Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1412 (18.1.1923)
- Date
- 1923-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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flnzelmrairterKlOOO Wien*. Zum Abholen kn der . Expedition, IL.Tabarstr. 1-3, oder in einer Verschleisatelle; (Trafik) monatl; K 28,000 . Mit Postvers'and'für Wien u.; Oesterr.; monatl. >K 28.000 iTsehe e Ko-81 owa Ic ei i Mon- K17. Unjfarn r Mon, K 60Q. Jugoslawien: Mon, D:nar 30. P o len: Mon. Mk. 4000, .Deut schland: Mon. Mark 1200; Frankrn, Belgien: Monatl. Frcs. 8 WU' Naehxjihlttogrea "MW bei PreiMrhöbungen Vorbehalte«) •*' V.» Tscheche» SIOWBktl tschech. K1.~ | 11a,l i OH: Monatl. 10 Ure R uraani e n, bukgarkeH Monatl.60 Lei bezw. Lewai S ö^h w b;i * und das übrig« Ausland4 monatlich Fres. 3 Redaktion ü; Administration W ien, 1I„T aborstr assite 1^-> Telephone: ,44*0-38,43-3*19, ’ ab o Uhr abends 16-301, TeL- Adr.: .Morgenzeitung** Wien; Oesterreiehisehes Postsparkassen-Konto Nr. 150.691 Nr. 1412 i, -»»«errtsg. 18. R»»ei 1923 8. Sahrglmg Der Hintergrund der Haken- -Zf. A i t n. iS. Jänner. Die Besetzung des Ruhrreviers durch , die französischen Truppen'hat neues Wasser auf die Mühle der Nationalisten in Deutschland geleitet.. Ihre Sturmtruppe, die in Bayern konzentrierten Nationalsozialisten, bereiten schon für die nächste Zeit den Putsch vor, der sie in den Besitz der Machtmittel des " Staates bringen soll. Die Bestrebungen zum /Sturz der deutschen Republik würden dann von München aus mit Hrötzter Intensität betrieben werden. Die Sprache, die die nationalsozialistische Presse führt, ist in den letzten Tagen gerade, infolge der französischen Aktion droWder ' und siegesgewisser geworden und es ist klar, daß hier ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Das Ziel der französische Politik ist es, Deutschland so zu, schwächen, daß es. für absehbare Zeiten tveder als politischer noch als wirtschaftlicher. Konkurrent für Frankreich in Betracht käme. Die Erreichung dieses Zieles wäre durch die Zertrümmeruag der deutschen Reichseinheit' am besten gesichert und darum unterstützt Frankreich mit allen Mitteln und aus allen Kräften alle Tendenzen, welche mittelbar oder unmittelbar, seiner Absicht dienen. Darum liegtauch! diese, politische, wahrscheinlich. auch materielle .Subventionierung der völkischen- Radauver- Lärche aus der Linie der französischen Politik; die Gleichzeitigkeit ttt dem Auftreten der französischen Soldaten in - Essest' und Dortmund, .und in der umfassenden PropagEatätigkeit der Häkenkreuzler Und rhter Kreunde in .Süddeutschland ist mehr als ein bloßer Zufall. ES. liegt eine. Absicht darin,, die ViKeMschyn in W stachften EWett Las Hefüge der deutschen Republik äN^iWchersPrengt. Me' französische Äußenpöliiik hat seitjehdrockßtzrordentlich viel'Sympathie M die MethM der vollzogenen Tatsachen gezeigt; Wo.immer in Europa ngch dem Ende des Krieges eine Gewaltaktion angesetzt wurde, ist sie von Frankreich anerkannt und begünstigL worden- Man hat ditzI. bei den Generalskriegen in Rußland, bei der Besetzung Wilnas,durch Zieliköwski, bei dem Aufstand Korfantys