Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1435 (10.2.1923)
- Date
- 1923-02-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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11 a 1 ie.n: 'Monatl. 10 Lirft Rum S n i e n, Bulgarien Monatl. 60 Lei bezv^ Lewa/ Schwei zunddäs übrige Ausland monatlich Kreis. 3 Wien : Zum Abhölen in der Expedition, n„Taborstr .1-3, oder in einer Verschleisntelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Poatveraand für Wien u. Qeatcrr. monatl. K 28,p00 Ta eh e c h o*S 1 o'wa k e i: Mon. K17. Ungarn: Moa K600. Jugoslawien: Mon. P’har 30. Polen: Mon. Mje. 6000. Deutschland Men.Mark 2500. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs. 8 _ Nacnzahlungen bei Preiserhöhungen vorbenalteo fflien, WmstM 1K. Wruar 1923 ». Zahrgana Nr. 1439 Redaktion u. Administration Wien, II., Tahorstrasse 1 —3 Telephone: 44-0*38,43-3-19; ab 6 Uhr abends 16-301. Tel.-Adr.: .Mergenzeituwj“ . Wien O österreichisch es lloLtspar ksssen-Konto dir.- 150.693 —y. W i f n, 10. F'k'kuar. Die Nachfolger Poiuoares Ivevdenungeduldig. Crist schon länger als ein Jahr im Amt nick von seiner Aera hatte sich der nationale Block herrlich Erfolge hersprochen. Aber die Hoffmmgen sind nicht in dem Maße in Erfüllung gegangen. Wohl hat Poincare den in Frankreich verhaßten Lloyd Geprge zur Strecke gebracht, aber ist den großen Linien der Politik ist er genau so steril geblieben wie sein Vorgänger Briand. Auch für FranÜeich gilt die Forderung der Zivilcourage und daran läßt es seit «Clemenceau jeder französische Minister fehlen. Alle sind willenlose Vollstrecker der Befehle des Generalstabs, und alles, was Frankreich zur Regelung seiner Beziehungen zum Auslarid tut, ist als strategische Politik anzusehen. In allem und jedem hat das offizielle Frankreich das Erbe des preußischen Militarismus allgetreten und nirgends entspricht sein Tun und Lassen dem hohen Ideal der französischen Kultur, die freilich von anderen Menschen gebaut wurde und noch wird, als es die Foch und Degyuite sind. Es ist verständlich, daß in den Kreisen der Mstnner vom langen Messer und des rollenden Phrase Mißmut ob der UnfmchOarksit Des Poinoareschen Wirkens um sich greift, und es ist zu begrüßen, daß dies den Wagemut der nicht von naLionalistifchen Gesichtspunkten ausgehenden Kammeropposition verstärkt. ,Zw«r hat die Negierung in der Vorwoche in Heiden Häusern der Volksvertretung große Majoritäten um sich scharen können und für die Rühvsanktionen Mei ansehnliche Vertrauensvoten eingeheimst. Aber ^dies / nur aus; dem Grunde, west die nationalistische' Phrase. noch - zu stark arbeitet und -weil/das' PnygechefiziL - eiuMeilest /noch lystner auf W .Hyffftung Ms, tzie deufichött Zahlmtgen. leingestellt ist. -Aber seit alt chelWst Hage die Armeekorps von WneY' Hntz.. Hyufs'' von einem MassenaUsgevot; hegeistWr- Reporter,^ /sich gegen Osten in Bewegung sttzteü, /find diese' Träume guss Eis gelegt worden. '\/~; - : Der radikalsozialistifche Teil der Regierungsmehrheit hat sich vom Block getrennt und seine Sprecher, der gewesene Minister Painleve und der Lyoner Bürgermeister Herriot haben für sich und ihre Partei in dürren Morteil jede Verantwortung für die Ruhr- Okkupation und ihre politisäM Folgen abgelehntz Zu einer