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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-16 · Heft 1441 (16.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1441 (16.2.1923)
Date
1923-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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j Wien Zum Abholen in der I Wien Zum Abholen in der |£xpedilion, >f.,Taborstr. 1-3, Inder in einer Verschleißteile ((Trafik) monatl. K 28.000!Wt Postveraand für Wien u. lOeatenr. monatl.- K 28.000;Ts ch e c h o-8 l owakei: Mon. K 17. Ungrarn: Mon JC600. 1 n g o sl awi e n: Mon. ,P‘nar 30. Polen: Mon.!Mk. 6000. Deutschland: iMon. Mark 2500. Franhr., ‘Belgien: Monatl. Frcs. S ) 9PUV, N a eh zahl unsren; "9W; bei Preioerhobunjretr Vorbehalten fscniecho-Sfawftrtiit tscheeh. K f*— Halien: Monatl. 10 IJr* I! u m ä nie n,--Bulg briet Monatl. 60 1 ei bezw. Lewa,. Schweiz und das übrig, Ausland monatlich Frcx. 3 Redaktion u. Administralior Wien, II., Tahorstrasse 1—? Telenhone: 44-0-38.43.3-1^ ah 6 Uhr abdr.lb-301,19*482 fei.,Adr.: .Morgenzeifcuog" Wien OestemSichisches Postep-w* kassen-Konto Nr. 150.693 Nr. 1441 Wien, Freitag, 1K. Februar 1SS3 S. mtzMM —V. Wien. lS. Fel'kuar. In allen Ländern und zu allen Zelten sind zwei Mächtige Strömungen festzustellen: aus der einen .Seite Zusammenfassung der einzelnen Menschen, Gruppen, Stände, Staaten und Völker zu immer höherer Einheit bis zum höchsten Ideal -der Allmenschheit, auf der anderen Sei-ie die Vertiefung und Versteinerung der aus der Urzeit überkommenen Scheidungen, der Geist der Horde, der in unseren Tagen ein wissenschaftliches Mäntelchen angezogen hat und als Rassenbegriss austritt. Die größten Geister aller Völker haben an dem Werk der Vermenschlichung der Menschheit gearbeitet und ihr Erfolg kommt zum Ausdruck in dem Ideal, welches in den Herzen der Besten .geborgen ist. Aus dem Gedanken der Solidarität alles dessen, was Menschenantlitz trägt, entstehen die großen Werke der Menschenliebe. Aber die Richtung, die auf das Ziel der menschlichen Gemeinbnrgschast gerichtet ist, wurde durch den Krieg zurückgeworfen, und alle Ansätze zum Weltbürgertunt wurden zerstört. Es bedarf gewaltiger Anstrengungen, um wenigstens das iverlorene Niveau wieder zu gewinnen. Der Weltkrieg (hat aber nicht nur dieses Kulturstrbben gehemmt, er (hat auch jene Kräfte neu belebt, welche' diesen' Strömungen entgegenwirken. Er hat die Barbarei der Fvonrdenfeindschast, den Nationalismus, den engstirnigen Pfahlbürger-Patriotismus und das Zunftidoal ermutigt. Was wir jetzt erleben und was man gemeinhin mit dem Worte Reaktion bezeichnet, das ist nichts anderes oY§ die Erziehung zum Kannibalismus, von. der Josef Pöpper-Lynkeus spricht, das Aufbrechen atavistischer Instinkte aus der Troglodytenzeit. j.. 