Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1433 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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8k. 1483 Wie« , DöstneMag 8. FebruLr'-1M' Seite 8 Ne anmrischen Juden tmKNege. Ei» Aberführter antisemitischer Verleumder. Wie seinerzeit berichtet wurde, hat der antisemitische der ungarischen Nationalversammlung Doktor! Ä v a r s f y im „N e m z v 1 i Ujsag" Schmahartikel der« j öffentlicht, in welchen er die Juden als ünpatriotisch dei nunzierte und auf. Grund falscher antisemitischer Statistiken!'behauptete, es feien im Kriege nicht einmal 500 ungarische! Juden gefallen..'Diesen - Bevl-euaii-duvgen trat Dr. Ludwig :Sza b o lcsi in seinem „Egyenloseg" entgegen und .erklärte in einem „Avarffy lügt!" betitelten Artikel 1 die statistischen' Angaben Avarffy8 für fälsch. Auf Grund -dieser Artikel strengt« Dr. Avarffy ^gegen SAaibolcsi einen \ Prozeß an. Im Laufe der Untersuchung rnachw sich Szaibolcsi erbötig» den Wahrheitsbeweis zu führen/und bat .um BZschasftrng der statistischen Ausweise. Dmh wurde dieser Antrag vom Anklagesenat mit der Begründrma abge-!wieett, daß es kein öffentliches Interesse sei, sie ftzn stellen, wie viele?Juden im Kriege, den Heldentod erlitten haben. Erst bei' der vor dem Strasgerichtshof statbgehabten iHauPtvechaMung wurde der Wahrheitsbeweis zugelassen. j Dtz eingöholten Angaben des Statistischen Landesamtes ent-' hielten die Mitteilung, daß das t-i-Mti auf Grund der pXo p o 11 i oneilen Be re ch NU ng zu dem' Ergebnis. komme, daß von den 600.000 Kriegstoteu des Landes 10.000 Jude n waren. Der Strafgerichtshof s P ra ch S zabolcsi von der Anklage, der Verleumdang mti, der Begründung frei,. daß dem Angeklagten her Wahrheitslbeweis in bezug auf feine im beanstandeten Artikel „Avarffy * lügt!" enthaltenen Behauptungen gelungen fei. Hingegen wurde der Angeklagte, weil er bm Pri'oat- Ääger wegen feines früheren Zunamens verhöhnte, zu i einer Geldstrafe von 2400 K. vynirteilt. Infolge Berufung gelaugte, die Angelegenheit vor die komzliche- Tafel. Im Lgufe der vor. einigen Tagerr stattg-efuudenen Verhandlung. erklärte ^Dr. S z a b o de s i in seiner- Berieidlgn irgsrede, daß es um so.notwendiger gowesen sei, diese Angelegenheit vor den unparteiischen Richter zu bringen, als in jenen Tagen, da die falsche Statistik des Privatklägers erschien, .auch der Numerus c l a u s u s mit der Behauptung begründet wurde, daß die Juden sich der Erfüllung ihrer patriotischen Pflicht entzogen hätten. Räch kürzer Beratung verkündete der Präsident das Urteil, Wonach der Angeklagte von beiden Anklagen freigesprochen wurde. .Bon der Ehrenbelesdigung, WÄ .diesbezüglich die Verjährung emgetret^n sei. Hinsichtlich , der im Artikel „Avarfch lügt!" beanstandeten Behcmptuugen aber, weil diesbezüglich der Wahrheitsbeweis erbracht wurde. Gegen dieses Urteil meldete der Vertreter des Privatklägers die an. Zlnnistiscbe Bezirkssektion Leopoldstadt > jeden Donnerstag awäugslose Zusammenkünfte für Mi*yl?edff und einggfiihr’e Qgate Haute Donnerstag «len 8. O., 8 tlhr abends» , »m rufe Fetz er« > If,,. ,Ts bönt rasse Sine Gehrinttonferenz Sir Goode-Lukircs. Budapest, 7. Februar. (Tel. d. „Wr. Movgenzeituug".) Sir William G o.o de, ehentaliger Vorsitzender der österreichischen Sektion der. Neparationskonimiffion, der seit mehreren. Wochen in