Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1436 (11.2.1923)
- Date
- 1923-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ElnzelinraimerKlODo Wien? Zum Abholen in der Expedition,11.,Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleißteile (Trafik) monati. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monati. K. 28.000 Tschechoslowakei: Mon. K17. Ungarn: Mon K 600. Jugoslawien: Mon. D’nar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Frankr., Belgien: Monati. Frcs. 8 M* Ntchaahlungeo "9MI bei Preiserhohunjren Vorbehalten rener Tscheche - SlowüRtV: tschech. K 1.- 11 a 1 i r n : Monati. 10 Lire R u m ä.n ie n, Bulgarien Monati. 60 I eiberw. Tiewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion u; Administration Wien, U.,Taborstrasse1—S Telephone: 44*0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abends 16-301. TeL-Adr.: ,Morgenzeitüngu Wien Oesterreichisches Postspar» kassen (Conto Nr. 150.693 Nr. 1436 Mi». Sonntag. 11. Febrmr ISA s. Zahrgam Die Raffe des Doktor Frank. -y. W i e n. (1. F-bruar. Herr Dr. Frank ist der Repräsentant der österreichischen Negierung. Er repräsentiert sie auf dem Hochschultag der^Hakenkrcuzler und aüfdemConcordia-- Ball, kann also' so und auch anders.. Er ist an dem einen, Tag Vertreter der großdeutschen Airtiserniten, am folgenden Tag Speechminister, der die Sonne seiner Gnade auch über dem Publikum des-Judenballes leuch-, ten läßt. Siäierlich nicht gerne. Er muß die Metten singen, sein Herz ist nicht dabei. Mer erholt sich den -großen Dispens und macht die Sünde wider das Blut wieder wett. Dort hat er geredet. In seinem Amtszimmer aber handelt er. In der Rede an die -Juden, schweigt er von der Nasse. In seiner Wirksamkeit, als Minister.aber bekennt er sich sehr laut zu ihr. Mit dergebotenen Vorsicht natürlich. Im Nationalrat hat er den Antrag der Hakenkreuzler aller Riten, bei der Volkszählung auchdie Nasse erheben zu lasten, sehr tapfer abgelehnt. Weil er sich nämlich auf-der.anderen Seite des Hauses einige peinliche Anfragen geholt hätte, die einer schärferen Definition des Wortes Nasse 'im österreichischen Sinn gegolten hätten. 'Zlber nach Tisch liest man's anders, und da der Herr Vizekanzler' doch auch Amt von Person zu trennen weiß — wie er das auf dem Concordia-Ball bewiesen —, so holt er an seinen Schreibtisch, wo ihn niemand durch, sachliche Einrede ..stört,. das Versäumte nach. - Er. -erläßt also die - hier folgende Verordnung: . , Auf.GruM des.-Bunde^^etzes vom 24: Jänner 1923, P.-G.Äll. Nr. 68, ist die mit dein Gesetze vom 10, November 19S1. B.-G.-M. Nr.-65-6, verscho'oemKöÄsBhlMg Wh dem Sdcmde vonr.-s: Wrz.1928 dnrchznMM:-- 'v .. ' Die. .-Pestümmimnsn. der PtzrÄWmg?MS KMeMW»'. t-B-^G^Bl^Nr. 400. fiMn -eLHtM'.ZSHÄÄtz^ÄM Wyerchontz .Aeröderu.irgen.Anwendung: > >> 2 ’ - Anr' FlWe 7?des ZälMaUeS -(Spräche) K Rosse «MMKn'.'