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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-11 · Heft 1436 (11.2.1923) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1436 (11.2.1923)
Date
1923-02-11
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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r rr,w^Sti- ^r*14S® Wien, Goimtag Wtenek MnrftemerrnnK. ri. Februar 1933 Seile 8 DOROTHEUM I. Dorotheargoss« 1? M Sp'e^hes?« IG AN Versteigerungs-Einteilung 3 Uhr mn der Verstelflerrnpen, wo nicht* anderes vermerkt, nachmittag«um Täviloh Protio-«n; J^«2 01 'llbar , fl Chinas! her; Je oa Fi Bril aitsn. u. Pe len chtnnc'c >m Franz-Sifll. TilglchOeb'a'.ich' uai>nn«tBnHeim I.Udwigst^rff-, Rödleru. Kn’owraf-Paa’. 8n*r'ell Ja h n Mi Hur - Apnanto, Fennfie-, chr^h. ma->pi’lnen: Fr 2'. 1Ja-diva.'fei, , pottiusrÜJtune.Fnhriäder,Fs.ro (m l.ndw’gs'o ff' ad. J d'n Dn Im Franz'osef-S-H: Pohöna «Cb’*, Per« r opp ehr ICuns’ijnwerln; teden Di u. Sai«n Dec’inti-^nal jeden Fr und Mi! 21 M. imH6ch-«aa1- Andqnl’d en Qemä'de, hunsf^ewe he. Te«. p'che; Jeden fr. Jm O'ashof: Möbel. K*«sen. Oefen, Lusttr, Ri'der, HQUseerllte. > Morgen Mont»? hi« Mittwoch, d.m l l I I.- 7» Klnlw» Anktton der Kmiatabtei'u:! . Öemäide, Miniaturen. K’itns,gewerhe, MohJUar, Waffen ,m Ktins*nikt'ons.Fnal. Mo to bis Ho 2\ II. , Antigua*-Aufct'cn: O’mct-’e, Antiquitäten, Mob Ihr, IV. Mozartgasse 6 (.Hutei Rainer). Jede« Do Fr ti Sa Bity-ne Im Fmmin"'**t..«an; r «Jf> ,g f| Hfi n d l3;. Tri ftnarkenAulfrr; Dl 2 . II XN 'tN. hoehw^tTe Oh? k*e); Fr 22. IT. V . (fl «S fes ih(h ro’il n' Üri finnifeu-i- , Fiie»kil-Auktion,VI., Malahilfer- 8tra««e 73. | Mi 14.11.: 'tl.rno'rn'rch- At-felo s i Persone antos. Hubmohi», Riefe, ♦“omohil, AiiiomohUhesf'd eile, i 'Va^en,' Maschinen, Wckz trrrr. Azetylenentwickler und sonstige lechn sehe Artik«, , . Mi r>0 20 n. fV. Technische '"kt ou; O’^mische Anra» lat», Maschinen, I abo'a'o>i,>>, e-n iph',m"en Chemikalien,Vtll, Fe'.dgasse 0-8. Voranzö'ip; Anfangs M rzfindet eine Snertnl. | Anit'on In mod-nem N nstimd Sti mob'liar K'avieren Ge* mä den. or ent Tepoiehen, Keramiken, Gla«, Po zeilm. B nnzen statt. — A maldangrr* werden «och bis Fr 16. iL entgegeiigenommen i® «TUohe «ohAnst-rnnsr ab 1 Uhr währt in der Pegel nrbrnre vorhergehende hfaehmitt-,»« bis UIt. m-^de»i?,„ üeSerrahnifl zur Vi sleiro ung und Sslätzurg für .luwe cn. Kun t- und Cebrnuchsge 'enstlnde. Möbel u. t ücher I i er w 8/? a/ 1- Doroth»errasse!7 <8—V6l. in de Pe- MekCnvliiCnp^“ 2)' Pr ,f,d'nisch« / rtikel, Maschin-n, Autos etc., Vill., Feldgasse 6/8 für Briefmarken. VI., Maria- I h-1 erstr.i«e 73 '9—1>. 77 die sich etwa in der grell effektvollen Hochzeitsmusik oder in der Einteilung zum zweiten Akt mit ihren dünnen, z'rpenden FliMniertonen gut bewährt, und so läßt sich zu seinen ostasiatischen Rhythmen ganz gut Onestep, Foxtrott oder Ch'.mmy tanzen. Sehr hübsch wirkt daS gelegentliche Einflech.'en von deriflchön DolkSmotiven, ein Beweis mehr für Lehars reiches Können, dqS starker ist als der ursprünglich^ Einfall. Mit einem Stoßseufzer mochte man äusrufen: „Vier chinesische Bräute Und keine, einzige, lustige Witwe, I die «inen originellen Malzet tanzt". Die Aufsübrung war in jeder Beziehung blendend: Hubert M e r i s ch k a sieiht 'a^s chinesischer Gründe -anz reizend aus, war mit seinem..eigenartigen Dialekt'und seiner I orienta'i'chen Demut, kaum wieder zu erkennen, g'eich ihm sang und spielte Betty bischer a^S 9ea aanz vcr-ü^ich, > nur zu reserviert. Luise Kar t o u f ch schmückte die „R )senknospe" .Mi' mit ihrem ontzückenden Charme, die kernige Komik deS Herrn Josef. König haben'wir bereits hcrvorgehöhen. Di« Ausnahme war die denkbar wgrmste, ein wahrer PatoxysmuS von Begeisterung prasselte auf d:n' dirigierenden Kcanpönislen, den ÄuLstattungtchcs und alle Mikwirken'den nieder. ... . flh. Monr Petzold alslleberseheraus demMWei». 