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Wiener Morgenzeitung · 1923-01-30 · Heft 1424 (30.1.1923) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1424 (30.1.1923)
Date
1923-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/•V Men, Dienstag, W. gänner 1923 JInzeInnmraer K1009 Wie p v Zum Ah holen in der Expedition, 1 h,Taborstr. 1-3, pderin einer V er schleisstelle iTrafik) monatl. K 28.000' Mit Postversand fiir Wienn. Pesterr. monatl. FC 28.000 fr chech o-Slowakei: Mon. IC 17. Ungarn: Mon fC 600. Jugoslawien: Mon. D?nar 30. Pöleh: Mon. Mk. 6000. Deutschland: Mon. Mark 2500. F r a n k r., Belgien: Monatl. Fircs.'8 WT Nachwahlünjep “3V M Preiserhöhungen ' vorbehaltin ilr. 1424 FMMrskhs MÄWt. F. 50 i « n, 30. Gönner. Wladimir Jabotinsky ist unleuKar eine der fnackantesten Figuren in der.Reihe der stihrenden Persönlichkeiten im Zionismus. Er ist ein Publizist' von Kraft und Eigenart, ein Agitator; und Redner von stärkster Massenwirkung, ein Mann von mitreißender Energie, der seinen Weg unbeugsam zu Ende zu gehen sucht. Er hat. während des- Krieges rasch . entschlossen eine jüdische Legion von zionistischen Freiwilligen organisiert, welche, im Verband der englischen Truppen auf dem Kriegsschauplatz des Orients kärnpfend, manche heroische Tat vollbracht, der Sache der Alliierten wertvolle Dienste 'geleistet und seinen Namen überaus populär gemacht hat. Er hat während der traurigen Araberexzesse in Jerusalem eine . Mische, Selbstwehr aufgestellt und wurde dafür, von einem englischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Bach wurde diese Strafe in eine langjährige Kerkerstrafe umgewandelt, eine Revision des Prozesses aber warf auch/dieses -Urteil ein und Jabotinsky wurde alsbald im Gnadenwege in Freiheit gesetzt. Alle diese Umstände , haben um Iabotinskys Persönlichkeit eine gewisse Gloriole ge-, woben und weite Kreise der radikalen uyd vorn Geiste des. kriegerischen Heroismus beeinflußten jüdischen - Fugend sahen in ihm ihren Führer mw Meister. . Aber Iabotinskys Tendenzen ivaren nicht ohne Gefahr für die zionistische Sache und seine Wahl in die Zionistische Exekutive wurde von allem denen nicht ohne Gedenken ausgenommen, welche das zionistische Werk nicht mit einem militaristisch' angehauchten Dvaust gäügertum verknüpft sehen wollten, dewr der Name Jaootinsky fftein : Programm: es ist das Programm der Kampfpolitik getzew die - Araber, der AMruck der . An< riWrangung des' ärämWn ElemenWDHalMN M-: fördere und' daß'diese'Politikauch' WgltzMDgeuMr betrieben werden müsse..: IaLotirKkh'.'!lkWt k"jche - OerhaMung undjedes Kompromiß ab-ssir ihn gibt es' nur ein starres. Nein in. einer. Frage, welche/ wie die Dinge nun einmal liegen, nicht ohne gegenseitiges Entgegenkommen und ohne Bereitwilligkeit zu friMchen Auseinandersetzungen von bewert Selten befriedigend Klöst werden kann. Die Zeit der Deklarationen und der ProklaMationsPoWk, in der' vorschnellen Hast des Krieges etwas durchaus Natürliches, ist nunmehr vorüber und längst hat sich die harte Realität zum Worte gemeldet. Auch England ist an die' Verhältnisse der Wirklichkeit gebunden, auch ihm''ist es verwehrt, mit Rücksicht auf die allgemeine Weltlage und auf die eigenen . Großmachtinteressen ' in völlig autoanomer Freiheit zu schalten. Die englische' Politik -beweist ihre besondere Kunst im klugen Nachgöben und in ihrer Konzentration auf eine mittlere Linie. Dies hat^sich in der irischen wie in der ägyptischen Frage-- deutlich gezeigt und auch . in bezug aus daß arabische Problem liegen die .Verhältnisse nicht anders. Eine.