Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1425 (31.1.1923)
- Date
- 1923-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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EIKzelnnininer K10 00 Wien* Zum Abholen in der Expedition,1 l, Tabor 3t r. 1-3, »der in einer Verschleis*telle (Trafik) monatl. K 28.000 'Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 28.030 Ts che c h o-S l ow^ k e i: Mon^K 17. Ungarn: Mon K.600, Jugoslawien: Mon. D?nar 30. Polen: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. Frank r., Belgien: Monatl Pres. 8 MP Nachzahlungen *USO bei Preiserhöhungen Vorbehalten Dir. 1425 Sevres md Lavsame. —y. W i en, 3'. 5ärner. Die Lausanner Konferenz tritt mm in das entscheidende Stadium! Seit Mitte November sind die Vertreter der Großmächte, der Türkei Und Griechenlands versammelt, um die Nevision des Vertrages von Sevres durchzuführen, und nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten .ist man endlich so weit gelangt, die FriedmOedingungen in die letzte Form zu gießen. Der Vertragsentwurf kann nunmehr nur angenommen oder abgelehnt werden. Nur das Schicksal von Mossul mit seinen reichen Oelfeldern wird vom Völkerbund bestimmt werden, vorausgesetzt, daß die Türkei damit einverstanden ist. Vorläufig scheint es damit noch sein Bewenden zü haben; die Türkei, die im Norden des strittigen Gebietes ansehnliche Truppenkräste konzentriert, hat, macht Miene, nach bewährtem Muster eine vollzogene Tatsache zu schaffen urÄ Mossul anzugreifen, weshalb England eine Verstärkung seiner Garnison ins Auge saßt. Auch sonst ist die-Zuversicht in der Entente auf -den Friedenswillen der Angora-Negierung nicht sehr stark, denn auch Frankreich hat im Hafen von Boulogne Kriegsschiffe versammelt, die im gegebenen Augenblick nach dem Orient abgehen sollen. Der Entwurf des Friedensvertrages trägt den Resultaten des griechisch-türkischen Feldzuges insoserne Rechnung, als er Griechenland vom asiatischen Kontinent entfernt. Griechenland verliert nunmehr auch de jure das Gebiet von Smyrna unddie zwölf Inseln, die unter italienischer OberhoheitbM^n. Die Türkei muß die Unabhängigkeit -:Wghpj-.tzs/.''KL's französische Herrschaft in Tripolis, sowie den'Berlust aller übrigen im Vertrage von Sevres abgetretenes Gebiete äner-. kennen. Sie erhält nur Thrazien bis zü> Mavitzagrenze zurück, verliert aber den'Bahnhof von Ädrianopel, auf den Bulgarien und Griechenland'Anspruch erheben. Die -vom Völkerbund erteilten Mandate an England und Frankreich. bleiben außerhalb der Diskussion, es wird also speziell in bezug auf die jüdischnationale Heimstätte in Palästina eine neuerliche Bestätigung aller bisherigen Beschlüsse der Mächte und des BöLrerbundrates vorgenomnten. Eine Bestimmung des Vertrages enthält .eine geradezu ungeheuerliche Verfügung: den Austausch der griechischen und türkischen Bevölkerung in Kleinafien, respektive Thrazien. Es hat in der'modernen Geschichte etwes derartiges noch nick t gegeben, daß Millionen von Menschen auf Grund eines Friedensvertrages von der heimatlichen Scholle losgelöst und mit dem Muttervolk vereinigt werden. Es mag sein, daß die in Betracht kommenden Griechen und Türken