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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-03 · Heft 1428 (3.2.1923) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1428 (3.2.1923)
Date
1923-02-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sk. 1428 Myt, Gamstag Wiener Morgenzeitung. 3,. Februar 1923 Seite 9 schm M tzur Wahl des Staatspräsiderrtetr. Maßgebend für -den Klub war die Absicht, auf keinen Fall die nichtverfassnngs- , mäßige Mlfühvung. daß über die iPqhl des Staatspräsidenten Mi einc Polnische Maiorirät zu entscheidon hahe, zuzulassen. Nur aus diesem Grunde allew M sich der Jiddische Mub der--, . anlaßt, Due Stimmen cmf WorezechywE zu vereinigen, DaS^ Expose des Ministerpräsidenten S i k o r s k i ynd seine Antwort auf die berechtigten Forderm.gen des 'Jüdischen Klubs i batten einen derart aggressiven Ton gehackt, daß der Jüdische Klub gezwungen war, gegen, daS Vertrauvr.«8votum zu stimmen und in Opposition überzngehen. Anfangs sei di« Stellung; bcg Jüdischen Klubs zu Sikorskis Regiemng nicht. ungünstig gewesen, da er als Gegner der NatiotiÄdemokvaten die Sicherheit zu gchen versprach, den. Jnto.' gegenüber Gerechtigkeit! walten zu lasten, obzwar er kein Judenftemrd -ist. Aber sein Cxpöse habe bewiesen, daß er m der Judenfrage nicht anders 'aufzutreten gedenke als die Nativnialoemokraten. Jur allgemeinen habe sich die Situation der Juden doch emigernmßen gebessert. Ms Beweis dessen führt Abg. Thon die-letzten Reden der Abgeordneten Aarlitz k i upd T h u g u t an, die : fitz, bemüht hohen, die jüdischen For-evirngen zu berücksichtigen. .. *B|!t über die kroatische Frage. , Belgrad, 2. Februar. (Tschecho-slow. Pr.-Bur.) Bei dev gestern:n Uesküb abgehaltenen' Wählerversammlung der radlkalm Partei legte Ministerpräsident Pa sic dar, 'daß. eine Einigung der Serben, der Kroaten und der Slowenen durchgeführt werden könnte, wie sich im Jahre 1912 die Vereinigung Südsevbiens mit dem Königreich Serbien vollzogen habe. Nach der Befreiung sei man , zu der Erkenntnis gelangt, daß die Aufstellung von Grenzen zwischen Serben, Kroaten und Slotvenen nicht möglich sei, weil ste schon von Oesterreich derart verwischt worden feien» daß elne Scheiduing nicht mehr möglich fei. Daher sei auch ein« eücheitliche Staatsfovm gewählt worden. Wir müssen, sagte der Ministerpräsident, einig: sein; unsere Zwietracht üv-ünschm unsere Feinde. Als ich die. Kroaten fragte, warum sie sich dem Willen der Mehrheit nicht fügen wolle:',. erwiderten sie, daß sie anderer Meinung seien. Dieses Veto . hat seinerzeit Polen gchaLL uud man weiß, wohin es geführt hat. Ms die Kroaterr eine abgesonderte Sknpschtina verlangten,, erklärte ich ihnen, daß dies auch unsere' Feinde > wünschen. Paste forderte sodann seine Gesimmngs^e.nnllen/ auf, geschlossen für die Aufrechte Illvltung der Bidovdcvn-Vevfaffung emzütreten. > - - Sine SWahMMenz. Belgrad, 2. Febrrrar. Das PvMuveau teAt mit: Für «n 8. L. ist eine in R o m ackzuhaltende K o n f e r e n z zwif<§en den Bertvekern jener Staaten angekündigt, deren GÄiiete.von. den Linien der Südbahn durchzogen werden. Wie verlautet/nehme die Delegation der jugoslawischen Regierung die Pachtung des auf jugoslawischem Gebiete gelegenen Teiles des Südbahrmetzes bis zum Ablauf der Konzession (1960) in Aussicht. Der Staat S. Hi S. . wäre geneigt, der Südbahngesellschnst 20 Prozent des Betriebsreingew innes oder eine jährliche Pauschalsrmrme von fünf Millionen französischen Zionistischem Prater sprenge! Heute Samstag, 6 Uhr abends ,' hamischahilssar-und Hondau-Gedenkfeier Souterrain des Cafii .Venedig, II. Stuwerstrasse 1 Redner: Prof. A« Mud, Dr. 1« Uwenhiri r Eintritt frei Juden