Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1442 (17.2.1923)
- Date
- 1923-02-17
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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WM MM v ■t ■ Wien, DmMg - ^^Il!>I > ’ TT*1"*“'« mmnmmrn. I- Ungar«. ReakttonSrr Auslüffe km Mgarische» Protestantkmmr. MS Budapest wird UNS berichtet: In Ungarn galt iProkkstan-tiSmus bis zum Ausbruch des Krieges als ein S$btt fortschrittlicher liberaler Bestrebungen. Dtzr Krieg, der lZnfammenbruch und ganz besonders der auf das kommuniistische Regime folgende chvistlichnationale Kurs mit seinen Extrem reaktionären Zielen hat auch unter den Geistern des 'Protestantismus große Verheerungen angerichtet. Anfangs» als der christlichnational« Kurs in Ungarn noch ehrlich .genug war einzugrstchen, daß er katholisch orientiert sein will und sich nicht nur gegen die Juden und Sozralwmoiftatetv sondern auch gegen die nickM'Holischen Christen richte, hat der ungarische Protestantismus den Versuch gemacht, sich gegen d'.e fühlbare Unterdrückung seiner Be« 'kennet zu organisieren. In den letzten Monaten ist es mit .diesen Organisationsbestrebungen still geworden, der Judenhaß wurde zur Brücke zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen, und es ist heute bereits so weit gekommen, daß der. iimnsdanu'bische evangelische Kirchendistrrkt, in welchem die/Stelle eines Oberkurators frei geworden ist, allen Ernstes darangeht, mit bxefer höchsten Würde des Kirchendistrikts keinen anderen als den Oberst Paul P r onay aiuszuzeichuen. Paul Pronah ist jener Bluthund, der nach d^m r Zusammenbruch d>s Kommunismus die Osfiziersdetachements gegründet hatte, welche in ganz Ungarn, besonders aber in Transdanubien Pogrome gegen JuLvn und gegen Sozialdemokmten veranstaltet». Es ist derselbe Pronah, der in Budapest in Hotelkellern die grausamsten ( Morde pevsonlich varübte und verüben lies, dessen Gewissen mit so vielem Menschenblut besudelt ist. Solange er ' nur Juden und Arbeiter verschleppen, morden, ausplündern ließ, blieb er straffrei, erst als er legiiimistische - Anwandlungen verriet und durch fern Berhal'-en während des letzten karlistischem Putsches in Gegensatz von Horihy brachte," wurde er in den Ruhestani/ versetzt. Dieser Massenmörder soll nun Oberkurator des transdanub'kschen evangelischen Khrchendisirikts werden, wenn nicht in letzter Minute der freie Geist des Protestantismus, wie er in Ungarn ehedem sich kundgab, siegt^ Ae Mrtschaftrverhandlwlgen M der Tschechoslowakei «vterbrochen. Babapest,, 16. Febmar. (Tel. der„Wr. Morgenztg.") Die dem ,,MagharorsM" von amtlicher Stelle mitget-rilt wird, wurden Vte in Prag seit einigen Tagen wieder im Gange gewesenen-ungarisch-tschechischen Wirt'chaftsverhandlungen uni erb rochen. Die ungarischen Vertreter fuhren nach Budapest, um neuere Weisungen einzuholen. Dian hofft hier bis März wenigstens ein Wa re n a us La u sch- Dbkommen zustande bringen zu können. Verhafteter, WoffmschMggtkr. Budapest, 18. Februar. ££el. der „Wiener Morgen-! geltung".) Die Abendblätter melden aus Komorn, daß! die jschecho-stotvakischen Behörden einen Beamten der 1 Lomormer Gerichtsbehörde namens Zoltan Boday verhaftet haben. Man fand bei ihm 34 Gewehre und Säbel. Er soll dis Massen von Ivan Hejjas und von dem irvedentiftischen Führer Bu da Vary erhalten haben. Aitdmfftz Mt sich zurüS. Budapest,' -16. Februar. , (Tel. der „Wiener Morgvn- Heitung".) ^Zraf Julius Andrassy, der parlamentarische Führer der ungarischen Lsgltimisten, beabsichtigt, seine ' Partei a u f z u l ö s e n und sich von der aktiven Politik vorläufig zurückzuziehen. ^Gleichzeitig verkünden