Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1440 (15.2.1923)
- Date
- 1923-02-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r EipzelnnminerKiaOO 1 ' Wien* Zum Ahholpn in der j Ejcpedilion.ÜMTaborstr.l-S» t oder iy einer VeraphleiR^telld" (Trafik) monat!. K 28.000 Mii Postversand für Wien w. Oesterr, monatl. K 28.000 T« eh e e h o-S I oiva fc e i: Mon. K17. Ungarn: Mo» K 600. Jugoslawien: Mon. )D*nar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Pr an kr.. B'elg'ien: Monatl. Frcs. 8 flMP NacbsahJuasen “88® li&i Preiserhöhungen vorbohcltuo Wiener Nr. 1441 Wien. Donnerstag.15. Februar 1823 ischdch. j; J t;a, I i *p;.: Monatl. lOlir*. R u m 5 n i e h, Bulgarie*?| Monatl. ,|60‘ t ei bezyr. iLevira,! Schwe|* und dasQbtfge: Ausländ' mönatHch FrCsu 3 Redaktion,n.Adniinistrattoti .• Wien, H., TaWstrassje lNr-3 '• Teleohone: 44*0-38^3^3*19,; ab 6 y hr ahd?. 16*30,1 U9-W; Tel.* Adr. r.Morgenzejtühg^' ' Wisu- Oeatenrefchisches Postsjufar kassen-Konto Nr. 150,693: S. Zahrgang 1 Ae MW. —y. W t*e n, )5. F^ruar. Alle über die Kreditaktion Oesterreichs einlaufen- Berichte lassen das Gelingen des Genfer Planes als bis zu einem' gewissen Grade gesichert' erscheinen. Es wird mitgeteilt, daß die Berhandlünaeu in London und Paris bis zur endgültigen Fvrrmrliermch gediehen siyd und daß die Bank von England, deren Gouverneur persönlich die Besprechungen leitet, den österreichischen Unterhändlern irr Holland und irr Belgien, das Terrain bereitet hat. Ueber die Höhe des Kredites fehlen alle. näheren Angaben, doch wird erklärt, daß Oesterreich schon in der nächsten Zeit einen Vorschuß von 100 Millionen Goldkronen erhalten soll, um über das Vakuum hinwegzukornmen. Parallel mit dern Kredrtvlan setzt die österreichische Regierung ihre Bestrebungen zur Er-' reichnng handelspolirischer Abnrachun'gen mit Italien, der Tschecho-Slowakei,, Jugoslawien MD Polen fort, und diesem Zweck sollen neuerliche Reisen des Bundeskanzlers nach Prag, Belgrad und Warschau dienen. Alan ist in Oesterreich allzu leicht geneigt, durch die rosenrote Brille die Weit zu betrachten und Zusagen als fertige Tatsachen nehmen. Im gegenwärtigen Augenblick sprechen aber viele Anzeichen dafür, daß" dw Mächte diesmal, die Anregungen, des Völkerbundes und seinesösterreichischen Könritees wenigstens zu einem Teile erfüllen. Oesterreich ist ein zu wichtiges Zentrum der enropäischen Politik, und eine Gefährdung seiner Existenz würde, das neue zentraleuropäische System Umstürzen.:Seit ihrem Bestände hat die auswärtige Politik der österreichisch-en Republik stets auf dieses Moment hingewresen und' allen innerpolitWen Storungen zum -Trotz: mußte Oesterreich immer wicher den politischen Charakter seines Problems betonen und! dÄ-^rch'Mn--Bertwg "vorv- SmnEWiaM-MchüWre'i" Isolierung rLirchbrechen ^MnT'DM'HtoiettflgL«'. treten' auch jetzt wieder auf, mit ästn gleichen/ Dgvessive'N' Charäkter wie zur Zeit, da Renner seine - ersten Besprechungen in Prag hielt und da Schober den Staats- Vertrag -.von- Land unterfertigte und dünn In Genua die Widerstände Jugoslawiens gegen die Suspendierung des Generalpfandrechtes überwand. Auch jetzt ist eine mit ungeheuren Geldmitteln inszenierte Besorgung im Gantze, die KreditaEtion zu erschüttern undin Oesterreich'blutige Unruhen zu. erregen. Es -soll verhindert ryerden, daß das kaum entstandene Vertrauen in die «^räfr Oesterreichs und seine Lebensfähigkeit Wurzel fasse. . , Diesem -Zweckdient zunächst die Unflätige