Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1409 (15.1.1923)
- Date
- 1923-01-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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tinzelnantmer K 700 Q7ien* Zum Abholenin der Expedition, *I.,Taborstr. 1-3, Wer in einer Verschleisstelle {[Trafik) monatl. K 28.000 M Poatoersand für Wien n. Desterr. monatl. tC 28.000 rTsehecho-Slowakei: Mon. K 17. Ungarn: Mob. K 600. Jugoslawien: Mon. D:nar 30. Polen: Mon. Mk. 4000. Deutschland: Mon. Mark 1200. Franko Belgien: Monatl. Fr«. 8 W Naehaahluajro» °W> M Preiserhöhungen vorbeVmiten Nk. 1499 Wiener . Wie«. Montag. IS. Mrmxr 1928 MN f8<h«cho«Slowikti tschach. K t«~ Italien: Monatl. 10 Li Rumänien» Bulgarin Monatl. 60 t ei berw. Lew S c h w e i z und das ubri|| Ausland monatlich Frcs.j Redaktion u. Administrativ Wien, II„Tahorstrassel-J Telephone: 44-0-38,43-3-1! ab 6 Uhr abends 16-301 Tel.-Adr.: .Morgenzeitungf 0 Österreich iseb es Postspai hassen «Konto Nr. 150.69! 8. Fahrgang m a Berlin, 14. Jänner. Die heutige Trauer- Lrndgebung ans Anlaß-er Besetzung -es Ruhrgebietes hat mit einem Mißton geendet. Die Manifestationen fanden in drei Teilen statt, und Zwar von bürgerlichen, sozialistischen uns kommunistischen Abteilungen. Die Tranerlundgebung der Bürgerlichen endete mit S ch m 8 h t u f c n gegen den Reichskanzler, der es unterlassen hatte, sich dem versammelten. Botte zu zeigen. Eine, große Zahl antisemiLiscker Demonstranten belästigte Passanten ans dem Poixdamer- Platz-rmd drang in um den Platz gelegenerr Hotels ein. Schlichllch kam es an alle n Ecken und Enden der Stadt zu mehr oder minder schweren Zusammen st ätzen zwischen Pomruumstm und DeuLschvVPsck'en, wobei S ch l a geinge, Knüppel nnd Dolche in Aktion traten «nd Blut floß. ' Die ^bürgerliche Kundgebung war die geätzte; an ihr nahmen 560.000 Menschen teil* Gegen halb 12 Uhr mittags hatte sich der größte Teil der Demonstranten aus dem Königsplatz emgesunden. Die Redner postierten sich auf der Rampe des Reichstagsgebaudes und hielten von dort aus ihre Ansprachen. Auch ans dem Publikum traten Redner auf. Schon lange bevor die offizielle Feier begann, wurden p a L t i o L s s ch e L i e d e r gesungen. ES sprachen NLichsLagsHZMdMLer SLr.esemqnrv. sowie Freiherr von' L e r Wer,: dev unttr anderem ausführte: „Als ich im Dezember ISIS nach Paris ging, ist es mir gelungen, durchzusetzen, datz bei Streitfällen k e i n e rlei militärische A lt i o n unternommen werde.. Diese Forderung^. enthält auch die deutsche Note vom 15. Dezember 1YK, die ich iiberrekchte. Am 23. Dezember antwortete Clemeneeau, daß nach endgültiger Wiederherstellung des Friedens v o«keiner S e.it e die Fortsetzung der Feindselig!eiten mit de» Mitteln des Krieges stattfinden würde." Rach diese« Worten ertönten anS.der Menge Rufs, wie: „Französischer Sadismus", „Bruch des Versailler Vertrages", „Werft die Franzosen aus Deutschland hinaus!" »Die Regierung mim Frankreich den Krieg erklären!" ES wurde schließlich folgende Resolution antzmomme«: „Wir erheben flammenden Protest gegen die Ungeheuerliche Vergewaltigung des d e u t sch cn Volkes durch dle französisch-belgische Besetzung des