die Blätter, daß Abgeordneter Julius G ö m b ö s soeben das Programm der RegierungsparLei ferLiggestellt hat. Die Partei besteht seit neun Monaten, besaß aber bisher kein Programm. Das Werk Gömbös' hat die Stärke eines dicken Bandes. La» StaatsdeM. Budapest, 16. Februar. (Tel. der „Wiener Movgön- Ke'rtung".) Wie „AzEst" aus äußerst verläßlicher.amtlicher Quelle erfährt, übertrifft das Defizit des Staatshaushaltes alle bisher ausgesprochenen Vermutungen. Pekanntlich wurde erst vor einigen Tagen von einem Defizit von 70 Milliarden Kronen gesprochen, ohne daH dieses Gerücht dementiert worden wäre. Pale«. Ane Kereo-Zoseffod-Konferenr kn Warscho«. Aus War schau, wird berichtet: Sonntag den 11. d. fand, eine große, aus Anlaß der Anwesenheit Na hum .Sokolows vom Zionistischen Zentralkomitee Polens, unberufene Konferenz statt, zu der Delegierte der größeren Mischen Gemeinden Polens, die Leiter der Zionistischen Organisationen in Polen, sowie eine größere Anzahl Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens teilnahmen. An das Präsidium wurden Vertreter aller zionistischen mtntt Mo*s-irzettm««. »« » ' Zionistische Berirkssektlon leopcldstädt Heute Samstag den 17. Februar, 8 Uhr abends, fm * Cafd Kaiser Josef» 21., Heinestr. (Kaiser Josefstr.) 25 z Gegenstand: m Lage der Juden inOesterrelch l Redner: Oberbaurat Robert STRICKER. Gemeinde- 5 rat Dr. PLASCHKES, D. NEBENZAHL. » Jüdische M i t b ö r ger I Erscheinet zahlreichk g 81« 17. Februar 1923 GM» foöl, die rechten Parteien reagierten darauf mit stürmischer? Zwischenrufen. In der letzten Sitzung der Tarifkommission der Cisew bahnkommissron wurde der Vorschlag des EisenbahnmiM steriums auf Erhöhung der Güterfrachttarife um 100 Prozent ab 1. März angenommeü. In der Unterrichtskommission wurde über Antrag dpi Nationaldemokraten betreffend die Einführung des Nume» rus clausus an den Hochschulen beraten. Ueber Antrag des Abgeordneten Czapinski wurde der Antrag der NLtiönaldemokraten an die Berfassungskommission weiterge-' leitet, mit der Anfrage, ob der Antrag mit der Verfassung übereinstimme. Der Antrag des jüdischen Abgeordneten Wigodskiauf Uebergang zur Tagesordnung wurde ab« Organisationen, so. des Misrachi, des Hitachduth, Zeire- Zion und Poale-Zion gewählt. Ter Sejmdeputierte I. Grün bäum begrüßte Sokolrw im Namen des Zentralkomitees, woraufhin die Anwesenden dem Gast eine stürmische Ovation bereiteten. In einer zwei Stunden dauernden Rede gab Sokolow einen Ueberblick über die gesamte politische und praktische zionistische Arbeit der letzten Jabre. Er wandte sich dann den Ausgaben der Judeuschast bei der Palästina-Arbeit zu und führte aus, d'.e polnische Judenschaft, die gegenwärtig über die stärksten jüdischen Zentren verfügt, habe die Aufgabe, jetzt für den Wiederaufbau Palästinas viel mehr zu leisten. Das Judentum der ganzen Welt erwartet von der polnischen Judenschast eine ungeheure Teilnahme am Aufbau Palästinas, da es gegenwärtig die Rolle des früheren russischen Judentums übernommen habe. Kein Teil der Judenschast der Welt stehe in so engen Beziehungen zu Palästina, wie di« polnische. Der größte Teil der in Palästina wirkenden Chaluzim stammt aus Polen. Ter größte Teil der nationalen Arbeit wird durchwegs vom polnischen Judentum geleistet. Und schon aus diesem Grunde allein müsse die polnische Judenschaft auch trachten, den größten Teil der Wiederausbauarbeit in Palästina auf sich zu nehmen., Nachdem noch eine Reihe von Delegierten und Parj lamerrtariern das Wort ergriffen hatten, nahm die Konferenz! eine R e s o l u t i o n an, in welcher Sokolow als dem j Präsidenten der Allweltlichen zionistischen