's. . Nüh' ein' sMstsicheres; JndövidltUm^ das erstillt ist .PW.v seinen^ tMenschheltsberoüßt'ftlst, skanws den 'Begrrfs ides'"Mme«schMÄm8-( in sich' aufneHmchr.': Has. gleicht Mt von den Organisationen der "JpdiMuech, von den Völkern und Staaten. Das natürliche und selbstverständliche Strebew eines Volkes' nach' Sekbstbestimmungsrecht, nach seinem Boden, auf dem es sich frei entwickeln kann, ist kein Widerspruch, sondern im Gegenteil eine Voraussetzung für die überstaatliche Organisation, der alle Volker und Staaten mit gleichem Recht angehören sollen. Das ist das Politische Ideal der Menschheit, wie die gegenseitige Förderung und Unterstützung ihr soziales Ideal ist. Die nationale Bewegung des Judentums vollzieht sich in dem Kreis dieser Ideen. Sie ist eine Entwicklung nach oben und hat mit dem, was man unter Nationalismus versteht,' nicht das geringste zu tun. Sie ' will 'jene Voraussetzungen schaffen, welche es . dem jüdischen Volk ermöglichen, als gleichberechtigter Faktor in die überstaatliche Organisation der freien und eigenberechtigtcn Volker einzütreten. Sie will den Frieden und die gesicherte Zusammenarbeit aller Volker an dem Werk der menschlichen Gesittung; der völkische-Nationalismus aber behandelt alles, was ihm nicht angehört, als fremd und feind. Er ist das Rückschrauben der Mensch heit zur Horde. ■ D em ent sprechen auch seine Kampfmittel, seine Methoden und seine Verlogenheit: Gummikniittel'sind keine gefährlichen Massen, der Numerus -clausus -ist nur eilte soziale Maßnahme und die Feststellung des Nassenbegrifses bloß ein Behelf der Verwaltung. * . Die Verlogenheit der Ideologie ergibt, sich ans der Widernatürlichkeit des Slrsbens. Alles,, was. die. Haken-, kreuzler, die Erwachenden, die polnischen National- Demokraten Vorbringen, ist bei den Führern fe&mtfcte Lüge. Das Gehirn der Masse wurde durch eine raffinierte Mechanik so lange verklebt, bis -die Freiheit des Urteils verloren ging. Die bewußte Lüge entspricht der bewußten Absicht, die glücklichen Ansätze, zur Kuliurhemeinschast auszumerzen und. den ’ Boden . zu schaffen 1 jiit eine weitere Rückbildung zur Horde. Bis zu einem gewissen Grad ist dies gelungen, und wenn heute vor iillem das Judentum das Angrisssobjekt dieser Bewegung geworden ist, so liegt die Schuld zum überwiegen-- >en Teil bei der Presse,, die aus Bequemlichkeit, Prositinteresse, Feigheit..und Kriecherei vor der Straße dempäkenkreuztum die Matter macht und für alle seine Niederträchtigkeiten ein einerseits und andererseits findet. Dieser Presse ist es zu danken und leider nennt ' fltan sie die. Judenpresse —daß ,deri Nassenfeti'schismus svieder so groß geworden'ist und daß .erf noch, die letzten Areste von Kultur und. Gewissen zu: verschlingen droht, i»ie der Krieg übriggelassen hat. ... Paris, 13. Fshrrmr. sT.-K.-B.) „Petit Parijsien" schreibt, die Logik der Errigyisse führe die MLiierteu ünver,»eidlich zur Schäffung cine*f ellgenen Wäh- •i N N g i m Nheinl N N d sowie zur G rr r ch tun g einerrheinl N.N dis ch e n PoliZeiverwnLLung, die sich ansschliestlich im Lmrde selbst rekrutiere. Die Bevölkerung würde, wenn sie dazu ermutigt Werde, die Schaffung einer militärisch neutralisier len und von Frankreich wie von Deutschland unabhängigen r h e i n l a N bische ir R e p u hl i k annehmen. Auch Herve vertritt in der „Vietoire" diesen Man uNd verweist auf das im „Seeolo" vckröffentlichte