Hakenkreuzpropagünda, die nebst ihrem kriminellen Untergrund auch noch die -politische Bestimmung hat, die kleine Entente. irr Aufregung zu versetzen. Die Verbindungen - dieser Partei, die sich nationalsozialistisch nennt, mit München und Budapest sind bekannt, und. sst wurden letzthin durch Marschall Ludeudorff gestärkt, der sich höchst persönlich nach Wien bemühte und hier im Kreis' seiner Anhänger eine politische' Theorie entwickelte, in welcher , er seine Gefühle ganz offenherzig ausdrückte.' Die Bekämpfung Frankreichs als Gegner des deutschen Volkes kommt für diesen'Patrioten erst in zweiter Linie; Hauptsache ist die NieÄerringung der Arbeiterschaft. Das , ist eine von. autoritativster Stelle vorgenommene Enthüllung der chauvinistischen Tendenzen und zugleich ein' deutlicher Hinweis'ans 'die Geldgeber. Es ist Herr Stinucs, der sich mit Frankreich, d. h. mit der französischen Schwerindustrie schon noch verständigen wird, deraber jetzt die Gelegenheit benützen will, die sozialen Errnrigenschaften des Umsturzes zu vernichten. Für sein Geld finden sich in -München genug Abnehmer, und'was in Oesterreich zu tun ist, das besorgt ihm , irgend ein Geschäftsfreund. Oesterreich sott keinen Kredit bekommen, seine innere Ordnung soll in Pogromen-und-Tumulten ' ersticken-und ans seinem Territorium sollen dann die süddeutschen. Revanchestudenten den magyarischen Brachialsöldaten die.Hand reichen.- - - - - - - . - .. Die Betriebsamkeit aller dieser Feinde einer Sanierung - Mitteleuropas ist in der letzten Zeit eine besonders-rege geworden. Während Ludeudorff in Wren weilte, reiste Major Ostenburg von Budapest über Wien nach München, und es ist nicht zu verkennen, daß Wien auch ein Zentrmn dieser Karbonari - geworden ist. Es ist auch nicht zu verkennen, daß diese Hat igkeit parallellqust mit den, Ruhmestaten der frauzösljchen Generale im Ruhrland und mit den Anstrengungender'deutschen Schwerindustrie, die Negierung Cu'no -äuOdöm jetziaen unheilvollen Kurs' sestznhalten und ästdirektcn'Ver- .haitdlilngen mit Frankreich zu verhindern. In dieses. Systeu'rgehört auch die Untergrüibstng.- Oesterreichs und Kilte AuslibftrU-nfl M die üragyarische-.GeMilrevüll'ti.W. Iie Hakentteuzler. Jas LadendM-Bankett da Hotel Kummer. Aus zuverlässiger Quelle. erhalten wir Uz folgenden außerordentlich interessanten Details: zu dem Aufenthalt Llckiendorffs-in Wie»«. B.kannilich halte Ma-rfchall Lud e ndo rf f in Hetzendorf auf- Bemulassung der Wiener, Polizei den Zug, in -welchem er von Klagensmll kam, verlassen muffen. In Hetzendorf hielt er sich aber nicht - lange - auf, denn 'er hatte, obwohl er di-cs M der Polizei ausd.-ücklich in Abrede gest-rllt hatte, wichtige politische Geschäfte in-Wie». Ltldendvr - f' h«-t' tööhreud seines Wiener Ansenthalies in der Schönb-rUnnerstraße bei einem pensioniert-en dMsch-en Genew! Wohnung genommen. Sein Aufenthaltsort war -den 'Bertvauensmännern' der Arbe-i'terschaft zu jeder Zeit genau fcfanuf und, wurde von ihnen streng bewacht. Jedoch rt-ichi-, «sn Ludendorff zu. belästigen, sondern im -Gegenteil, um ihn gegen etwaige Angriffe zu schützen.