3n der ^Seihslwrlipde chtek Samuel M e 1 t« l s. daß der verliot bri'E öl erroi-tsche Lyriker A'trn» P « k o I ü sich im Sa* re 1917 m k dem Pl >re Irttg. eine Ged'cht ommiung, deine jidüichr Lyrik", deraurgugeden. wel' e feine e,f.e»en Ucber» letzungrn enthalten foi'te. Der P^n ist nickt zur AussMung e«- kommen, doch ie' t Meise's einige Gedich!e mit, welche zeieen, wie gut sich Petzv d in den G'isi d*'5 Süd s.den einzuiebeN wu' tA. Mir. losien i ier Mi U.dirjrhungen Petz.IdZ »vn Ged chlen A. Drijens folgen: Mater an der Mm. «muffühning der Op-rett« „D!e gelbe Jacke" von Viktor Leon. Musik von Franz Lehar. Biehcr beqann für den Wiener die Volttkunde llhinaS Mit der chinesischen Mauer und.endete mit der seidenen Schnür. In der neuen Operette lernt er das Requisit der gelben Jacke kennen, ein seidenes Prunkgewand, das vom Kaiser, dem .*erot von 10.000 Jahren, an höchste Würdenträger verliehen wird. Natürlich wird diese Auszeichnung, eine Art chinesischen Hosenbandordens oder GeheimeratS. Uniform, dem Helden unserer Operette zuteil, dem Diplomaten Sou-Chon-g-Chwang, der im ersten Akte die^Vienerin Lca Limburger geheiratet hat. Sie hat seinetwegen ihrem Bräutigam den Laufpaß gegeben und ist dem Chinesen, der ihr anders scheint als die anderen, nach Peking gefolgt. Hier wünscht sie sich als unverstandene Frau wieder.nach Wien zurW.'Sie sehnt sich nach dem PWÄ in dem. bekanntlich der große Chine er steht, und als gebildet« Wiener Kouimerzialratste chtcr hat sie auch nach dem Burgtheater Verlangen. Der Tiplcenat, der sich von ihr mit chrom verflcfswen Bräutigam betrogen wähnt, stellt ihr auf recht undiplomatische Art den Paß zu und heiratet, wie dies im Operetten-Chltta Brauch fein dürfte, aus Rache die ihm gidgedachten vier Bräute. Aber weder das ,^rüne Krötchen" noch das „Schwalbenschwänzchen", weder die „blasse Lilie" noch das „gelbe Rübchen" können ihm seine Lea ersetzen, und jo finde! er sich mit ihr im dritten Akt kn wohin er ä'ä Wandler versetzt wird, in alter Liebe wieder, und. da auch die Schwester des Diplomaten, die in Peking ihr Herz an Leas Exbräu tigam verloren hat. ihm nach Wien fülgt, veremigt der Sck/ußakt zwei glückliche Paare. Dieser dürftige Rahmen genügte, um ein großartiges Ausstattungsstück zu -schassen, in dem das bunt« Milieu eines Thcater-China die Hauptrolle spielt. Die prachtvollen Auszüge des zweiten Aktes, namentlich das Hochzeitsbild mit den ma^erlscben orientalischen Brautsänften, der Umzug des diplomatischen Korps, der Priester und Mandarinen. der Soldaien und Kulis, der Pagen, Eunuchen, Ehrenschirmträger und Hochzeitsmädchen, boten eine be-. rauschende'Farbeusymphonie, ermüdeten, freilich durch die Wiederholung nr.