Vertrauensverweigerung au die Adresse der Regierung konnte diese Gruppe nicht gelangen. Sie schreckt noch vor der Allmacht des Patriotismus zurück, will auch in einer, so heiklen Angelegenheit nicht die Einheitsfront stören. Aber, ihre Haltung hat die Nationalisten nervös gemacht und sie dräjigen das Kabinett zur Fortfi'lhrn'ng des Kanchfes gegen Deutschland, um irgendein Resultat der ungeduldigen Wählerschaft bringen zu können. Sie wollen den Ministerpräsidenten stürzen, der ihnen noch zu lau erscheint. Die Abschlachtung, au deren Spitze Herr Tardieu, einer^. der radikalsten Verfechter des Versailler Unsinnfriedens steht, sollte im Ausschuß für Aeußeres vor sich gehen. Aber Herr Poincare^ hat es abgelehnt, dort zu erscheinen, weil er mit Patschlägen wohl versehen sei. Das ist eine Kampfansage, die'seine eitlen Gegner nicht überhören können, und sie haben einstweilen mit einen: Angriff auf die Budgetsühtung geantwortet. Gelingt es, Poincare zu wersen, dann wäre die Zeit für Herrn Tardieu gekommen öder für irgendeinen anderen der vielen Anwärter, die gerne und mit Elan / einem Befehle des Generalstabs folgen, der, unberührt/ von den Harmonien und Disharmonien der Kammer, in erhabener Ruhe das Werk der, Zerstörung Europas' fortführt. Unter den nun einmal gegebenen Verhältnissen müßte man einen , Sturz Poineaxes fast bedauern- Er vertritt ein System, das immerhin durch starke Rücksichten auf England gebunden ist, und sich nicht so weit gegen Mitteleuropa Vormagen.darf, als es gerne möchte. Poincare ist heute der. einzige Mnisterpräsident, mit dem Deutschland unter, halbwegs sicheren Erfolgsmöglichkeiten in Verhandlungen treten könnte, wenn — die deutsche Regierung - nicht ebenso sehr ein Gefangener.ihrer Fachs wäre./Ein detaillierter Plan tzer Reparationen, die Deutschland nun einmal' erfüllen muß, würde die franzöfisckM/Oationalisten bis- Är heftigsten EHitterung treiben, gleichzeitig aber , auch die Opposition ün/ Frankreich und^ was ebenso gewichtig ist,, auch dieöffentliche MeinüM in" Englarw und Atnerika in Bewegung setzen./ / 1 Pölncare versucht es einstweilen, den kommenden Kamnierstürm dadurch zu beschwörHi, daß er ein Mini- . Mr'mm 'blldet/ das der heiligirn Nnheit vom Jahre An Interview mit Rahnm Sokolpw. '-/ Na-hum'Sokökvn, der am 8. Februar in Marschau eingetrofftä. ist, machte in Berlin vor seiner Abreise in emM Jntexvjew mit dern Vertreter des I. C.' B.folgende Mitteilungen: d ie' engl i s ch e Negierung - Ich erwarte,! demnächstmit einer neuen Deklaration betreffs ihrer Halästina-HMk hervortreten wird. Wahrscheinlich wird' sich diese.DellDätiön kaum; von der Erklärung unterscheiden, die. dtr./Kolonienminister Herzog von Depönshire der ürahlsMi Delegation in London gegeben hat. Sie wird vorchiMWich/festsiellen, daß die englische Regierung, nicht wiNnsHey ihre Palästina-Polit'? zu ändern, - daß sie nach wie vor auf dem Prinzip des Pa-- - lästina-Äandats' beharrt/ Md/daß sie die in dem Wer ßb u ch dargelegten Rrchtliniien befolgen wird. Wie sich das Par l a me n t zu dieser Erklärung j stellen wird, kann heute/ üicht' vorausgesagt ' .werden. 1 Jedenfalls /nmß. man; verstchßn/ daß der Feldzug,, der gegen I die PaWinaWolitik. der englischen.Regierung vor ein paar Monaten geführt woKden ist,? 