- Denn, die Arbiter wolltet: unter keinen Umständen das Odmvr auf sich 'luden, daß Ludeudorff ist -Wen etwas geschehen sei, genau so wie man seinerzeit auch die Person Bela Kims geschützt hat. Am Abend fand im Hotel Kummer ein Bankett der Anhänger LudeNdorffs statt, zu dmr der Marschall erschien. Auch-von diesem Bankett batten die Arbeiter Kenntnis, und nur den Veriranensmänuern ist es zu danken, daß Ludeudorff dort mit heiler Haut dayongekommrn ist. Als Ks/ziMffch- Mrnnt wuch?,-'drß Luderchorff -! im Hotel Kummer sei und daß dort eine Zusaymrenkunfi'MnLr GrsinnungZtzenoffen fMtfinden sollte, zog eine größere Zabl von ArboitzÄ vsi^dös und versuchte, in das LyW, wo, sich ' die' Zunächst , begabep sich die Prrwäüensm'anner in das -Zimmer und sisndetz dort a-llcs für das-Bätt?MtWbeMtsb Sie>fchcherten die An-wefenbrn-pvt nur so-könri-- - ten sie dvaußen werterchen Arbeiter DM Wzng bewegen. Ta-ffächlich teilten Wf Bertraueysmämtzer dann ihren Gen-vffen mit, daß 2uden'c)orff nicht mehr irn Hotel sei, woraus die Arbeiter «rbzogen. Das-politische Z^nkett fand ungehindert statt. Unter den Emgrlabemn beenden sich General Kraus, Oberst Bauer, der Organffator der Heimwrhren und FwnL-?ämpfervereiuiMNJ,e weiters der gewesene Gesandte W i e s e r, der Heraus-Hebrr mch Chefredakteur.der „Deutschösterreichischen TagesMung" , Dr. H a r L meyer und der Herausgeber, oines d>Ärtschriatrorralen So«ntags-latt?s Alles ging . streng militärisch zu. Lubeickorff wurde von seinem Mj-ntante»- «ngekünd-igt, alles erhob sich und stand Habtacht. Seine Exzellenz tvar in Zivil. Beim Bankett hielt er natürlich eine Rede, m der er sich im großen-ganzen ra&j Rahrnen des am nächsten ‘Zaqz in'der „Wiener Allgvinü-nen Zeitung" erschienenen - < Interviews Mt. .Ssine Ai-rssühvungen gehen ungefähr dahin, daß alle Deutschen in dü'er Zeit zusaulmenhalten müssen »M daß der äußere Feind jetzt 'weniger von den-rung sei als der innere, wonüt Herr Ludenhorff dm Marxismus meint.-Das rst der größte Feind, und nach seiner Ansicht ist eigentlich jeder Arbnler ein Marxist, tvas ihr: jedoch keineslvegs bindert, auch über die Arbeiterschaft in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" die Schale sem.'s Wohlwollens anszugießen und sie seiner besonderen Gunst Zu versichern. Wie die Arbeiter darüber > - und über Herrn Ludeudorff denken, habe» sie ja deutlich durch -ihr Berhal-' te-n Zum Ausdruck-gebmcht. Uebrigens zeigt sich' zwischen den deutschen und öster-- rrichischtzn -Hakentwuzlern eine Msinungsverschi-odenheit. Herr L u d e'n d o r f s möchte, wie er in -seincr PankettLedäußerte, auch die legitmustisch gesinnten ^Kreise m -skinr- Partei «nbezichen, währetch die österreichischen. Deutsche - völkischen antilegimnistisch sind. Daher wünscht Lüdenborffnichr, daß ' - General Kraus fernerhin sein Vertrauensmann in Oesterreich-sei, sondern- Oberst B a - 't, über dessen mMarPoMsche N?rssio»'-Wir' jüngst berichtet haben. , . ,8^.--- Hetze gegen Professor Nkolasi Das' Organ fcre großdeutschen--Regrertftr'gsparwr>weifte die Meyer .Hakenkveuzhelden scharr'jetzt Ms eine Mjge- GÄMnheit bin, zu 'des Deutschtums höhever. Ehr' wieder, eirrrrral unt Gummiknütteln urrd Stinkbomben hehre Datenzu vollbringen.-In den nächsten Tagen hält H'.e'r-der-bekannte Pazifist Professor H. F. Nicolai einen Vortrag.- Das Blatt' ergeht sich nun in einer Spalte wüster.'Beschi'.npflMgen 'gegen-den'Mann, der mutig seine pazifistische ArberMgnng mitten im Krüge verfocht und für sie -vön' den Organen Ludendorffs Schikanen und Qualen M -er» leiben halle, der noch jetzt von dem Haß der „völk'ffchen^ Kreise verfolgt wird. Das saubere Blatt unterläßt nicht,-d-io erregbarsten Instinkte -der Hakenkreuzideo-logenwüt dem u nw a h.ren H in weis auftureizen, baß N re oba t Fude^ sei, und sagt dann: „Wirkönnen mrs-der Ansich nicht er-, wehren, daß es für das deutsche Volt' recht z-wecknäßig.und daher nach Nicolai, und bielleicht nicht nur nach-ihtEauch sittlich wäre, diffcs Individuumdaran zu'Htttdtzrn.