Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1443 (18.2.1923)
- Date
- 1923-02-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2979076-2980477-2980524--13824-3000504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IhzelrnnmntirKiODO Wien? Zum Abholeu in der' Expedition, IT.,Tab9ratr.li3, . oder in einer VerschleissteHe (Trafik) monatl.K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. ihoriatl. K 28.002 I , -r - ITaeb.e e h o - S1 owa lcei: Men. K17. ÜngrarnfMloii, tK 600. Jugoslawien: Mon. D'nar 30, Polen:'»Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Franko Belgien: Monatl. Frcs. 8 fcr Naehsatilnareo'VW Preiserhöhungen ^Vorbehalten 91t. 1443 __ Die Blockade der Gehirne. —y. M l e n, 18. Februar. Schwierigkeiten, die nicht sofort geldst werden, entarten im Laufender Zeit zu unlösbaren Problemen. Dies gilt.sowohl im praktischen Leben des einzelnen, als auch in der Politik und namentlich in der internationalen Politik. Das sogenannte System der Friedensverträge bricht nach und nach zusammen, Jveil es. »auf einer Systemlosigkeit beruht. Die Grundsätze, wie i'sie von Wilson und von der Entente während des Krieges zur Befreiung Europas vom. Militarismus auf- > gestellt worden sind, find in dem Augenblick, da sie Tat 'werden sollten, verraten worden. . Der. Pertrag von Seines ist längst 'preisgegeben und in einen Krieg übergeg^ngen, der den ganzen Osten'.Europas in Bewegung hält. Die Folge des Vertrages von Trianon ist das Horthy-System mit all seinen inneren und äußeren Symptomen/ welche die Zwangsherrschast einer Mistörität mit sich bringt, die sich nur auf Gewalt und Korruption stützt. Saint-Gerrnain — wie wenig entspricht doch das Gewordene dem angeblich Gewollten? Der Friede von Neuilly brachte ein Wiederaufleben der Balkangreuel. Das Hauptwerk des Friedensdiktats, der Traktat von Versailles, ist zum Kernpunkt eines', neuen .Krieges in Permanenz geworden. Das ist das außenpolitische Bild Europas, wie es in Püris 'gezeichnet worden ist. Das innerpölttische .Bild ist. in seiner Tragik sticht heller... Daß' der Klafsestkampf nach dem Kriege bis'zur tiefsten Erbitterung herschßrft. worden ist, das ist mitverursächt' durch die umenschlW und unpolitische. Blockade, die Nach' Beendigung oes. Krieges über Mitteleuropa verhängt' worden ist. Damals kannte niemand, den Grund; jM'Dginnt man manches zu erkennen, was die UrsachM des Krieges ' und das Verhalten der Sieger zu WHW!g^eignet ist. Nst.Schlagworte^ vorr. der notioMZA^Hre/ /Noch chrüM, dEenur Scffmtmtery^its' die. primitiven - Instinkte - zu ' reizen,- ^anderytMS ' die' Gewissen, zu beruhigen.- ... . Mit asten Misteln und mtt det feiststen Kenntnis der Massenpsyche .ist, wahrend des Krieges »in'allen' Staaten ausnahmslos eine Propaganda geführt worden, deren Zweck es war, die Gehirne zu blockieren. So weit, daß die freie Ein- und Ausfuhr aller Kulturgedanken unterbunden wurde. Jetzt, nach dem Kriege, erweist sich, daß diese Blockade noch viel wirksamer ist als alle militärischen Absperrungsmäßnahmen. Die Häftn/ sind.freigegebey,: die Grenzen beginnen sich all-' mählich zu öffnen,' Pie Handelsverbote ,. schwinden—- 6ber die geistige Blockade dauert svrt. Jhre Wirkung kommt darin zum-Ausdruck, daß es: heute, fünf Jahre