7lls Exzeß derWahlagitation,^ keinesfa "§ Ansdruck der öffentlichen Ateinung deE Landes angesHen werden kann. Auf .die. Frage, inwiefern die ^Gerüchte über die ErtveiteruM der MachtsMre - .des transjordanischsn- Emirs Abdullah<eme- HruNdlagr hahen,^^ eWrte Sokolotv: /. . ' 'SuHMBchMu^er. HG/MWuMny TraNsjopdaniens lyldSvriens zu einem. Reich unter der Herrschaft . des^Emiis AbduW unsere Palästina-Exekutive durch die Heranziehung des Cölonel.Kish verstärkt worden, der die politischen Unterhandlungen mit der englischen' Regierung führen wird.. . Was die Legalisierung:'d'eL^üdischsü-Gchnewdewesenß in Palästina anbetrifft, so werden wir" dieselbe in - Erfüllung des A. C.-Beschlusses mit aller,Kräften erstreben, Ich-glaube aber, daß die Häupischwierkgkeiten in.unserer^ Beziehungen zur Palästina-Administration d!e JmMigralions-Frage. , . Ae^Vereinigung'hK.id'ch'MrWMM Entweder -M/Aehergung 'Transjordaniens Nnler W'frayzösische -Mandat' oder aber die Ausdehnurig des. englischen Arandats mrf Syrien zur Boraussetzüug. Das sind aber Sachen, mit denen sich England - und Frankreich . kännr einverstanden erklären könnten. . '/ ' - . ' .Die Gemchteüber die'angebliche Bereinigung Transjordamens und Palästinas, werden, dem Anschein nach in der letzten . Zeit aus Lauschrne lanciert- In Lausanne ist aher.die Palästina-Fragc/Nicht berührt worden. Von dyn ganzen FragenkonMex, M nnt Palästina, Syrien und Mesopotamien znsamnienMngt, ist dort nur die- Mossul- Frage zur Sprache gekommen. Die. arabischen AboMungen/ dft in Lausanne waren, . wurden von. keinem. ,maßgchLnl^n:allem diese Tatsache genügt,, gegenüber , solchen Gerüchten die weiteste Reserve zu,üben.. / . ' . Was die Zionistische/OMlllMon anbetrifft, > so steht sie nach wie vor-auf ./.--/ bildet. Wir verstehen es alle, daß das Land eine schränkte Zahl von Arbeitslosen nicht aushalten kann. Die englische Administration ist' Uber der' Auffassung, daß jedem, der nach Palästina kommt, von Vorneherein eine Beschäftigung gesichert.sein - muß. Wir dagegen glauben/ dass Palästina wie jedes Land eine gewisse beschränkte Änzahk Arbeitsloser gut ertragen kann. Es ist nicht wahr, daß wir bemüht sind, die Grenzen der Immigration abzübauem Wir bemühen uns nur, diese Grenzen zu erweitern. Wir stützen uns dabei auf § 4 des Palästina-Mandats, wönych die englische Regierung verpffichiet ist, an der Ansgeftaltung des jüdischen Nationalheims mitzuwirken." ‘ \ . Damit ist auch unsere Beziehung zu dem Oberlommst sär von Palästina, Sir Herbert Samuel berührt.. Wir halten ihn nicht für unfehlbar. Wir bo» mühen uns fortwährend/urüs HrleichteruutzKN/des./wK/ihv^ M Palafting e.mgeftzhrsenHegimes/- Wir glanLen. aber, haß er um der Grundlage deNMandats. Das MwnW besttmmt, daß/Transjordanien ein englisches Mändatsland sei, das gewissermaßen dem High Commissioner üitewstellt ist. Ich glaube Mm, daß. dieser Zustand AenderuNgen. erfahren wird. Auf die Frage, ob nicht die Lage im Orient im Znsaminenhang mit dem Abbruch , der Lausanner Konftrcnz als MährlW angesehen werden kann, antwortete Sokolow: Ich will Hoffen,'/ daß es nicht zu. einem neuen Orientkrieg kommen wird.