Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1433 (8.2.1923)
- Date
- 1923-02-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Donnerstag. 8, Stimmt 192& mpmmmmm M«& frltuar 'Der dentsche Reichskanzler hat am Bonnlag in Elberfeld.alle Gerüchte über die Verhandlungsbereitschaft Deütschlands für erfunden erklärt. Das Kabinett, fti m dem Entschlüsse zum passiven Widerstand, einig und niemand denke daran, mit Franzosen und Belgiern zu verhandeln, so lange die Okkupationstruppen auf deutschem Boden stehen. Die Erklärung ist am Ende .des ersten Monats der Besetzung erfolgt und sie kann nur unheilvoll wirken, da sie einer Beendigung des Streites und seiner Ileberführüng auf das normale Geleise der finanzpolitischen Aussprache entgegenwirkt. Die Willensmeinung Deutschlands ist eiste Resultante aus zwei Komponenten.. Die deutsche Regierung als Exponent der rechtsgerichteten ' ReaktiorÄParteien ist > sticht frei in ihren Entschlüssen und kann unter dem Druck des von ihr selbst begünstigten Straßenpatriotismus nicht so handeln, wie es notwendig wäre und wie sie es vielleicht selbst möchte; zum anderen aber wirkt auch die Haltung der an dem Streit sticht direkt beteiligten Mächte, besonders Englands. Hier tritt die Komplikation der Orientfrage hemmerü» ein. England will sich die Hände für d'.e Ordnung dieser Angelegenheit frei halten-und den unter der Oberfläche sich entwickelnden Konflikt mit Frankreich.nicht verschärfen. Der englischen Politik kommt es zustatten, daß Frank-- reichs militärische und. politische Kräfte durch die Ruhr- . aktion für lange hinaus ^MMn.sind? und dast sich auch seine.Bud^tmittel in raschem Tempo abbvauchen. Daß^eS W'keiner Intervention.'des? .Auslandes kommt unddgß auchder Voskerbustd einer Diskussion aus. gegüugenD,K^^Mem^Dsischen Gründen auchsolche : sphäre des Krieges -besteht ÄÄ?H^ FriedenWlitß^ - hinaus fort sind mit ihr das tiefe,' Mrzelsesüe Mißtrauen gegen'Deutschland, da's'sichM^dem immerneu ausbrechenden' Nationalismus ernährt und jetzt "durch die Hakenkreuzlerei. gestärkt wird- ..Die Oeffentlichkeit aller nichtdeutschen Staaten lebt zudem noch immer ini Banne der von der Entente durchgesührtew Preßpropaganda gegen. Deutschland, und es ist sehr' verständlich, daß alle Berichte der deutschen Presse immer wieder darauf' Hinweisen, daß die Weltz von. einem Stimmungsumschwung zugunsten des deutschen Volkes rwch sehr weit entfernt ist. Wieder, wie zu Beginn, des Krieges, stellen die ernsten deutschen^.Journale und die pazifisttschen deutschen . Schriftsteller die Frage nach den Motiven des »Hasses gegen Deutschland? und wieder ist es ihnen unmöglich, eine generelle eHchypfende Antwort zu findeg. Doch, aber scheint es nicht so' schwer, die psychische Fundierung dieser Erschemüng vorzunehmen. Der Grürch ist einfach der? daß'' dieWortfirhrerder deutschen 'Oeffentlichkeit selbst Haß aussaen, und daß ihr Gedächtnis immer-dann leidet, wenn es sich um das Judentum handelt. 7 Es ist''doch sonderbar, däß gerade. beutfdje Militärs, deutsche Politiker und deutsche Lehrer, die für ihren Nationalismus sogar einwissenschaftliches- Gehäuse erfunden haben, gegen die Jüden wüten und im selben Atem sich über die Woge. der. Ablehnung wundern, die. sich ihnen von allen Seiten entgegenwirst, und , für alles, .was sie in ihrem Asttisemitismus sagen, die parallele Antwort bringt. Sie.brüllen ,,Jud'!" und das Echo lautet: ,,Boche!" Sie vexhrejten die Mär vom. Ritualmord und Hörest, daß die Deutschen in Belgien kleinen Kindern die Hände abgeschstiiten haben. Sie lügen von einer' Weltverschwörung des Judentums und nran - antwortet ihnen mit dem Potsdamer K^onrat des Kaisers Wilhelm.