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Wiener Morgenzeitung · 1923-02-02 · Heft 1427 (2.2.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1427 (2.2.1923)
Date
1923-02-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wien: Znro Abholer: in der Expedition, lUTahOrstr.lA oger in einer Verschleuwtelle (Tr*fik) monatl. K 28.00a mm Mit Postversand für Wien n, Oesterr. menst!. K 28*000 Ts cbech Ö-Slowakei: Mon, K17. Ungarn: Mon K 600. Jugoslawien: Mon. Drnar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. F rankr,, Belgien: Monatl. Frcs.8 Nachzahlungen...— Preiserhöhungen ' Vorbehalten . Jahrgang Sie nMe Nummer der „Wiener Morgen zennng" erscheint Eamrtag stütz zur gewöhn lichen Stunde. ricnaihe^lfiwikiilt (schecha tt ti-. .11 a I i e n: Monat!. 10 Ure Rum an i e n, Bulgarien Monatl. 601 eibervr. Lewa, Schweiz und das übrig* Ausland monatlich -Frcs. V Redaktion u. Admihisträttens Wien, II., TaborBtrassel’ Telephone: 44-0*38,43»2J-t 9, ab 6 Uhr abends 16-301. TeL-Adr.: .Morgenzeitung*'. Wien Oesterreichisches Postdpat« . hassen Konto Nr. 1,50.69? Von Israel ZaNgplll. (Copyright by A. C. B., Loridon.) Ich habe gehört, daß der Riese von Israel, den tüfe betrauern, behauptete, von; Abarbanell ckbzustammen, und nun, da es zu spät ist, mache ich miv Borwürfe, daß ich ihn niemals darum Gefragte. Sicherlich glichen diese beiden Helden der jüdischen Geschichte einander von Angesicht, obwohl vielleicht der., große Bart, den sie trugen, die Verschiedenheit ihrer Züge verbergen mochte;' und es gibt sogar . AehnlichMen in\ ihrer persönlichen Geschichte; denn beide vereinigten eine praktische Laufbahn mit ihrer philosophischen und Literarischen Tätigkeit, und bewe konnten ihr Denken mit Elementen stärken, die sie den Erfahrungen ihres täglichen Lebens entnahmen. So wurde Abarbanell durch seine ministerielle Stellung als. Schatzmeister des Königs von Portugal und als Vermittler von Handelsverträgen dazu befähigt, seine theologische Exegese tritt politischen und sozialen Betrachtungen über die verschiedenen Epochen der Bibel zu bereichern, während Nochaus ärztliche Praxis seinen theoretischen Ansichten Wer literarische^ und künstlerische, „Entartung" Wirklichkeit lieh.- Beide Männer waren geistige Madiatoren, hie ihre Meinung über andere Denkerin gewaltiger Sprache aüOrütktert; beide schenkten lihrMsBolke, deri MH zu. einer W§rep die' Vertreibung dt'r Juden stus^WanM^ .Nordau durch die Pogrome in Skuß^aÄ• DWM'wrirdtz;i'freikch war Abarbanells Zionismus von jener mystisch messianischen Art, die zu seinem Zeitalter gehörte. Aber während Abarbanell aus Spanien vertrieben und sein Angebot von dreißigtäusend Dukaten für die Widerrufung des Generaledikts abgelehnt wurde/ fand Nordau seltsamerweise, aus Frankreich verbqnnt, dort seine Zuflucht; allerdings nahm in seinem Falle das gusweisende Land seine Dukaten noch mit in den Kauf. Mer wenn im tiefsten Sinne Nordau mit seinen lebenslänglichen Interessen für ethische und religiöse Probleme seinem berühmten rabbinischen Vorfahren nicht unverwandt ist, so herrscht doch zwischen ihnen ein ebenso tiefer Unterschied. Abarbanells Lehre galt seinem Eigenen Volk, Nordaus der Welt. Sein Zionismus war rein, oder wenigstens hauptsächlich politisch, in erster Linie ausgenommen, um seinem Freunde Herzl aus der Not zu halfen; er stand in keinem notwendigen Zusammenhang mit seinem übrigen Denken, wenn er diesem auch nicht geradezu widersprach. Dieses Denken schimmert,' obschon verdunkelt, durch die Boltairesche Heftigkeit seiner Erstlingsschristen, selbst durch „Die konventionellen Lügen der Kulturmenschheil"; die er vor vierzig Jahren schrieb; es bergoldet noch die niederdrückenden Behauptungen seiner wellerschütternden „Entartung" — des sieghaften Werkes seiner mittleren Periode — und es strömt leuchterch aus den Seiten seines letzten Beitrages zur Philosophie. Dieses Werk, „Die Biologie der Ethik", wurde in Madrid während seiner spanischen Verbannungszeit geschrieben und im Jahre 1916 mit einer rührenden Widmung an seine Leidensgefährtin veröffentlicht. Frei und furchtlos alles