Budapest tveilt, hatte, wie „8 Orai Ujsag" berichtet, eine längere und ge he i m g e h a l te n e Konferenz mit dem gewesenen Finanzminister Ladislaus Lukaes. Die. Konferenz soll die Frage der ungarischen Reparationen zum Gegenstand gehabt haben. Sin grausiger Fund. ' Budapest, 7. Februar. (Tel. d. ,Mr. MovgeNzeitung".) Die Donau spülte in Budapest bei der Pveßbuvgerstvaße eine gräßlich verstümmelte Leiche ans Ufer. Eine Hand und zwei Füße der Leiche fehlten. Kleidungsstücke oder deren Ueberveste waren nicht vorhanden. Der verstümmelte Rumpf mußte schon seit längerer Zeit im Wasser gelvesen sein, weil er fast vollständig verkalkt war. ' Set Wechisch-unrmriMTrevMrrlt. Budapest. 7. Februar. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Feldmavschälloutnant Tanezos, der zur Erledigung der strittigen ungarisch-ffchcchi-flowakischerr Grenzfrage bei Aalgotarjan seitens der ungarischen Regierung zum Völkevbmrdrat nach Paris gesendet Wochen ist, erklärt heute, im „Nomzeti Ujsag",'daß der vom Völkerbund bestellte Schiedsrichter Da Gama, brasilianischer Botschafter in London, bereits die Vertreter der streitenden Parteien verhört' habe. Sein Schiedsspruch ist spätestens für Beginn des Sommers zu erwarten. Das Blatt entfaltet aus dem Apropos dieser Unterredung eine wahre Hetze und betitelt seinen Bericht: „Eine Lebensfrage für Un- gavn." Sie ungarischen Kohlenlirferangen mt 8«go> flawien.; Budapest, 7. Februar. (Tel. d. ,,Wr, Morgenzeiinng".) Der Friedensvertrag hat unter. anderem Ungam die Perpsiichtnng aufevlegt, aus den Fünftirchner Kohlenbergwerken tagtich hundert Waggons Kohle Jugoslawien abzuliefern. Die ungarische Negierung hat angeisichls der eigenen schwierigen Lage schon mehrmals wegen R e d u z i e ru u g - dieses Kontingents angesucht, jedoch «ysolglos. Wie jW die BlätwrMoWn,. begannen in Paris niuerdings Berhand l ungen mit der. Repava- »Aktuell^ {üd/Fspaion derCS-amoinde Wl©n<4 n* - . . . tiönkkymnrrssion. Die ungarischen DeWerten wieseit an. der Ha-nd statistischer Daten nach, daß Ungarn gezwungen ist, gr'ße Mengen Kohlen ick Ausland einzukaufen, um.- wenigstens einen Teil des eigenen Bedarfes -decken zu'können.. Man hofft in h^sigöti'-RoKrungskreisen,'weni'gstens öO Waggons Eglich.ftelzubekommen. Ein amtliches Dementi. ~ Wien, 7."Februar. Gegenüber der Nachricht eines gestrigen Wiener Abendblattes, daß ungarische Soldaten in größerer Zahl über die österreichWe Grenze; bet ertiert seien, muß festgesiellt werden, daß keiner der in Betracht kommenden amtlichen Stellen hiervon etwas bekannt ist. Sin« mÜonMeMMatifche Varteikonserenr. Warschau, 6. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenizei'nng".) Bei der letzten Konferenz der na.iionaldcmokratischen Führer aus den- Ostgebieten wurde unter anderem beschlossen, eir.en verstärkten Grenzschutz gegen' Sowjetrußland zu fordern, um die J-unnigration von russischen J^rden zu verhindern. Ferrter wird die Ausweisung sämtlicher russischer Juden und die Stärffcng des polnischen Schulwesens wie auch der polr-ischen Selbstverwattung verlangt. Die Konferenz sicht unter den gegenwärtigen Verhältnisien eine Gefahr in der Einführung einer kommunalen ‘ Selbstverwaltung oder irgendwelcher Uuto-ncmik., da inan durch ■ die E'mftchrung der Autonomie die nationaler» Minderheiten stärkt. Aguda-Propagonda in GMien. -Aus Lemberg wirst uns berichtet:. Für