-d dchn'en den Akt zu unerträglicher Länge. — 2f§ Ausstattnngschcf fungierte Prof. Haas Heye, der bereits in der Staatsoper mit der Inszenierung, des Carnavals u-nd der Iosesslo'ende sein Meisterstück alge>at hat. Auch in der „Gelben Jacke" beherrscht er mit seinen buntgvellen Einfällen die Bühne und erweist sich als gefährlicher Rivale d:r kultivierten Leharsöben Musik. Er „lou^ponierc" in gelb und blau, in grün und rot, m Seide und Brokat, in den Partesten Forinen von Kopfputz, brachten und K'stümen. Mit den chire-äschon Türmen, Kapellen und Bcleuchtuu''slörpern geben diese ein Phantastisch § Gcsamtkolcrit, das vielle'cht Ch'ncsen und 'Fachleuten ein Kopfschütte'n abnötigen mag, das aber den Laien in eine orientalische Märchenwelt versetzt. Neben der sensationellen Inszenierung tritt Lehars vornehme Musik ein wenig in den Hintergrund. Er ist heute der größ'e Meister der Operette und geht nicht mehr auf Schlager aus. Um seine Jnstruinentaticn könnte ihn mancher Komponist beneiden, seine Technik, stählt sich '.mMer wieder an Problemen. So hat er sich diesmal.ein chinesisches Mustkldiom zurecht>-ele''t, in dem homophone Choralelem-ente, Pucc'miS japanisches Kolorit und orientalisch pcnlatonische Skalen eine sonderliche Verbindung eingehen. Trotzdem sehnt sich sein China gleich Leg Limburger, nach der schonen blauen Donau, nach ihren Walzern und C-uplets, die diesmal ernst, fast schmerzlich geraten sind. Würde - nicht Josef König seine .lustigen Exkursionen machen, so müßte man in der neuen. Operette,'die kaum mehr etne ist, das Lachen vergesset. In den Tänzen verläßt den Komponisten mitunter seine chinesische Einstellung, rva» wirft ft» fagtn« Was trifft btt Ftttmd. der We t» W nn sie bich fröat oou Sich": Auf töclv* er St atze, auf welchem Feld ssi deine L.edjie ertflvb'n? Sch will itzr ja? Wahrheii nur, fei bte vow fo «ring Dort >st mein u inb feine Spur, fagt mir. zu wem fie ging. lind fr5flt tzte W' ll div noch einmal: Sag an, was w llst du tun, wi'ft d '. das Lerz voll rget Quai, in t efem Scbweizen ru.t'n? Rein, ich vill's sagen und künden kauf: Wohl Irak mit» die'-s sch«^. dock!i d ich die weuetoie Braut , «cch stärker akr vorbepi^ ' j »öni \ Fünf Hiige kommen aus der Sküdk, wd er au v er wü kommen, zu jedem neh ich mü» und matt und «m das Serr vtkiommen. S'e raitern in das BaMofhaus, Derspä tung tr fft nich' enen. Mein Liebster die dt noch immer qu». Me>n wundes Lerz rrill weinet. Ra"ck wvgt. es klirrt der Wagen Srz» die Mens "en ickreten und kacken— das legt sich olles m r auf» Se>z. Mein Gc«, was soll ,ck machen? gur Fördemng drr MM«lt»iM»g kn Palästina. Von GefattgSprostisior Artur Walf. Cs wird wohl kaum einen Juden geben, der beim De» trete», des heiligen Landes nicht in Ehrfurcht erschauert. Von der Le-bendigkeit der Vergangenheit, dem neuen Leben der Gegenwart' ergriffen, von Visionen der Zukunft überwältigt, im Rausche der Begeisterung für die schon halbverwirklichlen Ideale und bevei.S sichtbaren Ziele ist es unS im Lande der Pater schtec unmöglich, die Eindrücke mit nüchterten Augen zu schon und dem Herzschlag der Erlebnisse nicht mit aufhor-- chendem Oh»« zu laufen. ' ’S er' aber nach langer Zeit in sein Heim zurückkchri, har tntf) der Glücksotigkeri des L'iekcrsehenS auch die Pflicht, die F'.i'iigkeit des Baut.-) und die Zweckmäßigkeit und Schönheit der Eitwichtung bcwrgt zu erjorsÄen. Ich suchte darin nach der Hürse DcwidS, den», mein Leben ist der Tonkunst gewidmet. Musik ist die umnitieMre Sprüche der Volksseele. Je tiefer und rorcher das Innenleben eines Volkes, um. so höher die Entwicklung seiner'Sprache in Tönen, wen» eS diese Sprache lernt und' beherrscht. Das Musikleben in der Heimat unseres Volkes macht sich leider noch sehr wenig bemerkbar, den:. es fehlt die wichtigste Daseinsb^ingung, die gesicherte materielle Grundlage. Die Schnsucht un-d dos Bedürfnis nach