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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-17 · Heft 1442 (17.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1442 (17.2.1923)
Date
1923-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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JEbmlnmnuerKlOOb 'Wie nZu« Äbbölaninder Expedition,IT.,Taboratr. 1-3, .oder m einerVerfjchlelsKtelle (Trafik) monaU. K 28.000 ' MitPoatveraand für Vien u. .•Oeaterr. monatl.. K 28.000 Taeheeh,o*$löwakei: Mon. K17. Ungarn: Mo». K (500. Jugoslawien: Mon« .Drn»r 30. Polen: Mon. Ult. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. F r a nkr., 'Belgien:. Monatl. Frcs. 8 '■HT Nactizablua^en ■bei ■ PreiserhShiftsnn Vorbehalten Tschfitho » Slowakei tscft@eh.K1f.— Italien: MonatL’lO lij Fumanie n, Bulgarin Mbnatl.. 60 I ei bezw.'Lew S c hweiz und da« übrig Ausland monatlich Frcs. | {Redaktion u. Adroinistratiq Wien, II., Taborstrasse l*-* Tefeobone: 44-0-3&.43&1J ah6vl>rahd?.167301.19^8 Tel.-Adr,: .Morsrenzeitüntf Wien ' Oesterreichisches Poatspai kassen-Konto Nr. -150.69 Nr. 1442 Me». SamMg. 17. Februar 1923 5. AaHkMng Die zurlickziehung der enMchrn rnWeu aur de» Nhelulaudeu. L o n d o n, 16. Februar. (Tel.-Komp.) HZie Heute bekannt wird, soll im Verlaufe ver Verhandlungen zwischen Le Troqner Und Bonar Law die Grundlage für ein Abkommen gefunden worden sein, ohne daß jedoch die Sicherheit für ein solches besteht. Vach einer Version handle es sich> hansttsachlich um die Zurückziehung der englischen Truppen aus dem Rheinlande, nach einer anderen um die Ueberlassung der Eisenbahnlinien, in dem von den Engländern besetztem Gebiete, gegen welche angeblich die deutsche Regiernüg keine Ginsprache erhebe, weil sie die schwierige Lage der Engländer nicht verkenne. Die gesamte englische Presse, mit Ausnahme der „Dailh Mall", spricht sich Zedoch gegen die Ueberlassung dieser Linie P a^r i s, 16. Februar (Te1>-Komp.) Authentische Berichte über die Verhandlungen in London liegen hier noch nicht vor, doch zeigen sich deren Schwierigkeiten schon aus dem Umstande, daß Le Troqner seine Abreise bereits znm dritten Male verschieben mutzte. ^Gelair" meldet, dqß General Weygand' Heute in London eintpeffen werde, um an-.' geblich über Berichtigungen her Grenzen der' Besetzungszone zu verhandeln. Die Verhandlungen beziehen sich sticht stuf rein technische Fragen, fonderg auf das gesamte Problem de« englischen Besetzung, Hie Presse gibt der' Hoffnung Ausdruck, daß dir Abberufung -0r englischen Truppen nicht auch das Ende der Esttente bedeuten .b»erde^; r .:' ■ ■ V7,; V; Man spricht heute stuch hstvon, daß sich die Notwendigkeit ergeben könnte, das Poin» cave persönlich nach Londons reist, n,n ' die Verhandlungen zu J Wiener Hakenkreuzker tzeglnuch hrchier yfftMst-v, nach Budäpester Mschod^nzu'-aMiten^ und-über- Wien soll nicht , nur die geographische, - sondern auch die politische Berbmdüngsl'iniL zwischen - Budapest und München führen. Während die alte österreichische Polizeizensur einer moderneren Form Platz gemacht hat, beginnt plötzlich eme aüdere ZeNsurhehörde ihre Tätigkeit, die mit Gummiknütteln, Stinkbomben., und allen Mitteln des nackten