hinnehmend, was die neueste Wissenschaft und Forschung ihm verkündet, vertraut wie kein zweiter mit „dem Besten, das gesagt ward und gedacht" in jeder Sprache, findet Nordau in dem ungeheuren Reiche des Mysteriums, das durch alles dies noch nicht erhellt wird, nur einen Leitstern — den moralischen Fortschritt der Menschheit. Diesen, der nach seinem Ausspruch allein das Ätzen lebenswert: macht,, sieht er als historisch erweisbar, 'ay: als sichtbar sogar durch allen Verfall der Zivilisation und alle neue. Barbarei. des großen Krieges; indem die Aufopferung ungezählter .Menschen für die falschen Jdeast,. die man sie.gelehrt, schwerer wiegt; als hie BeÄrechen. der wenigen Herrscher',- die'.'ste' 'juhehr - hießen:' „Es lebe der Tod!" UÄ so ist sein letztes Wort, da er. in das Schweigen des Grabes eingeht,, das gleiche, wie.Tennysons: „Strebt aufwärts, wirkt hevaüs das'Beste, und Afs' mnd Tiger laßt vergeh'«!" Abarbanell' würde die messiämsche Hoffnung mit. anderen Worten, ausgesprochen, haben. Aber ist Mietzlich die mvderne tausendjährige HöfsnuNg weniger Mystisch und ineffianisch als die alte?.' v '; München, 1. Februar. Im Staatshaushaltausschuß des Landtag^' legst - Ministerpräsident Dr.. v. Knilling in -Anwesenheit des ganzen Staatsminstteriunrs die Grunde für die Verhängung des AusnahrMüstanbes aus Anlaß des nationalsozialistischen Parteitage^' dar. Der Ministerpräsident Wlderte die Besprechung, rnit H i t l e r, der Dw- .hungen ousgestoßen habe für den Fäll der Verweigerung der Zustimmung zur schlichen Begehung des nationalsozialistischen Parteitages. Hitler sagte, die Regierung könne Wehen, er werde sich an dre Spitze stellen,, und man könne auch ihlt evschießen, aber, sagte er/ der erste Schuß löst eine rote Flut aus, und. was darin komme, das werde man dami sehen. Zwei Stunden nach, dem ersten Schuß sti dst Regierung erledigt. Hitler sagst' werter, der Widerstand im Ruhrrevier werde in wenigen Wochen zusammeribvechen. Dann würden solche Zustände einirestn, daß die Regierung nach der Hilst der Nationalsozialisten verlangen werde, aber e§' wende sich dann niemand für die Unterstützung der Regieru-ng hergeben. Hitler schlhß mit den Worten: Bei Philippi sehen wir uns wieder. . ' •' > Der Winvsstrpväsident führte spdarin aus, ringssichts einer AuchlKnMMMs vöPomnstriWßründet gewesenundsie .Einstige' WiMDgMWt.' Redner betonte die Notwendigkeit der Erhaltung der Einheitsfront: und; schloß mit' den Worten eines französischen Mrstvals-im besetzten Gebiet, , der gesagt haben soll: Wer den KamPf imbesttztenGebietgewinnstder hat den Weltkrieg endgültig gcwonnem Dicst Worte, sagte der Ministerpräsident, zeigen erst recht, wie nötig die EinhelisfwM im Kampfe für das Vaterland jetzt ist. ' * In der hierauf folgenden Debatte ivandten sich sämtliche Parteien in der. heftigsten Weist Men die Nationalsozialisten. . / Der Führer der Sozialdemokraten Abg. Affie r sstllte an den MÄvister des Innern eine Reche von Frrigen, darunter, ob chm bekannt sei, daß Offiziere und Wachtmeister der Landespolizei in* staatlichen Räumen mit staatlichen^ Waffen nationalsozialistische Sturmtrupps leiten und im^ Wafstngelbvauch abrichten. Ferner fragte er! ob der Regierung bekannt fei, daß bei einzelnen Truppen AbstLmnmn-, gen vorgenommen würben, ob sie für den Fall eines Ein-, creisens gewillt seien, gegen Hitler vorzugehen, und' schließlich, ob dem Mi nister bekannt sei, daßder StuvmtrM'penfühver Lütge in den letzten Tagen in der Reichswehrkastrue mit 10.000 Mark-Scheüstn nur so herumgeworfen habe, und daß dieser Lütge ein. Spitzel der Entente sei, der wiederholt Wäfstnlager der Reichswehr der Entente verraten habe. Nach einer weiteren Debatte,.in,der Minister des Innern Dr. Sch Weyer erklärst, die Anfragen des Abgeordneten Auer erst beantworten zu .können, bis er darüber' införmievs fei-, und'mitteilte, daß die Staatsanwaltschaft sich mit .WriWWMg ^d^r Sturmtrupps befasst, i WstW mit allen. Sstmmen der bürgerlichen Parteien die Haltung der. Rdstierün g tzeitz ■■ * *'■**. ' , V ", '' ' . '' ' .Antvage der Sozialdemokratischen und der Demokrat^ scheu Parstr, den II us nahm.szuftand so fort, b eziehungsweise sobald als möglich aufzubebcn, wurden abgelehnt. Der Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung von sich aus, sobald sie es verantwortenkönne, den Ansuahmsznstand wieder aufhoben werde. -V - - 1 JieSitttBiionineffett. 