Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1432 (7.2.1923)
- Date
- 1923-02-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WHmwMlMl 07ien: Zum Abholen in der. Expedition,H.,Tahorstr.l-3, »der in einer Verschleisstelle IJTrafikj mbnatl. K 23.000 Mit Postversapd för Wien n. Qesterr. monatl.; IC 28.000 r# eh e c h o-SIowa k e i: Mop. K17. Ungarn: Mob K'ß00.-Jugo8lawien: Mob. CPnar SO. Polen: Mon. Mlc. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. (Frank r., Belgien: Monatl. Frca. 8 MF* Naeh*«hlnn*en Mi PreuerhöhuDjren . vörbahalteo mm w '! I V Tschach««Slow«k»|i tschech. K’1.4-1 Italiep: Monatl.lO Ura R n n» an11 en,v Bulgarien Monate ßOLeibeiw. Lewa,! ,£ ß e K^E^AMMchaa übrige Ausland monatlich Frca. 3 Redaktion u. Administration r Wien, II^Tabor|rtrsysae‘:l~>S Telephone: 44*0-38,45-3-19,' « - ab 6 Uhr abends 16-301. Tel-Adr.: .Morgenzeitung“ .. Wien . ' Oesterreichisch.es Postspar»' hassen - Konto Nr. 150.693 mm Nr. 1432 Mittwoch. 7. Ukuar 1923 S. Mr«M« ZmÄmde derMpetareu. ha— W, e n. 7. Februar. Parallel mit dem wachsenden französisch-deutschen Aegensatze vermehren sich auch die Differenzen zwischen den einzelnen balkanischen Völkern, welche durch die letzten Friedensverträge — wie die drohende griechischtürkische Kriegsgefahr.zeigt nicht beseitigt wurden. Zu den vielen ungelösten balkanisHn Provlemen gehört auch die albanische Frage. Ihre Unterschätzung lycrr einmal der Anlaß zu schweren Verwicklungen, die in ihrer Komplikation später zum Weltkriege führten. Auch für die Zukunft ist die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß Albanien in seiner Bedeutung für die Herrschaft an der Adria — nebst Montenegro, Dalmatien und Istrien — einen momentanen Anlaß zum Kriege zwischen Italien und Jitgoslawiest bietet, für den beide Steile seit geraumer Zeit sich vorbereiten. Die Tatsache En, daß sowohl Italien wie Jugoslawien Albanien als zu ihrer Interessensphäre gehörig betrachten, wäre ün genügender Anlaß, im jetzigen Momente die alibanesische Frage zu erörtern, um so mehr, als auch ein organischer Zusammenhang.zwischen dieser und den ruderen balkanischen Streitfragen besteht. . Das albanische Problem wird besonders dadurch kompliziert, daß die Albaner einerseits jn ihren großen Massen ein sehr freiheitsliebendes VolL sind, welches sich nie auf längere Dauer ohne revolutionären Widerstands einer fremdnationalen Herrschaft fügte, noch in Zukunft fügen will, andererseits aber während der mrzen Zeit seiner staatlichen. Selbständigkeit die Eignung zu eiyer Staatsbildung nicht erbrachte* JnnerhaH des albanischen Volkes gehen "auch die Meinungen über die Zukunft des Landes weit auseinander. Ein. ansehnlicher Teil verhält sich sehr skeptisch zur Forde-. .. '■**"*"'* E-MU. den. mWtzt aM-MM .. Staates sehr divergierend,? . Nebst den verschiedensten, italienischen, montenegrinischen, griechischen, bulgarischen ili® rumänischen Einflüssen. kommt in erster Linie die konfessionelle Spaltung im Lande sehr in Betracht. Seit den letzten türkischen Siegen über Griechenland ist auch unter der mohammedanischen Bevölkerung Albatnens die Paniflamitische Strömung gewaltig angewachsen, die von jeher für ein albanisches Fürstentum, unter