-adikale Gewaltpolitik gegenüber den Arabern ist ebensowenig vom englischen wie vom zionistischen Standpunkt aus gangbar und in dieser Erkenntnis hat der Zionistenkongreß das letzte englische Weißbuch, welches sich als ein Werk der Zusammenarbeit des . früheren Kolonialministers Churchill 'mit dem palästinensischen Oberkommissär Herbert Samuel darstellt und 'den Versuch unternimmt, in einer genaueren Interpretation, der Balfcmr- Erklärung die Anpassung der' prozionistischen Politik Englands an die gegebenen Realitäten zu vollziehen, akzeptiert. Die -fnchlicho Auseinartdersetzung mit den Arabern ist eine Aufgabe, welche der Zionismus allein lösen muß und die Herstellung, des notwendigen Einyexstärchntssen zwischen den beiden Brudervölkern wird atu besten und - nachhaltigsten ohne Estglaltds . Mitwirkung erfolgen. Es -braucht, nicht der Eindruck hervorgerüsen zu werden, als ob die Haltung der palästirlensischen Ver- Ivaltüng in >jeder, ihrer Maßnahmen die Zustimmung von zionistischener Seite finde, und es hat sich in der letzten Zeit manches zugetragen, das nicht ohne Widerspruch von unserer Seite hingenommen werden kann. Aber darüber.hinaus, muß der Zionismus zu klaren politischen RichtlZ.nieu kommen, seine Leitung muß eine eindeutige - und Homogene Politik '.betteiheN, deitn. nur ans diesen:; Wege. kann unser Wers gelingen, welches die GewinnunK der' Araber ünd'.die HersteMng einer Interessenharmonie «mit diesen zur. Voraussetzung hat. Diese Erkenntnis, ist ist: letzter Zeit so.gukwie Gemeinbesitz der zionistischen Oe ffentlichM geworden und man erkenntimmer mehr, daß die werktätige jüdische Arbeit in .Palästina, dev.Ausbau einer, sigrkeü mW blüberchen rssfieebo SIowbr«i> tschech. K l.Ä Italien: Mon\tl.;10-Lirfc Rumänien, Bulgarien Monatl. 60 I. ei bfczw'. Lewa, S c h w. e i z und das Ausland pnonattich Frcs. 3 Redaktion n; Administration - \ Wifen, II., Taborstrasse 1—5 Telephone: 44-0*38,43-3-1% ab 6 Uhr abends -16-30L Tel.-Adr.: .Morgenzeitung** Wien. Oesterreiehisches Postspar' kassen-Konto Nr.’ 150.69J AeM«W verlMgt Ute MeStmg der MWM KöhleMeseMWM nach' IMchlakd. L o n d o n, 29. Jänner. (Wolfs.) „Sunday Expreß" meldet, daß die französische Regierung beschlossen Haber Großbritannien gegenüber nachdrücklich die Notwendigkeit hervorzuhebem ein Verbot aus die Ausfuhr britischer Kohle nach dem. unbesetzten deutschen Gebietzu erlassen. Das Blatt sagt, dätz die britische Negierung .einem solchen Ersuchen nicht stattgeben werde. London, 29. Jänner. (Tel.-Komp.) Nach feiner, »,Limes"-Meldnrrg belaufen sich die deutschen Kohlenbestellttngen bisher aus 250.000 Tonnen, die im März Und April geliefert werden sollen. Dev gesamte Betrag für diese Kohlenmengen beläuft sich auf 400*000 Pfund Sterling. BerfDrfimg der Lage W Hatzrgebiet. Die Verhaftungen werden fortgesetzt. Essen, 29, Jänner. Wolfs.) Die sechs Vertreter der Beamtenschaft des Post- und Tekegrapheüumles,die sichWeigerten^ eine schviMiche EvMrüWe siD den französischen Arwr-mtngenznfügen^ubMMben,wurden vferhufte^ üyd «nVeMmOWoNü fortgebracht^ Infolge dieseß VorgclwnsMr Franzosen hat das' Personal des PoM^Kstd.-Mlegräpheu-- amtes die Arbeit niedergelegt. Den Vertretern der Essener Zeitungen Würde vom französischen Stabschef eröffnet, dich die bisherige Pressesreiheit aushören werde. Als sie dagegen Einsprache erhoben, wurde ihnen die Verhängung von Maßnahmen gegen die Presse in Aussicht gestellt. Infolge des Eingreisens der französischen Behörden sind neuerdings weitere Eisenbahnstrecken von den deutschen Beamten stillgelegt worden. In Dortmund wurde eine Reihe weiterfer hoher Beamter, darunter dev Polizeipräsident, der Präsident der Oberpostdirektiön und der Bahnhosiuspektor, verhaftet. In Mülheim wurden die Leiter des Finanzamtes und des Zollamtes ohne Angabe, von Gründen verhaftet. In Recklinghausen wurde der Oberbürgermeister sestgenommen und ausgewiesen, weil er sich geweigert hatte, französische Befehle auszusühren. In Hörde umstellte eine Kompagnie französischer Soldaten mit mehreren Panzerautos das Postamt. Eine Llbteilung Franzosen. drang in hie Wohnung des Oberpostrates Tschauder ein und verhaftete ihn um 4 Uhr früh, aus dem Bett heraus. Es wurde ihm verweigert, sich von seiner