1. Februar. (Wolff.) Es sind alle Maßnahmen getröfstn' worden, damit die von istri Besatzungsbehörden angchülstnen Koks- und Kohlenzüge nicht nach Frankreich gelangen.. Die Stimmung der deutschen Ekstnbahner, die bisher in der ersten Linie des paffiven Widerstandes standen, ist fest und einheitlich. Das gleiche gilt von der Bergarbeiterschaft des Ruhrreviers.; Im Bahnhof Mengede haben die Franzosen für eißem Zwecke 25' Waggons Köhler: 'aufgeladen, die Eisen- Lahnverwaltuing 'weigerte sich aber, sie weiter zu führen, Pa sie für .den Transport keine Haftung übernehmen könne. Bei der Besetzung der Fahrzeugwerke Lumeg in Bochum, die erfolgte, um zwei Privatkraftwagen zu beschlagnahmen, wurden den Angestellten Revolver und Dolche an die Brust gesttzt und ein französisches Pcknzerautorichtete beide Geschütze aus die WeMeitung, und die Arbeiter. Dst Boamstnfchast wevgerte sich, .den, Aülpeisringen der FvaG zostN Folge zu lefften. . > In Esten ruhen Post, Telegraph mch Teleschön noch immer., . . . Die deutsche» Kotzlenlieferungen. Paris, 1. Februar. (Tel.-Kmnp.) „Humanite" teilt mit, dastin den ersrin els.Tagen des.Monates Jänner das Repavationskohlenamt täglich von Deutschland im Durchschnitt Ü2.645 .Tonnen Kohle geliefert erhalten hat."Vom 13. bis 16. Jänner sanken die LicserunM aus 5,70 Tonnen, am 16;.Jänner: liefen mir mehr 4000 Tonnen, am 17. Jänner . 1D0 Tonnen, urid ain 18. Jänner 600 Tonnen ein. Vom 19.- Jänner äb sind die Liestrungen von Reparationstohle aus dvm Ruhvgebiet> überhaupr aüsgeblieben. Da» Revifiomgrsuch der Lechenüesther der- Müinz,. 1, Februars Die .von den, Zechenvertretern des Ruhrgobsttes' beim' Rwisionsgericht des' Generalstabes der fraorgösifchen.Rheinarmeegegen drs.' Nrteil. des. Kriegseo^elWe'. MrisiM, .fft'.b<rtVorftn'-w'oü'-'«. gegen dar Katzlenansfahrverbot. Düffeldorf, 1. Februar. (Wolff.) Der fvanzosifche General D e g.o u t t e hat. an den Regierungspräsiderrten Dr.' G-rü tz ne r den Befehl gerichtet, das Ansfuhrvewoi von Kohle und Koks an dre m Frage kommenden Behörden weiterzuleiten.' Der Regierungspräsident hat die Ausführung dieses Befehls abgelehNt, da die deutsche Regierung den Einbruch der französischen und der belgischen Armee als Vertragsbruch ansthe und die deutschen. Bchörden angewiesen habe, keinerlei Verordnungen auszuführen, die sich aus dvestm Embrnch ergeben. Er sähe es für sich und alst Boamten als Pflichtverletzung an, wenn er den Anovdrmngen des französischen Generals Folge leisten würde. Er evhebe gegen das Kohlenaussuhrverbot als Bruch des Vertrages von Versailles 'schärfsten Einspruch und sthe darin eine Verletzung des Völkervechtes. , Dr. Beursch für eine Einigung zwischen Deutschland n«d Frankreich. Prag, 1. Februar. Ist seiner Erwiderung auf ddr im Laust der gestrigen Debatte im Außenausschuß des Senats vorgebrachten'Fragen und Kritiken,' insbesondere aus die Rede des Senators Nießner, ..erklärte Minister des.Aeußerri Dr/. Benesch beKtzlich. der Reparationssrage, er anerkemde gerne alles,' was Deutschland -schon geleistet' ha>be, ünv er anerkenne den Mut der deutschen Politiker, die/die Kvaft ' hatten, .in diestr-schweren."'Lage, in der sich das' Deutsche Reich befinde, wenigsstnsMsiidurchzuführen, was sie schön geleistet haben. ,'LeMr - fei das aber nicht genügend. Er stimme aber nicht der , Ansicht zu, daß die/Konzeption der französischen Repawtionspolitik grundsätzlich und von Grund aus rechtswidrig" sei. In einem'könne er dem Senator Nießner P«eipslichten,' daß es, im eigensten LchenK» intereste der,tsch?ch.i-slowäkischen Republik liege, daß sich. Fvankreich und i Deutschst nd' ein i-gen. Die TM.ch^-M'cMkÄ , habe durch Völle/ bicV: Jahre ihre Außenpolitik in dststm Sinne ^esührt. i L ' ' ' ä ^,i. A-kiiL ■dtisamBaa^dMBa J.

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