uach der Beendigung, des Krieges, nach all dem Elend und den.Erfahrungen, mit dem Militarismus,- möglich ist, von neuem Krteg, zu reden, Za.sogar: Krieg zu führen Es wirdwieder gemordet unter'Berufung auf irgend ein Interesse irgend eines Vaterlandes. Mer in Wahrheit entspricht keiner dieser neuen Kriege auch nur im entferntesten dem. Völkerrecht- und er hat keine anderen Begründungen als Petroleum und Kohle. Es ist ein Krieg auf Grund des Friedensvertrages. Das ist die schärfste Kritik an dem Hanptstück des Pariser Schandwerkes. . . Das Traurigste an diesem Zustände ist die moralische Verheerung. Die Lücken in den Frledensverträgen sind daraus entstanden,, daß es 'unmöglich, war, einseitig Fragen zu lösen, welche dasProdukt einer jahrhundertelangen Entwicklung gewesenwaren. Durch diese Lücken sind die Verträge unbrauchbar geworden. und. auf diese Weise sind sogar die fruchtbaren Keime des Friedenskongresses, der Völkerbund und der Minoritätenschutz, in der Reife gestört worden. Der- Völlerbund, der so große Hoffnungen und -Erwartungen er- - checkt hat, kann nicht, was er will Mb Ms er soll; denn Amerika, Rußland und DeutWchÄ, . mehr als die Hälfte der Welt,' gehört ihm nicht-an.. . ' Der Minoritätenschutz ist zu einer Farce eritäMt, zu» einem Gegenstand der Klage und'Beschwerden für die Unterdrückten; je kleiner und fchwächNbie Staaten sind, um so' ärger werden die MiNderheMMißhandelt. Ungarn, dieses Zenttzum konzentrWester Nidderträchtigreit, zertritt Leben Und Wohlstand seiner jüdischen Minorität; - und wie es mit dem' Ästmoritätenschutz in Oesterreich bestellt ist-. darüber köstnen am besten die Tausende von Optanten Aüskunftz.Men, denen der höchste Gerichtshofihr durch' denHyeMMtztrag 'derbrioM Reckt durch eisteFoMöMstölorw '-gönonÜnett t tschech. K 1.-;! ia 11 e n: Mbnatl.-10vLb| R u min 5 en, Bulgarien MonatK 60 Lei bezw l^w^ Sch'w ei z tind de*ubjtige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion ». Administrativ» : Wien, II;,Taboratraase 1—3 Telephone: 44-0.38.43*3-1 % ab 6 Uhr abds. 16*301/19^483 Tel.* Adr.: .Morxenreitunx" . Wien v - OesterrtsifehischesPostspsuv Wassen-Konto Nr. 150,603 Wir», 0omttag, 18. gritatst 1828 8. Jahrgang der Ruhr? Paris» 17. FchHüar. (Tel.-Korr.-Bur.) Die Agence Hqva^s »bestätigt die Nachricht. -atz die e « g kMch c Negierung beschlösse« bave, Fraufseich die Linie Grede n b r o i ch—D ü r e n Dollständig zu seiner BersügnH« zu ühErlassen, und -atz G nglan - vorgeschkägen habe. Frankreich innerhalb bestimmter Grenzen die Benützung der KSl» durchgNerenden Hauptlinien zu stestatletz. Die Art und.Weise der Verwendung dieser Linien würde an Ort und Stelke von englischen und französischen Generalen geprüft werdän. Ein U e verein ko m me «scheint schon für die nächste Zeit m S g k i ch zu sein. Die Einzelheilen sollen auf diplomatischem Wege geregelt werden.! ZnterMlyle Berwaltullg der RheinzSSe. Koblenz, 17. Februar. (Hävas)'. Es wiü> - bestätigt, daß die -Isttt-ralliierw--KLmMssio«^V^chroflen'' hat, alle Zoll ä m t-e t selbsrza b « r w a l t vrr. Sin srmljöfisch.haWadMer zwischryfaS. Rotterdam/ 17.Februar.'