ihr Schicksal als ' eine Wohltat gegenüber dem -bisherigen Zustand betrachten; das türkische und griechische Flüchtlingselend ist. im Verlauf des letzten Jahres zu einer grauenhaften Tragödie geworden, die cs vielleicht ' verständlich erscheinen läßt, wenn die beteiligten Mächte die Frage radikal zu lösen beabsichtigen. Immerhin aber ist sestznstellen, daß weder die griechische noch die türkische Be-' völkerung danach gefragt worden ist, ob sie mit dieser Lösung einverstanden ist und ob denn nicht auch ihr der Boden auf dem sie bisher lebte, wert und teuer geworden ist.. Im ganzen ist von diesem Friedensvertrag genau bas Gleiche zu sagen, wie von allen Verträgen, in denen der Weltkrieg liquidiert werden sollte- Er ist vorerst nur. ein Provisorium, und erst die Entwicklung wird zeigen, ob er sich-im Bewußtsein der Völker als völkerrechtliche Tatsache wird festsetzen können. Jeher Vertrag ist nur Papier und bleibt es, wenn nicht der Wille besteht,.ihm Leben zu geben. Daran aber fehlt es aus beiden Seiten. Die Entente ist mch teinig, und aus Seite der Türken besteht sicherlich nur sehr geringe Neigung, den Vertrag als definitive Beendigung des Krieges zu betrachten. Der Angora-Nationalismus ist rein miliärisch orientiert, und es ist ein bedeutsames Symptom für seine Friedensbereitschaft, daß Kemal Pascha noch jetzt, knapp vot der Finalisiernng des Lausanner Werkes, die indischen Mohammedanerzu einer Nebellion gegen England auf-' ruft. Unterzeichnet die Türkei inicht^'so.ist ein neues Aufflanunen des Krieges Mr ein'Frage von Stunden, und dann steht der ganze-Balkan-in neuem Brand, dessen Lokalisierung allein eine sckMre Probe aus dfe Berh-andlnttgskunst der Großmächtewäre. Sie hätten zu verhindern, daß ihr bißchen nwralisckie Autorität von Fäszisten, Hakenkrcuzlerti \\nd Erwachchtden, zerpflückt wird, die längst mit Kemal oincs Sinnes geworden sind un! mit ihm darin übereinstimmend daß sich dckZ Zn- . jämmenlelren der Völker durchaus nimt auf Friä»en ■ / .. ‘s: i lener Men. Mittwoch. 31. Mnner 1923 »sehech. Italien: Monstl. 10 Lira R.u.m a n i en, Bulgarien Monatl. 60 l ei bezw J-ewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 3 Redaktion ti. Administration Wien, n., Taborstrasse 1 —3! Telephone: 44-0-38,43-3-19, i ab 6 Uhr abends 16-301. < Tel» Adr.: .Morgenzeitung“; Wien Öestenreichisches Postspir» kassent Konto Nr. 150.693 5. Fchrglmg Ctteil in Wiesbaden. — Unruhen in Büvvmd. und segensreiche Ordnung ansbanbn soll. Diese UebereipstiUinmng hcrt auch zu M 'AMendung der' gleichen Taktik gegen die Minderheitey geführt und zu' einem Berlin, 30. Mnner. (Tel. d. »28«. Morgenzektung") Wsie aus Wiesbaden gemeldet wird, sind die Eisenbahnbeamten und Arbeiter Wiesbadens heute in den Streik getreten. Seit halb 3 Uhr ist der Hanptbahnhof stillge7egt. „United Telegrahh" erfährt, daß die zwichen den BesatzungsbehLrden und den Eifenbahnorganisationen im Gange befindlichen Verhandlungen abgebrochen worden sind, weil keine Aussicht auf eine Einigung bestand. Der Verkehr ist heute nachmittags im ganzen besetzt en Gebiet stillgelegt worden. . Der Bürgermeister von Koblenz ist ausgewiesen worden. Infolge der starken Erregung