Musik «"ußern sich allen.halben, linvrrgeßlich bleibt mir ein Erlebnis in Nuris Angelockt von dcn Klängen eines Klaviers betrat ich zur Mniagszcit den groß:». Speiseraum dieser gemeinwirtschaftlichen Kolonie. Auf einem Podium saßen ein Knabe und ein Mädchen und besorgten für die speisenden Chaluzrm die Tafelmusik. Das Instrument war sehr schadhaft und wenig Wohlklingend und die zu Gehör gebrachten Stücke sehr primitiv, aber um so rührender.war die Begeisterurg, mit der sie Vorgeirügen wurden und die belobende freudige Stimmung.^ d!e sie auslösten. So viel Sinn für Schl nheit und -Ivhebung inmitten solcher Dürf.lgkeit! Ist dieses Alltagsbild nicht. zugleich, ein 1 SiustbrA) des Mangels und des Reichtums im Lorvde Israol? Frellich fehlt es in..den bürgerlichen Häuserp Jerusa- ] lems und Tel-Awiws nicht an der. MöglichM und. G legeni heit ernster Musikpflege, die man auL detr suropäische» Eltern- Häusern übernommen oder für die mar» sich in de» Musik- I schulen von Dien Berlin usw. auSbilde« körnte. Dem Musts bedürfn'.S des Volkes dagegen kann leider nur nnzureicheNt entsprochen werden. In Tel-Awiw, «der.einzigen rein jüdisch?» S'jedtz bs, müht sich seit mehr ar& einem Jahrzehnt btt tr:ffliche Musiker und Geigenvirtuose,Hope»-ko, ein Schüler Joachims und Marteaüs, im Verein mit seiner Frau unermMich und aufopfernd um die Musiköiidung breiter Sck)ichteu. Er leitet die dortige städtische Musikschule und berf Symphenieorch:ster, als dessen Schöpfer er durch wirklich mtfc gezeichnete Davbietur^cn im Mittelpunkt des MustkleberE auch in Jerusalem strht.> ..... In den Abendkursen Hopenkos und. in den ChorvereiNS gnngen des Gymnasiums und der Arbeiter haben die Chalu« zim Gelogenhrit; ihre musikalischen Anlagen zu entwickeln unt! sich nach der« schweren Mühen des DagcS durch Kunstbetätigung zu erholen. Der begeisterte Eifer, mit dem hier Lehrer unk Schüler am Werk« sind, läßt erkennen, daß damit zielbewuß) die Grundsteine zu einem Bau gelegt werden, dessen Bestim. nrung es ist, derelttst dem ganzen Lande weithin ragend« Schönheit und Freudigkeit darzirbreten. Diese« Zweck biciii auch die während mei»»:r Anwesenheit gegründete Gesellschaft der Musikfreunde mit der Aufgabe, die Grundlagen der Musilbildung bis zur Schaffung eines Konservatoriums auszugestalt«n und durch Zusammenfassung aller Kräfte des Landeö der Entwicklung des Musiklchens unseres Volkes tatkrafttg K» dienen. Da aber .zu' Bauwerken der Kunst'außer der.- entworfenen Plänen usid dem vollen Maß opferfreudiger Begeisterung auch noch daS allerpros-aischcste Baumaterial der Geldmittel gehört, die. jedoch bei der Schwierigkeit ihrer Beschaffung hier aus Gründen der Nützlichkeit nur für die materiellen Zweck« Wirtschaftlicher Bck'ürsnisse verwendet werden konrren, so ha'beq unsere in aller Welt zerstreuter« Volksgenossen die zwiefach heilige Pflicht, bei ihrer opferwilligen Mitarbeit am Aufbau der Heimstädte des kulturellen Ueberbaues nicht zu vergessen. Denn, soll sich dieser Aufbau organisch vollziehen, so muß auch für die OrgayL b r Kul«ür der Baustoff ftühgeitig zur Stelle sein. Sind doch für die Wunderblume der Neuschöpfung einer alten Kullurgemeinschaft Farbe und Duft nicht Luxuszierate^ sondern Desensmerkmale. Ebensowenig wie es den Chaluzim cm Saatgut fehlen darf, um den Reichtum d:s.Ackers zu erschließen, ebcnsowenlg darf es unseren Brüdern und Schwestern im Lande der Vä^er an geistigem und.künstlerischem Kulturgut fehlen, wenn nicht die' reiche Fülle