Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1923-02-06 · Heft 1431 (6.2.1923) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1431 (6.2.1923)
Date
1923-02-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980477-2980512--13698-3000366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

(lazeliiinumerK 1000 V!enrZnm;Abholen ip de* Spedition, Taborstr. 1-3, ider in einer Verschleisstelle iTrafik) monatl. K 28.000 '!dit Postversand für Wijen n. Deaterr. monatl. IC 28.000 jschecho-Slowalcej; Hon; K17. Ungarn: Mon £600. Jugoslawien: Mon. ö*nar 30. Pol e n: Mon. nk. 6000. Deutschland: Kon. Mark 2500. Fra n k r., Belgien: Monatl. Frcs. 8 ff* Niehiikluofta 'Ml ei Prei»crh6bunj.n Vorbehalten Nk. 1431 * •» Tf(h«cho*8lowakil a tschcch* Kfl.-: 1 Italien: MonatUlO lJro Rum a n i e n, Bulgarien Monatl. 60 L ei be?.w. Lewa, Sch wf e i z und das übrige Ausland monatKch-Frcs. 3 Redaktion u. Administration tyien, II., Taborstrasse l —3 Wien. Dienstag; 6. Febmar 1923 Telephone: 44*0,-S8j4S-3-19, ab 6, Uhr abends 16-301, TeL-Adr.:,Morgenzeituog“ i ■ -Wien - Oesterreichisches Postspar1 kassen Konto Ni*. 150.693- 8. Zllhksang SLmlbombeudittatm. —7. W i er. V. Fedmar. Ein Sturmtrupp der Wiener Häkenkreuzler -hat »nt Sonntag abends einen Vertrag des Berliner Sexualsorschers Hirschfeld gesprengt. Es ist unbillig,' mf die jungen Leute einzureden undihnenzu sagen, laß man Gedanken nur Gedanken entgegensetzen iürfe. Sie verstehen diese Bekehrung nicht, wollen sie mch gar nicht verstehen. Ihnen' hat man den Pefehl )rteilt, dem Juden Hirschfeld das Auftreten unmöglich su machen, und sie, haben den Auftrag befehlsgemäß «füllt.Mit Gummiknütteln, die nach einem in der Vorwoche von einem Wiener Bezirksrichter gefällten Entscheid keine gefährliche Waffe find, mit Stinkbomben und faulen Eiern. Der eine bemüht sich, auf Ms geistige Argument 'ein anderes Eistilles Argument m setzen. Der andere schwört auf Schwefelwasserstoff. Das fst das Mittel, das die neudeutsche Weltgenesungsjheorie dem' semitischen Weltherrschastsstreben entgegen» ^ellt, und da diese Methoden in Süddeutschland zu Kanz ansehnlichen Politischen Wirkungen geführt haben, ff ist ihre Anwendung in Oesterreich gar nicht so ver- Vunderlich. Sie steht nur in einem gewissen Widerspruch zu der vom Bundeskanzler S e i p e l auf der Pariser - Bölterbundkonferenz vovgeuommenen Be- Wvörnng der Moralischen Kräfte Europas.- Aber dieser Widerspruch stört diejenigen nicht, die . gÄvöhnt sind, sich nach Taten, nicht'nach Worten, zu richten, und deren höchster- Lebensinhalt es ist» aus den^ Bölkertzundstaat Oesterreich eine . magyarisch-bajucharische, Grdnungszelle zu, machen und die Weltgeschichte,' wenigstens hier'im Zentrum des Kontinents,.-in dasMittel-. Der-- zuruckzuschieben und - daspolitischem System i^ diesem ZtzahrnÄM: -xtzfIcMiererü - -; . Jn^erMPrSitzuW^s.Mener^Mmemtzerates hatkürzlich der 'jüdische' Vertreter Dr'.^'WrWes erwahnl," daßsich aM dein Wiener Judenplatzpchoch immer die: Tafel „mnis Hebräer" befiiÄet, weiche die Erinnerung . daran festhält, haß im Jahr« 1421 die. Hebräerhunde durch das Jeper gereinigt wurden.'