einem mohammedanischen Fürsten eintrat. Sie stützte seinerzeit auch Wad Pascha, so lange sie in ihm einen unbeugsamen Streiter für die albanischen Interessen und — für das Kalifat erblickte. Sie ließ Wad Pascha fallen, als sie entdeckte, daß er zur Wahrung seiner persönlichen Sonderinteressen eine Schaukelpolitik zwischen allen an Albanien interessierten Mächten, und besonders zwischen Italien und Jugoslawien, verfolge. Während nun der mohammedanische Teil der Bevölkerung von dem nächsten Kriege der Türkest gegen Griechenland und England die Befreiung der gesamten mohammedanischen Welt, also aüch Albaniens, erwartet, und' unter allen Umständen für ein Bündnis mit der Türkei und mit Bulgarien eintritt, stehen sich innerhalb der christlichen Bevölkerung, der griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen, verschiedene mit der jeweiligen politischen Lage wechselnde Anschauungen gegenüber. Wahrend die 'einen sich mit der jugoslawischen .Herrschaft abfirwen und von der Emflihrung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes. sowie von der Bildung eines die gesamten nichtserbischen Nationen umfassenden Narionalitätenbwckes die Weralisierung Jugoslawiens und damit, die Autonomie ’ .. Albaniens _ er- .streben, erwartet ein^ anderer, zum . Teil katholischer Bevölkerungsteil „die Erlösung vom serbischen Joche vom Einmarsch der stammverwandten italienischen Truppen". .Der Einfluß Italiens ist heute in Albanien nicht mehr so groß wie früher. Bel den Mohammedanern war Italien nie sehr beliebt, zumal seit dem Zeitpunkte, . da es im türkisch-italienischen Kriege der Türkei Tripolis entriß. Bei den Katholiken besitzt Oesterreich noch heute viele Sympathien und bei den Albanesen; sämtlicher Konsessionen herrscht öic stark verbreitete Meinung, daß für sie — so wie für alle übrigen Balkan- und Donauvölker -7ein föderativer Zusammenschluß die beste Lösung wäre.. Die Schwierigkeit) eine dauernde Ordnung und Rühe in Albanien herzustellen, wichdadurch erhöht, daß das albanische. Volk nicht nur konfessionell gespalten ist, sondern auch m! verschiedene Stämme zerfällt, von -denen die bed^r- 'tendsten, in Zöberalbanieu die DHllssorenundin Mittel- ■w ’ die Mir'editen, zeitweise eine selbständige Ho- Rur eine UntrrbrechMg. Pavls. «. FeVWar. (Wvlff.) R»««i Bei stattete gestern Pnineare einen Besuch. aö.Er soll dein Wetit Parifien" zufolge im Taufe der Unterredung den Vorschlag 6emacht haben, den (V r i e b e n s v e r 1 r a g noch v orderAbre is e dertür k i s che n Delegation nach Angora^n »nterzeichnen. J " Poineare habe darauf in einem Telegramm an die engMcheMegierrtNg mitgeteilt, daß Jsmet Pascha verett sei, seine Abreise bis Mittwoch zu v e r s ch i e b e n, dag also die Alliierten t rmmitttlvar Delegierte nach Lausanne entsenden oder Jsmet Pascha bitten könnten, nach Paris zu kommen^ um zu unterzeichnen. ' Lausanne, 6. Februar. (Schwsrzevifche Depeschenagentu«.) Im Lause des MtrigeW^Täges fanden zwischen den noch in Lausanne anwesendert^Delegierten verschiedene Besprechungen statt. So Mschest Jsmet Pascha und Child, Marchese Gwrtvni und MüsEs, dem Generalsekretär der Konferenz. Die Defprechirngen bezogen sich auf finanzielle und wirlfchaMche