Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1430 (5.2.1923)
- Date
- 1923-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rfönz8Imniiner K700 Valent Zum Abholern in der Expedition,!I.,Tabofstr, 1-3, öder in einer VeirsohleiänteHe (Trafik) monatl. IC 28.000 (Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.000 I ■ / --4-, 'Ts cn e c ho-S Iowa k e i: Mon* K17» Ungarn: Mon K600. Jugoslawien: Mon. 0-nar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Frankr., Belgien: Monat!.' Frcs. 8 rener Nachzahlungen Preiserhöhungen vorhehälten . MMas. S Febmar1SS? Rr. 1480 5. Zchrgans raeneeno srowafcoli tschech. K 1.—! 1t a, U e n: Monatl. 10 Ru m an ien» Bnlg&riei Monatl. 60 Leibezw; levffi S e h w e i r und dais übrig, Ausland monatlich Frcs. 1 Redaktion u; Administratiol Wien, II., Taborstrasse 1 —I Telephone: 44-0-28.43-3-19, ab o Uhr , abends 16-30lj Tel-Adr.: .Morgenzeitung, Wien; 'Oesterreichisches Postsp&W hassen-Konto Nr.' 150.694" L aus a n u e» 4. Februar. (Schwerz. Dep.-Ag.) Alach Ver PrÜfunq der türkischen Deg?nvorschlüge durch die Alliierten «ahmen die Türkei? deren Antwort entgegen und orktäröen, daß die Klausel« über die Kaditnlationen und Le wirtschaftlichen Fragen für fIc unannehmbar seien. Sie verweigerte« die Anterzeichung und verließen den Saal. ..Y8%’«fa«W^'4.Dbruär. (Schweiz. Dep.-Ag.) Um V UHr 4ü Mittuten abends vernimmt man, daß die ilnterhanwlungen zu keinem E r g e b n i s g e führ t haben. Dir Tllstlren haften an ihrew Vorschlägen in der Frage der Kapitulationen fest. Lord Cur z o n hat däranfhin L a ü sa n « e v e r l,a f s e n.? Im großen Kouzerthaussaal haben sich gestern 'abends für ch t bare, P a n i k artig e Szenen abgespielt, hervorgerufen durch einen verbrecherisch e n U e b e r f all hak enfr chu z l e r i sch e r Sind c n t e n auf ein tausendköpfiges Publikum, das sich zu dem Mrtrag des berühmten. Berliner Mttholygen Dr. Magnus H i r s ch f e l.d eiugefunden hatte. G ch ü s s e, Sttnkhamben, Gummjkuutftl «yd o f f e « e :W^s.fer:vWM.Me. Mistel,' W dMen^ die Paust entsgcht wurhe,- M Mcht .M WDMey- Mgen hättz .chWen" ., Helden^ Eintreffen - der - Polizei das WM'WMY.. steber die Tuchyltszenen liegen uns sylgchde OWhte vot: > . Im Großen Konzerthaussaas hätte gestern abends Sani- IWIrat Magnus H i r s ch seid, der berühmte Berliner!Sexualpatholog, einen Bortrag über „Die Verirrungen der ^Lrotischeu- Leidenschaften" halten sollen. Der.Saal war seit ivorge'stern völlig ansveckaust, und mehrere' hundert Neuigierige, die erst.an. der Abendkasse ihre Karten lösen wollten, imußten abgewiesen werden. * Magnus Hirsch selb traf gegen 6 Uhr im Künstlerszimmer des Olroßen Säales ein, wo ih^bereits der Polizeijinspektor mit der Nachricht erwartete, daß ekni ge v o u de n ^Lichtbildern, die seinen Vortrag hätten illustrieren sol- "ilen, verboten wurden.Obgleich der Beginn des Vortrages auf dreiviertel'7 anberaumt war, alle Reihen so im Parterre, wie. auch in den Logen wären schon um halb 7 Uhr Hberfüllt, und lange noch bevor iStA Hirsch feld bas Podium betrat, hörte man antisemitische Bemerkungen, die darauf Heuteien, daß sich hier eine Maffia gegen, den Vortragenden verschworen hatte. In der Galerie waren Zwischenrufe zu vernehmen: „Pfui, Saujuden", „Hinaus rnit den' Schweinehunden" u. s. w. Trotzdem war rveit und breit keinPolizist zu sehen, ustd es geschah auch seitens der Konzert- Direktion garnichts, .um eine etwaige Demonstration zu verhüten. Wie ahnungslos übrigens selbst Magnus Hirschfeld den Ereignissen gegenüberstand, geht am besten daraus hervor, daß der Sanitätsrat auf eule?Ausrage unseres Berichterstatters, ob er nicht eine Wiederholung des Münchener Attentats befürchte, die.Antwort erteilte, daß derartige