des Pratersprengels. erscheinet In Hassen I C Goldfranken zu gewähren. Falls diese Bedingungen genehmigt würden, könnte die Frage lchne Verzug erledigt lverden. Hochschulkurse sind ebenfalls ein bedeutendes PüfiMmni der nationalen Autonomie. Die politische Mge der litaui -i scheu Juden' fft rwch imme^ besser ime W den anderen- Ländern. Von Yen pölnffcyen Juden müssen wir jetzt! lerrren und einen Block der nationalen Minderheiten! schaffen, um gemeinsam für die Durchführung der natto-j nalen Autonomie zu kämpfen. Bon einem Zusammenschluß, der -nationalen MnderMtell hängt deren Politische Zus .kunst ab. ' . ..Vir'r.'tfV. Atmen annektiert Memel. Paris. 1. Februar. (Havas.)' Das gestern an die litauische . Regierung gerichtet MtÄkatrnn der Botschastevkonferenz verlangt außer der Zurückziehung der Aufständischen aus MemÄ .die Auslösung der provisorischon Rogiem-ng und des Komitees für öffentliche Wohlftchrt. Im Weigerungsfälle sind verschiedene MaßnahrnM, namentlich der Abbruch der diplom-atj scheu Beziehungen mit Riga in. Aussicht genommen. . Wie aus polnischer Quelle verlautet, habe der neue Stao-srat die!endgAtige Okkupation der Stadt durch die. Litauer veoknndet rrnd die Gebietsgrenze mit . der litauischen RsprMk müfgehoben. Kowno, 1. Fccknvar. MoH.) Zn der heute der lÄanffchen Regierung nbeMiittelten ultimativen Fordenmg -aus Zurückziehung sämtlicher tovaisftiet-er Elemente, aus Memel, bemerkt die M-auische Telegraphen-AMnmr, die litauische Regierung könne beim besten Wislen den Forderungen der genannten Mächte nicht Nachkommen, da.die Anklagen unbegründet seien. Las Schicksal der Wische« natdmale» ÄtüsmMie. Aus Danzig wird uns gemeldet: Den Vertretern dev ' Presse gegenüber erklärte der gewesene Präsident des Jüdischen ' Nationalrats in Litauen Dr. Simon Kosenbaum, daß die Lage der litauischen Juden» dienern Küster für die GLsomtjudenheit war sich 'grundsätzlich geändert habe. In der. Zeit des Werdens der litauischen Staatlichkeit sprach man viel über die jüdische nationale Autonomie.' Dies trab jedoch nur ein abstrakter Begriff, Man' hattekeim Ahnung, wie man diese Autonomie pvaktffch durchführen solle. Die litauischen Juden wollten e:n Muster einer jüdischen Autonomie für die Judenheit de-8 Galuth schaffen, doch dies ist mißlungen. Ihrer Meinung nach waren. Gründe vorhanden: Die jüdischen Führer haben die Idem der Mtionalen Autono» mie mißverstanden und die objeküven Bedingungen haben sich ganz anders gestaltet, als man angenommen hatte. Trotzdrm wurden viele neue inhaltsreichr. Jnstitu-tio- . neu geschaffen, so Vvr jüdffchen Volksgemeinden auf nationaler Grundlage, der jüdische NatiomlraL und seine Tagungen. DaZ glanzendausgebaute Schulnetz und die Belgrad, 2. Febnrar. - (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die „Prowda" stellt fest, haß nach sicheren MÄnrngM aus Bukarest ein. A b k o m men zwischen Rumänien, und Sowjet-. rutzl-and betreffMd Vessarabien vor denr MlsWuß stche'. Nach dem Abkommen wird R»müiu:en die So4vjetrchMlik.de jure anerkennen und aus die 500 Millionen GoWloi ver>. zich en, wvlche der rumänisch'en NationMank ^gehören und dit seinerzeit während der Besetzung Rumäniens durch die Deutschen nach Moskau gebracht-wurden, von wo sie jchoch ^de^ Wog nach Rmnänien nicht mchr zurncksandrn. Dagegen wird MoMu endgAtig aus siine Ansprüche auf Bessavckbreir Verzicht (eisten. - Der Bölkerbundrat* Paris, 1. FebrMr. (HavaZ.) Der BoMechuMrat.hat iil, seiner Natzmittagsfitzung den stolnisch-litänkscheni Streits a l l geprüst und beschlossen,.die Beratungen Aber j die Teilung der neuträlen Zont. zu verschieben urJbj die Frpge, betreffend den Schutz der nichtlpotn.isch>e.n- Elemente