Nuhrgebittes. Das jedem Völkerrecht hohnspre« chcnde Vorgehe» mitten im Frieden ist ein Bruch des Versailler Vertrages. Das deutsche Volk lehne es ab, u n t e r d e m D r u ck d tz S'kl averei Ar bei t für di-Friedensbrecher »» leisten." Nach der Annahme der Resolution wurden Nation a l e Lieder angestimmt, insbesondere ^„Deutschland, Deutschland über Alles" und „Tine feste Burg ist unser Gott". Dw Schlutzzeile dieses Liedes „H e r r, m a ch" «ns frei" erschütterte die Menge besonders. Plötzlich ttscholl der Ruf „Auf nach dem Reichskanzler- Palais!" „Wn ist der Reichskanzler?" Freiherr von L e r s n e r vsrsnchte die Menge zu beruhigen, indem er rief, die Redner würden sich jetzt zum Reichskanzler begeben. Um dse die gewaltige Menschen- Aasse im Zaume zu halten, begaben sich die Redner und Parlamentarier sowie der Polizeipräsident von Berlin in das Reichstagsgebäude, nur dort den Reichskanzler zu erwarte«. Es kam jedoch vom Reichskanzler Luno die MittcUung, daß er w e g e n einer wichti- - e n S i tz n n g v e r h i n d e r t sei, zur Menge zu sprechen. Diese Nachricht löste sichtlich Enttauschrrng ans und die Menge erg'ng sich in Ausrufen der Empörung. Spater empfing der Reichskanzler die Deputation. . Bei der Ueberreichung der in der Volksversammlung angenommenen Entschließung dankte der R e ich s ka «zler herzlich und erklärte, die Kundsebung bedeute, daß das deutsche Volk wolle, waS gestern Reichsregierung und Reichstag proklamiert hatten. W gibt Zeiten, fuhr der Reichskanzler fort, pnd eine solche Zeit erleben Wir jetzt, wo etz für das Schicksal der Vötteraus daS Volk «och Äiti h-UHUaJ^i-utuLimLmu^ sagen will, daß die Regierung nicht alles tun müsse, um die Lage, zu entwirren. Die Rerchsregierrrng wird den Weg einer ehrlichen, offenen, einfachen deutschen Politik weitergehe« wie bisher, aber dieser Weg ist beschwerlicher als jemals. Alle reichen sich jedoch die Hände, um den wenn auch noch so beschwerlichen Weg der Ehre und Würde der Nation zu gehen, dessen Ziel die Freiheit ist. Air? dem Pariser Platze, wo sich die französische Gesandtschaft befindet, war ein starkes Aufgebot an Schutzpolizei. Eine Gruppe von Demonstranten versnchte ans den Platz zu gelangen. Es kam zu Zusammenstößen mit der Wache, die jedoch unblutig blieben. Dis Menge konnte vom Pariser Platz abgehalten werden. Die Mitglieder der Botschaft hatten, als sich die Demsnfteanlcn dem Pariser Platz näherten, rasch i h r e U e b e r r ö ck e u n d H 8 t 0 angelegt, um schnell durch einen Seitenansgang zu verschwinden, falls die Situation bedrohlich geworden wäre. Auch im Hotel Adlon, wo zahlreiche Franzosen und Belgier wohnen, herrschte st a r k c Nervosität und auch hier waren in vielen Zimmern dis Handtaschen gepackt. " . Nach Schluß der Kundgebung ansdem König-Matze kam cf. ‘ - . ■ ".'Kwf dem-.PMUd^m'ep vor ka Hotels Bellevue und SarrssEi,' wo die Enterrtt*:$tontrollkoMMifsion ihren Sitz hat, Lau» aber auch vor den großen Hotels in der Amgeöuna des Platzes zu stürmischen Deuronstratisner^ die bi§ in die spaten AbenLstUNden dauerten und zu einem Eingreifen der Polder Anlaß aaSsn. Wsr dem Gebäude der Kontrollkommission hatte sich eine große . Anzahl von Demonstranten ancesammelt, die aus' Anges^öriZen der deutschdöMschen Orsanifation bestanden und im weiteren Verlaufe der Manisestatiorr dauernd Zuzug erhielten. Sie! machten Miene, in das Gebäude einz«dringen. - In ttnunterbrochenen stünnischen Zurufen wurde der A b- - zng der Franzosen und Belgier gefordert. Einrae junge Lenie urachien den §srf«ch> über das Feld-! gerüst in; Dorsarten des Hotels Bellevue in den ersten , Stock des Hotels emzudrinLen. Da die vor dem Hotel postierte Schutzpolizei der Aebermacht der! Menge nicht gewachsen war, wurden schleunigst! PolizeiverstLrlnneen aus Lastautos sowie berittene! Schntzmannschast herange-s^en, die eine Kette um das! Hotel bildeten. Trotzdem ging die Säuberung des Pots- ' damer Platzes nicht ohne Schlrieriskeiten vor sich, und erst nach lanrer Zeit gelang es, die Demonstranten zn verrreiben. Wiederholt kam die! sttslAndevseirrdliche Stimmung ' zur Geltung und machte sich gegenüber einzelnen Pas-anten geltend, die durch ihr Aeußeres als Fremde erkennbar waren. Ei«e!ne Demonstranten drangen auch in die Autobusse ein und lresM sich von ausländisch aussehenden Passagieren die Ausweispapiere vorzeigen. Die großen Hotels . wurden gezwnn-zen, die Fahnen aus Halbmast zu setzen.! Erst in spater Abendstunde gelang es, den Potsdamer Platz vollständig zu säubern, j. Die kommunistische'Pavrei. 1 hatte fünf Protrstversammlungen einSernfen> bei denr» die Redner gegen die Regierung sprächen und für einen Ausstand der Massen gegen die französische Diktatur emtraten. Rach Schluß der Versammlungen zocen die Kommunisten nach dem Andreas- Platz, wo eine Kundgebung unter fteiew Himmel stattfand. Auf dem Wege dorthin kam es zu verschiedenen ZwrschenfaIIcn; so betätigten sich.Mitglieder eines Demonstrationszuges nach dem Kottbuser Tor als Fassai dLnkletterer. Cie holten von den Ballontz dis Fahnen z herab, und unter dem Ruf: >,Auf nach dem KouigSplatz!" wollten sie unter Vorantragung dieser Fahnen dahin > ziehen. Allein die Schutzpolizei vereitelte diese Absicht. Auch an anderen Stellen kam es zu Zusammenstößen mit Mitgliedern anderer Parteien, so auf dem K ü st r i n e r Platz, wo die Kommunisten mit einen Trnpp der deutschvölkischen Jngcndorganisalon zusaMmensließen. Ein Ari ÄciUr* der dabei sHwer verletzt wurde, gab <mt -atz er mit Schlagringen und einem Kunzq k n üttel bearbeitet worden sei. JnderSchonkhauserAlleekamesgreichsallzu b l«t i g e n Z «s a m m e n st ö tz e « z w i s ch e n d e i kommunistischen Arbeitern und der deutsch völkischeuJugend. Einige Anftegung ries es hervor, ÄS heute vormittags auf dsm GeSLrrdö der Reichskanzlei die altt schwarz-weiß-rote Flagge aufgezogen wurde. De« monstranten schritten ein und nach etwa einer halben Stunde wurde die alte Flagge ernieholt «nd durch die schwarz-rot« goldene ersetzt. Es scheint sich um eine Privatdemonstratioy eines Angestellten der Reichskanzler gehandelt zu habe« In der Stadtverordnetenversammlung war kürzlich m\ sozialdemokratischer Seite der Antrag gestellt worden^ den K ö n i g s p l a tz in Platz d e r R e p u b l i k umzue taufen. Dieser Antrag ist jedoch noch nicht angenommen worden. Trotzdem waren