Terrors arbeitet, und'das Wiener Geistesleben-durch solche Methoden zu „säubern" sucht. Wenndie Behörden auch weiterhin diesem Treiben langmütig zusehen wosten, wird cs in Hinkunft von der Zustsinmung der Hakenkreüzler abhangen. ob in' Wien ein freies Wort -gesprochen werden und ob sich - «ine unabhängige^ Persönlichkeit des- In- oder Auslandes . auf die' Tribüne eines Vortragssaales, wagen darf. Unbe-, helligt bleiben nur die H e tz a'j» f r u'f c auf allen Sträßenecken,, welche'deutlich alle Merkmale der Aufreizung rind der Störung der öffentlichen Ordnung tragen, und bisher ist ke i n 'S t a a t s a n w ä l i gegen sie ausgetreten, ob-. Keich die Drahtzieher derdunklen Essia den Behörden hinlänglich bekannt sein müssen. Das;' es sich bei den Erzfffen der Hakenkreuzler um planinüß'g' organisierte Unternchmungen handelt, geht nicht nur aus der. ganzen Ablage hervor, es wird auch aus einer Beröftentlichung der gestrigen- „Arbeiterzeitung"' deutlich, chelche den ntilitärischen Befehl zu der letzten Hakenkreiizlerünternehmung rnitLeilt. Er lautet: ‘ E'mderus«ng: ' Donnerstag.den 15. d. haben Sie. umdrcwicrtel 7 Uhr k der PestalvWMe. ungrade NuHner« 1. Bezirk,''Himer dein Militarkaisino, gestellt zu ssin. - Nähere I'nstrüktwnen driNh-'Ihmn Kommandanten. Di-eft Einberufung,-welcher -ynbKnH Folge zu leisten , cst, ist zu vernichten. . ' J).. - ' / ■ , ' Ostora m. p. ErketmungSzcichen: Totenkopf rechts m.d links Granate. Vrsseffor Mrölai über den Atierschwindel. In seinem von den Hakenkreuzlern gestörten Vortrag Wie Professor N ieö,la i auch, einige kräftige Worteüber d§e Fichte-Begeisterüng und das Äricrtüm der Böckischen. 8P.3&en ^16^. b|e 366^119^1^0«.^ „Fi chte. der.'uns heute M ilrhi-ld des -deutschen .. " fr an- ^nen [ec . . fentw je Tieferes, und gegenüber dem laMäusiMr.' Patriotismus Revolutionäre re8 über das BeWlkniS der Ration zur Kültur gasagt' word.'N . -Wr--Mk.WrchertIahte tot ist, darf sogar eM,.revo'l«tiy«aver^ Kdeöloqe.-,se!i«, mW. ich glaube, -dag eS heute ün^'D^NWäMbesser'WHe^.Wrnn'sein Ptrio» tismus. mnmer Jichtch'cher —- das hWt cküllatr^ller — gewesen .Aherr-dj« rBatelLanWsöbe^wu.the'' mc-ift: an. Äeusrerlichleiten gentess.'n und, entspriechenb ^hrsk dadurch bed'ngren ^Anprodüktiyitat, an NeMtionen» i.- v Däs. .spnst noch ' über diese R a-s"s e n t h e o r i e Erdet . wirh..wohl ^rtür, dazu, diese'o g-r-olm t-h'e s'e empfinHsa.mrn' Gemütern schmackhässer^W mchhem Im. Ernste wird doch kaum fewand beHmchten'-woWn^ME' -gerade'dir Deut- . fchrn. die M'senHrätziK.-rM -SMn (vW^asrÄanischen Homires alpirÄ/i.n Often von asiattzchrn'Slawen, .rm Westen von Kellen und nur. im Norden von.ftzärlichen aerrnamschen '"Resteü (die.Wilf-er aus ^hn-Prozent-.schätzt) aüstammen, das. Frankreich Äch m e.h r Germ a.n e n. alL hteSssitZ des Rheins., So er ' fand' man dann das M a r ch e n 'v.o m m r i s ch e n B l u t, das .noch, um e:n gu^s Stück'törichter ist als das Mh'er üb-- .Ivche germanische. Denn abgesehen dcwon.'datz d?r Bvgrifs-des Ärierwnis. unter .den. fast alle .vüropäischrn. Völker fallen,. 