(Wolff.) - DieFranzöfen verhindertest, wie der „Riesttpe. S^otterdamfche Courant" meldet, .in ' Ms ist z. ‘ ersten -4L«-rlä n di s'che n' D aMpffer 'aut Lös ch ejl; y "'Zy' , Der niederländische Generalkonsul in Frankfurt & ist nach dem H aag abgereist, .n.w mit ber. Regierung übe, die politische Lage in seinem. Bezirk zu beraten.. . - An» WMweit-Ds«tschlaad. Essen, 17.. Februar. (Tel. - der .,>Wr. Morgenzeitung".) In der' Altdorfer Straße kam' es gestern zu einem -Zw i^ s che ns« l l. Ein französischer Offizier schlug einen' Schutz, Polizisten mit der Reitpeitsche ins Angesicht» worauf'dieseschoß und den Offizier schwer verwundete. ' . An einer änderen Stelle versuchten vier französische Soldaten einen Offizier von der Straßenbahn h.er, unterzuzerren. Dieser schoß auf-einen Soldaten, die übrigen zogen sich zurück.? Fusion der liberalen Parteie« i« knglaud. - London,-17. Februar. (Wolff.) Bei den Wahlen , erhielten die Asquith- und Lloyd George-Liberalen je 69 Sitze. 70 Abgeordnete der beiden Parteien haben eine Resolution Iknterzeichnet, die. sich für die B e' r e i n i g u n g der beiden liberalen Parteien äusspricht. ' DleAbrsistmlg. ' Washington, 17. Februar. (Reuter.) Präsident Ha r» ding hat dem Repräsentantenhaus eine Börlage unterbreitet, in dex ein Kredit von 20 Millionen Dollar für die Kosten des Abbruches der nach ^psm Schfffbrut, abkommen m' Betracht/ kommenden KveuDr' angesprochen wird... - . - :.*. ' .. ' ■■ Daß fölche''Zuftänd^H^Dt§ daß sögär die Kultutansätze-'^ den FrststLNZde^tragen zum leerest . Schern gewochen^sind/ ist.ststch eittq -Fo^ge > der Blockade n der Gehirne. Die Sinne. sind,ststW gewdrden und mast sieht nicht Mhr..welche neuen Greuel där Nachegedanke, die nationalistische Bestie und die chauvinistische Willkür geschaffen habest. Bor dem Kriege fand der vorbe- > rettete und organisierte Word seinen Ausdruck im Militarismus; . heuty^sind es die irregulären Banden in Europa, dir Faszisten in Italien,. die. „Erwachenden" ist Ungarn', die Orgesch - und die Hakenkreuzler in Deutschland und in Oesterreich. Ihr Gegenspiel ist dje französische Armee jm Nuhrgebiet. Die Gewalt ist der Götze der Welt geblieben. Das Wortvon der Mazedonisierung-EüropaS ist Wirklichkeit -geworden und es ist ein Züstand von ' solcher Labilität erzestgt, daß der ge- , ringste Anlaß ist die schwersten Konflikte ausmündet/ Vielleicht' gibt' aber, gerade das die Zuversicht auf eine Besserung chtzr ^Verhältnisse. Denn das Pilo» das die Welt heute bietet, kann . unmöglich von lastger Dauer sein/ ' ■ O R Sordo«. (Zst rersten-Jah r e s w e nde se i n es T od,e S.) Aeußerlich eine gebrochene' Golusgestalt; auf den ersten-Mick ein älter Jude,/ wie mast deren so diele gesehen hat und ncch sehen kann. Wer ihn aber aufmerksam betrachtet«, dem zeigte sich ein ganzanderes Bild: blaue, ' tiefgütige^^ Ästgen,^; bie «inen jioiö anblickten und wärmten, ein wunderbarer Kopf, der an Tolstoi gernahnte. Dieser Mann war der Vorbote deS neuen, in Evez ^Israel/sich Vil-deNden'.'Typusdes jüdischen Menschen. Charakteristisch für seine Denkart'ist die Antwort, bk-et auf die Frage nach feinem: Mttzr zu geben pflegte. Ich bist füstAhn .Jahre alt, soll er geantwortet haben, er der Fustfustd- /sechszigjährige. „ Er zählte nämlich' sein Alter nach dän Jahren^^ seines Lebens in Palastlna!' /. Don Jugend auf Buveaubeynttey, zog er ttst füstsz'rg-' Pm Lebensjahre nach Palästina ststd. gleich tmt' er in die Reihen ' der landwirtschaftlichen Arbeiter. Zeitweilig war er auch „Schomer" (Wächter) in jüdischen Kolonien.. Arbeiter '.Llieb er, /bis '^r an''Krebs, erkrankte, der'.ihn astch^, hinraffte? Ertrat' bald in die 'Organisation des dastrstls entstehenden Häpcel Hazair - ein, / desion Zentrum und tiefstev lebendigster Ausdruck er 'wuM.'