heute die Straßentafeln am Königsylatz mit Papierstreifen überklebt, die die Bezeichnung „Platz der Republik" führten. Die Schutzpolizei hatte vor Beginn der großen Miuifestalion alle Hände voll zn tun, um diese Zettel zu beseitigen. ÄMrmg wsitTerr MDtr des MUgÄisiW. Pa r'is, 14. Jänner. (Havas.) Nach dem „Journal" werden bk französisch-belgischen Truppen heute B o'ch u m, N e ck l rn r; h äu f e n sowie R n ttingen und lvahrfchemlich auch Dortmund nnd Vermen besetzen. KvNsMWR PviMMS. Psv's. 13. Zärmrr. (Havas^) Mrnisie: Präsident - Poincärs haLie bkute a mds mit den Ministern ^sirr Krieg, Mr .Wmnz?ch für die bkfteltcn M^ieie - undiür. öffent- ' lrche Arbeiieu sowie mit dem Grn?rsUoutrvl!yr Gill ei "eine Ae'preÄung über? die ün-P.'rlauf der Beschlagnahme des RrchrgebieteK zu ergreifenden, Maßnahmen. / ' Re fkMMfchM UOÄM Paris. 11. Jauner. rWolss.) Der BerMliungSrat dev Allerernewen Arbettrrverbandes wendet sich iu einem Protrst an die sranzösischen Arbeiter und an dir össeniliche Meinung ru Frankreich, m»' Einspruch gegen die militätische Besetzung^ des Ruhrgcdietes zu erheben, die er als eirrerr gefährlichen Irrtum und als eine Schande bezeichnet. D-e stuN^ösi'ch!' Nejsttruttg und das französische Par-. . lament Hütten durch die Besetzung den Beweis erbracht, daß' die Gewalt über Vernunft und Menschenverftand trmmphrere und sie hätten erreicht, daß amh autzrrhalb Frankreichs GetvalL- und AornLenerpolitik verstärkt werde. In Frankreich selbst aber hätten die Maßnahme» ~ eine b^niale Reaktion ausgelost, die die.Mehrheit i» i der Äarrmer, Leu nalionalen Block, soweit geführt habe» i daß sie TiSkusiionS- und KonLrsÄrecht zugunsten einer Regierrrugsdikiarur.' aufgr'geScn habe. Der Aufruf fordert die ■, Franzofrn auf. dafür Sorge zu tragen, daß der Völkerbund diesen wirtschaftlichen Konflikt entscheide. KsuLsrimig» der fraaMchr» KoOmu- . .sitze«. Paris, 14. Jänner. iHavas.) In Saint One» U •; t^an ft alle ten. die K o m m \i tt i ft e tt heute eine Kund- ■ gebung gegen die Besetzung d e s R u h rgebietes. 2M di? Manifestanten nach Paris zutück» kehrten, kam es zu einer kleinen Schlägerei. Die Polizei zerstreute die. Kruppen und nahm einige Verhaftungen vor. Einige Personen trugen Kontusionen davon. KM London, 14. Jänner. Unierftaatsselretär Mae Reill sagte in einer Rede, die er in Canterbury über die Stellungnahme der englischen Regierung zur Besetzung des Nuhrgebietes hielt: Unsere französischen Freunde glauben, daß sie Deutschland sofort zum Zahlen bringLn können, wenn sie die Kontrolle über einige seiner wichtigsten Iudustrren ergreife:!. Wir sind überzeugt daß eine solche Aktion in keiner Weise zu^ so^ sof'ortrgen Zayluttge» irgendwelcher Art sührctz und au? lange Zeit die Aussicht verzögern wird, von Deutschland die ihm möglichen Zahlungen zu erhalten^ ja sie. vollkommen vernichten könntet Wir wollen, daß Deutschlands Kredit wieder hergestellh wird, nicht etwa aus Rücksicht, die Deutschland nicht; verdient, sondern um die Interessen alle« A l l i i e r i e n d a d u r ch zu f i ch e r n, daß Dcutschlanh in den Stand gesetzt wird, eine große Anleihe anfzni uehmen Md damit zu zahlen, was es uns. allen Uuldrtt