Interview mit dem Führer der rheinländischen^ S e p a r a t i st e n S m e e t s. „KramMÄe RheimeWM". Koileiiz, 1-i. ^ebnxrr. (Bolff.) Hier werden von den Frauzoft.n an Minderbemittelte Speisen verabfolgt, ebenso Kohle aus dem besetzten Gebiet. Die Empfänger müssen einen Revers unterschreiben, dessen Neberschrist i auf die „F r a n z o s i s ch e N he i n r e Pu b l i k" lautet: Ebenso wird im Bezirk Trier von den Landwirten, die VovsPanMenste von den Vesatzuygstruppen benützen) Wollen, -die.Unterschrift, auf den' Muhen 'Psvers verlangt, . h a ' durch die -Watzu-nastöupMr eingerichtet^, worden, drs haupt- : sächlich für die Anmeldungen^ vbN Nsäß-Lothri»gern und. Saarbewohnern bestimmt ist. M enMche MMrsne M FraMrich. linirn abgetreten würden, sondern auch der ganie Teil der englischen Zone, der von Liefen Linien befahren wird. London, 15. Februar. (Wölfs.) Der Kölner Verichd erstatccr des' Reuterfchen-Vurea-us erfährt von.' ^nven lässiger Seite, daß die interalliierte Eisenbahn-Nnterkont» missten eine wichtige Regelung der augenblicklichen T r a n s P o r t s ch w i e r i g k e i t e n so, Ast wie bsetchej habe. Die Einzelh-citen des U-ebrreinkomm-ns würden-biß zu ihrer Annahme streng geheimgehalten werdem Man könne jedoch als ziemlich sicher annehmen,, daß das Uel'^reittkomu'.en jenen Teil der Eisenbahnlinien ve^ ' rühre,'der, falls er der sranzesi-cheu'Kontrolle , über^bcn würde, c.tneu breiten Ausgang dem Ruhrgsbiei nach dem Mestru schüft. Der Berichterstatter fügt hinzu, durch diese Bere'nbaru'ng würde rein Präzedenzfall goschafftn wcrdew da die Grenzen der besetzten Gebiete häufig B^richtignngi-w unterzogen würden. - . Berlin, 15. Februar. (Wolfs.) In Esten begann vr-r» . - mittags der Prolcsistreik der - städtischen Angestellten null..- Arbeiter gegerr die Verhaftung des Bürgermeisters. Dem Streik schloßsich die g e s a nt t e Gesch ä s t s w e l t an. Sämtliche Lhden und! .Vureäns waren geschlostÄl. In einet ' -MMiMtzKUttwz v e rH i e L ei;f -die - RheinbandZkoyünlfsiLn 7 8re Ans'fü hr sämtlicher Waren in das.unbesetzt« Deutsch-' latid, softrue' sie selbst leirre Bewilligung erteilt. NM üi L o ndon, .15. Fehrnnr. (Tel.-Komp.) Nach einyv Nenterme'dnng hat die internlliievte Kommission eine wichtige Neuregelung im besetzten Gebiet beschlossen, die die A b t r e t u n g eines Teiles der unter engl i.s ch e r Verwalt u n g stehenden Eisenbahnlinien an die Franzosen zum Eegenstande Tie Pre'se dentech.an, das; den. Franzosen nicht nur die Eisenbahn- London', 15. Februar. (Tel.-Komp.) 'Din Arbcli-ct*' Partei beroitet zwei Zufatzanträge 'zur, Adrasft. vor. Im ersten Ww.ig wird vor!g.."jch>M, Laßdie.interalltiär* t'e n S ch u -I fc c n .ü nnul I i s r i und L-ir Lösung des R.ep a r a i i o n s p r o b l e ui s dem. V ö l? e r b u n d auver» traut wrvd'en soll. Die wir^schaM-ichen 'Klauseln dcs Bersa-Uer Verlva'ges sollten revidiert werden. Ter. zweite Amrag enthält die Forderrmzen bezüAich der Derfyrgrmg der chemaligo» Kriegs eilnehiuer. . - MW j - ' Trätz mancheü.Mdrrstän'^v konnte gestrcn der ängekündigte Bortrag des Pra.f. '.R i i .