in' Oberschlesren, bei der letzten MAitarrevolution in Athen und in der Entwicklung des türkischen Natio»alisMus erfahren. Die Knechtung'däs ungarischen Volkes durch das Hörthy-System konnte gleichfalls, nur durch den wohlwoflenden Schütz Frankreichs möglich , werden, wie denn Frankreich auch heute noch alle Maßnahmen vereitelt, welche' einer Entwaffnung Ungarns dienlich sein könnten. Unter französischer Patroyanz ist der Bundder Kriegshetzer geschaffen worden, dessen wichtigste Zentren, München und Budapest, sich miteinander so weit verständigt haben, daß sie offen' und unverhüllt über ihre letzten Ziele sprechen können: die Herbeiführung der Weltreaktion Äs Antwort auf die von Sowjetrußland angesttebte, wenngleich mißglückte Weltrevolütion. y'"-rl Da. der. Weg von München nach Budapest über Wien führt, ist es verständlich, weshälb auch die' kleine Donaurepublik zum Schmchlätz'einer.'über-M Dämme schießenden Verhetzung. gemacht wurde. Gerade die letzten Tage haben eine Verschärfüng dieser Tätigkeit gebracht, die heuchlerisch von dem nationalen Unglück des deutschen Volkes'ausgeht und jedem fteiheitlichen Streben den Krieg bis mffs Messer angesagt hatt Die wirtschaftliche Rot schafft ein günsüM "AÄcklSstld' und macht die Bevölkerung wehrlos gegen M vom Rechtsradikalismus gepredigte Politik des blutigen Umsturzes. Es zeigt sich in Oesterreich das gröwske Bill», daß die Regierungsparteien, die Ctzristlickstöziälen üyd die Großdeutschen, nicht mehr geschlossen hmtär der Regierung stehen und .daß sie nur mehr Mil halbem Herzen die Politik unterstützen, die auf die ftiMW Sanierung des Staates gerichtet ist. Wenn diese Bestrebungen an Tiefe gewinnen sollten, dann wäre statuMch jeder Versuch, Oesterreich zu retten, zumScheiternverurteilt. und der' Staat würde mst gebundenen^. Mnden ein Opfer der von. München und. von, Biidapest betriebenenReaktion. Dchnit wärechas letzte BolsWerk fürdenFrieden m Mitteleuropa' gefallen und eine Sitstätidn geschaffen,- Vor der gestern der Generalkommissär des Bölkerbundes üachdrücklichst zu Warnen stir' Nötig .fand. Aber dieses Unglück herbeizuführen ist das. Ziel der. hqkenkreuzlenWn Politik, die von. Ä'idPentsMW MI den Brarw anlegen will. Sie wiWdafÜr ^bezahlt-' ynd^ vör diesem Treiben versagt jede. Vernünsd ' - f :' ‘ ' ■' . . ■■„„Ui...,..,; - Pomcare P a r k s, Jänner. (Lek. der ».Wiener Morgenzettung".) Bei einem Presseempfang äußerte sich gestern i abends P o i n c a r e über die gegenwärtige Lage im besetzten Geveit, diesmal aber bedichtend weniger zuversichtlich als bei der letzten Besprechung. Er beschnldiigte hie Reichsregiernng, im Ruhraebiet Unruhen Hervorrufen zu wolle«. Mit 'der Arbeiterbevölkernng Werde es keine GchwierigreitM gebem Frankreich werde stch durch die Halttzng der Reichsregierung nicht beirren lassen und habe für den Augenblick di<Reauiskition der Ruhrkohlen und 'Erhebung der Kohlenstener an den Ruhransgängen beschlossen. Weiters plane es die Schaffung einer Z o l llinie zwischen dem Ruhrgebiet und dem übrigen Deutschland und die Ausgabe lokaler Zahlungsmittel mit Garantien durch die Grubenbesitzer. . * Dfe Kommentare