-'. sHine SÄMähveden über das'^uflMMr-hrer^rtz-^WWr-M-- . halten." - Also eine dixekteiAufforöerung zur Wiederho-Mgjener Exzesse, wie sie sich/^ MMHotMg. HftsiMWat^ hcpbett. Darauf feien.die maßgebenden Stellen schon heilic aufmerksam gcmachi, damit nicht nachher ges-agt mau hatze' ,Mne^ Ruhestörungen evwatrei" und es wieder sine halbe Stunde dauert,-bis Polizei 'g:gen die-Helden.vom HakenkvAtz emschVitef. ' ' Die gestrigen Versammtungew. Der völkisch-anrisemitlsche Kampfausschirß hatill für? gestern 7 Uhr abends in der- Bolkshalle des Nathaufes,' in Weigls Katharinenhalle und in die .Gastwirtschaft -Lchr-- bacher im 3. Wiener-Gem-erndebezirke Versammlungen mit der .Ta^esovdlMttZ:' „Die Besprechung der Qstjudenfrage und die zu schaffenden Staatsbürgev?esetze" einbe- . rufen. Dis Versammlung in Weigls Katharimnhrlle verlief ohne Zwischenfall. Dagegen hatten im 3. Bezirke die Arbeiter nwhrerer großer Fabriksbetriebe, vor allem jepe. der Firma Siemens ü. -Hälske" A.-G,/ deren' Tor unmitMbar in den Hrf -der 'Gastwirtschaft Lembacher führt, vor- - zeitig Arbeitsschluß gemacht und drangen schon vor, o Mr nachm-itiags durch den Hof in den noch gstchloffenen Sackl ein. Hiebei wurden einige Fensterscheiben dcs Saales Zer--' trmmnert undzwanzig, zumeist jugeMiche antisemitische Ordner, die sich in den Saal geflüchtet hatten, von den Eirrgedrungenen mißhandelt.' Im Handgornenge erlittSn 16 Personen, hievon 14 Antisemiten und 2 Sozialbdnrokrä--- ten, leichte Verletmngen. Die an Ort und Stelle Soflndlichs, durch SuKurs verstärkte Sicherheltstoacheverhinderte weitere AusschveiLunge-n. Nunmehr wollten .die> Sozia-ldemokra'en, deren Zahl indessen auf mrehrere Taufend angewachsenwar, ihrerseits im Saa-'s -der Gastwirtschaft eine - Versammlung abbalten. Mit Rücksicht auf' die eben erlvähnten Vorkommnisse wurde jedH -von her Ptllizeid'.rektion - die Abhaltung jeder . welteren Versamnrlung im genanntsn Lokale aus Gründen der. öffentlichen Ruhe und Ordnung untersagt- und die Räum-ung des Saales veranlaßt. . .MeWche" PK« Frankreich». - Paris, 11. Februar. Die Agencc Havüs teilt mit: Gewisse ' im. Ausland s verbreitete Nachrichten, - die den Zweck veffclgeu,.' Frankveich'kriegerische Pl ine zuzuschreiden, rufen in hiesigen - . maßgebenden - Kreisen-das größte Erstaunenlzervvr, da sie mit.- ' den'.durchgtzs friedlichen 'Absichien'.der-leitenden Kreise Frank- - reichs in schroffom Wideffsmch -stehen.- Der diplomatische 'Mit-- arbeiter der Agence HavaS ist ermächtigt, diesen Ausstreuungm das-, kategorischeste und formellste Deinenti entgegcnzusehen^ Die-Meldrmg - der -,L-estm inster Go-jr-lle", wonach die ftanzösischr' Nlabms MaWihMst- 'sür-' Möckiernna der von Hamburg,- Bremen, Stettin- und Kiel getröffm'-habe,' 0L. lrört m den Bereich der kühr-fterr Phantasien/ebenso - wie die Meldung der „Franksirr er Zeitung", dw jrc-aus New-Aork cr-- - halten haben - will, wonach eine Kriegseckiärung -Frankreichs nah: bevorstünde. l \...; Was die Vorfälle anbelangt,, die sich, nach'den, Berschten einiger deutscher Blätter im . Theater. Ncckiinghausen- .abgespielt haben sollen, wo, wie man in Berlin behauptet,- die- Fra.nzo.stn die Zuschauer -mit der Reitpcilsche. Hmausgetricbm Wien,'so sind diese reine Ersrndurgen von .Tcrichtefftattern -mir ützrr^ hitzter PhantasiL. ' ' .. v I I