Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1446 (21.2.1923)
- Date
- 1923-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^lazeTnnvraierK fQOtt Wien- Zum Abhnien in der |Exj»edHioni^.,TaboMtr. 1-3, (oder in einer VerscMeissteUe /(Trafik); monatl. K 28.000 »Mit .Poatversand.für Wien o. jOesterr. juonatl.' K 28,000 iTsche c h o-SI o wa kei: |Mon. K17. Uhjrarn: Mob!K 600.1ugoslawieni Mon.'!D?nar 56 Polen: Mon. :Mk. 8000. Deutschland: :Mon. Mark 5000. Frank r., iBeigien: Monatl.; Frca. 8 IW Naeh«.aht«iiijrto “Wtt jbei ’ PretaerViöhonfte» vorbthaUeo Tschecho-Slowak«! l . tschach. K 1.— Italien: Monatk 10 "lirp, -.'•Ru mani'en. Bulgariia. Monatl. 60 l ei be*w. Lewa, Sehw e i r und das'ukri?*, Ausland monattich-Frds.’S Redaktion u. Administration. Wien. II.,TaKoratrasse 1—J Teleohone: 44-0-38,43-3*|0»! ab 6 Uhr abdr. lS-M-lS-M TeL-Adr.: .MorgenzeitunjF“ ' Wien '. , ' ’ ’ Oesterreichisches Postspar'; kassen - Konto Nr. 150.693. .Jahrgang Mittwoch, 21, Februar isrs Nr. 144« Lr. W i e n. 21. Februar. Dieser Szabo Sandor, der als Kommandant eines kewaffneten monarchistisch-hakenkreuzlerjschen Ord-!nersprengels in den Mittelpunkt der jüngsten politischen Bluttat getreten ist, versinnbildlicht die ganze reaktiv« «rare Politik, mit welcher die österreichische Regierung, kfeitdem die Deutsch nationalen die Richtung dieser Poslitik maßgebend mitbestimmen, die österreichische Republik regiert. Der , Schuß, der letzten Samstag nachts «inen Arbeiter zu Boden streckte, mußte früher oder später fallen und er hätte ebenso gut, wenn sich ein noch!so nichtssagender AnlG hierzu geboten hätte, einen Len Hakenkreuzlern ungenehmen Politiker öder einen Duden von Namen und sozialer . Stellung treffen können. Gemeint ist in allen diesen Mördfätten nicht die Person, die das Opfer ist, sondern die Weltanschauung, die das zufällige Opfer angeblich vertritt.' Aber dieser Szabo Sandor ist auch ein.Beweis für die innere Verlogenheit der Motive, von welchen sich die deutscharischen Nassenhelden angeblich leiten lassen, wenn sie das deutsche Volt zum Feldzug g?geg die fremden Einflüsse, Zuw Ausrottungskrieg gegen die Duden, aufstacheln. Sie behaupten die Reinheit der germanischen Nasse zu erstreben und bedienen sich zu diesem Zweck eines Szabo Sandor, der vielleicht nicht einmal ein reinrassiger Magyar ist und ehemals Silberstein. oder gar' Schlesinger geheißen haben, mochte und eines jener magyarisch-jüdischen Assimilationssriichtel ist, die, wie Samuel Mandel in der ungarischen Nationalv.ersammlung, für den Numerus clausus gögen die Inden ein- Ireten und.sich.an die. Spitze antisewitjschvr Hakenkreuzlerordner stellen. Sicher.ist, daß der' chemaligs Oberleutnant Szaho! Sandor ein Mitcirheiterdes Oberlenfnants Osztenburg ^war, seinem' .Detachement'-, aüaehöM und so wie sein Cheffund cher'iHwifchenlpsüstöd nierte' Oberst Pronah nur deshW. kältgefteH und ckn der Fortsetzung des massenmörderischen - Handwerks in Ungarn gestört wurde, weil er gleich seinen Vorgesetzten sich zu sehr monarchistisch "exponiert hatte und der Gunst des allgewaltigen Horchst verlustig wurde. Szabo Sandor hatte sich schon zu sehr an das Morden von Juden und Arbeitern gewöhnt, als daß er sich einer, ehrlichen, Arbeit, hätte