Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1429 (4.2.1923)
- Date
- 1923-02-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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-K.143S Wien, Sonntag Wiener Morgenzeituug. FebruarlW Seite 7 Bühne M Kunst. Rudolf SchkMmut Mt! Bon Rudolf ^chrldkraut traf gestern aus N e w -> A o v l in Wien an die Adresse de« mit ihm befreundeten Familie der Harfenvirtuosin Steffi Goldner eine Depesche ein» welche die Gerüchte über seinen Tod dementieren.. Die Depesche hat folgenden Wortlaut: «Dementiere Todesnachricht. Schildkraut gesund. Hans MMers „BmnW". (Uraufführung im Deutschs» Volkstheater.) Hans Müller fjprelte die Hauptrolle seines neuen Dranras. Es war mehr als das persönliche Eürtveten für das Werk. Es war der Versuch einer Rechtfertigung. Mit Leidenschaft ^tben wir immer den Fall Hans Müller behandelt, mit Leidenschaft die Betviebfaimkeit dieses begabten Literaten verurteilt. Seme Art, die Konjunktur zu nützen, herauszubrmgen, was augenblicklich ersolgbrmgend fein dürfte, stets tief zu empfinden, was eine große Serie von Aufführungen versprach, lvar für uns ein Stück Judenfrage. So »verri-g man sein jeweiliges Opus ernst nehmen konnte, so mußten wir-just an diesier Stelle zeigen, wie gerade in der Gesellschastsschichte der WohMbeniden mvd längst Entkvemdeten mit Tal-mrkunst geschoben wird, nach wie wir die Wiener Operettenindustrie, die leider zuim^großen Teile Misch ist, ablehnen, müssen wir Lrteraterrpvo- Miioiit von .Hans Müllevscher Art abl-chnen, weil wir das Bedürfnis >der Reinigung haben. Nnu erscheint er fäbst ans den Brettern und öffnet MrS seine Brust. Das ist wichtiger, als das wiederum nrißlungene, peinlich unsauber gekittete Stück. Und da man ihn sprechm hört, tatsächlich erregt, gottlob nich bH>nenstcher «und Lühnenroutiniievt, nmß man ihnr gerecht werden: er Mt, daß es mit seinem Künstlertmn nicht ganz richtig ist. Cr ahnt, daß ein Dämmt sein besseres Ich niedechält. Freilich, m kennt diesen Dämyn nicht (oder er verkennt ihn). Aber dieser Mann dort oben ist doch nicht bloß gefinkelt, sondern auch gezerchnet. - * Dies vovauAgsschickt, nmß man aber bei aller Sympathie für sein Beginnen gleich wieder feststellen: Nur er, her Mitwirkende, hat für sich geworben. Sein Stück wirbt tzricht für ihn. Keines seiner Dramen ließ auch nur inr Entferntesten erkennen, daß es von jenem war, bet das Bochergcherrde, die schwere Menge aller vorhergehenden Schauspiele, Lifftspiele, Einakter angefertigt hat. Und seine Art, Drücke zu anacheir, ist diesmal noch unerträglicher als bisher. Nicht ungestraft jagt man Jahrzehnte dem TageZerfolg mit jener Gier nach, mit tvelcher der ^Bmnpir^ in dieser Drvgodie fem Opfer 'hetzt. Und niemals noch empfand man Pas Ausleihen fremder Art und Kraft so quälend, wie an diesem Abend, von dem der Autor wollte, daß es «in Stück Konfession werde, und das doch nur ein großes Stück Supermann und ein Stückchen Wedcckind geworden ist, mit leider völlig wesenloser, sehr pathetischer, sehr hohler Reder^ KustlMnengehälten. . Der Held, om Bildhauer, ist vonr Ghvgetz gejagt. Sa imeint der Autor Hans Müller. Aber wie mancher Kluge, so sicht dieser, der Klügsten einer, nicht, was fernen Helden jagt (irsre ihn selbst von Premiere zu Premiere). GS ist nicht bes Ehrgeiz, sich zu vollenden, die Jnbruüft, nach jenem schlichten Lorbtzorzweig grviftn zu dürfen, der einzig jenen: wird, welcher'sich selbst überwand, bis er nur das gibt, was Är seiner Bvuft lebt. Es ist das unhellige Haschen nach Geltung, durch ,Must" zu gelten, wie eS anderen glückt, Herren zu sein durch Großbanken