Anschlage in Wien ausgeschlossen seien. Punkt 7 Nhr betrat M. Hirschfeld das'Podium. Die ciüleitendeU Worte wurden ruhig ausgenommen; als er äb^r bei dem Satz'aNgsälangte: „Unt<!r den "Kinderschändern befinden sich nicht nur Verbrecher, sondern Leute Nlik abnormer Konstitution, also Kranke..." brach der Sturm lv's. Ein schrn l l e r P fr f f, dem drohende 'Pfnirufe und ohrenbetäubendes Gebrüll folgten, übertönte-die Stimme des Vortra^rnben,. der plötzlich innehielt/ In 'diesem Augenblick siel in der ersten Galerid / / I ■ . ein Schutz. j$Öte von einer nrächtigen ^Triebfeder in die. Höhe geschnellt,' sprangen .die Zuhöreh auf und M panikartisen- Schrecken suchte -je^r den Ausgang. , Wns nun folgte^ ist unbeschreiblich.' Von oben regnete es' förmlich- " \ -- '. eine Flut von Stdckbomb^u. aus des. flüchtende Publikum. Ded Inspektor Koch, der dem WhelLüb^r. anstzenürttd^ einem hakenfteilzlerWy StMLuten, das Vordringen 'ins Innere des Saales zu wehren versuchte, wurde von b?n Deschsnst-anten niedergerissen uno b l u Lüg' v e r.p r ü g e l t. Dem Bille'teur N e u m an n, der ihm zu. Hilfe eilte, versetzte ein Hakenkceuzler mü te i n e m Gummiknüttel eßien Schlag, daß er bewußtlos zü B o d e n sank. Eine Dame, die neben dem blutenden Billeteur stand, wyrbe von Weinkrämpfen befallem In diesem Augenblick / ■ , fiel noch ein Schuß. uM^ ein Sessel stag gleichzeitig von der zweiten Galeriechinünter.M traf eine Dauch, dje -sioutzt- - Magnus H.ürsch f. e k-^"stynd^nöch^ernjge'-'Mn«tvn auf dem Podium, nur y&t&' ihm IWMiMien - zugerufen wurde: „ES g eh t u m il) r LebF n, Fliehen Sie!" verließ, er den Saal. ' ' v\ - - - Mizivischen. würde "die- Wachecherständigt.- Die Polizisten versperrten sofort alle Ausgänge und nahmen vor allem M. Hirschfeld, der ins Künstlerzimmer geführt wurde, in ihren Schütz. Von den RadäustüdeNten konnten nur wenige fest^enommen .werden. Die Führer sind, entflohen. Mt Meffern und Stinldombeu. Zahlteiche Frauen mißhandelt. Schon vor Beginn des Vortrages verbreiieten sich im Saale Gerichte, daß von antisemiüscher Seite gegen den Vortragenden Demonstrationen geplant wurden. Im Stehparterre sagte ein junger Mann, der das Hakenkreuz trug, zueinem andern Hakenkreuzler: Wenn's pfeift, geht's löst" - . Als derverabredete Pfiff ertönte, drängten von allen Seiten Männer m i t G u m m i k n ü t t e l n unter dem Rufe „Sa ufüd', kuscht "nach vorne. Da zahlreiche Männer,. die meistens, das Hakenkreuz trugen, ö r o ß e o.f se n e >M e s f e r in der Hand schwangen und überdies aus Revolvern b l in de Schüsse abfeuerten, bemächtigte sich des, PuMums'. eine furch t bar e Panik. B e r l i n, 4. Februar. Das Ereignis des Tilgeist hie Besetzung der im Bydischen gelegenen Ortt schäften Offen-urg und Appenweiler. Diest Besetzung erregt hier umso größeres Aufsehen, als sitz n i ch t e i «mal i m P r o tz r a m w P o i n e a r e S vorgesehen war. Die neubesetzLen Orffchasten. liegen - w e i t a b vom Ruh r g e b i e t und' die neue- Im vasion wird in hiesigen Regierungskreisen mit der. Be-, sürchtung gedeutet- Jatz im^ Zuge der nächsten nahmen n o ch w eit e r ed e u. t s ch e G e b i et Ä t e i l e, vielleicht ganz Bad en und Wür.tte m? berg, der Okkopatiön anheimfallen wer, den. Die Franzosen begründen diese neue Strafmaß, nähme als Repressalie gegen. die Aufhal-, t u n g v o n t s ch e ch i s ch e n Koks z ü g e n, die na«b Rordsranlreich bestimmt wlfte«. Fm Berliner auswärtige» Amte erklärt man die Besitzung der badischen Ortschaften alli^ eiste neue flagrasttr Verletzung' d e§ Bölkerrech t e §, die diesmal nicht einmal mtt dem Scheine einer mit dem.Friedensvertrage von Versailles, im Zusammenhänge stehenden Maßnahme umgeben werdest' kann. Der Friedensvertrag