.- Die Entfernung dieser' Tafel, die der Redner verlangte,; würde anzeigen, haß der Geist jener Zeit gebannt ist' und daß mannunmehr auch die düxch sechs Jahrhunderte - auf-. bewahrte schimpfliche Beleidigung des Judentums der Vergessenheit zu übergeben wünscht.-,-Wer.' die Pör-.' gänge rin^ um uns, -jn-. LastorreiA.-Hie. 'm.-^erner nächsten Nachbarschaft, belehren uns Zeines Schlechteren. Per Geist dieser großartigen Judenverhrennnng ist zu neuem Leben erwacht und die Entfernung jener Tafel' würde hen tatsächlichen .Verhältnissen allzu' laut widersprechen. So laut, daß dst.Durchführungeiner derartigen Handlung als ein lächerliches Dementi von Dingen wirken würde, deren Existenz üns so nahe ist, daß auch die Erinnerung an das in jener Tafel verherrlichte Ereignis'"außerordentlich aktuell tottb. Die Technik des Judenhasses und des Judenmotdes hat sich ein wenig geändert, die Rechtsanschaumigen sind nicht mehr so primitiv wie ln-den Tagen, da Herzog Albrecht verkünden ließ, man. werde die Juden aus der Erdberger Lände „richten durch den prant". Aber im. übrigen? ' . . \( . .*■ ' . Vor sechshundert Jahren war es die Behauptung von der Schändung einer heiligen Hostie. .Heute sind es andere Erzählungen, die als Grundlage der Verfemung erfunden und verbreitet -werden Die Fabnlierkunst hat sich entwickelt. Die Indens die ist der Zeit des Weltkrieges als Flaumacher "Und,Defaitisten. angeklagt wurden, gelten jetzt, nach dem "Krieg, alsseine Urheber. Allein nicht nur als, das. Sie haben so ziemlich alles getan, was heute die Sorge der Menschen, der Völker, der Staaten ausmacht. Sie. haben den Bolschewismus' erfunden, die Radikalisierung des so-' zialistischen - Proletariats und zugleich dessen Widerparts den exzessiven Kapitalismus. Sie spielen, wenn man dem' antisemitischen. Geschrei' zuhört, aus tausend Geigen zugleich. Sie haben alleK Geld und alle .Macht. Auf welche Seite immer man" horcht, stets ist der Kehrreim der-gleiche. Die Juden sind schuld. ' Sozialisten schreien es-- mÄ die Nationalisten aller Völker - vereinen sich' zudem altneuen antisemitischen Manifest^ das freilich» wenn - man es in seindr ' 'Gesamtheit würdigt, zu i eiüem Dokument der Hochachtüng vor dieser Rationwird, deren geistiger Kraft zwei . Jahrtausende der Verbannung und Aechtung nichts anhaben konnten. . „Der Kerl, den alle Leute. hassen,' dex muß was sein!" sägt Goethe: .Daraus, schöpfen Wik hie Ueberzeugung, däßr Gumnüknüttelund StinkboMbM nichtüber das Volk des Ruches' triumphieren wekdtzw - Das Ade der Saufannet Konferenz . Hör dem Mederbe-im des Krieges t - Lau s a n n e» 5. Februar. (Telegr. der „Wr. Morgenzeitung".) Der Schweizerische Preßtelegraph meldet: Man kann es in Lausanne kaum fassen, daß «ach wochenlangen Verhandlungen die Konferenz so kläglich gescheitert ist. Die Befürchtung ist hier sehr groß» denn man fragt sich, was nun werden soll. Jsmet Pascha erklärte Sonntag abends den alliierten Delegierten, daß infolge dieses