'sich vielle'.cht zur De^rundünq,'e'ncr^^.koÄnopvl-iteu. aber sicher nicht :Mer 'd e n t's ch n a t i ö r-äl'e n G e sin ntz n g eignet,' .gibt es'überhappt ü'l'n „arisch Blüt^ sondern nur eine'arische , S p r a.ch g-e w e i n s ch a s 1 von WKerys. die der Rasse nach ' nichts'miteinander'7^n tun. haben." LHeMrDOOlett. . General Krause und Hartmeyer waren nicht geladen. ' IN unserem Berichte über das Ludendorff-Banlett im Hotel Kummer hatten wir unter den Anwesenden auch den General Alfred Frans und den Chefredakteur der „Dentschösterveichischen Tageszeitung" Dr. Hans H q r tm e h e r genannt. Die beiden senden uns unter Berufung, . aüf best § 23 des Preßgesetzes .die folgenden Berichtigungen: 1 „Sie. berichten: „Das /politisch^ Bankett fand ungehindert statt. Unter den Eingeladenen. befanden sich General -Kraus,' der Herausgeber und-Chefredakteur-der „DeutschöstchMiHiMst'^!EageSzeitmtg^..^.Dr. Hartmeher und .-;Gas ist'ünWahL Mhtz istMyiehstMtz^ch 'mich.nicht unter : dtn züin politischen Bankett Eintzelüdetten befand und auch. an dem' ÄaMtt nicht teilgenonunen habe. Dr. Hans Hart- Meyers ■ - „Sie . berichten: „Das. politische - Banketts fatch ungc-; hindert statt? Itnter den.Einaeladenen^ befaichsn sich General. KwüsDas' ist unwahr WäM ist vielmehr, daß ich mich nicht' unter, den zum pokrüschen - Bankett Eingeladenen befänd unh auch' an dem Bankett nicht teilgenMmen hgbe. ich ubetzhauMkeine Gelegenheit hatte, mit General- Ludendorsf anläßlich Neffen Anwesenheit ln - Wien? zusammechutreffen. Sie schreiben: „Herr Lüdendorsf möchte, wie.& in seiner Bankettredy äußerte, auch die legitimistrsch gesinnten Freise in ftine Parlei einbezrehen, während M österreichischen -DeutschVLlkischen antllegitimistisch sind.,Häher, wünscht Mdendhrff nicht, daß General Kchus ferneren sei^ KertrDEmänn^ch-Oesterreich sei, sondern Oberst Bauetiji ^1^^; ist vielmehr, daß ich nie! d^r MEaumischann' Gesteial^ LNdendorMin Oesterreich! war'ünd äuch^etzt^nicht bin^ Alfred Kratts." ' Wahl- und Rassenschwindel. —y. W i e n. 17. Februar. Bis zum Herbst dieses Jahres soll der Nationalrai neu gewählt tverden. Was . jetzt - in den parlamen, tarischen Körperschaften geschieht, exfolgt, bereits nftts dev Berechnung der Anrufung des Volkes. Alle Pav. teien treffen ihre Zurüstungen und , die MchrheitK. ’ Parteien sind angestrengt bemüht,, durch eine Revisiov des Wahlgesetzes die-'Chancen für' dech Wahlkampf, di« : sie durch ihre bisherige Politik verschlechtert haben, zp Verbessern. Sie wollen.nach Möglichkeit.das WahlgW korrigieren. Die Opposition 'ihrerseits will eit« mog« lichst günstige 'Plattform ' schaffen. Die ' reaktionärer? Parteien und ihr Anhängsel, die Bürgerliche Arbeits- Partei, suchen unter dem Schlag-wort der Einheitsfront: die gestirnte rückständige Masse unter ihre Fahne zv bringen. Abgetakelte Politiker, die schon längst der all» ' gemeinerr Verachtung verfallen waren, glauben' wieder > ihre Stunde gekommen, und - auf' den Plakaten . des 1 völkisch-antisemitischen Kampfausschusses , Prangers Neben Jerzabek auch Karl- Hermann Mols. Alle polst tischen Kadaver wollen auserstehen und im Zeichen, des Hakenkreuzes siegen. /- » '« . In-allen?SLaaten -der Welt wird ein -Wahlkampj . unter.den Gesichtspunkten' der Freiheit, der wirtschaftlichen und ^politischen- Entwichung geführt. Seit dem Kriegsende ist. in allen- Kuli-^staaten die Stellung der Parteien zum Problem, des- Wiederaufbaues, der Wiederherstellung der a^m,Meziehungen zwischen den Nationen die. Parole. M^Oesterreich macht man sich 'dse Sache '.sehr Leguem:/Füv den^^Aufbau.soll das Aüslynd sorgen, im.. Indernaber wird der Bürgerkrieg - soll^dürchschöue Redw MMück MÜM und-hie: OrbttMg'will^'Dabei^W-Mn^rchMär' '^ch'W'Hb^as.AM^MWMßte,.datz--die.PMechng.