hat nichts mildem Transits von^ltschechlscher Kohle zü tun, keiner seiner Punkte gibt der französischen Regierung das Recht zu einer Sanktion! die nicht der Erzwingung von Reparationen dient. Dü neue Verletzung — so wird erklärt >- illustriert diq. alten Vötterrechisbrüche, denn sie zeigt deutlich, daß Frankreich alles verhindern will, was Deutschland in dsi Lage versetzen könnte, den FriedensverttaZ von Versailles zu erfüllen. ' PadvWußM. HffMWkA- Ar .FebÄrar, Von siger Seite wird berichtet, daß die Franzosen bei Ihre» Besprechungen mit den Vertretern der staatlichen unst städtischen Behörden von Offenburg mitteilten, daß es; sich bei ihrer Aktion um eine ErwMerung des Brücken-, kopfes von Kehl handle, als S a n k t i o n für die von deutscher Seite vorgenömmene Beschränkung des internationalen Zugsverkehrs. Ferner wird gemeldet, daß auch die erste St atro n de r durch das Ki nzigtal führenden Schwarzwaldbahn, O r t e n b e r g, besetzt Wörden ist. In Off e n b u r g liegt ein französisches Infanterieregiment, das mit Panzeräutos, Fouragewagen und vollstLndiger kriegsmäßiger Ausrüstung versehen ist. Die Bevölkerungdie durch von den Franzosen, verbreitete Plakate zur Ruhe aufgefordert wird, unterliegt den^im Brückenkopf Kehl geltenden Bestimmungen über -ie^PaWKWeise'usw. Die^PolizeisLnude' würde mit 9 Uhr abestds festgesetzt. Me Rote der „—.. Wurden von den Hakerckreuzlern zu Boden geworfen und Ät Füßen zetteten, überstll erplodierteu Stinkbombe«.^ Dr. Hirschfeld/bewahrte während dieser Szenen,vvlige Rmhe und verließ daL Po-, distm .langsam .und. gelasse»>'etsi. ^bänn, als sich Hakenkreuzler mit Revolver» und Mesiern schon in unmittelbarer Nähe des Podiums befanden. Inzwischen begannen die Hakenkreuzler den Saäl zu räumen,' wobei sie sich vorwiegend gegen Frauen wandten, denen sie: auch Hand t ä s ch ch e u und O^p e^r ng ü ck e r e n t rü s s e n. Dazu brüllten sie fortwährend: „Nieder mit Hirschfeld! Nieder mit den jüdischen ~ einen!";\vl '■ t;; V. w,: Es dauerte etwa sechs Mmuieit, bis Polizei kaim ' in hatten zahlreiche. Personen blutige Verletzungen erlitten. Po»: den. Hakenkreuzlern wurde - die ^Parole aüs- ,,Di e- G a r d e r o b e'n -p l ünder Inzwischen war aber ein starkes.Wacheaufgebot eingetrMnvor dem' die Häkenkrenzler im wilden'Lanke die Berliu, 4. Febrstar. (Wolff) Die interalliiert. Rheinlandlommission hat dem Reichskvmmissär, für die besetzten Gebiete in Koblenz eine N o t e überreicht, worin Mitteilung von dem Beschlüsse der französischen Regierung gemacht wird, Offenbürg Und Appenweier mit Rücksicht auf die von der deutschen Äisenbahnverwallung > bei dev Durchführung der internationalen Züge Prag—Paris bereiteten Schwierigkeiten zu besetzen. Im Anschlüsse hieran. habe die. interalliierte Rheinlandkommissio» beschlossen-, Offenburg und Appenweier dem* selben Regime zu unterwerfen wie den B r ü ck e n k o p f v o n Kehl. Demgemäß habe ffe ihrer" Delegierten in Koblenz Vollmacht auch sür diese »em Besetzung gegeben. Hiezu bemerkt das Wolffsche. Bureau: Der Word laut der. Note liegt noch nicht vor. Schon jetzt muß abev auf Grund der eingelauftnen Meldungen, erklärt werden,' daß von den Franzosen ein neuer schwerer Rechtsbruch begangen worden ist, Zu den ftanzösischen Gewaltmaßnahmen im Ruhrgebjet tritt , nun eine Vergewaltigung weiteren deutschen Gebietes durch . französisch» Truppen, durch die vermutlich d^r deutsche Ko hlentransport auf der wicht\gen Strecke Frand furli am Majn-^-BaseL unter sranzöslsehn- -Ko-«t.r Ml-^'gehö.mmen.vwerden>söll.-.. d Muttaten in JWeldorf. . Düsseldorf- 4. Febstüar. (Havas.) Ein beklagenswerter Bovfall .ere.ignete > sich i,m Bahnhof von Bilk. .Ein Korporal,' der MenEMMwK MvL. glitt aus der VMM".