. . i" ^. Herr Dr. Frank hat zu dieser Verordnung auch in einem Interview einen Kommentar gegeben. Die Verordnung schließe sich der am 24. Jänner vom Nationalrat angenommenen Resolution antisemitischer Antragsteller an, entspreche dem Staatsvertrag von Saint- Germain — schau, schau, wie dem Großdeutscl-en auf einmal dieser Vertrag zurechtkommt —- unbK entspreche auch den verschiedenen Entscheidungen des^Bertvaltungsgerichtshofes in Optionsangelegenheiten. Das ist freilich weniger logisch als Gummiknüppel. Der Verwaltungsgerichtshof hat keine einzige Entscheidung gefällt, in der er eine brauchbare Erklärung für 'die „Rasse" gibt. Er ist vielmehr einer , solchen sehr eifrig aus dem Wege gegangen und hat einer Menge von jüdischen Optionswerbern bekanntgegeben, sie hätten nicht den Beweis erbracht, daß sie' der .Mehrheit der österreichischen Raste, zugehören. Er hat also die Beweisführung von sich geschoben. Was aber den Herrn Doktor Frank nicht hindert, .zu erklären: „Aus Grund dics"s Materials und der' feststehenden Ergebniste der wistensclMlichen Forschungen auf dem Gebiete der Rästenkunde wird daher die Beanttvörtunh der Frage nach der Rasse zu erfolgen haben." Sowert die wissenschaftlichen Forschungen ein Resultat erbracht h'ben. bezieht es sich unseres Wissens auf dolicho- und brachycephal. Es sieht Herrn Doktor Frank frei, im Lexikon nachzusehen und sich für das auf ihn Pasterwe zu entscheiden. Es ist nicht nötig, um Morte zu streiten. Herr Doktor Frank weiß, wie er seine Verordnung aufgefaßt wissen will, und die Juden, denen diese 'Stinkbombe vermeint ist, wissen es auch. Es ist ja bekannt, daß die Ergebnisse dieser für den 7.-März ausgeschriebenen Volkszählung als Grundlage der ' Abärcherimg - des Wahlgesetzes dienen sollen, ünd die Verordnung des Ministers, die so unschuldig tut und ja nur eine Fest-' stellnng erzielen will, soll nichtsanderes einleiten, als den großen antisemitischen, „legalen" Festzug, so wie er in den. Versammlungen der Vötkischen gepredigt' wird. Dieser Verordnung soll dann das Gesetz über Bundes- und Ländesbürgerschaft folgen, dessen gegen-: Markiger Entwurf die fünfjährlge Seßhaftigkeit fordert, jedoch auf die zehnjährige korrigiert werden soll.: Der nächste'Schritt wäre dann'die Entziehung der Po-, litischen Rechte für diejenigen,' die nicht zur. österreichischen Nasse gehören.. Wir wollen diesem Versuch vor-, beugen und berufen uns mit Herrn Dr.. Frank auf den Salnt-Gernralner. StaatMrtrag, ' . der im Artikel 66 onsspricht, daß . . . . ' Aiitersciiedü ln* Religion,. Glauben oder Bekenntnis ' niemandem beim Genuß der bürgerlichen und völi- Met. ms Paris, 10. Fevrnar. (Havas.) Die NttnifierppSMenten Poincare und Jaspar haben fest gestellt, daß die ■ Reise des deuts-Hen ReiHskanzlers Cuno in das Ruhrgebiet eine gefahrNche' Erregung, namentlich bei den Großindustriellen, den Beamten und Angestellten hervorgerufen habe. Um im Interesse der Bevölkerung ielbst Unruhen, die blutig werden könnten, zu vermeiden, Haben die beiden Ministerpräsidenten beschlossen, den Reichsministern und den Ministern der deutschen Staaten die Einreise in das Ruhrgebiet zu verbieten. Podtkare vor de« Kmmneransschutz. Paris, 10. Februar. (Tel. der . „Wr. Morgenzlg") Poiucare, -der! sich nun doch entschlossen hat,' vor . dem KammeräüLschüß für auswärtige. Angelegenheiten Erktärüngen abzugeben, motiviert die Aenderung feiner. Absichtdamit, er wolle der Opposition nicht weiter Gelcgen- Wt geben, der deutschen Presse Argumente zu liefern. Er werde - sich übrigens darauf beschränken. - allgemeine' Mitteilungen zu machen, da eL