oder über Masten durch Dopragogie zu herrsichen. , Und so dleöben von dem PassianSweg dieses Blldihvners, der über den ,ßoftsmu eines Milliardärs, Wer eine einflußreiche Frau, Wer geistigen DietbstaW am Werke des wertvolleren Bvitders $xi Höhe will, wie sie HanS Müller versteht, Aoß ««rvge wirkungsvolle Theatevfzetten zurück, die mit den allerletzten, allerverbmuchtsslen Mitteln erzwungen werden. Was aber tresstunig sein soll an dieser Tragödie dös «Mich erlösten Strebers es ist lvücklich nicht wert der Deutung ja nicht onmwil >der entrüsteten Abwehr. Wir sagten schon — oder es mutzte zu entnchrnen sei«, Saß wir es sagen /wollten —, daß uns HaM Müller, der Mitspieler, sehr gefiel. Seine Erregung war M, ja, 'sie lvar anehr: schamhaft. Und er wirkte aus uns, der Schcanhafte, in diesem — rnan verzeihe — fchanrlosen Stück um so ergreifender, als ein ausgezeichneter Schauspieler, ern lvesenhafter Künstler sein Partner, war. 3Äa§ hat Jakob Feldhamm er aus der Schäblonenfigur emeS veärüp-- Velten KunstjüngcrS mit unbefriedigter Liebesjehufucht z« machen gewußt, wie vergaß man den windigen Text, ob seiner edlen Art zu sprechen, zu schauen, niedergedrückt und doch hoheitsvoll durch dieses Stück zu gehen. (Schade, ödß allzu erkenntliche Moisti«Modulationen sehr stören.) Ueberzeugend durch ihre Einfachheit Hedwig Keller, trotz der unglaublich kitschigen Rolle des opfernden Mädchens aus . dem Volke, .\}§ sie spielen muß. Herr Werner-Kahle war zu gut in seiner Wedekind-Rolle. Er weckte Erinueru-ngen an einen, der a n ch in seinen Stücken auftrat. Es war für den Autor nicht vorteilhaft. Den „Vampir", ein mystisches ta-usendlähriges Männchen, das sich Müller prompt für sein Stück bestellt hat, das er gar sehr strapaziert und dem er alle Verantwortung für die Handlung ausbürdet, sprach und agierte Lilly Karoly ausgezeichnet. Erika Wagner sah schön und begehrenswert aus und von den übrigen durchaus verdienten Mitwirkenden sind insbesondere die ^rr" Nowotny und Kutscher« zu loben. Wohltuend, an einer Stelle überdies sehr ergreifend, die diskrete Begleitmusik, und sehr zu loben die Regie des Herrn Br ah ln. Es gab viel Beifall und starken Widerspruch. Besonders t*r Schwillst des dritten Aktes, der streckenweise wirklich Wer die Hutschnur geht, gefiel nicht jedermann. Otto AbeleZ. „Trwje der MWgr" als Angeklagter. Da§ hätte sich Tewje, einer der liebenswertesten Menschen, welche vorn Genie unseres Schalom Alejchem geschaffen wurden, wahrhaftig nicht träume:: lassen, daß er einmal vor Gericht kommen werde! Seinen Handel mit MM, Buttor und Käse hat er mrmer ehrlich und anständig betrieben; und doch vor Gericht? Die jüdischen Kommunisten in Rußland haben eben entdeckt, daß der brave Tewje — ein schweres Verbrechen begangen hat: Er ist nämlichein frommer, gläubiger IM! So hat man tarnt in Kiew cm Gerichtsverfahren gegen ihn eh* geleitet, nachdem man vorher der jüdischen Religion und deut Ehetar einm Prozeß gertacht hatte. Ob sich Tewxe verantwortet hat, wird nicht berichtet. Er wird wohl einige seiner berühmten „Midraschim" zitiert oder das wiederholt haben, was er srinaut Pferd sagte, als seine Tochter ihn verilasien hatte: der Erd' arciit!" Nun — es stand sehr schmal mit unser«« l-ieben Tewje, aber keine Angst: er wurde frerg«sprachen, dum — so lautet -die Begründung — „Towje kann nicht verurtM werden, weil die Bevölkermrgsschicht, der er angehovte, durch eine tausendjährige religiöse Tvoditiori vergiftet «var". Auch seine revo» lut'iottärv Tochter Chawe stand — wohl der Objektivität halber — wcgul böswrlligm BeplajsenS des Vaters vor den Richtern. Und sie fällten