in Wilna Pox den Völkerbund §u bringen. Derj Wlkerbundrat hat ferner die Saar-Frage untersucht ündi die RegievÜngÄmmnission des Saargvbietes oustxchor!dert,i Maßnahmen, -n . treffen,' die . ihr nützlich scheinen, um die.' Effektivstärke - der OrtsgeUdarmerie, die die öffentliche Ordnung schützt, zu vermehren. . Der Bölkevbundrat beschloß, die ErkläMugen Estlands und Lettlands ^treffend den Schutz der M i n--' derheiten der Vollversanmilung des Völkerbimdes zu unterbreiten und -hetamie De mit der Berichterstad tung. ' Grey -7- Führer der liberale« Peer». London, 1. Fchvuar. Wie das Reutevsche Bureän mMet^ wurde aus einer Bexsänvmilung liberalen Peers einstimmig eine Etttschließmkg angenommm,. wonach die. vereinigte, liberale Opposition im Obeichaus wieder hergchtellt werden soll Lord Grey wuchst pm Selter der Opposition bestimmt. Amerika will die SÄMmsrage löse«. Wüfhtngto», 1. Februar. (Reuter.) Das SchcchdchartS ment hat ecklärtz es sei der Ansicht, daß die'Regelung dev brittschen Schuld den Weg zur Losung der Frage der übrigen Schulden eröffne. Die Bedingungen Serben für jM einzelne Regelung verschiedene few,<aber sie werden uiH härter sein Äs für die Regelung der -britischen Schuld. Unser Prinzip: Gilt und billig gnasMnssfflBWBi«iiwiiiiiiiiiiii««i^ WarniiM Taborstraße 48 Telephon 47-t«79 i En gro* En detaft Konrerte. Im fünften Abonnemrntskonzert halben die Phil- H a r m y n i k e r - eine Ehrenpflicht gegen Robert Fuchs, Nen 76jährigen Altmeister der östervrichffchen Komponisten, erfüllt, indem sie seine dritte Symphonie in wahrhaft philharmonischer Klangpracht -zur Auffühnmg brachten. Robert Fuchs stammt.aus der-grünen Steiermark, di: Oesterreich Komponisten wie Hugo Wolf und Josef Marx geschenkt hat, in der Reznicek, Weingartner und Busoui ihre musikalische Ausbildung erhalten haben. Er selbst hat als Lehrer des alten Konservatoriums Hugo Wolf, Gustav Mahler, Franz Schreker und zahlreiche andere Tondichter in die Mysterien des nursikalischen Schaffens eingeführt, und mit seinen Werken, namentlich seinen fünf Serenaden, den älteren Konzertbe^uchenr manche glückliche Stunde geschenkt. Das ist Ars Erfreuliche an der Musik des alten ' Meisters mit dem seinen Musikerprosil und den jugendlich anfleuchtenden Augen, daß sie mit ihrem Melödienreichtum und ihrer Formenklarhrit nicht mehr Vovtäuscht M sie gibt, daß sie mit ihrem liebenswürdig offenen Lächeln tot Hörer änhesmelt und keiner Spitzfindigkeiten, und keiner ' gvotzarttgen Pose bedarf.' So ist auch Äe dritte Symphonie, 'di?, kaum zwei Jahrzehnte alt, gleichwohl in entschwundene Zeiten zurückführt, ehrlich empfmrden und von einem stMen altwienerischew Lebensglück erffrllt. Wie hritÄc singt das - Scherzo, wie leicht flattert das Finale vorübrr! Dem leichten Spiel begegnete das Publikum mit einem Applaus in brausendem Fortisiimo, der Ven Komponisten immer wieder aufs Podium rief. — Auf die anspruchslose Symphonie, die bald von Brahms träumt, bald von Schubert singt, folgten Vorspiel und Atarsch aus Berlioz' „Die Trojaner vor Karthagy". Die Musik tut sehr anspruchsvoll, namentlich der Marsch gebärdet sich mit seinem bunten Orchesterüehang recht au^ringlich uird Weingartner tat noch ein Nebliges, indem er das Mryetbeersche Pathos durch ein Heatvalisches Schluß-Ritardandö üntevstrich. Schumanns . S-Duir-^ymphonie op. 61, pon de»' Philharmonikern mit Schwung gespielt, läßt dir finsteren Dämonen geistiger Krankheit erkennen, von denen sich Schumann bei. to Komposition des Werkes allmählich fveimachtr. Der begabte junge Dirigent Dr. Hans Pleß steckt sich feine Ziele vorderhand zu hoch. Mahlers siebente Symphonie, ein Stieikind unter seinen