ihrer ideellen Kräfte ungenützt verkümmern soll. Ohne das Rassrn- und Nationalität^ßproblem zu be« vuhrrn, liegt zu Tage, daß das Zufämmenlckbrn einer Dien«, fchenmasse, die altvcrwurzelte, gemeilscune Tvaditionm pflegt, eine m ihrer wenn auch noch so primitiven, künstlerischen AuSdruckstveise unverkennbare Eigenart bewirkt. Jedes Volks«? lied befugt dies. Die Sammlung von Volksliedern und ihrtj Pflege bedeutet darum das Erhallen und Mehren eines hohen' Kulturgutes; denn außer der Sprache weckt und steigert pichst so sehr daS Zusammengehörigkeitssefühl und die Begeisterung für die echten Ideale der Gemeinschaft als gerade die Musck, die umnitteibare Sprache von Herz zu Herzen. Auch wir besitzen einen solchen Schatz unvergänglichen Volksreichtums. Leider ist er. wie wir selbst, in allen Ländern der Erde verstreut und vielfach unter drm Schutte fremder Einflüsse vergraben. Dies« Lieder, sowohl als sprachliche wie melodische Aeußerungen unserer Volksseele zu sammeln und zu sichten, sie von wesep-sremdm Schlacken zu reinigen u»rd sie bei den Volksgenossen behnfs liebevoller Pflege zu verbrviten —- auch daS bildet einen wesentlichen Bestandteil im Erstehen unseres Heiligbums, deS in aller Dell emporragenden Baues zur Aufnahme der vollendeten Kult-urschcpfungen, an dem wir mit freudigem Opfernrute unermüdlich arbeiten. Unser Volk ist für Musik besonders begabt. Das beweist seine ausgeprägte Vorliebe für diese Kunst. Dollen wir in .unserer Heimat auch den Künsten als den wunderbarsten KulturbÄten eine Heimstätte bereiten, so müssen wir frühzeitig ein organisches Wachstum sei» «er Triebe hekbciführen., In der.Musik gilt es an alte und neue. Volkslieder anzuknüpfen, um eine selbständige Entwicklung zu. ermöglichen. Auch diesem Zwecke sollte die neugegründete Gesellschaft der Musikfreunde in Palästina gewidmet sein, in deren Dienst sich unsere besten Musiker zu stellen hätten, um rechtzeitig den dilletantischrn und unberufenen „Bcaivbeitern" unserer Volkslieder zu wehren und von ihnen die drohende Gefahr einer in ihren Ausdrucksmitteln besonders Volksliedern nur verderblichen, hypermodernen Strömung fernzuhalten. Kehren wir nun vom- Pfade der Volksliedes zur Hauw straße der Musik zurück, die in das allen Knnstjüngern anvertriw'e ur^rmeßliche Kulturland führt, fo wird jeder Weggenosse die Bedeutung des. hier aufgezergten Arbeitspvbietes innerhalb des gesamten Aufbauplanes unseres ZuknnflsstaaieS genügend erkannt haben, um mit mir alle schaffenden t.nd schöpferischen jüdischen Musiker, alle Musikfreunde unseres Stammes an>urufen, ungesäumt Hand anzulegen, kein Opfer zu scheuen und sich ihrer historischen Verantwortlichkeit zur Förderung d'eses erhabenen Werkes ihres WirkepSbereiches vollauf bewußt zu sein. Cs gilt, eine musikwissenschaftliche und KlassikerBibliothek anzulegen und Musi?' mente, namentlich .ein Harmonium, enzuschafsen. Es fehlt bei den Besitzenden an werktätigem Opstrsinn für die Volkswirtsck.aftlich so überflüssigen künstlerischen Bildungsbestrsbu »gen. Am schmerzlichsten aber berührt die aui diesem ertraglosen" Gebie'e sich abmühenden nr^erbesser.'ichen Enlhus'»Icn, daß sie — den Bühlichkellsaposteln zur Freude — auß'halb der Landesgrenze so selten ein Zeichen liebevollen Intu-sses und aufmunternder Förderung für ihr unbeirrbares W'ek.'u beglückt, E Was für den Partner Sonne und Regen, das bedentel dem Lehrer und Künstler auf dem heimatlichen Bode» daS

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