*'» all stätijtn^tv Rirolaj, der ibekaimie. deulsche Pazifist,, einer der.wenigen Männer des intellektuellen Deutschland, welcher'während des Krie-. ges eine menschlich-mutige 'Halntng bewahrt hat, wofür er bekanntlich von der Berliner Universität für unwürdig erklärt wurde, doriselbst Vorlesungen zu halten, gehört zu jenen deUtschru Persöulichkeiten, denen der besondere Haß der „Völkischen" gilt. Der derrtliche Wink des großdcutsch.'n Regierungsblattes war von-den Hakenk»euzl«rn prompt-befolgt worden und die zahlreichen DrohbriLfe,- welche in den letzten'Tagen der Direktion -des-Konzerthauseszukamen, verartlaßtcn diese, dem Vortragenden in letzter . Stunde den Sch a l z u e n t z r e h e u.' Die Besucher - des Kouzerthanfts fanden nur ein . überaus zahlreiches W.ichranfgeboi vor, wahrend ihnen gleichzeitig bedeutet wurde, daß der Vortrag im Saale, des Archltektenvereins.stattfiude. In der . Eschenbachgasse sowie in den mnliegendm Gassen -warengleichfalls-etliche. starke Wacheabterlungen -zu Fu.ß und zu: Pferd-postiert. Auch im Stkgenhans -svwie. -im - -Saale selbst, taten Wachtzrgane- Dienst. Nachdem sich-.der Umtausch, der . Billette vollzogen hatte, wobei zahlreichen Kartenbesitzeru. ihr - Eintrittsgeld llrückerstättet werden Mußte, da der Saal einen viel geringerert Fassungsraunt hat als der ürspriiuglich-in Aussicht genommene, konnte-der Vortrag mit., gevaunwr Verspätung beginnen. - « Pvof. -Nicolai konnte ungefähr 20 Minuten ruhig fprechön. dann ertzob-sichisplötzl-ich.'' ■* ' eiis TumulL. Eine S t in? b o m b e warrn den SM geworferh worden und in' demselben Moment, kegaünen etliche im Saal verteilte- Ha'kcnkreu-zlcr zrt exzcdieren, die, wie sich alsbald hcrausstellte, mit ' - GummiknütLsln und Totschlägern aus ge'.lechLne'm Draht Lewafsuct waren. Einer iyne«. begann auf seine Nachbarn laszuschlagen, bald jedoch waren die Exzcdcnten vom Publikum ü b er w ä l t i g ip ehe sich ihrer noch die im Saale befindlichen Wach-organe bemächtigen konnten. In dem kurzen Intermezzo wurde» - einige Besucher des Vortrages blutig geschlagen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgeno'mmen. Pros, Njcolai konnte dann'feinen V.''rirag ungehindert fortfttzen» Dank der bchötdlich.ur Maßnahinen und der Selbsthilfe de- Pilblikums ereigncte sich kein weiterer Zwischenfall. ' Während des Vortrages marschierten auf der Straße etliche militärische Hundertschaften'der Hakc-ntrenzle« . auf und machtet! Miene, den - ' -. VortmgSsaa? zu stürmen/; sie wurden jedoch-vondÄn Mastenansgebct der Wach.-, bh , die Straße absperrte, abgcdrängt und zerstreut.- Ruchhierbei sauten einige-Verhaftungen vor. '' . , Der Vortrag. Professor Nicolais. Professor Nicolai, .welchem das Publikum bei seineät Erscheinen lebhafte Ovationen darbrachte, - sprach über'dar' Theina „D eut-s ch e K u ltui: uub b,e utsch e Na» t'io n". Er beze'.chnete den freundlichen Empfang alsieknH Entschädigung dafür, daß ein Pazifist durch ein kriegerischer Aulgebot geschützt werden müjse. Gewisse Leute könnten eft,

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