- Sie kompilieren?Bücher über die Weltherrschaftstendenz des Judentums und ihre Gegner beschweren sich über die alldeutsche Propaganda ln. Nord- und Südamerika. Sie. schreiben von einander die. unsinnigsten Entstellungen und Fälschungen' des Talmud und des' Schulcl'an Arüch ab und in Frankreich, in Polen, in , der Tschecho-Mowakei zitiert man Bernhardt und Nietzsche. Sie diHen deck Judentum stne Untreue seistes Wesens anrind müssen schweigen, denn man - von.her Heiligkeft des' belgischen .Neutralijätsvertrages. spricht. Alles? wcrs^ sie gegen das Juden-, ium erfunden ' Wen, wird?milHr gleichen JntensiM- Mgen -sie''.seHst.' gesagt> und es Mt keine 'Gemeinheit, feine Berdäck titzüstg; die sie nicht Ms dem antideutschen brevier ins Antijüdische ünisäMstp Sist lassen es freijich nichtdabei bewenden und haben ffich auch eine geritänische Ueberwertigkeit zurechtgezistnnert, die' sie 'tzgen das perfide Albion. das entartete Frankreich, das L a « s <t n n tf V. .--ZyeVrrmr. (Te^egr. der ,Wr. MorsteN5eitmig"^>d?84 m, e t P «f ch ft hat mlt den Mitglied eist feiner DelegftLivn heute morgens nm^UhxLttstsanne verlassen. Damit kann die Konferenz?« endet .angesehen' werde«.??:. , Ts ch i t s eh e r i Wrd heute abends ebenfalls «drei sen» WM' sich nach Berlin und vondort amCamLtttg nach Moskau. / . . MtinifterD D Lyndon. . London, 7. Kebrnftr.^sTel. d. „Wiener -.Mörge'ttzeitnnK".)^äder?-'tzestr.igo Lag war in London durch eine ^jwoHe dip>lomfttische und nrinisterielte TätigEeit gekennzeichnet. Schon <nn Vormittftg fand in Downing «Street eine Veesftmmlnng -er.MitgLieder der Regierung ftiitlg, die von dem neuen Vorschlag Poineares Kenntnis nahm. Rach Schluß der Sitzung wurden Bonar Lftw «M Lyrd Curzön dom König empfangen. MchWtags begav stch der sranzösische Botschastee inä Antzenminiiterium»' wo er?die^ Vorschlüge Poineares neuerdings einer eingehLNden Erörterung unterzog.: 4- H . > . ■;? HverschtedercheitMi m ... rtzu__ dW?sie'"pWWM'' mUehereim offiziell Sie müsse dernnbeträchtliche Men-Eder^'enM MkL.« Wunsche Mmet kommen zu gelangen,. ti t i verftändigt worden fei. langen, daß -er Vorschlag d i r e k t voit dev türkischen Delegation an sie gerichtet Werde, und könne sich erst dann mit diesen VörschlLgen desassen.?; Wie bekannt wird, sind die Informationen, die die englische Regierung von ihrem:\n Lausanne gebliebenen Vertreter erhalten hat, nicht die gleichen wie die der Franzosetz. Nach Len englischen Berichten hätte die Delegation die Annahme der Vorschläge an gewisse! Porattssetzungen und Vorbehalte ge» knüpft, von denen die^ französischen Berichte nichts wissen.? Die britische Regierung betrachtet den Vorschlag Jsmets als nicht genügend e r n st. Sie ist der Ansicht, das; er eine Wiederaufnahme der Beziehungen mit der türkischen .Delegation nicht rechtfertige, da insbesondere Garantien fehlen., Für die britische Regierung gebe es nur eine Lösung, nämlich die Unterzeichnung des Vertrages, wenn Angora direkte und unbedingte Garantien gegeben habe. Das Londoner Kabinett weise es unbedingt zurück, neue Besprechungen ausznnelMen, und' es werde, in Unterredungen mit Jsmet Pascha nur. hinter den angeführten Bedingungen eintreten, die es als unabänderlich betrachte« Wie Kn unterrichteten Kreisen verlautet, habe Unterstaatssekretär Sir Ehre Crowe dem Botschafter Frankreichs in diesem Sinne geiäntwortet. London, 7. Februar. (Reuter.) , Aßs.Koüstavtistopck wird («meldet:.. Türsische Blätter veDsfentlichew. einen' Bt» fehl des Mi-litärwrnmanbanten von. Konsltzntistopil, wonach .sqUltliche aktiven Osfi-iere sopie die-' desi RMtandes' bei Vermeidung der Straffolgen sich.ulwerzMch zu melden haben.. . . ' - - . -■ - Kein Wbmch? Eine angebliche Aenßerung Jsmet Paschas. / - Paris, 7. Fpbrnar. Der-?,Temps^ meldet: - JsmÄi Pascha habe dem Sekretär MäWr