der Blätter und die' Sonderberichte aus dem Ruhrgebiet sind gleichfalls weniger siegestrunken. Man bereitet aufs SlWistrigkettea vor und P erfl nax nennt das Unternehmen Wirtschaft-' lich giösprochen, eine- Art - Per d u n. Frankreich hahtz Me Macht, üvev das gpnze htzutsM ^Journal rndusirieÜe^-Meiprt die Bore gänge im? Puhxgehiet einen michtigen W -i r'tfchaftWrArg^Mr natürlich ungeheure Schwierigkeiten im Gefolge Habe. Pas Platt kündigt '» für den Fall der weiteren Unnachgievigkeit Deutschlands; die Notwendigkeit des R ück tritt es des Finanzm inisters de-Laftehrie an, der nicht das Vertrauen der Schwerindustrie genieße. Englische Kohle sür Deutschland. London, 1?. Jänner. (Tel. der »Wiener Morgenzeitung".) In unterrichteten Kreisen will man wisien, daß die Verhandlungen mit der: deutschen Industrie insoserne zu einem. Ergebnis geführt haben» als eine Londoner Bankengrnppo 2 Millionen Pfund für den Ankauf englischer Kohle zur Bersügung gestellt hat. (Hs SMSchWsgrMgH iWWllMd. ' . Berlin, 17. Jännee. (SEBoIff.) Dee Reichstag hat heute einen Antrag aller Parteien». mit , Ausnahme der K o m m u n i st e n uud der D aut fch Pb l k i s ch e n» wegen Schassnng eines E r m ä ch t i g u n g s g es e tz e s peratdn, - durch das die Reichsregiernng ermächtigt wird; mit Zustimmung des) Reichsrales diejenigen, gesetzlich e.« Matzwahmen zu treffen, die sich zur Ab- Wendung' der aus der Wirtschaftlichen und sozialen^Rpt, per Allgemeinheit drohenden Gefahren als' nptig erweisen. Das Gesetz soll mit dem Lage seiner Verkilndung in Kraft treten. ' . ' ' Ä^rwartMg fnmMsW zwangmab- - mchmm. . » e r l kp, 17: JSnne«.' DaS Wolffsche Bnreau meldet Nus Essenr Die Verkehrs- und Betriebslage bei den Eisenbahnen ist vollkomwen normal. Im Läuse! des gestrigen DägW ist Sie übliche Änzähl vpn WäggoM angefordert und gestellt warKen. Züge mit RePärsttionskohle sind /nicht abgegangen; ^.7 ' - ' '/-/MeM^rnHpe^MK^MOGt-r^s'rmst'N nahmen derPes<chüngsbWM^'stM.niM durchgesührt, -sondern. nach kurzer Zeit wieder a u s/g.äh/o:b.e « worden. .. Die deutschen Jndustriellen. die «ach wie mf &mJHehMren^ML de»./ ovttmWch. deutschen Behörde zu gehorchen, haben ttl&% eine Hand gerührt, um den'Befehlen» die ihnen gestern im Namen des > Generals Degontte übermittelt 'wurden, nachzm kommen und man erwarLet jeden Augenblick neue französischeZWangsmaßnahme«. Me krllSmng der zechenbesitzer. Esten, 17.. Immer. llWolff.) Die Zechenbesitzer de^ Ruhrgcbietes, die an der gestrigen Besprechung in Düstes dorf teilgenomnten hatten, haben heute der Besatzungsbehördc eine von ihnen Unterzeichnete Erklärung über», mittelt, worin es heißt, sie müßten gegenüber"der Anordnung des Generalinspektors der Bergwerke, Cöste, 'iMenj unverzüglicher Durchführung. 