Familie zu verabschieden. Ber lin, 29. Jänner. (Wolfs.) Der „Lokalanzeiger" Meldet aus Trier: Ein aus einer Wirtschaft heraustreLender Arbeiter wurde von einem Marokkaner erschossen. Die Erregung in der Bevölkerung über diesen Vorfall ist sehr groß. Die Lage hat sich innerhalb der Letzten 24 Stunden wesentlich verschärft. So sind die Bestimmungen des Belagerüngs» znstandes dahin verschärft worden, daß um 10 Uhr abends sämtliche öffentlichen Lokale geschlossen werden müsseM FranMche Meldmtgen. K o b l e n. z, 29. Jänner. (Havas.) DeL Eisenbahnerstrerk auf dem linken'Rheinufss« hat.sich nachmittags verallgemeinert. Die .Bevölkerung zeigt lebhgste Unzufriedenheit über die Einstellung des Verkehrs, Die deutsche Verwaltung hat den Eisenbahnern ihre Löhne bis Entze Februar ansgezahlt, urn sie zur Mederlegung der Arbeit e auszustacheln. Düsse l d o r f, 29. Jänner. (Havas.) Di- Alliierten haben damit begonnen, dir widerspenstigen Beamten des besetzten Gebietes zu verhaften und auszuweisru. Zwei Drittel der Angestellten der städtischen Gas- und Elektrizitätswerke haben den Streik abgelehnt. . > , Die Telegraphenangestellten sind in den Streik getreten, Pa 'srMzWsche; Soldaten^di^i Keirr TeneMrK Dr VersarMer. B et: l r n, 29. Jänner. Nach elüer Mel»> düng des „Vorwärts" aus Hamm haben dort gestern die Betriebsräte aus dem RphrziPfel^ eine Versammlung abgehalten, uw zur gegenwärtigen Lage Stellung zu nehmen. Der G ene ralstr ei f wurde feinmütig abg el e h n t. Die bisher von der Bergarbeiterschaft eingenommene Abwehrstellung soll weiterhin beibehalten werde«. Die Versammlung sprach sich ausschließlich gegen die Einftihruns der Frankenwährung aus und gelobte Treue zur deutschen Republik. ' Borah fordert ein Slrkgrersen 3»«8«. P a r I s, 29. Jänner. (Wolfs.) „Chicago Tribüne" meldet aus Washington: In einer von ihm Unterzeichneten Erklärung in den Blättern bespricht Senator Vorab das Problem. -er auswärtigen Angelegenheiten, wobei er betont, es sei kein europäisches. Problem allein, sondern es berühre vielmehr die vitalsten amerikanischen Geschäftsinteressen.. Die Farmer und Arbeiter wurden alle gleicherweise in ihrer Existenz dadurch bedroht. Das Schicksal Mitteleuropas sei jetzt in der Schwebe «nd es sei Amerikas Pflicht, in der Ruhr frage einzugreisen. Sollte Deutschland zusammenbrechen, so würde dies einen große« Verlust für alle Volkskreise Amerikas beveuten/ ^'? - M MMstatMsWe. Die Reichsmark ist gestern m Z u r i ch zum ersten Male unter 0.02 gssuncen. Die offizielle Notizder Devise i Berlin lautete 0.0162. Im weüeren Ber'laufe konnte auch ' öieser Kurs nicht behauptet!verden,s der Schweizerische Wittschaft, welche ollen Dewoünerit-des Landes Nutzen bringt, das besä Mittel darstellt, - um zu jenem Ausgleich zu führen: Kein Wort in den^ Englischen amllichen Dokümentey .hindert das jüdische Volk,' int . Lande unserer' Kcküstst jene Unternehckungen und- 'Arbeiten zu etablieren/ welche einen neüew^Aufschwung Üörbereiten sollen. Cs , gilt heute keineswegs als "paradox mehr, daß die jüdische Aufbauarbeit in erster Reihe zur Erreichung unserer Ziele führen soll und nicht die Politik schlechthin, welche nur den ganz allgemeinen Rahmen liefernlkattn. ^hotinsky ist nicht der Mann, um sich diesem Programm aMipassen und »me Znsamwenärbeit zwischen-ihm und der übrigen zionisti- Ü'chen Exekutive hat sich bqld als unmöglich erwiesen. Ihm erscheint, wie aus . seinem überraschenden Rü'ckiriüschreiben an das . Aktwnskomitee hervorgeht, die 'kvnstrukLivezionistische PoMH - die .'seit Jghren schon 'Programmüst, als Verrat an'Herzls Grundsätzen, eure -Thise, die heute -aüst allgemeinen Wderspruch stoßen > müß- Jabötinsky' rann .als. Mann der Opposition Manches zur'Aufrüttelung: der Gemüter beitragen, in -der zionistischen Leitung war für ihn von Anfang an -nicht der richtige Matz../. "d

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