zuwenden können. So kam er vor eineinhalb Jahren mit dlm besten Empfehlungen'aüsgestatt'ei nach Wien, weil Wien ihm als der für seine politische Richtung 'günstigste Boden erschien. In Wien herrschte damals Wabert mit dem die antisemitische Politik zur Staatsräson erhoben wurde. Szabo Sandor wußte, daß in Wien Menschen seiner Qualität gut honoriert werden. Er bat auch von dem Waffenschninggel ans, Oesterreich für die, Hortby-Armee %nntmä gehabt und auf demselben Wege, auf dem die Mannlicher-Gewehre, die zerlegten Maschinengewehre von österreichischen GesinnungSgenoffen nach Ungarn befördert wurden; lieferte er Pistolen, Gummiknüttel, Totschläger und Revolver, die sich in Ungarn iw den verschiedenen Detachements und bei den „Erwachenden Ungarn" bewährt hatten, für die Wiener: Hakenkreuzler. So weiß man jetzt, daß Szabo Sandor cs war, der die Marke Horthy nach^ Wien importierte und diese Marke verriet sich auch befallen Heldentaten der österreichischen, Hakenkreuzler in dem letzten Monat. Szabo Sandor hat sich in seinen Erwartungen nicht getäuscht. Während die Waber--Regiernng und der ihm gleichgesinnte Verwaltungsg-richtsbof die Juden mit ihren Optionsgesuchen, weil sie nicht der germanischen Rasse angehören, unerbittlich abwies, obgleich die Ansuchenden Jahrzehnte in Oesterreich lebten und der deutschen Sprache vollkommen mächtig sind> .hat dieser Szabo Sandor nach kurzem Aufenthalte die Option erlangt und konnte 7 jetzt bei seiner Einvernahme die Schande antun, selbstbewußt zuerklären/.daß er optiert habe und österreichischer Bundesbürger sei. Aber ebenso einwandfrei ist auch die germanische Nationalität des größten Teiles - der Mitgliederseines Detachements. Man liest da die.urgermamscben Nantey, Oprela, Cerrnaf Bevilacgua, Blazek, Nod, Medinae, Sokolt usiv. Das sind die Stützen der germanisch-christlichen Politik, wie sie von dest politischen und/geistigen Führern her Hakenkreuzler, Diener, Frgnk und.Konsorten, gegen hie fremdrassigen.Juden verküydet wird.-Genau so. wie in Budapest die stellenlos gewordenen, kleinen Beamten, die zu jeder produktiven Arbeit untauglich sind, als Offiziere der alten Armee in.-, den Dienst eines gestellt- und süp dieses gbscheilliche Handwerk besoldet -werdest, , so.hat Szabo Scindor dieses SMem nach - OesterreMverpslanzl und imr Schande der Reüublik mit Erfolg anwenden käst-' Keine Intervention Englands ynd Amerikas. Im englischeN Unterhaus ist vorgestern eine eingehende Debatte über die Ruhrfrage geführt worden. Das Vorgehen Frankreichs fand von keiner Seite Unterstützung und B o n a r L a w' sprach ausdrücklich von der Unerfüllbarkeit der von Frankreich erhobenen Reparationsforderungen. Lloyd G e ö r g e, der - von seiner Auslandsreise wieder heimgekehrt ist. wies' auf' dem politischen Hintergründ der französischen Aktion hin. Trotzdem kam das Unterhaus mit Mhrheit (mm 'die. mtervennonsbereiten Liberalen) zu dem Schluß,' ddtz-M steMwärtigen' Stadium ein Schritt Englands nicht opportun' sei. ' I Nach einer Reuter-Meldung' aus Wa-'hington wird dort erklärt, daß auch die. B e r e i n ig t e n S t a a.t e n keinen > Schritt in den europäischen'Angelegenheiten unternehmen wollen.; — ': r: ‘ - A«M«ng der Mchr HMOeMvoMd.! Esten, ,20. Februar.'Mvqs.s Bei den ketzstn Durchsuchungen in der Kaserne der Sicherheitspolizei sind 300 Revolver, 300 Säbel, 100 Gewebre und 'zwei Maschinengewehre beschlagnahmt worden.