wurde eine m a r o k k a n i s ch e M as chineng?w ehrabteilnng nach Bopp a r d verlegt, was zu Zusammenstößen führte, über deren Umfang noch nichts Genaues bekannt ist. Man konnte nur auf dem Umweg über Papis erfahren» daß im Verlaufe von Kundgebungen^ die die Bevölkerung ans Anlatz der Ausweisung des Bürgermeisters verunstaltete, ' die Marokkaner eingeariffen und ein schweres B l u t b a d an-*edatz zwanzig. ' DeWche' > -MWofsW! .wövdMv^'fese'N,DWM Ane ftanMche Meldung. Koblenz, 3tt. Jänner. (HaTas.) Die Lage im Zngsverketzr am linken Rheinufer hat sich gedeffertl Die von Berlin aus gemachten Bemühungen zur Proklamierung eines allgemeinen Ausstandes Haben k eine n E r f ö l g. Die deutschen Eisenbahner haben die Arbeit wieder a u f g enommen. AsenbatzneOrei! im Mainzer Gebiet. Frankfurt, 80. Jänner. (Wolfs.) Sämtliche' Bezirksleitungen der Organisationen/dexBeamten und der-Arbeiter im Eisenbahnd'.reltiönsbezirk Mainz haben die s ofcrtigeNiederlegu ngtz»:s geftmten Eisenbahnb a h n d i enstes nn besetzten Gebiet der Eisenbahndirektion Mainz angeordnet. Sicherem Vernehmen nach werden gleiche Anordnungen' für den Bezirk L u d w i g s h a f e n getroffen werden. Wve v?n der Ezsenbahndirektion Frankfurt mitgeteilt wird, wird'der >öeick-ehr Franksurt—Darmstadi von dieser Maßnahme nicht betroffen. - Keine Annexion des Rnhrgebretes. Püneare über die Aktion. Paris, 30. Jänner. (Wo'ff.) Ministerpräsident P o k ncare erklärte den Pariser Korrespondenten der amerikanischen Presse, Frankreich habe nicht die Absicht, das Ruhrgebiet zu 'annektieren^ um die - für die Eisenrndustrie in Lothringen notwendi,?e Kohle hevruszu-holen. Er betonte jedoch,. daß die fva-nzösische Ärrtteeso lange das deutsche Gebiet besetzen werde, bis das ■ Reich feilten Repara- 1 ionsv erpflichtungen gemäß den Klauseln des Versailler Vertrages nachgekommen sei. Wenn^ Deutschland dartüe, daß es die Absicht habe,, seine Verpflichtungen duvchzuführen, wenn es mit ZahlünHen beginne und Lieferungen aüsführewie sie MSgLmaMMrihen, s o w e r de n d i e f ra n z ö fischen und d ie' b < l.g i s che n T r u P P e n s i ch a u s d e m R u h r g e h i e t z u rück z i e he-«/'''und 13 Jahre, nachdem mit der Ausführung der Vertragsbei stWckpngeN lMgönnenVs'ein^wciche^.'werde auch das Unke! Rhennifer. geMnit - weMen, Däsl.'Deutsche. Reich könne 'das j RührMiet befreien, wenn eS fein § i na nz fy ste m re-? p r g.^tt..i.s.i tx£und.'eü« .soside, Basis schaffe, uni eine mUrnqtionale Anleihe zu sichern, deren Ertrag für dcy Wiederaufbau bestimmt wäre. Aber Frankreich fei eilt* mutig darin, die Garantien, die dütz' Ruhrgebiet-darstelle, vor diesem Augenblick nicht, aus der Hand zu.geben. Po-incare verwahrte sich daMgen, daß Frankreich bedeutende Summen für die Besitzung ausgobe. Fvcackrerch habe nicht einen Soldaten mobilisiert ntzd verwende bloß die bereits unter den Fahnen besüHlichen Leute. / AeuMand zu DerhaMMMl bereit. Paris, 30. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".> Der „Matin" behauptet, offiziöse Stellen hatten zu verstehen gegeben, daß das deutsche Kabinett die Räumung des Ruhrgöbietes nicht -ryehr als grundlegende Vorbedingung für di-e Eröffnung von Verhandlungen betrachte. , Stillegmq vo» Hochöfen in Lothringen. B e r l i n, 30. Jänner. (Tel.