Fragen und hatten nur den Charakter eines Mein u n g s^a u s t a u s ch e s.' Mm erklärt, die Konferenz sei nich 1 als abgeb to chrn, sondern mur als vertagt zu betrachten.,Ort und Zeit per Wieder-> Mfnahme der Verhandlungen sollen aus dtplomatischem Wege bestnmnt werden. j Lausanne, 6. Februar. (Schweizerische Depeschenagentur.) Man brtvachtet heute die Lage ziemlich optrytlst i sch. Morgens fand rin Telegranunwechsel zwischen Bom- Pwrd und Jswet Pascha-statt. Die Meldung der Agence Havas,' worin eine baldige Unterzeichnung Ves Friedens- Vertrages angeWndigt wurt«, hat in Laüsanne eine gewisse Ueb er -rasch ung hetvorgerusen. . In-den Ävelsen der Tuchen wird, strenges Stillschweigen bewahrt. Es wird bewnt, daß Na u m- Essend i keinerlei Bevechdigung habe, im Na>men Mr Türken Erklärungen ab§tlge>ben, doch läßt sich dies nicht in Einklang! bringen mit der Nachricht, daß Raum Effendi heute abends als Vermittler einer Mitteilung der svcmzösifchen Regie- ' rung an Jsmet Pafcha^rwachet werde. Fm.' AstKerordenMMst « der WstlmmUis Wer die Seamte«MamwveLe. Hrettsmt, wo gestern hie pstn Beamtenabtzm^sehtz '' KMstnKMWM; M! ÄeUmtenstHban, - tä W in der w opge^ sihÄeSenen Zelt -rrledegt hat, o^stßVetteves in Kvaft setzen; ob sie sich aber> dvzu entschließen wich, erscheint fraglich, da auch die Mehrheitsparteiest eine Reihe von Abändr- NWgen dovgeschlagm hatten, über die übrigens sogar ein Kompromiß mit der Opposition und den Ovganisattonen brr BunV.sangeftellten, etziAt worden war. Den Anlaß zn dom Krawall gab ein Vorschlag des Vorsitzenden, Vizchanzl-ers Dr. Frank, nur eijtc: Spezialdebatte^über die ganze Verochmurg zu führen. Me 'SoziÄdemokvaien beviefen sich auf Vle Geschqstsochnung und vrrkangten über jeden Teil der Verordnung eine Sonderbevatung. Schon dve Geschästsordnnngsttrbatte ries erregte Auseinandersetzungen hervor. Als schließlich die Mehrhett dem Vorschläge Dr. Franks zustimmtr,, fetzten die Sazialdemokraten mit der t e ch nischen O b st r p, P tton ein. Sbaatsvat Schiegl schhmderte einen Zundfiein Lögest Dr. Fmnk. Präsident Soitz führte feine Parteigenossen bei den SAvmszenen an.' Die Sozialdemokraten überschütteten di« Mehrheit mit Schmahwsen, besonders die Staatsväte Schiegl und Zelenka taten sich dabri hervor. Sie schrien: „Ihr treibt es ärger als der Badenil Das werden wir uns nicht gefallen lassen!" Ms Dr. Frank mitten im Lärm mit der Verlesung Verordnung beginnen wollte, stürzte sich Präsident S e itz auf ihn. Dr. Frank rief: „Rühren Sie mich nicht a n!" Es entstand ein H a n d g e m e n g e. Schließlich r i ß Se itz dem ViMtnzler die Verordnung aus der H an d u n d zerknülltes iDie chvistlick/ozialen und großdeutschen Staatsräte riefen den Sozialdemokraten zu: „Ihr söÄ Lausbnbrn! Wir lassen uns nicht vpn euch terrorisieren!" Staatsrat Zelenk« ergriff eine Blechtasie und ivvllte sie gegen Dr. S ch ö n b an e r schleudern, doch wurde sie ihnr iwch rechtzriiig'entrisien. DaK Schlmpsduell unv der Lärm damrl» geraume Zeit, ' dis Dr. F r a n k endlich die Sitzuug schloß. Unter allgemeiner Erregnng verließen dir Staatsrate den Berabungssaal^ die Wtglleder W Mehrheit be-' QaBßtt :f^penxtit| £ar4>oiiafeU>MN PräiMüten Dr. W e i ß-; mst:Huest die h^rch M'MtlWÜUg der'Sitzung Hs .