jetzkMmögllch sei/auf'vestimmte Fragen zu antworten. DieLMimRuhrgebiet laste sich drelleicht' erst in Monaten: übersehen., - -- *!.. Kill«, 10.. FeÄub^ WM^'HaA-'krcmKsis<P Äußeuministerium hat' W^ Paris die Noten, die sie arn 1. un^ 4. FebruarsüWeicht. hat und die sich auf rechtswidrige Anordnungen der Phernlandskommlstion und die Abschnürung^ des Ruhrgibietps beziehen, zurückgesandt. In' einer Begleitnoke teilt' daß', französische AußenmiNistermm mit, es - könnebeidieser Gelegenheit nur seine Erklärungen vom 2. d. wiederholen. Die französische Negverüng könnd kein Schreiben annehmen das ausg.'spcochen oder.zwischen den Zeilen ivgendeine stritt an den von der Reparätionskömmistion regelrecht feftq.llellten Versäumnisten oder an den infolge "dieset Feststellung aus Grund der Bestimmungen des Versailler Vertrages getroffenen Maßnahmen tnthalte. 1 Die detlische Regierung kann und wird sich, wie das Wolf'sche Bureau hierzu benterkt, hierdurch nicht Hintvrn lassen,,den französischen Maßnahmen. a'»h in Zukunft'das entgegenzuhiilen, was ihnen nach Recht und Gerechtigkeit entgegenzehatren werden muß. Reue Gvv aMatm. Lerlin, 10. Februar. (Wolfs) In der Hauptfaste dev Reichsbahndlrektion Trier wurden di« Vertreter des ausgewresenen . Dlre'ktrönspräsidentenvon den Franzosen aüfgefirdert bei der Oeffnung dck Geldschrankes Mitzühelsen: Da sie es ab^ehnen, wurde der Geldschrank von den Franzosen aufgebrochen und 'fünf Millionen Mark fortgenomnten. .. . . : ' ,Im, Vahndirektionsbezirk Mainz ruht die: Arbeit weiter. Die HauPtverkehrskinie und die Bahnhöfe sind'von den Fränz-'ien besetzt. Paris, 10. Februar. Die Agence Havas meldet aus Düste^dorf: Infolge des Druckes der deutschen i Behörden: besuchen bloß Polen und einige Kinder die Suppenküchen. Zahlreiche Leute, d'.e.früher die Ausspeisungsstellen' ausgesucht la-tten, halten sich jetzt, da sie sich überwacht'fühlen, von ihnen fern.. - Zwölf .Polizeileute, die sich Ivei^erten. die französischen Offizier?- zu.grüßxn,. wurden ins- Gemnanis gesetzt. ' - - Eine weitere . Anzahl widerspenstiger Beamter ist ausgewiesen. worden. Im Streik im Transportwesen ist s keine Aenderung eingetreten. Gestern sind hier 2800 Wag'gons.'aus.dem unbesetzten Tmtschland angekÄMnen; 1600 Waggons sind von hier abgegangen.. . . / . Esten, 10. Februar.. (Wolfs.) Die. von französischen Eisenbahnern geführten Züge - werden, vom deutschen Publckum gemiedrn, zunml deren'Benützung bei dem gänzlichen Mangel an ordnungsmäßigen Maßuahrnen teheysgefährlich ist. - Der Direktor des Finanzamtes von Zell. an .der Mosel mch ein Zolld'.rektor aus Köln, die sich geweigert hatten, Angaben über ilM amtliche Tätigkeit zu machen, sind vom französische^ Gericht in Mainz zu einen: Jahre' Gefängnis mit Strafaufschub verurteilt worden: Letzterer wurde bewilligt, weil sich die Angeklagten, infolge der Befehle ' der Reichsregicrung in einer Zwangslage, befunden hätten.. In Worringen traf ein Transport bon 50 deutschen Schutzpolizisten aus dem Ruhrgebiet ein, hie. wegen Gruß- Verweigerung verhaftet, wahrscheinlich vor ein, Kriegsgericht ^stellt werden sollten. Die Engländer weigerten sich jedoch, den Zug durch ihr Gebiet weiter'zu leiten^ wesbasb er nach' Neuß zuriicksuhr. Die Vereinigung der rheinischwestfälischrn Polizeipräsidenten hat bei den Generalen Degoutte und Fournier. -'scha'rFte' Berwqhnlng gegen - die fortgesetzten Ausweisungen .der leitenden Po^zerbeamten eingelegt, da durch diese NöchtsverletzüngAer in ' der gegenwärtigen erregten Zeit MsSnders - nötMtdige Schütz der Vekolkerüng. gefährdet - weM« s ' ---' ' Auch der 'heutige Täq' bwchte eme Hefhe von Hüsweisuügöu von' leitenden -KrfmUrchMdn-'siüiK/i-sm^-^'''' -und -dem Mchrgebiet. '' -;; .