. Er - war jedoch /nir/Parteintann im^ landläufigen Sinne, dazu wstst 'fern.? Heist allzu^gvotz-üNd weltumspannend; er blieb immer m. i ist: den Reihest dieser .Orgamsätion^ weil wie ier sich oft.ausdrückte sie. fernem Mesen am nächsten stand. In - Wahrheit-!sid?tz wurde er das ', leibhaftige Symbol, aller'' - jener,■■ bie:im Zionismus die' Bowegung - sähest^ eist nWs . MflcheSrrBöitschaEe«». das»' pkodüktiv lebt und sich stls Fortsetzung des hehrärschest- PyKs/Mst - Wahrend M Achett mchUn Bstrbrndstnst mit der Mutter Natur, die.sich Hch-ist Palästina, in^ allen ihsten ^ewigen. Reizen'offenbarte, entstanden in ihm ^esteHWüMe er dann verkündete! .Seim Ideen Awaren so recht das- Produkt .seiner -A r b-e i t^ de« schweren, physischen Arbeit. In -ihm verkörpertesich völlig der ursprüngliche Geist unserer' Bewegung, der das jüdische Arbeitsvolk, -oder wie. er sich-so einfach und doch so e,in-- dringlich ansdruckte, das Am-Ad arm das Mensche Volk, zn.m Ziele hatte. Das, tvas Bialik in seinem 'Bassadeh (i-ur Felde) so tiesschmerzlich empfand — unb darin war er, -wie auch sonst, das Sprachrohr unserer Volksseele: " ,^Fch werfe mich auf den Boden, mein Antlitz im ' feuchten Grunde, Ich wekste ttstSchoße der Erde und klage an ihrem Munde. O sag' mir, du ewige Mutter, warum du die Brüste ver- '' ' -- wehret. ^V Du weite, du große, du volle, der Seele, verschmachtet, , - verzehret?" - . . Dieses von Bra-ik besungene Leid des — Nichiver-- . Ämdestfeinkonnens «mit der Erde — in Ä. D. Gordon ward es, gebannt.-Iy 'chm -kam.der zu-m Ausdruck, der den jahrhundertlangen Bann gchrochen, der die Mauer, zwischen sich und der Erd^. n!edergerisfen. und in die göttliche Freiheit des natürlichen Schaffens'gelängt war. v .. Mali? durfte noch in demselben Gedichte klagen, erschütternd klagen. : . „Nicht mein Schweiß durchnetzte die-Furchen, dle schvuryM . Schollen, ' - Nicht nrein Gebet erfleht auf die Roden den Rozen, dc^ s. vollen, - Nicht meine Augen, mein Herz-erquickt eurer Haupt«; Fülle, ‘ Nicht mein.Heddad, mein' Erntegesang durchbricht surr ' Stille." / ■ . Gordon durfte -bereits jubeln, er war keine ,-genmrtekt Seele, kein Hund", der „ermattet und kraftlos und wund" ins Gefilde fleh — nein er, Gordon; war bereits ein Bev- Bajit im Hanse Gottes, in der ^freien Natur. Gordov dürft» schon in vollen Zügen von den Brüsten der ewigen Mutter trinken. . Wir verstehen daher,, wenn Gordon von der Dev bündenheit mit dem KöSinstS.' spricht, für-ihn, -den die Erd. Bearbeitenden, sind/alle Schlier gefallen, scweit sie D Menschen überhaupt sall-en können. Das, ist das. Ewige.an Gordon; dieser Gotdon.wich, je .mehr wir iym7ähül-:ch werden, zum Symbol'unsesteS- Volkes werden..-Heut«: vonnur wenigen' gekannt und. geschätzt, wird cr/ist den kün-ftigen.GeNotationen. als. -det -lebeüditzstst ' Ausdruck''Men ünserer tlationafMsstfch^ ttchen Sehnsucht rwd Befreiung,