ÄMr-r oMntilichey Kabin^syq^MGHffene^Lage' zu bLsPteMn, Sozialdemokratische Darstellung. Won soziaDomokratifcher - Seite wird folgerte Dar- / siellung der Vorgänge in der Sitzung gogebenr Die Bestnn-. mung des tz 41 der Gsschaftsordnung-ist absolut zwipgLN-d. § 41 schreibt vor, daß der Vorsitzende jene Teile der ’ Vorlage M bestimmen hat, die einzeln oder mit anderen zusammengefaßt zur Vechandlung stvhen. Präsident S sitz und Abgeordneter Bauer haben in ganz ruhigen und rein ' sachlichen Darlegungen auf die zwingende Vorschrift verwiesen. Es war daher uni so verwunderlicher, daß Vize-, kanzler Frank ohne überhaupt die sachlichen Darlegungen einer Erwiderung zrr würdigen, brüsk zur Abstimnmng schreiben wollte. Die sozialdemokmtischen Mgeordneten glaubten zuerst an einen Irrtum und Präsident Seitz begab sich daher zum Vorsitzende^, um ihn aus sövnen Fehler auf-. merksam zu machen. Als Vizekanzler Frank daraus mit' einer brüsken, wergwerseuiden Bemerkung antwortete, faßte Präsident Seitz den Zettel,' von dem Dr. Frank las, nahm ihn an sich und warf ihn tvcg. Auf Grund dieses Vorganges verbreiteten oinzelne Abgeordnete das Gerücht, Präsident Seitz hätte den Vizekanzler tätlich angegriffen.,. Dr. Frank sprang von seinem Sitze auf. und wollte dem Präsidenten Seitz einen Stoß versetzen. Er wurde von den übrigen SozmNemokmten zurückgodvängt. Abgeordneter Schiegl konnte sich nicht enthalten, eine Aschenschale über den Tisch hinweg zu schleudern. Die Ehrvstlichsozialek antworteten mit Schm äh rufen. Nach einiger Zeit erst trat etwas Ruhe ein. Abgeordneter Seitz niachte nun den Vorschlag, daß Bundeskanzler Seipel den Vorsitz übernehmen möge. Auch auf diese An- ' rogung jvollten Dr. Frank mch die Mahrheitsparteien nicht, eingehen. Diese erneuerten vielmehr wieder ihre Zwischenrufe, auf die die Sozmldemokmten antworteten, so daß abernrals L ä r m s z e n e n entstanden. Iw Lauft dieses Lärmes erklärte der Vorsitzende die Sitzung für geschlossen. Mk verfolgen und, eifersüchtig noch seit der Türkenzeit her/ ihre Selbständigkeit gegen jeden fremden Eingriff Weidigen. Trotzdem sind die Äkbanesen ein emheitliches Volk, die, nach der Auffassung bedeutender Ethuogräphen „weder mit Griechen, noch mit Italienern, üoch mit .Serben /oder-. vTuMn-^ ' das gerinW zu' tun HÄben".' ' > . Was speziell die Griechen betrifft, so erheben sie sanste.^ bereits Anspruch auf >Sü8albanien '(WrstS)^ finden ahev in ihren hierauf - gerichteten Ansprüchen^ W-iHftitzsten-' WcherstäM!.- an"/ Italien, an ^Jpgoflatvien dagegen einen wohüvollenben Neutralem Wie auS all deck Angeführten ersichtlich, ist das albanische Problem nur im engen Zusammenhänge mit allen iibrigen balkanischen Fragen lösbar, und keineswegs eine Streitfrage zwischen Italienern und Jngostawen allein. Die momentanen Zustände in Albanien stnd — ebenso wie in dem. größten Teile des übrigen Balkans — derart chaotisch, daß mit. der Schneeschmelze Mit' der ernsten Möglichkeit neuer Unruhen gerechnet werden Muß, die besonders iw Falle eines Wiederausbruches' des griechisch-türkischen Krieges unter gewissen MpHlitäten nscht bloß Gesamtalbanien, sondern, den ganzen Balkatt in'Brand Netzen kannten.