den weisen Spruch: „Chawe war ein Produkt ihrer Zeit, da der kollektive Instinkt noch sehr stark mi-wickelt war. Sie kann deshalb nicht beschuldigt werden, daß sie ihre Kamilie, die sich ans einer poimfiiven Stuft befarch, verlassen hat." So ist dum der FanllÄe Tcüvje zu unsere« Freuta nichts geschehen. Ihr Geschick ist wenigstens bester als das der lebendigr« Juden, weilche von» denselben Herrchen, die mit Prozesien gegen Tewje den MKchigen stMtzn, wegen chrer »Vergiftung durch, die ta-usendjähvige religiöse Tradition" verfolgt wvckm. - Die Wllmer. Die WAnaor Truppe spielt Dienstag und Mittwoch im Lustsprelltheater, «wd zwar Dienstag um 7 Uhr „Der Dybnk", Mittwoch „Die Tage unseres Lebens", Kcwtenvsrverrauf au der Tageskasse des LustspivlcheoterS, Gtockertgaste N, ein Bunter Heimabend statt, zu dem zahk» reiche Schriftsteller und Kürrstler ihr Erscheinen, beznhuwgSweife ihre MitvMuttg zu gesagt haben. Nach dem reichihrcktig« künstlerischen Pvograrnm gemMcheS BeisammensoM aller Mitglieder und Fremtde. Ein unbekanntes Gemälde van GoghS. In Madrider Privatbesitz ist vor kurzem ein bisher unbekanntes Gemälde von Vincent van Gogh gelangt, daS zu seinen LigenartSgster« Schöpfungen gehört. ES handelt sich, wie R. Tvwes im „Cicerone'' berichtet«, um ein „Schweigen im Walde", zu tpt der Künstler offenbar von dem bekannte« Böckünschen Gemälde die Anregung echaLten hat. . E n Veteran bes Deutschen VoNrstheakers. Dev Karptkasiter d?« D-urilbe,' Voidstdeatets ^m't P t G vollendet am 17. d. fei 70. Lebensfadr. Er gehir! dem Vetbande d'eier Btllne >chon f >t Deoinn dev wahres MS an und war tn weipnlttcher Weift an den Vorarbeit n des Irsilituis gemeinsam mit EekrktSr Müll«''' und Wer mit Direktor B»köv'es bßteili t. Der Künstlerbund Hagen eröffnet am 9. April d. I. feine diesjährige FriWahrSausstellung, an der sich auch Gäste deteiligen können. AnmelidofovmtlLare find ab 6. d. im Sekretariat des Hagcnburtdes, 1. Bez., ZMitzgasse' 6, erhAllich. Einsendeiermin 31. März. Die Faszisle» gegen MSllers ^Könige". Die Auffühmirg von Hans Müllers Drama „Könige" im StadtcheMr in Meran mußte abgesagt werde», va die Farzisten orne Unterbrechung der Aufführung anNndigte«. Km hebrWche Bühne in Lember«. (Bon inffervm Dembergvr KorrvspolÄUten.) Reue jüdische KuktuvinstLtutv, auch dieWyynste», pflege» ebersv rasch, als sie e-lllstantan sind, dort der BWflache zu verschwinden. toena sich die Personen, deren Initiative und Be-, wühungen sie ihr Entstehen verdanke«, aus diesem oder jenenr Gwnde zmückziehen. Von diesem,' durch tvaumge Erfahrungen begründeten Borbchalt ausgehend, wolle« wir unserer Freude über das Entstehe» «nes hebräisch-dramatischen Klubs in Lemberg AuSdmck geben» «v am 27. Jänner mit der Aüffühmng von Perez Hirschbeins „GrüneFeld t.t* k* des Achters eigener, gekmgwer heroischen Uetartraguny vorteilhaft zum erstemnoil in die OeffentLichkstt getreten ist. Wenn auch das Gcbvtene, tvas Spiel und Technik betrifft, vorläufig nur als sympathische AnfangÄeistung zu begrüßen ist, so steht doch fest, daß man «S hier nrü einem Ensemble talentiorter, van dm besten Absichten mJb ernstmt Wille» geleiteter junger Menschen zu tu« hat, die sich über die erstm SchwirerigkÄte» ihves UnternehmArS, wobei inshssondeve dsr Divngel eines entsprecheuden Lokals in Betracht kommt, hoffenll'vch h'mweghelfe« werden Alle Anerkennung gebührt auch «dem Pwf. Krzhza- «owskhderden dramadischen Unterricht leitet. ES ist nur zu bidauern, daß Vas Gros -der. jüdischen Intelligenz, auch der zionistische», .bei dieser ersten hebraSschm Theatervorstellung so schwachvertreten war. Auch manche von denen, die sonst tac hebräisch« Renakffance so gem im Munde führen, glänzter» diesmal durch ihre Abwesenheit. ' Hcimäbend der Hitachduth. Heute Sonntag um 8 Uhr abends fiirdet im wiedereröfsneten Heim der Hüachdu1h,2.Bez, Am de« Theater«. B u r g s h e a l er: Morgen. 