-'^ n.äch unserer Berfassung-'tzüx'ein bon der Mehrheit Hess ' Parlamentes zur. Führung '.der Geschäfte gck.vahfter^ Ausschuß ist. Daß nach der Verfassung dieser -Aüsschüß -die Pflicht hat, das JnLeresse der Gesamtheit, das Beste' des Ganzen zu fördern, .läßt fccilid) der Ausschuß der antisemitischen Mehrheitsparteien gänzlich außer, acht. Gr will durch. Reden über die moralische Solidarität Europas das Ausland beenden, durch Taten aber, und zwar durch Taten der kleinlick'sten Schikanen, die. dem völkischen Komment der Nathenau-Mörder entnommen sind, seinen Wahlsieg sichern. Der Bundeskanzler, der in Genf für die Ideedes Völkerbundes schwärmt, überläßt das innere pölittfche.Geschäft dem H»aienkreuz.. Eine sehr schöne Arbeitsteilung, die auch. ihre Früchtä trägt..Die kriminelle Entwicklung in Budapest und in München, soll das Beispiel für Wien geben. ' Freilich ist, wie so oft, auch hier der Geist willig, aber das Fleisch schwach. Vor kurzem hat ein sozialdemokratischer Abgeordneter? im -Nationalrat mit ä^eüdem Spott den Nassenschwindel besprochen. Er hat dte Regierung gefragt, weshalb sie die F^ Mel des Numerus clausus nicht.auf sich selbst anwende, weshalb dieses Ideal nur für die Universitäten .gelten soll, nicht aber für die oberste Bolksbehorde, die zwei „Judenftammlinge". als' Minister zähle. Und die. vielen stehend getauften Funktionäre an den Zentralstellen, ohne tvelche zum Beispiel das Finanzministerium keine Maßnahme trifft und treffen kann? Und die außenpolitischen Verhandlungen, die ohne Unterstützung von Juden oder „JudenstämmlingLn" nickt geführt werden können? Ist das die Absicht der Regierung? Soll nach'außen hin ihre Objektivität deklariert werden oder sind die „Judenstämmlinge"' absichtlich ausgenommen und an die exponiertesten Posten gestellt Worden, um das Judentum mit der Verantwortung zu belasten? Soll dasselbe Spiel gespielt^ werden/ wie nach der Beendigung des Krieges? Vorher war er ein heldisches Aufflammen der arisch-germaniscken Seele, 'nachher ein Werk der Weisen von Zion. Es ist ein ungeheurer Schwindel, hervorgegangen aus moralischer Minderwertigkeit, der mit allen seinem Ursprung entspringenden Mitteln den Bürgerkrieg schürt. ,>Jud" ist Win konfessioneller ” oder' nationaler Begriff mehr,. sondern zum Begriff der Kultur und Demokratie überhaupt entwickelt worden. In diesem Wist'bewegen sich die Vorberatungen der MehrheiLsParteien über das neue ' Wahlgesetz. Wieder sollen die Minoritäten um ihr Recht beLroaen werden, um ein Recht/ welches, im Friedensdertrag fest^ gelegt ist. Die ausländische Hilseftistung wird' auf -Grund, der Mantelnote zum ^riedensvertrag, gefordert, aber von dem 'Schutz der Minoritäten, -der^ durch die

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