Werken, erfordert mehr noch als die populär gswowem „Zweite" oster -,Drrtte" intimste^Einfühlung ir; Mahlers Tondichten, sie verlangt jene überlegene Dirigentenkvast, die dem giganüschen Ringen der Beitot Ecksätze kongenial ist. Me Weiß von Schwarz heben sich diese in ihrer Hellen Lebensbejahung von den drei romantischen durrklen Mittrlsätzen ab. Mahler selbst bezeichtsew den zwvtten unV vierten . Satz als Nachtmusiken, zwischen diesen huscht wie eine Vision von E. T. A. Hoffmann ein Scherzo in bleichem Gespensterspuk vorbei. Da lebt sich Mahlers parodistrscher Hang aus, während wir in den Ecksätzen die' vollkommene Archttcktur und die Freud? äm formalen Hmrdwerk. bewundern. Auch dadurch, daß im Finale, dvs sich, in freien Variationen ausbaut, das Allegro-Thenta des ersten Satzes in strahlendem Glanze einfällt, ist der. Ztlsanmrenhaug der bÄden Sätze gegeben. ‘ Eine meistechaste PiederMbr' der vierten Beechoven- Sym-'honie' verdvicken wir Direktor Franz. S chalk. Auch es immer, wiettrr. bange Fragen, dunkle Erinnerungen, drohende Wendungen, dir tnt heiteren Spiel des^AÜegro .warnend ihre Stnnme erheben.. T.iefe'' Seligkeit atmet das. 'Adagio, dem die Forschung Bezirhüngen zu Beethovens „UnstEicher Geliebter" zugrunde, legen wollte. Gleich ditzstzür.erfuhren das Meyuett, haß sich, stark, dem. Scherzo HpüsHUheTr' uttb’-:ddS^.fMliÄ.^^MichM Finale eine Feier- Üchkeit, ^e. zum Syryphoniker Bruckners ebensowohl. ge. .hört,' wir züm Menschen ÄMck^ier die kindliche EiüsÄt und die.bcmerlichL-FDmnnglesi</ v. Bernhard T t i t e l bietet stets inteveffante Prograrümein soWer, mehr unruhiger als beschwingter Wiedergabe, sq letzthin Ottorrno R e s p i g h i s symphonische Dichtung . „Fonwne di Roma". Die -.italienischen Tondichter^ ver-i herrlichen ihr ÄaterlanV. Während Mfredo Casella in seiner', .symphonischen Dichtung „Jtolia" ans dem italienischen! Volksleben schöpft, malt Rvspighi Roms Wasserkünste. Sein i Programm könnte von BöckliwMn Bildern angeregt, sein und seine moderne Koloristrk, die ihm hie Haupt» suche ist, fft ebenso vornehm wi-r meisterhaft. Das Wasser rauscht und mit ihm der Chor to Sirenen, Najaden und^! Tritonen, das Herr dev Instrument? schwillt und mit ihnen! Acht und Farbe der Musik. Tagesanbntch, Vormittag und'! südlicher Mittag lösen «raandlrr ab und schließlich sinkt, hre! Nacht in einen: melancholischen Decrescendo und im zarte-! sten^Gswebe des Orchesters hernieder. Wie zu müsikver--! gleichetrder Betrachtttng folgte ' ans dieses farbige Bild'! Richard Strauß' symphonische Dichttmg „Aus Italien", in! der er in freier symphonischer Form die Eindrücke! 'to.Hauptstationen seiner italienischen Reise in jugendlichem! Frohsinn musikalisch nmdeutct. . In den von.Dr. D.. I. Bach geleiteten Arbenersyntpho-': niekonzerten, dir schm: manchemffchaffenden und reproduzier! «enden Talent den Weg zum Erfolg geebnet haben, debw-j fferte der junge Lübecker Kapellmeister Erich S t e ck e l, ein gebürttger Wieiwr, der hei Franz Schalk den Kapellineister-! Mrs absolviert hat. Mit Temperament' und Geschick diri-! gierte er-Berlioz' „Phantastische Symphonie" und hatte! gär bald, den engen/Kontakt mit dern Orchester und den! dankbaren Hörern hergestellt. — Ein verläßlicher Kapell-! meister ist auch Robert M a n z e r aus Karlsbad. In dem Konzerte der Geigerin Editha- Braham, die in Beet'! Hovens Violinkonzert in technischer Hinsicht Bescheid wußte,! dirigierte er eine furze Symphonie drs dtüssen Bastle Ka^' l r n n i k o w,. die, in den klastischen Formen gehalten, auf.' virtuose' Wirkungen ausgeht rckd dem Vorbilde.Tscho>--' kowskvs nachstrebk. . ' ,! -

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