7 Uhr abends. sufg». hobevem Abonnement, zu erhbhien Prelfen. S s a r und K I e v p a t'ka".. D'enslag dcn 7. d.. 7 Uhr abends, zu erhöhten Preisen „C y r a n o v o n B e r g e r a Akademietbeater: Morgen, halb 8 Uhr abends, „DieFrauvonvierzigJahren". D a s D e u t i ch e Vvlksthea t e r bereitet gegenwärtig unier Direktor Dernaus Leitung Ibsens ,A r v pp r ü t e n d e n t« n" vor. Die Margaretewird Selene T h t m i g spülen. Theater in der Los esst ad t: Morgen und übermoroen wird das Lustspiel .Casanovas Sohn^ von Rudolf Lothar gegeben. Mittwoch den 7. d. findet die Uraufführung derLusilpietuovitSt »K«iral«n6i« meine rau" von Franz Nehler statt, linier diesem Pseudonym verbergen sich zwei bekannte Wiener Schrtslsteller. Daimundtheater: Ämie. halb 3 Ubr nachmittags, «Fra Diavo lo* (Kammeroper). Lalb 8 Uhr abends, .mm letzte» Male, "D e r P f a r r e r v o n A i r ch f e t d'. Morgen „K ose m a n n s TöchterlLaseman» Willy Thallers. Dienstag de« 6. d. geht die Uraufführung des Schausvre.s .Das Bergw erL* vonLans Aalinecker als F e st v o r st elf u n g in Szene. Neue Wiener Sühn«: Arnold Ksrtf spielt ad heute wieder in dem Lustspiel „S a n e o". Beginn halb S Uhr. Keulen präzise 10 Uhr, findet die Erstaufführung von Karl KrauS' »Die letzte Nacht*, Epllog zur Tragödie «Die letzten Tage der Menschheit', patt. Rvlandbüdne: Seute. S Uhr nachmittags, »Dis 8 a m m e r p ep i". «alb 8 Uhr abends. ^DieFrau des Debütanten". Beide Stücke mit Kanst N i e s e in den Hauptrollen. Wochen spielplan der Volks« per; Leute, halb 3 Uhr nachmittags. »Der Walsenschmied", halb 8 Uhr abends. »La T r a v i a t a". Morgen. 7 Uh« abends, populäre Vorstellung: ^.D t e luftigen Weiber von Windsor-. Dienstag den S. s.. halb S Uhr abends, ,M «v t b a“. Mittwoch den 7, d., halb S Uhr abends, populäre Vorstellung: „Der F r e i j ch ü tz". Donnerslag den 8. 7 Uhr abends. „C a r m e »•. Freitag den S. d„ halb 8 Uhr abends. ^Toska". Samstag den 10. halb 8 Uhr abends» »Der Wtld schütz". Gerichtssaal. RevWm der Purap-ProzeffeZ. Lemberg, 2. Februar. (TÄ. der Mr. Movgenztg.") TÄ rm Juli vergangenen Jcchves nach wchrSvöcheirtlicher Bcv-- haMungSdauer scheinbar zum Mschluß gekargte skauvalöf- Affäre der HarchÄgosellschüft Parzäp, . toeLche eine Reihe svauduWser Mißbrauche bekannter Persönlichkeiten pit Schaden des Staates umd der OoffenMchkeit zu Tage forderte, hat «rwaü>et«ttveffe eine sensationelle Werldung genommen. Der Kvsiatronshof in Warschau hat nämlich vor einigen Tagen über die von den Derteidigem eingebvachte NichUgreitsLeschloerde beraten, nach Zweitägiger Bechandlung im Sinne des Antrages des Gevercchwchrrators SiemilSki das Urtckl gegen Sen Gerichtet Mindowiez und dm Kaufmann JonaS «Ws-. gcholbe» und een« neuerliche VechaMung angeochnet. Bezüglich Mtzer AngeNagter evsolgte tae vollstärchige Freisprechung. Pech. Ein einzigartig« Fäll beschäftigte vorgestern den Stra^ richier des BeFiriksgerichtes DöMng LandesgerichtSrat Dr. Ruzigka. AnyeNagt «schien wegen Ueibertvetung des Diebstahls der HiffSarLeiter Gustav Al raum, der rm Septewöer v. tz. von dem Stadtschutzmann Tesar beim Diebstahl einiger Mogvwmn Weintrauben betreten worden war. Bei der DerhmMmg kam hervor, daß der Angeklagte ein« nicht gewöhnlich- Vorstrafe hinter sich habe. Er war nämlich im Jahve 1911 vonr Schwuvgerichte W-vo» wegen Raubmordes zum Tods