Abbruches eine große Zahl junger Menschen im Alter von 26 bis 35 Jahren ans dem Schlachtfelde fallen werde. Die Verantwortung dafür wälzte er auf die Alliierten ab. Der, Abbruch wird sicherlich F r a u k r e i ch.zur Last gelegt werden» weil Frankreich allein an den Kapitulationen interessiert ist nnb der Bruch br i cht w e g en Moss u l erfolgte. Düs Verhalten Lord E n r z o n s wird als eine geschickte Antwort auf das letzte Telegramm Porncares betrachtet. -Auf türkischer Seite hat man anscheinend die Hoffnung noch nicht' ausgegeben, daß angesichts der schweren Verantwortung, die Zeder Verhandlungspartner im Falle eines Kriegsausbruches auf . sich; nehmen müßte, Lord C u r zo u doch wieder nach Lausanne zürückkehren würde. Man rechnet auch damit, daß hie Türken, die dringend Geld benötigen und von, Amerika so länge keines erhalten werden» als sie Ärn.KriedensverLraa nicht, ün- LWA GAMMerdie franMsche RnhraMo«. ' ^l»n d o «> 8. Feör«ai!. (Wolff.1 Lloyd George erklärte ln : einer Unterredung mit einem Pressevertreter über die französische Aktion gegen OeutschlgndL Zum ersten Male , seit;dem Waffenstillstand >' hätten sich die Deutschen zum Widerstand gegen einen Druck entschwssen erhoben. Früher hätten sie immer nachgegeben, «Nd die Nene Haltung der Deutschen sei rin wichtiger. und ernster Faktor. Der taktische Fehler^ den Frankreich begangen hahe, mache es schwierig, wenn nicht unmöglich für Deutschland, nachzugeben. Lloyd George erklärte sich unbedingt gegen die, Zurückziehung der britischen Truppen am Rhein und wies darauf hin, daß die dMtschen Kohlenlieferungen ihm ganz befriedigend gewesen seien. Man dürfe nicht vergessen, daß KenrschrgstdPrne--KaarköUe' und einen großen Teil seiner schlesischen Kohle verloren habe. - bezüglich der ErkläMng Poineares, daß Frankreich nur wegen dvr Reparationen in das Ruhrgeviet eingedrungen sei, sagtr Lloyd George, er wolle nicht Motive «nterschieben, aber Äedenkeu' einiger französischer Blätter deuten an, daß andere Beweggründe vorhande« seien. : :■ Me arocrifanif^eit SosialiRen gegen Sie Rahrbesetzvm. New-Iork, 4. Frbvu<r-r. , (J. H. B.) Die amerikanische sozialistische Partei berief eine' Proiestvevsammlung Men die französische Ruhrbesetzung ein.-Das Zentralopernhaüs, der größte' Theatermüm Ntzv-Kocks, War überfüyt., .Das jüdische KongreMitgLied' M e h. er, (London)' Protestierte, als .Hauptredner in ^scharfer Komi gegen die französische BolM gegen Pas Ruhrgebiet und griff die ameriMische Rcgierungtyegeir ihrer PassipitM an. Besonders' - tadelte er He ZurüMrltung des- Staatssekretärs H u g h o s.'! MDsenkMEMydgOmgem - Frankfurt. - 5. Februar. (WoM) Jn dervergangenen -WM-Wen-Hch-Pie -Demonstratiösten vor dem Mrtton- Hotel und ddm Hotel FMkfürted'--Hos'-'-.w-i.e d i rholt.' Die Menge versuchte v e r g-e b l i 'ch, in die Hotels ' e'mzüdtingeü,'Mi rvach - Franzosen'und Belaiern - M 'k: Als Bompard gestern ins Hotel zu» rückkehrte, erklärte er, der Abbruch der Konferenz fern, ein Mißerfolg uwd. ein g r o ß e s U n g l ü ck für die Türken. Ts ch i» t