Ende März wurde von der hiesigen Aguda eine Landeskonserenz nach Lemberg einLerufen. An der Konferenz soll auch der Wiener Agudist Wolf Pappen heim teilnehmen. Zu bemerken., ist, daß die Aguda-Bewxgung in Lstgalizien kaum hundert Mitglieder M)lt.' An. dieser-HeerschauSwird wohl Herr Pappenhemt keine, besondere Freude erleben.. BnrüechilseundMneniirobe. Warschau, 6. Februar. (Tel. d. „Wr. Morgenzertung".) Die größte polnische Studentenverbinduing Bratnija Pomoz (Brudevhilft), die.für ihre Hilfsmstituiionen Geld unter der jüdischen Kaufmannschaft sam-- melt, hat aus ihrer letzten Generalversamnrlung beschloffen, ihre . Statuten in der Weise zu andern, daß Angehörige der jüdischcn Konfession, und sogar solche, die bis zum dritten Geschlecht von Juden abstammen, nicht Mitglieder der Bratnija Pomoz sein dürfen. Bis jetzt waren nur solche jüdischen Studenten von der Mit« glvedschaft ausgeschlossen, die sich zur jüdischen Nation a-- li.tat bekannten.. Sie chMkichen Müemiker gegr» den . Numerus clanftis. «arscha», 6. Februar. (I. C. B.) Auf den öffenllWn Pwtest des jüdischen Studentenheims gegen die Zbmnerus plansus-PrpPaganida erhielt das.Studentenheim als Antwort eine Zuschrift des ch r r st l i ch e n A k a d e m i k e r- V e r.e.i n'e s in Polen, in welcher erklärt wird, daß dieser Verein vom. Standpunkt der ch r r st.l i ch en E t h i k die Aktion einiger Studentengvuppen gegen die jüdischen Kollegen vetu rteilt.. — >In Wien und in allen anderen Hochschulstädten Oesterreichs haben sich b\c katholischen Stüdentenverbande begeistert.für die Ausschließung der Juden erklärt. dit von 4-0 0 WIM lio ne n F-r a - MpBerfügung zu stellen, der aus fmnzösischen Kasienbeständen gcge» fünfprozentige Verzinsung "abgegeben wird. Der Kredit ist zum Teil ftir Zwecke der nationalen Verteidigung bestimmt. . Rmniinien. 6i«e Sttfoteffet Settiott iw We ffllenet Bukarest, 0. . Februar. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitmig".) Die Bukarester Studenten haben nach bekannten, Muster» eine anttsemitffche Hetze zu inszenieren versucht, .die jedoch von der rumänischen Zdegieruna unterdrückt wurden Nichts.,, destowemger erhielten die Bukarester Studenten aus; Wien und Klausenburg SylnpachMmdgebU'Nge'n,' die dem Unterrichtsminister Dr. Angel esc u zuffolgendep Erklärung Anlaß' gaben: „Ich habe der Wiener 0to>bcn!ten* schaft keine Natschläge zu erteileu: Was aber das Benehnve» der inländischen Nnivevsitatshyrer betrifft, erkläre ich, daß ich es aus ^das. schärfste mißbillige. Der Studentenschaft ob-- liegt es vor allenr, sich der W i s s e n s ch a f t, zu widmen^- und sie darf kein e r l e i H a ß k u n d g e b-ü n g e w^veranstalten. Weder als^ Bürger des Landes, noch als Jüugevder Wiffenschast dürftn sie. BerbrüderungM suchen, die das Ziel verfolgen, den religiösen Hatz und den Rasstndünkek Zu Berlin, 7. Februar. Wie aus Warschau gemeldet wird, gab der polnische. Außenminister Skrzy.nski gestern üu Sejm Erklärungen zpr außenpolitischen Lage a>b. Polen veMucke seine Existenz, so» führte der Minister aus, den Friedensverträgen mch bleibt solid« r i s ch. . mit Frankreich v e r bm n d e n, das die Verträge schützt.; Neben diesem gvundl'egenden Bündnis sei Polen durch gemeinsame Gefahr mitRumanien verbunden Wenn gesagt werde, Polens EMenz sei von Deutschland ' und Rußland besser gesichert, so verweise er danmf, daß Polen im Lager derer stehe, die für. Gerechtigke i t und. Frieden kämpfen. - . - / Wenet Sttbü. Paris, 7. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzig.") Die Finanzkommission der Kammer hat brschlossen, ent- . sprechend dem Negierungsantvag Polen einen neuen Kre- Gnsteiy'in PMUnä. - Jerusalem, 6. Februar. (I. C. B.) Proftsioo Einstein ist m Begleitung seiner Gattin in Jerusalem enrgetrofftn.' Wie bekannt, beabsichtigt Professor Einstein, sich 4Äih^i oend seines Aufenthaltes in Palästina ganz .den Angelegew heilen der h e b r a i s ch e n U n i v e x s i t ä t in Jerusalem §u widmep. ' Jerusalem, b. Februar. (I. C. B.) Das Anttöblaift.. der-. palästinen'sischsn. Rrsierung veröffentlicht' das .A.«Sgafi benbudget für das lanserche Brcdgetjashr (1. April 1322 bis 31. März 1923). Dis gesamte Ausgabenfttmnre ist mih 1,819.151 ägy p t i s ch $ P fund eingestellt. (Im voran» gegan-genen Jahve waren die Ausgaben' etwas größer? 1,881.106 ägyptische Pfund). Der größte'AusgÄbenPoften betrifft die Eisenbahn: . 445.575 ägyptische Pfund. Dir Eisenbahnen warfen. einen. beträchtliche^ G. e w i n n ab, indem die Einnahmerr für das - vergangen- Jahr 557.333 Pfund. betrugen. Für o f sie n t l i ch e «- Schutz (Polizei und Gefängnisse) ist eine.Summe' von,. 2st9.M ägpptische;|fund eingestellt, das sind, itz.' Prozent des Gesamtbühgets. Für Polksbildu.ng.we‘x*-, den nur 98.972 agy,p,t.isiche P.sund-.ausgegebeni,' 199.000 ägyptische Pfund sirck) siür soziale Tätigkeit: und. 105.368 ägyptische Pfund auf sa n i 1.a r - m e d i z.i.n i s ch q. Tätigkeit eingestellt. Die rein adminiftrativon.Ausgaben sind im Vevgleühs - zum vorigen Jahre stark eingeschränkt worden:.Für -das Bureau des OÜerkommissärA sind 7002^ägyptische Pfunst (statt 12.809 im vorigen. Jahre). eingestellt.;, für. das Ehesi- Lommiffariat 17.079 statt.32.353, für die Distriktsverwaltung 62.705 statt 78.607 ägyptische Pfturd. Jerusalem, P/Febrüqr. (I. C. B.) Der OberkommiffL^ Sir Herbert Samuel hat den Agenten Palästinas-in Aegypten benachrichtigt, daß dre Palästinä-Regrerung au^ Gründen der Sparjamkeit-beschloffen hat, die Agentur, die die Palästina-Interessen m Aegypten vertritt, a b-c zu bauen. Die m e s 0 p 0 t a m 1 sch c Regierung hat ihre Agen» Lur in Aegypten vor vier Monaten geschloffen. Sie Derfvlgung der Mische« SchNiwssem M ' Moskau, 6. Februar. (I. C. B.) Die Sowjetbehordew in den Kreisen von Charkow und Odessa haben ern«^ B e r 0 x d n ung erlaffen, wonach die Errichtung' von Schulen in Privachäufern verlbotsn wird. All« bisher tir; Privathäusern untergebrachten Schulen werden oeschloffen. Durch diese Verordnung. tverden die jüdischen/ Privatschulen schwer - ^troffen, besonders aber Chedarim, die trotz ihrer seinerzeitigen Schließung auch der Form von Privathäusern existierten und . die alle in Privathäusern weiter miiergebracht sind. EWellmg der Ara-LAigteit l» Rußland? Me I. C.. B. aus New-Arw! berichtet, soll die Tätigkeit! der. America« .REef Administration (Ara)-in,Rußland.nach der!. kommenden Herbsternte emgelstellt werden. Falls die. Hungersnot^ m. Rußland audauL-rn sollte, werden gewiffe Ausnahme nj i von der allgemeinen Re^Ä. gemacht werden und omzekne-l Dcpartements in Rußlarch . noch weiter der Fiivsvrge teilhaftig :! werden... . ... Unser i!., laborstraBe 49! Telephon 47>t«7# . Sn sres En detail 525247