- ' Der hiesige PlätzkonmmndaH' Hai.'die A u f l.ö s u v g der S i ch e r h e r't s P o l i.z e.'i Hsöhl^i. An > ihre Stelle sind 600 Maust in- Zivil mit Arnrstüchen Mtvewn. Die Mydische Arbeiterschaft im RubmeM . Dnisbnrg, 19.'Wrunr. (I. Me in das Ruhrgehirt entsandle Sonderberichterstatter des I. C. B. halte iy -Duisburg,-, wo sich die Zentrgl-Fürsorgestrlle. für die Mb fchewDbMr. schttvN^ker im-Köhrg-hret genHWWMalMl Während:der iinpustrtrllen. Hochkonjunktur im Jrhvek1922 ' arbeitete»^ nicht mehr als 15.000 östjüdische Arbeiter' i«^ gesamten Bergwerksrevicr/.jetzt bat sich diese s^ahl auf 700A bis 8000 Vermindert Die ostjüdischien Arbeiter sind,stn tzüsten Jndustviebezirk von Eberföld.bis Dortmund in Hoch«- o'em und Kohlengruben beschäftigt. In den letzten Monaten ^at sich üntersthnen. eine Abwanderungsbewegung nach dem Ausland bemerkbar gemacht.' Die meisten begrben.sich mach Frankreich, wo sie -bei den Wiederaufbauarbeiten in den inr. Kriege zerstörten Gebieten Beschäftigung finden,-ein Teil -'wandelte nach-dem Lelgischen-JnV.istriegehiet ab.-Dm Zuwanderung jM.cher Arbeiteriwap.-dägtztzeü/Viel-'gerlr^ ger. In der letzten Zeit wo kein Bedarf für' neue. Arbeit^ kräfbe vorlanden war, sind' überhaupt.keine'Mischen.Ar-- beiter zügewandert. ' Das Verhältnis zu den derrik'chen Arbeitskollegen ist jeder Beziehung mustergültig. Das Verbältn'ch der BetriM« leitnngen zu den. jüdischen Arbeitern gibt zu-Klagen keinen Anlaß. Einzig und allein bei. den BMrden sind dir jüdischen Arbeiter nicht selten Schikanen ausgesetzt. In ein*; zelnen Fällen wurde sogar versucht, seit mehreren Jahren im Nuhrgebiet ununterbrochen belchäftig'e ostjüdstche Arber-- ter auszuweisen. Meist aber griffendie übergeorlÄeten Behörden zugunsten der ostjüdischen Arbeiter ein. Es existieren aber Betriebe, die prinzipiell keine. Mischen Arbeiter anstellen. * , Erschwerung der Lage der oMdischen Arbeiterschaft im AnNrnMet. Duisburg, 19, Februar..(I. C. B.) Die Berlimr Re» ^refe Neuordnung h»t untep/' der jüdiMn AibdstÄ schast im Ruhtgrbiet große Beuürühigung hervorgerusen. Me MordprWMda in Wien. Matte im Nationalrat. — M Aegkemng schweigt. '(Von MfcrM'ParlENISbeÄchtLrftarter) Die .Hretziyger; Bluttat: wurde' gestern: im/Verlaufe der Erörterung einer dringlichen Ansvagr über die Produkt -tive Arbeitslo enfürsorge .im Natwnalrat von den Sozvaldemokraten zur Spräche gebracht. Die Redner der Linken machten für die letzten Gewalttätigkeiten^ die sich.in Wien und an anderen Orten ereignet habest keine Partei 'des Nationalrüts 'veränttvortlich und sprachen mehr vpn jMn außerhalb' des Häuses agitierer^en GrupPen, die um bav.S Grld kalilinarische Existenzen und Lumpenproletarier aus der großen Zahl der Arbeitslosen anwerben, um sie als Sturmtrupps - gegen die -Arbeiterbewegung zu verwenden. Es mäste daher vor' allem -eine Untersuchung gegen di« Hintermänner der Getvalttäter eingeleitet werden.'Die Sozialdemokraten Versicherten, daß sie den poliüschen K»mpf nur Mit geistigen Waffen führen wollen und daß sie gerne bereit seien, abM-rüsten, aber