Exekutive die; dankbare Anerkennung für seine dem jüdischen Volk gej leisteten Dienste ausgedrückt und erklärt wird, die polnische Judenheit ohne Unterschied der Partei sei bereit, mit allen moralischen und materiellen Kräften an dem Auftau Palästinas durch den K e r e n H a j e f s o d mitzuarbeiten. In einer weiteren Resolution begrüßte die Konferenz-, den auf der Karlsbader Monistischen Jahreskonferenz gefaßten Beschluß, im Jahre 1924 einen sämtliche Parteien und Schichten des-jüdischen Volkes umfassenden allweltlichen jüdischen Kongreß einzubevusen, der über die Rechte und Pflichten der Iewi'sh Agency zu entscheiden haben wird. ' An Memorandum de« Rozwos. 'Warschau, 10. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Verband der polnischen kooperativen Organisationen, die dem R o z w o j angehoren, hat dem Staatspräsidenten, dem Senat und dem Ministerrat ein ausführliches Memorandum über die Verbesserung der Lage der polnischen Republik übermittelt. Danach sind es folgende fünf Ursachen, die die Existenz, der polnischen Republik untergraben: 1. Die Unwissenheit und der DilettantiZmus der führenden Männer in Polen. Der beste Beweis hierfür sei die Wahlordnung zum Sejm. 2. Die Vergewaltigung des Eigentumsrechtes durch die Einführung der Agrarreform und des Mieterschutzes. 3. Die Tätigkeit der inneren Feinde, zu denen vor allem die nationalen Minderheiten gehörem die über die Schicksale der Republik entscheiden. Es müsse sich der Standpunkt durchsetzen^ daß die Negierung nur von den P o l e n geführt werden dürfe. Die nationalen Minderheiten dürfen über keine besonderen gesellschaftlichen und politischen Privilegien verfügen. Ihre eigenen kulturellen Bedürfnisse können und sollen sie aus chren eigenen Geldmitteln ' decken. 4. Der Mangel an R e ch t § g e f ü h l. Dieser Mangel ist nach Ansicht der Verfasser des Memorandums^ am deutlichsten durch die Verordnung der Negierung, wonach die Nozwoj-Organisation gesperrt Wurde, zutage getreten. Das ganze Memorandum wirkt geradezu als eine Ironie. Die Rozwoj-Organisation, die auf Schritt und Tritt Rechtsbrüche vollführt und deren Exponenten, die Nattonaldem'ckraLen, nichts and-'rcs. als Vergewaltigung und Unterdrückung praktizieren, treten auf einmal als Vertreter des Rechtsgesühls und einer staatlichen Rechtsordnung auf. ' v . Ei« Numerus rlaMs-Wtwg. Warfchan, 16- Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzektnng".) Anläßlich der Debatte über das Expose des Außenminrsters kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen der Rechten und den nationalen Minderheiten. Nachdem die Vertreter der rechten und linken Parteien gej! sprachen hatten, erklärte der Marschall, daß ein formeller Anträg auf Schluß der Debatte eingelaufen, sei. Bei der Abstimmung wurde der Antrag von sämtlichen rechten und polnischen linken Parteien angenommen. Die ukrainischen und weitzrusslschen wie auch ein Teil der jüdischen Abgeordneten verließen: unter Protestrufen den Sitzungs- Nke Mch«k«gsimWMan>M. Warschau, 16. Frbruar. (I. C. B.) Die überraschend^^ Tatsache, daß twtz den vielfachen offiziellen Versicherungen,, daß dje FlüchtlrnMusweisungen in Polen aufgeschoben! und auf d-em Gebiete des Flüchtlingswesens zahlreiche Er--! leichterungen platzgreifen tverden, die Ausweisung anbj Grenzabschiebung der russischen und ukrainischen Flüchtlinge eingesetzt haben, ist auf das persönliche Eingreifeir des Premierministers Sikorski znrückznsühren, der alle! Maßnahmen seiner eigenen Beamten inhibiert hat. j In den Unterhandlungen zwischen psm Mi.chm Par-. lamen'Äkluö und dem jüd'ichen Nationalvat für Polm^ emerseits, dm leitenden