vor?stinev Abreise erklärt? er betrachte die Konferenz nicht als abgebrochen. Ev sei bereit, zuvttckzMhveg,' falls' sie später, sowder zusammen» berufen würde. . Italiens Ang^ vor Frankreich. Rom, 8/Mniar. F» gestrlM Gtzirng delte die Kammer Mnächst über don Washmgtomr Ab- ' rüftungsv.ertrag. Abg- Grumt a (Faszist) erklärte, das .Washingtoner Abkommen sei ein O olkschetrugilm D renste des Im per i a l i s m u s der. Großschaterst .Die Verteidigung des.Larrdes mache es. notwendig, -daß Italien eine gleich grd-ß^e Flotte besitze wre FrarD -reich.. -Italien-muffe .'-viÄckch'r sein.-AWNme-ck/M>Ms.>. Jugoslawien.richten.' Äbg: H^NÄw^wi-?.(ÄachoUche:M^sMer)?soMxs; die 'der' in' den - Washingtoner'- VerhgMunger, ÄchLvMsötzabi "> 1 FxMchMeib WieyS,-dcch/bie- AMscht-chld.-ÄwiWM' WltttV-'-M 'EeiKWOWM' muffe- ... - ' * ' " Mrinemimster T Hst o n. d e R ep e l. eMrte, Jtäliens Stellung haste sich mch/Kem Kriege best-entend ver* schlechtere Vor dsM'Krlege.habe die Sicherheit zur See. dadurch bestanden, daß man enMder.iw : Osten wder im Westen gedeckt war. ' Heute aber' sei, diese Moglichkeck . nicht mehr vorhanden. DsrWmsLer s-egOMte-stda-w». di^. NotwendiMt, eine.gleichstarke Flotte zu haben wie Frankreich. . . Ministerpräsident M u s s o I i n i erklär er' glaube nicht an-eine st'e w ig e nF r i e d e'n. Italien - sei -dem Mashinqtomr Vertrag beigetreten, um nicht den Anschein . zu erwecken, als ob es den. Kpieg suche. Daß die faszistische Negierung den Vertrag zur Annahme empschle, beweise. die ' Richtung ihrer auswäAigen Politih - > . - - Die Kammer naM^MA-.bm'''WfhmOo»«rMrtrqg an. Hieraus wurde das Handelsabkommen mit' M i na .erledigt, wobei dex HanMSmittifter die. Notwentzigkert eiM 'Handelsattaches in'-Bchrya'- betonte. ' MinisürPrLsident?Wstffolist'i legte her Kammer den Vertrag von Santa Margaretha (Rapallo) vor. und verlantzte snm-L^schleuMie?Verhanidümtz.-- Der ßtayd W ReWmad. Die Reichsmark behauptete sich auch gestern K Zürich aus deck Stanhe^ von 0,0137/ woMsen der sra nz ö s i-s ch e F r a n k.e n^sich< Von 33-95 auf ^33,68 ahge» schwächt hat. In Berlin Ovaren die sMden ZahlungZmittel weiter rückgängig. D o l la r schwächten sich ab von 37.657,62 auf 86.508.50, Pfunde von 177.056,25 aus 17^.567,50, h o l l ä n V i s ch e G u l d e n von .14.962Z0 auf 14.663,25, die österreichische Krone notiert« rund 52 Pfennige. 1 . Sie VestryWng im RuhrWle «ytz SieKonstantlnopler gegen d ie. ' Lyndon, 7. Februar. (Reuter.) Wie aus Konstansi--- nopel gemeMt wird, hat der türkische Kommandant von S'ry'h.rnä die Kommandanten der Kriegsschlffe^^ der,. Al< lvierten - verständigt, daß er Befehh erholten, habe, sie - zur Ansfaihrt -zü z w'i n gen,- Ms 'sie?stch der' an sie ergange-- ne»! Aufforderung, Smyrna. M . Verlassen, ü ich t f ü q c n? Paris, 7. Februar.? '(M.-sivckp)'-' ^BeckehtSmWtek . L e T r o q u e r und Genaral y W e y g a n d sind' heute vor- ' mittags nach Paris zuxückMchrt. Sie - haben -Poincäre in einer Versammlung, der auch der Kriegsminister - und der Minister für d-ie befveiten Gebiete beiwohnten, Bericht erstattet. Die Verhandlungen hatten hauptsächlich die Frage . der Ve rfra.chtuwg der Ruhrkohlen 'nach Fvarck- K reich zürn Gegenstände. - - . . - '■/>'[■ iüchsthe 'Italien anfiihren,- und sind höchlichst entsetzt? wittln 'etz aüs'dem -Wü>?'so?'tosii^.fdie sie hineingerufen; Wda^^HtztsÜH'Bolk zu danken, daß .peveiMmI-undärm gUwrMi?ist.' -Seine Fühl^r' können sich nicht Rechenschaft? darüber geben, was ibre^ maßlose Takt-, und?GMmacklosigkeit anrichtet unddaß ihr eigenes antisemitiMs Pogromgeschrei zugleichauch die Vfesfck..''gtz^w?W/.^ut|che^ Volk liefert. An' diesem Ausammchchästg' wixd stüch hie Rechnungdes natioMl» Malislischen?HakeykWkMgcö scheitpru..