die Abrüstung muff; dann erne allgnnerne sein. Die Mehrheit verhielt, sich im allgemeinen ganz ruhig und nur--einzelnen Naturburschen auf her Rechten, die esnicht über sichbrachten, aus ihren Herzen eine Mördrrgrube 'zu machen,, entfübr ab und zu ein Zwischenruf, dem zu entnehmen war, daß sie den Sozialdemokraten die blutige Abfuhr in Hietzing vom Herzen gönnen, s Auf. der -Linken'. d?S Hauset gab Ü dann ein jedesmal Entrüstungsrufe,, die Mehrheit, blieb die Antwort nicht schuldig und so ging es zeitweise rocht Wlaft im Sitznngssaale zu.. Die Regierung schwieg -sich .über dieganze Affäre gründlich aus und die Mehrheits« Parte reu schickten nur den Herzlich unbedeutenden Herrn S t.e i n e g g er in die Debatte, der sich m Anklagen gegen die Sozialdemokraten erging, daß sie mit der Bewaffnung ihrer Anhängig den Anfang gemächt hätten. Der. Ruf nach Abrüstung aller Parteien verhallte auch gestern wieder ungehört. ' ' i , Im Einlauf der Sitzung befand sich unter anderem.ein» Regierungsvorlage betreffend die Aufhebung des Gesetzes über die - Steuerfreiheit.der Welhn achtsremuye.ratronen. Die Regierung' begründet dieses Verlangen mit einem Ausfall von sechs Milliarden^ der aus der Steuersreiheit der'Remunerationen für den Bunbrshaushalt entstehen würde. Zunächst wurde eine kurze erste'. Lesung über Airtroge auf Aenverung der Geschäftsordnung durchgeführt, durch welche größere Ersparungen bei der Drucklegung der Protokolle des Nationalratcs erzielt werden sollen. Dr. E l'l e nh o gen bemängelte in. diesem fZusammenhang, baß sich die Regierung um die Führung des Hauses nicht kümmere; ihr nen. Denn es ist und bleibt eine Schande für ünseve, Behörden-, daß, -während einganzes Heer behördlister Organe dymit beschäftigt ist, Ostjuden aufzuspüreu/ o»c' sich angeblich, unberechtigterweise -in Wien., äufhaltcu, obgleich sie ehrlichem Berufe nachgehen, dieser Szabo Sandor erst durch ein Menschenopfer die AufMctsämkeit der Behörden-auf sich gelenkt hat. Bundeskanzler^ Seipel -trägtdiesen die RepuM in ihren Giimdsesten bedrohenden»Etscheimmg:ir gegen!», über eine stoische ' Ruhe zur Schast qls wenn: ihn die ‘ ganzeHacheMichts.yugiUge^M tWl.aßtldie. Eeled'lMng' dieser Angelegenheit Politischstiüent ündhen Leibprganen fseiner; deutschtzätidnäM Kollegen in -der- RegiepungL. Er führt ruhig nach.: Belgrads als lwollre er damit demMstr.ier^n,>daß:-erWM Vvrföll ohnstB^ deutuna kei.-Aber wir fürchten, daß man in Belgrad wegen dieses Szabo Sandor cmiaerittaßen stutzig worden ist, denn auch Belgrad Hat solche' -Szabo Sandors als unerwünschte Jmpvrluare zu spüren bekomm qüen.. Aber in Belgrad ist man hiesen Auswieglern' zielbewnßt^auf den Fersen und mach: sie ein für allemal, unschädlich, Man Wird es in Belgrah n'chr'-recht verstehen können, wie sich . di 'er Szabo s Sandor so kurzerhand den Schlitz der.Bryördc und gleichzeitig,die Immunität gegen Ä^lswor.nno-llt.ögltttckeit hurch/tlnerklärliche Opiionsgewährung hat erwerben könneü.> SzaboSandor Und seine 'noch iii-ln aufgespiirten Lands» - keute - gleicher Gesinnung sit. nicht nur eine Gesahr für die, Repnblik,. sondern'auch geeignet pn Aktion Seipels zur Herstelluno seenndnachl-arlichcr' Begehungen mit den Nächsolgefta r .n «ch^-r z r-ischüdigrck