafe angchroht. Die Bo-' drohten appellierten an-die Polizei/Bjs jetzt sind die 1 Absender der Drohbriefe nicht ermittelt Wochen. - Viele Anzeichen sprechen dafür, daß ' . eiue u nte ri r d i sch a r bei t en de S ch war z e H and« durch Verbreitung unwahrer Legenden eine gefährliche Iitderch^tz«' betreibt. : Sie Mstungen der HaleÄreuzler in Lesterreich. Das Anßenamt dementiert zwar die Meldung von einer Demarche der. Ententegesandten wegen der Bildung von' geheimen militärischen'Formationen der Hakenkreuz- Icr in Oesterreich und auch die Organe der Grotzdeutfchen r^en sich gewaltig auf, weil ausländische Blatter über die bevorstehende Intervention berichteten. Trotz aller Dementis kann auf Gmrrd von verläßlichen Informationen konstatiert werden, daß sich die französische Negierung über die Vorbereitungen der Monarchisten. und Hakenkreuzler aus Wien eingehende Znfoxwationen kommen ließ .und den Auftrag gab, :diese Bewegung' scharf, zu kontrollieren. Die französische, und englische Regierung wollen^ zivar nicht — wie uns versichert.wich — tn innerpolitische österreichische Angelegenheiten eingreifen, - sie werden aber unter keinen Umständen zulassen,' daß durch bewaffnete Geheinwrganisationen der wjrtschgsttiche.Aufhau - und. der Frlche- Mitteleuropas' bedrohtswich^Uchrigens M die>.W?: utld Ärch: Herr ^Dv.>-Fchnk-weiß^MjMwß .'wre -ütÄglich i dieje-Sachen der Sanierung OestecheHs stnd^.: 7.: , . Ser MoÄ Ü». NeW» .G«e'Ä^MK-deS.»fbmfti« M'SettpWe^.. Die ,,ArbeiterAeitung" nreldet/ daß 'am Montag» also. zwei Tage nach. dem Mach \n Hietzing,. eine Sitzung des.. „B u n des; f ü r S e lb st h i k f e" stattfand, di« , streng vertraulich, war.. Den Vorsitz führte , deri frühere. Minister Homann, der auseinändevsetzte,. d^ der Burch als antisoziali-stischer.Block gehacht sei, der sämtliche bürgerliche Parteien vereinigen soll«. Es'wäre auch auf die. M i th i lf e d e r,Re g i e r u n g zu rechnen. Diese ' Mithilse wurde sich' auf ' drei Frage der-'PchWumg erstrecken. Der GeNossenschaftsvörsteher der P fl a st e.r e r forderte gewaltsames Vorgehen gegen die Arbeiterschaft. Durch Verweigerung der Steuern, sei. die Aushungerung.der Wehrmacht zu erzwingen. Ein Bavon.Pantz meinte, Ipß -zunächst die Äüslösüng der Reichswehr durchzusetzen sei. Die Re-, gierung möge eine-.auSkaudisch«!'-Är'liz. ins Land' rufen, um unter deren Schutz den Mampf gegen die Arbeiter äüfzunehmen. Er schloß seine Rehe' mit-den Worten: Kommen Sie mit uns, d i e R e gier ü n g z i« h tden Säbel und geht voran". Friedmann verlangte kräftiges Vorgehen gegen,die'Arbeiter. ' Wenn man.'bewaffnet gegen sie aüftrete, würde ihnen der Mut vergehen. Der Bovsteherstellvertreter der Iuweliepe b i l l i g t e unter ftürniischem Beifall. die' B t u t t a t d er Haken kreuzl.e r in der Hütteldorferstraße und meinte, daß man . gegen die Arbeiter so Vorgehen müsse. — Msselbe Blatt berichtet über eine Versammlung nronärchistischer Wehr-, m ä n n e r im' Arsenal, die Nnter wohlwollender Duldung der Offiziere stattsänd. In d'wser Versalnmlung wurde die' Ernwrdung Birneckers gebilligt. Sämtliche Schußwaffen zustandegebracht. Durch die fortgesetzten Erhebungen sind nun s-a m r» l i ch e f uns S ch n ß w a f f e n, die Alexander S z a ho., an-die Mitglieder, seiner Gruppe verteilt hat, zustandege-, ,' bracht worden. Auch die letzte noch ausständige Waffe, dH-. ' jenige, aus wolcher Johann^ Cermak goschossen hat,.em Ärmeerevolder hon neun Millimeter Kaliber, ist; rmyrnehr beschlagnahmt worden. Er wurde in' der W och- - n un g des S z a b 0 'gefunden. ' Dre ArScster gegen die.Mordagttation. 