- jedenfalls find wir uns bewußt, daß jede Störung des Ariedens im Orient für uns gefährlich, ja geradezu verhängnisvoll werden kann. /Wir streben züm Frieden im Morgenland und wir"wollen hofftn, daß er erhallen bleiben wird.. . ' i. Ärif die Frage nach der Stellung der Zionistischen Exekntwe znm^ bekannten- Brief, des Waad Leumi an die BeÄii^r DUÄ^untz'hrHvte'Hett/So ko lo w:. - Äer Brief war ein Echo der/ Unzufriedenheit mit den ErgebnMn, die die bisherigen Appelle an die englffche Regiemng in.-London und - in Palästina gebracht haben. Wir sind. -mit. diesen. Ergebnissen unzufrieden und wir/- setzen '«nseÄ Vprstellungen. sowohl in> Palästina als auch in KoMM.fpA. : Zu/diesen! Zwecks^isi eben - /' ' -/ . , habenwich,//üM'fo: eher die derzeitiM.UnLÜlanglichkeiten abstellEME Hi den Wtigen/VerhÄtäissen ist die geeignete Person eine bessere Garantie als eine vorgeschriebene Politik. Die' heutige: Regierung unterstützt Sir Herbert Samuel. Wir unterstützen' ihn in einem anderen Sinne und hoffen, daß er im wahren Sinne des MandaiS^ seine Arbeit fortsetzen wird. ' Die Hauptaufgabe des kommenden Zionistenkongreffes, sagte Sokolow, wird die Frage der Jewish Ageney sein. In der Jewish Agency müssen neben Vertretern, unserer Organisationen auch andere Elemente verireten sein. In erster Reihe die Palästina-Abrellung der I c a, die in. Palästina so vieles geleistet hat, 0. h. eigentlich Baron Edmund de Rot h sch i l b. Weiter kommt in Brtrachdos englische Judentum, das im Bord of Deputres repräsentiert ist. Es ist eine erftmliche" Erscheinung,, daß dev Board of Deputies einen das Palästina-Mandat der britischen 'Regierung billigenden Beschluß ^gefaßt hat.. Auch das amerikanische Judentum, und zwar derjenige Teil, dev außerhalb des aktiven zionistischen Lebens sieht, muß in der Jewift) Agency vertreten sein. Ich hoffe, daß der Zionistönkongreß die schwere Aufgabe des Ausbaues der Jewish Agency erfüllen wird. Die Exekutive steht ihrerseits in gewissen vchlläufig unverbindlichen Unterhandlungen mit den genannten Elementen. Was die finanzielle Lage in der Zionistischen Organisaüon anlangt, machen wr^ leider — sagte Sokolow —, eine finanzielle Krisis durch, Es . ist nwglich , daß diese Krisis dem künftigen Kongreß diktieren wird, die Idee des Keren Hajessod gründlich zu revidieren. Ich persönlich bin dafür, daß der Keren Hajessod erhallen bleiben Und lediglich vervollkommt und weite, ansgebaut werden soll. Jabotinskys Austritt aus dev Zionistische« Ovstanisation. Eine Erklärung des Präsidiums des Zionistischen Aktion^ ... komstees. Zu dem Schreiben Jabotinskhs an.daä Zionisirsche Aktionskomitee, in , welchem er seinen. Austritt aus dei Exekutive und der Zionist'schen Organisation mitteilt, unh \ verschiedene Angriffe gegen die Leitung der Organisation WHEUMcht./,Gr/.^M,MMMchhS'/MßenPyMMW ad^8n^Wmjt/.öiesD/tzme/.WDr zeige. AbepdieEinheit^ränkreichs' besteht fticht mehr/ und wennDich die durch, Wölff. verbreiteten Zeitiittgsstimmen allzusehr sein mögen, so ist düch/!uWtteMvar^ daß' 'tzie'Oiegsfrendiäett ^Ekapptznhelden und ihre' profitwnügen Anftraggeber nicht die Mehrheit des französischen Volkes darstellen. Sie haben /jetzt' noch die Macht, so lange sst der Nation' die Wahrheit vörenthatten. Wird'das,fraw zosische Bol? erkennen, daß kein Staat/seinen HansW aus fremde Keistnng, stützen darf, so/wird> das' Erche H Poincare und der Fach siekoininen sein. ■m L-