^.^ tzan drr Partie. * Paris, 10. Msirnär^ Dre Ageycy HavaS meldet:. Ministerpräsident Poincaro und der hexische Außenminister Ja spar haben beschlossen, die .Transportleistungen im besetzten Gebiet zu verbessern, die Maßnahmen zum Schütze der Eisenbahnen zu verstärken und^ine immer innigere Fühlungnahme der beiden Regierungen herzustellen, um die Fassung von Entschlüssen zu beschleunigen: Don einer Aenderung in der Leitung der Besetzung ist nicht die R'de gewesen; sic bleibt im vollen Einvernehnten der beiden Regierungen in den Händen des Generals Degoutte zentralisiert. Der Streik im Sstaraebiet. Saarbrücken, 10. Februar. (Molff:) Der Streik im Gaargehiet verläuft. r uh i gi Arbeitswillige für die K.otstandsarbeiien sind nur schwer zu erhalten. Das'französische . Militär ladet die' Koh'en auf. Die' französische Bergwerks«, djrektron ließ den.Bergarbeitern mitte'len,. daß/sie, fällscste dje Arbeit nicht wieder aufnehmen, durch das Mtlitar geholt werden würden^ Man befürchtet, daß der Belagerungszustand werde, verhängt lverden. Derschstchmg der StreMme. Strasburg, 10. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzig.") In Lothringen zeigt die Streiklage. eine weiteres Verschärfung. - Kro»e und Mark. - Die österreichischen Zahlungsmittel verharrten gestern in Zürich auf dem gebesserten Niveau von 0-0075.50 für die gestempelte Krone und von 0,0075 für die Auszahlung Wien. Die Reichsmark erfuhr in Zürich eine, weitere s Besserung von 0,00162 auf 0,00175. In B e r lü n hat .sich die Stimmung auf dem Devisenmärkte beruhigt. D o ll a r s und Pfunde haben, ein wenig <x n g e z o g e n, während ' die übrigen Devisen teils unverändert blieben, te'ls. eine mäßige- Abschwiichungersr'chrem Der fra uzo sisch.e und i belgischc Franke.n haben sich im Eink-ang mit der schwächeren Züricher Notiz um eine Kleinigkeit verbilligt - HößentzRechte, wie 'namentlich bei' Zulassungzu' öffentlichen Stellungen^ Aemtern und Würden, - nach- - teilig sein-dürfen. , ' Es/MÄ 'nlso"-nottvdnbigsein, daß sich auch- Herr ' Dr.-,Frdnb an''. die 'Or'enM seiüer Macht erinnert und daß er' seinen Kabinettschef - insbesondere über folgende Dinge befragt:- l.r Ob:-int Lause der Pariser Kveditverhandlungenvon'der Nasse^die Node' war; 2. ob die i Herten Kienböck. Rofeüberä und Reisch die Instruktion erhalten haben, in London, Brüffel und Amsterdam mit Juden nicht zu verhandeln, was ja für alle drei aus Gründen, der Nastezngehörigkeit etwasdornenvoll wäre; 3. weshalb in den Aufrufen zur Zeichnung der Goldanleihe für Oesterreich das Wort Rasse 'vermieden wurde und 4. weshalb dasselbe Versäumnis in allen Bittgesuchen an das Ausland zu bemerken ist. - Wen» schon - Numerus ciatchus, dann gartz.' Wt müssen sehe dringend darum bitten.