-Komp.) Iw folge K o h l e n w a n g e l s sehen sich die lothringischen Eisenwerke gezwungen, eine Anzahl visster gedämpfter Hochöfen ganz aus. z n blasen. Nach der „Journet Industrielle- ' entfallen drei disser ausgeMasenen Hochöfen aus das Gebiet von S o n^g w h und R a n e tze der Rest aus Luxe m b ü r g. Damit ist ein Birrtel der lothringischen Wsenindustrie stillgelegt. -, ■ ' i'-' / -7 -i ®le -18«: -t Dcr sranrSsi^^Mken I«;; Die Enttvvvtung R e t ch s m a r k auf deninte-, nationalen Piätzrn macht Mich weiters Fortschritts. GH stern notierte sie m Z ü r i ch 0.012Z und ist bereits u n t e il den Stand der p0lnifcheit Mar! gesunkeü, die 0.0162 notiert-. Einen starken Rückschlag hat der sran-- 3oft sche Franken erfahren,. der sich von 33.50 auf 32L0 senkte. Auch die übrigen Zahlungsmittel in Zürich wiesen Rückgänge auf, dagegen hat sich Zahlüng Wien auf 0.0074 gebcsiert. , , ' J-n Berlin löste der Mentwegte Rückgang des Reichsmark auf drm dortiMn ^visenmärkie en« kachströphale Hausse der fremden Zahlungsmittel aus. So stieg bcj unregelmäß'gem Verkehr der Dollar um rund'6484 Mark auf 39.650,62, das Pfund um 28.927 Mark 'auf 182.043, ferner erhöhte sich tzer.fr a n z ö s.i sch e F ra n kiech von 2054.85 auf 2428.91, der Schweizer.Franken von 6184.50 aus 7380.50, Lire von 1566.07 auf 1855.55. die tschechische K r 0 n e von 952.61 auf 1142.13,' Z a h> lung Budap e st von 12.66 aus 14.56 und Za hl tut g Wien vcn 46.63 aus 55.11. i . Aus Prag wurde eine Steigerung der R e i ch smark von 6 aus 8 und eine Besserung der osterreichischett gestempelten Kronen von 4.40 auf 4.55 gemeldet. Das mmt Kabinett gestürzt. Dresden, >30. Jänner. (Wolfs.) Der sächsische Dmd» nahm in seiner heutigen Sitzung einen Antrag der Kommunisten, wonach tz».m Minister des.Innern. Lipinski das Vertrauen zu entzirh-en sei,. mit den Sl'lmmen der Kommunisten und der Rechten ani Daraufhin trat das (^samtmimstermm zurück nutz die Etzung wurde geschlossen. Das Ministerium führt die Geschäft« bis zur Neubildung des Kabinetts , weiter. f Jas englische fotlmnent wird einfeetufen. London, 30. Jänner. (Tel.-Kotnp.) > Die Abgeordneten der Arbeiterpartei..versammelten-sich^ gestern unter d:m Vorsitze von Ramsah Mach0nald, um die durch dis Basttzung des. Ruhr-Geb.iet.es geschaffene Lage zu Prüfen. Nach einmr vffizieÜLU' Comunique wurde brschlossen, Bonar Law . zu .ersuchen, das Pabament wegen, des Ernstes der.Lage noch vor dem 13. Wiruar einzuberu'eyi Macdon«.ttd hatte grsteriv mit Bonar Law eine längere Unterredung,:: ' y.. festest Plast, aus allen Uüftiinmigfettcu der Großen, aus all ihren F' '-rn nutz Sünden wider den 'Geist--nngesänmt alle olüssc ztr ziehen: Auch der neue Vertrag b-etet ibnen viele touinüitiaen- L^wirst ihn die Türkei^ danngibt es Krieg; Wut ihn Griechenland ab, dann gibt es vielleicht keinen großen Krieg,, aber doch .Reyosttkion nnd Irve^ntä. Und zn'r gleick-en .Zeit Herrscht dci: Belagernngszilstand im Rulirrevier und in Münchcn. Alles Din-tje, die viele hoffende Träume im Lager des pogroml^stiaen RechtÄo'lschewlsmns wech»rv '