7 Die Sozialdemokratische. Partei. Wien» hatte . für gestern abends eine allgemeine." Versammlung ihrer Vertrauensmänner einberufen. Zutz Besprechung stand der Mord in Hietzing. Das Leichenbegängnis , des-er- .' 1'chossenen Arbeiterrates; Bi.rnecker wirb ' Sanchiag unter Antejlnalmie der. Ärbeiterschaft statffinden. . -Die K 0 m m u n i st e n hatten für gestern ihre An-' hanger. zu einer Demonstvatio» aufgeforgert,chre das Pera -nach Entwaffnung und Auflösung per/reaktionch-en. - Vechän^- u»dü.nach" AMveffich^ Wd^st?eW«MsM^ 1 meMätzk?- dek- SuWhnhosi derEAraVZ^ BayHof - «lch HeumckMOestimmt worden, von' dsyen ' sich .'die -Unlzuge zur Votivkirche bewegten. Die'Züge marschierten unter Führung-von Ordnern in Achiert-^ihen. Die Demonstration verlief ohne jeden Zwischenfall. J Neiiy Astmmm» Mesedstamien-n Beschütz des englischen Unterhauses. L a n d 0 n, 21. Februar. (Tel. der „We. Morgenzeitung".) Dfts Unterhaus hat am Dienstag mit 273 gegen 16V Stimmen den -Antrag der Asguith-Liberalen auf sofortige Naumnng Mesopotamiens ach g e le h n t. Die Ädresse als Antwort. ans die Thronrede wurde gestern e i n ft i m m i g angenommen. In der Debgtte über Mesopotamien erklärte Bonar La wdie Regierung be, greife voükommen, datz ihre Verpflichtungen im Osten eingeschränkt werden müssen. Dies sei aber k e ine lei ch t e A u f g a b e. denn England habe in Mesopotamien ge» wisse Berpflichtnngen übernommen, denen es sich kaum entziehen könne. Diese hätten nicht s m i t d e n Petro le n m f e l d ern zu tttn. Sie betrafen vielmehr die Interessen der Bevölkerung Mesopotamiens» die eben erst begonnen habe, sich selbst zn regieren. Dieser a r a b i s ch e S t a a t müsse ans feste Grundlagen gestellt werden, damit sein künftiger Bestand gesichert werde. Sobald es sich zeige, datz dies möglich sei, werde die Regie, rung daran gehen, ihre Verpflichtungen einzuschränkeu. Angehörigen, die Krieg und soziale Rot aus dem Geleise geworfen haben. Sie. alle bekennen sich zu der von allen philosophischen Eisenftessern .verherrlichten Aktion der Tal, Es ist in die Beziehungen der Menschen zu-, einander, ein neüvr böser Zug hineingekommen. Ob es sich nun um . die Angelegenheit eines stellenlosen Versicherungsbeamten oder um eine politische Frage handelt der-Revolver spricht das letzte Wort. In der ungarischen? Müonalversammlung; hat, : gestern der. gchoesene Ministerpräsident Huszarpon Narren oder Schyrken gesprochen. Aber gerade das-, ungarische- Beispiel zeigt den.Einfluß einer entarteten Maats- und.Gesellschaftsntoral! asif den einMnen.; Wenn. es dem /Staat gestattet ist, zu' morden und zu rauben, ja wenn er noch Mord und Raub in das ben- .Qf r. . - . tzalrsHe'..,.AA',- d^s / Patviosismus - stellt, dann -kann .der-, HPüspiel der Staaten wirkt dann auf diejenigen ihrer einzelne ganz gul zu der.^ Anficht gelangen, daß) seine private Angelegercheit, die ihm ja. schließlich naher geht als. alles andere, so zu erlchigen wäre, wie er das 'wünscht, und wenn nicht anders, so mit.der' Waffe. Und' wenn in: Oesterreich von höchster Stelle eine Einteilung der Bewohner in brave BödenstäMge und schlimme Fremde vorgenommen,. , wenn ein - i?rinister diese Schlimmen nach der Rasse zu zählen befiehlt, dann muß man sich über.den. monarcksistischen, Revolver, über die hakenkreuzlerischen Pogromdrohungen -nicht allzu sehr wundern./ Die Schuw für den Terrorismus des Revolvers liegt im.Munde bei.denen, die.' ihn' vom sicheren Port aus.predigen, bei den Regierungen, deren Pärteicharakter stärker ist . als die Rücksicht auf das Wohl der GesamtW, bei' den Staaten,, die den. Krjeg als politisch^ Mittel schätzen,^ den Krieggegen. den, äußeren FeiM vde^.htzn-Wnd^den sie als den mneren 'betrachtLL ' '' -