s ch e r i n will Lausanne Dienstag verlassen^' Alle anderen Delegationen werden gleichfalls Montag oder Dienstag abreisen. Jsmet P as ch a empfing Sonntag um Mitternacht die Journalisten und legte ihnen . nochmals den türkischen Standpunkt dar. Er ) ist der Ansicht, daß die Türken ave möglichen Konzessionen gemacht haben, daß sie aber keine Bestimnrungen annehmen könnten, die den künftigen' wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Türkei verhindern würden. Wie man weiß, bleibt der Wäffenstillstandsvertrag von Mudania bis zum Abschluß der Friedensverhandlungen in Kraft, Die Alliierten haben den Abbruch der Verhandlungen den Türken n o ch n i ch t o f f i z i e l l mitgeteilt. In dem Augenblick, wo dies geschieht, erlangt jede Partei die Han d ln ngs freiheit wieder und das bedeutet die Wiederaufnahme der Feindselig» k e i t e n. Man glaubt nicht, daß B o mp a r d es wagen wird, in Abwesenheit Lord Eurzons die Verhandlungen mit Jsmet Pascha wieder aMunehmen. Um doch noch zu einem Ergebnis zu gefangene hat märt am Sonntag" abends nicht-gezögert, den Orient- -j^-Erprrßzug. Mi^ deuD^d Enrzou ab! wollte^ 35 Minuten läng äufzuhatzen. ReusrMe Dedlfenhauffe in Berlin. Die Neichsniark hat''sich gestern in Zürich wieder a& geschwächt und^notierte 0,0125 gegen 0,0137 am 3.- d. Im Zusammenhang damit vollzog sich auf dem Berliner Devisenmärkte eine kräftige Aufwärtsbewegung der fremden Zahlu-Ngsmittel.- Der, D ollär stirg von 37.946,85 auf 42.144,37, das' Pfump näherte sich wieder dem Stande von' 200.000, hölläMsche. Gülden verteuerten - sich um rund 2195 ^Mack auf 16.758, die t s ch e ch i s ch e K r o n e ' rmr 147 - Mark - auf' 1221^5.-'' ,^ie österreichische Krone wurde mit 58^0 Pfennige bewertet. Ser Zug ves Reichskanzlers SerungkW. Dr. Cuno unverletzt.! Elverfeld, 5. Februgr. (Wolfs.) Heute nachmittags, gegen halb 4 Uhr ist der Schnellzug, in dem sich Reichskanzler Doktor C u n o befand, zwischen Hagen und Westhofen mit einem Gsitepzug zusammengestoßen. Der R e i ch s k a n z l e r, der stch im zweiten Wagen befand, brieb nnverletzt. Auch sonst sind Persoäen nicht zu Schaden gekommen. Die Geleise sind' für einige Stunden für de». Verkehr abgesperrt. Der Reichskanzler sptzte mitdem Ersätzzug seine Reise «ach Müüster fort. \;v: Kn neues Attentat kn Rnlgarie». Sofia.',5. KeSryar., («ulft. itt-Uö.) Während -er gestrigen Galavorstellung im hiesigen Theater, die aus Anlaß des 65. Jahrestages der ersten Vorstellung in bulgarischer Sprache veranstaltet worden wär» wurde in die Loge, in der sich Ministerpräsident Stambuliski und andere Minister befanden» eine B o m.b e geschleudert. Sie explodierte, ohne Opfer s an Menschenleben zu verursachen. Dic angerichteten Schäden sind nnbedentenp.7 We Wenlität des Täters ist festgestellt. Die Vorstellung würde ohne Unterbrechung ftzrWsttzt. I'';-:'';;,. Der BMerbuudrät. ' PMis> 5. Februq^ „Wr. MoMüzeiMng^.) Der VölkerbüÄdvät 'has MKossen, seine nächst Estznug im April abzglhalterr. - '' ' ' ' V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.