Beamten des Jnnenminlstermms. und dem . Chef des Sicherbeitsdepartements andererseits! wurde bekanntlich von polnischer Seite die Konzession qc®) macht, daß das ganze Flüchtlingswefen nach bestimmten! Grundsätzen geregelt und einstweilen d.ie Ausweisungen! nicht durchgeführt werden. GÄvissen Kategorien der FlüchL»! linge wurde der Aufenthalt in Polen bis Mitte April,! anderen sogar bis 1. September d. I. bewilligt und außer»! dem wurden ihnen verschiedene Erleichterungen gewährt, i Aehnliche Berpflich rmgen haben bekanntlich auch bte: polnischen Bölkerbunddetegierten gegenüber de<n Völker-' bundkommissariat für Flüchtlingswesen üngegan^m. Nurt; hat der Premierminister Sikorski als Jnnemninlster drsi Dekret seines Vorgängers.K a m i e n s k i wieder zur vollm! Geltung gebracht, so daß.die Abschiebungen bereits im! Gange sind und auf Grund dcs Dekrets Ent^ März i»! vollem Umfange fortgesetzt werden sollen, , Die jüdische Presse Polens führt die .unMchgiebkgri ' Haltung SikorskiS in dfr : Flüchtlingsfraga auf die rück«! sichtslose Hetze der christlichen Demokraten zurück.! Warschau, 16. Februar. (Tel. d:r „Wr. Movgenztg/^! Vor einigen Wochen hat eine jüdische Delegation in Amerika! beim polnischen Gesandten Wrcblewski in Angelegen-»! heit der Ve^chiebung drr Ausweisungen der jüdisch-russi»l schen und ukrainischen Flüchtlinge in Polen interveniert; Der Gesandte versprach, die Bi!te telegraphisch besür-- wortend der Warschauer Regierung bekannLzugeben.! WroblewSkis Telegramm ist, wie Ihr Korrespondent m§\ zuverlässiger Quelle erfährt, noch vor de r le tz te n V er« o r d n u n g der Negierung in Angelegenheit der Flucht-! linge eingetrofsen. Das Telegramm des polnischen Gesandten, in Amerika wurde jedoch von der Negierung nicht beachtet, .. LttMe«. Das jödWe MMerksm. Kowns, 16. Februar. (I. C. B.) Me der Vertreter deZ I. C. B. aus guter Quelle erfährt, ist die Existenz des Mi-- nisterm-mS für jüdische Angelegenheiten i n G e f a h r.^ Nachdem die beiden Litauischen Majoritätsparteien, die! christlichen Demokraten und die Volks soMisden, bis jetzt zu! keiner Einigung über die Bildung des neuen Kabinetts! gekommen sind, wurde die' Entscheidung in die Hände des, bisherigen Ministerpräsidenten und Außenministers Gal«! w^nowski gelegt, welcher ein sogenanntes Kabirrett der! Persönlichkeiten bilden will. Im.allgemeinen wird das! neue Kabinett, dieselbe Zusammensetzung haben wie daSj bisherige. Bis auf den jüdischen Minister sind fast alle! Portefeuilles bereits besetzt. Wie aus informierten Kreisen! versichert wird, ist man entschlossen, in das neue'Kabinett, keinen Minister für jüdische Angelegenheiten zu be-! rufen. In jüdischen politischen Kreisen erweckt diese. Tat-, ' fache starke Erbitterung, um so mehr, als Galwanowskti erst vor kurzem in Genf die'Versicherung abgegeben hat,, daß niemand in Litauen an eine Liquidierung des jüdischen! Ministeriums denkt. Di« Kownoer Tageszeitung jiddische Stimme" richtet an Galwanowski die Fra^e, wie er es mit, seiner persönlichen Würde vereinbaren kann, auf eine solche Weise im Lande zu dokumentieren, daß er seinen vor der europäischen Oessentlichkeit abgegebenen Erklärungen selber keine Bedeutung beimißt. i In jüdischen politischen Krei'en betrachtet man die NichtbeMfung eines jüdischen Münsters an die Spitze des, Ministeriums für jüdisch« Angelegenheiten als nicht gleichbedeutend mit der Liquidation dieses Ministeriums über» Haupt. Man glaubt, daß formell die Leitung des jüdischen, Ministeriums einem Beamten des Innenministeriums! übertragen werden wird. . M-Dnl nser rrinzio il„ Taborstraße 48 Tetephon 47-1-73'! En »res En detaKl