8er Reparätionslieferuntzen äst Kohle und Koks erklären, daß im Friedensvertrag Deutsch», lands Souveränität von ^.den-Alliierten ausdrücklich aner^ kannt worden sei. Die deutschen Gesetze seien also in straft.' Alle deutschen Staatsbürger-schulden den, deutschen Be« Hörden Gehorsam. Auf Grund dieser Rechtslage hätte schon am 13. Jänner eine Anzahl Zechenvertreter. Herrn Coste gegenüber den ausdrücklichen^ Vorbehalt gemacht, daß sie Brennstoffe nur liefern, wurden, wenn der Reic^kohlenkommistär keines entgegengesetzte: Perfügung erlasten würde. Sie, hätten sich ^also nichtbedingungslos zur.Lieferung von Brennstoffen bereit erWrt. Run habe tatsächlich der Reichs-» kohlenkymMistär, ousMMch - PxeunshoMeftrungen an FraÄMch stW MlgM'^^' M 'DeMW koniM» sie 8eM Befehl' d^ Herrn Coste nickt Nachkommen. Sitz seien' sich jedoch bewußt, daß sie MMW Haltung - vollkommen im, Einklang sind mit den Bestimmungen des Waffenstillstastdsabkommens, des Friedenspertrages, . des Rheinlands--, abkonünons und der Haager Landkriegsordnung sotvie mib den Regeln des Völkerrechtes. Sie wüßten auch, daß ge-j rade m Frankreich der Schutz her Ehre, des Gewistens, dep persönlichen Freiheit und des Eigentums. der Zivilbevölke-, rung im Falle einer Besetzung ein von allen Völkerrechts-? lehrern anerkannter Grundsatz-sei und daß ihre Haltung, auch mit dem französischen Landrecht im Einklang stehe. Der Befthl der deutschen zuständigen Behörden schaffe für! die Zechenvertreter einen Fall von höherer Gewalt, bei dew auch nach^fvanzösischem Recht jede persönlich« Berankwotzt-- lichkeit ausgeschlossen sei. Außerdem wäre bei der heutigen Sachlage eine Brennstofflieferung nach Frankreich und Belgien eine tätige Unterstützung einer gegen die eigene^ deutsche Regierung gerichteten Maßnahme. Niemand könne' aber gezwungen werden, gegen sein Vaterland zu handeln! und eme chrlose Handlung zu begehen. . rieMarkkatastrophe. Auf den internationalen Devisenplätzen kommen jedest Tag immer neue Tiefkurse der R e ich s m a x k zum Bor-, schein. Selbst der vorgestern aus Zürich gemeldete sturs! von 0,0337 konnte sich gestern nicht behaupten und die De-; vise Berlin fiel schließlich auf 6,03. In Amsterdam^ notierte sie gestern 0,014, in Stockholm 0.0225, mj Prag bekommt man fiir 10.000 Mark 16 tschechische Krönen. Am kvastesteN tritt die A u fl ö s ü n g 'der deutschen! Währung in -die Erscheinung, wenn man sich erinnert, 8aßj die Mark Ende August in Wiest noch!^ 70 stronen^be-l wertet wurde und nunmehr unter 4 K. gesunken ist.! Parallel , mit dem Sturze der Mark auf den auSländi-, fchen Plätzen sind die fremden Zahlungsmittel in Berlin: in eimr stürmischen AufwärtsbeweMNg -bogrlffen. Wurdest, vorgstern für einen Dollar noch 16.658 Mark grzaM > fd, mußte, man gestern bervits einen Preis von '18.354 Mark? für den Dollar bewilligen. Scheck London verteuerte sichj im Lauf eines einziRN^MM-um zirka 9470-: Mackaufj 84:787. Hoklandischtz -GMen^ zeigen ritten PreissianV^Vow 7221W Mack. ' . - . ' - ' Naturgemäß wird die Lage der sogenannten E l e nd s-i v'ä l u t e m österreichischeN ' Krone und der polnischen MW, mit jtzder weiteren > Entwertung der Reichsmark! immer günstiger, und' daher 'kommt M, daß auch die öste^-v reichische Kröne und die polnische Mrk in Berlin^ die steigende -Richtung einschlagen. / So konnte' die 'polnlsche. HW M--lW..'pßsteÄi'chen RMchlages in?ZWW wo W LevestSkanf 0,175 gtzsünken ist, 'Ken' höheren' Kurs eGtzlest,' ebenso die östextzelchlsche^KtMe. Äe bis 'ach.Mo-W'Ltzm %..... v .