Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1408 (14.1.1923)
- Date
- 1923-01-14
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Ar. IM Wen, Som;M Miene« Plorgenzeitung. 14. Jknnr 1923 Seite H Mittellungen der SchachseMon Hakoah. 55«up!I«niicr, 5. Runds, gefpiett am Sö. Deremdrr 1922 Weih; Sch l e s i n g e r-Schwarz: B r u t u m. 1. e8-^4 e7-c5 t 8 «1-1» Sb8 c6 8. Jjflc4 L18-eb 4, c2~c8 . S c8-t« 5i d2-fd4 «5X44 6. c8X‘l4 Lc5-b4f 7. Lei—d8 Lb4X42 8. SbtXda 67-dS 9. e.4Xdh S16X45 10. 0 0 0 0 11, D dl - b8 Lc8-e6 i) •12. n:b&Xb7») 13. Db7—ä6 U.;Sd8Xe* .15. 16. 8c4-d8 17 b2 db?«) 18. vsb—PS lS. ll glXflS 20. K g2—hl Ll. dS-b4 >ibt auf. *) Sc6-a5 S rrbX'4 Sd5 14. L c-6 - d6 Ta8-b8 TbS-bß St4Xg2!6) Dd8-p5f D g&Xd2 *) Vä3-b4 Stellung nach dem 18 Zuge von Weiß. -MM 'SmKA ■■y/a’/j r'jwZv//-^ M ■ a b c d c t g h > H Der richtige Zug iss 8c6—r-7. ' Da ter L r4 durch den 8 62 frdeck? ist it^b' auf S a5 nicht m>t der Dame zurückjchlaM muß, Kann Weist den b-Bausrn nnhesprg! schlagen. '*) Meines Srachkens der V-rbstzup, an"ak1 dessen, I kl—sl «rfMrn mutzte, um eot. Dome die Heimkehr nach 11 zum Schutze des hedrohlen Königsflügels zu ermöglichen. ^v rS bätte hier noch einige Chancen geboten. KöriMas Opfer. SM Morphy-Etit gefpillt. Der Turm dsrf die Dame «Mrllch nicht ichlagen, weil sonst Ma>t in zwei Zügen folgt. Der Springer 13 ist rmnttdar ver oren. Eine vom Fsshrdr der-schwarzen Sleine sd neidig' gesp>e!ie Partie. ' Das Wese» der SchachpWrW. - .Der . gew^tige - Aufschwung/deS.Schachspieles' m den Jcch- M.^er HaHkriogszeii hatte ünttzr anderem die Entstehung eurer großen Änzahlneuer Schachspasten inr-in-^rmd ausländischen- TageSzeiinngen zür Folge und die bisher wenig evörter'e Frage Wer die Aufgaben der SchachpublizisÄmag gerade jetzt von besondemr Bedeutung sein. . Eine wjchbige Aufgabe der Schachpublizistik ist die Berichterstattung. Sie soll das Interesse mir internationalen Schachleben wqchhal'en und die Schachkünst, gleich dem Sport, zu einem völkerverbindenden Element machen. In unserer Zeit des Hasses und.der Absperrung-,mutz jedes hierzu geeignete Mittel freudig begrüßt, werden. ■ Eine -zweite und Wohl die wichtigste. Änfgabe erwachst hei Schachpublizisfit in der Popularisierung des Spieles. Die große Müsse , über' das Westn und die wunderbare Schönheit dieser tausendjährigen Kunst aufzuk-läven, sie zur Ausübung anzuregen und dadurch dem Schach eine breitere Entwicklungsbasis zu schassen,^muß das Hauptziel der Publizistik im allgemeinen und jeder einzelnen Schachspal'.e im besonderen fein. Und gerade nach dieser Nichtustg'tzin wurde bisher wenig oder nichts geleistet. Das wissenschaftliche Moment, wurde zu sehr in den Vordergrund gerückt, .man vergißt, daß bem belehrenden Zwecke die mnsängreiche Schachlitevätur in diel besserer Weise dient, und schreibt in -den Tageszeitungen nur für diejenigen, die in der Kunst bereits erfahren sind; so. geht das beste, vielleicht: das einzige Werbemittel für jene, welche es »roch nicht 'sind, verloren. Eine Tageszeitung kann nicht, dem gründlichen Studium' auf irgendeinem Gebiete, dienen, sie soll vielmehr Anregungen auf vielen GcbreLen stoben. Eine Anvygnng sei auch das vorstehende. Die Schachspalten in ihrer jetzigen Form lassen Zweck und Ziel zürn großen Teile außer acht. Sie sollten nach der <mgedenieten Richtung hin Wandel.schaffen.' Ernst W a h l e. KrudlN.-;kL<x: ‘6fa >h nach her 10. Nun-e: Latza« S'/»/(Y, Sü)warz. Ä' (4. Tr. Brill 4'/, (ch. Schenkrin und Iqel 4 <sv Rolrnbaum und DU-steidlum 4 i\ Eisrnberg 3»/, (4'i DuriM und.Bniluist 2'/, <6). Fng. Wahl- 8 (6), Dr. Ficher * (5)( rzer. 2 (4), Sag. Listler 1 (4),Cch -jingrr (2). Kain 0 (5)| f*!p?rn f>‘14"). - 1 ‘ --- '' - WscheWkssmrm« der SchWeWs« Hakoah. ... Sormlag; Ge.neralvrrlammlung der Kostoah, Cofd Reichs» hoß PraLerfiraße 60. Beginn 8 Uhr-vv'mlltags. — tRontoj^ 11. Runde des «tvbmrniers. —.Djensraa: Blitzloniier. Gäste iv.llkommen, — Mittwoch: iS Runde des Ktudiurmer. --- Donnert tag :. Uplerrici tssturs Zgel. Mannicbafisstcllung zum Mersterscha it»Weijkampf Kletzung—Aakooh. II. . Freitaq. iS. Wmde de^ Liudturnis,-;. Eom«tcigt ß Uhr abends. Mll» mlammlung. i Sonniüs: s Atzr vvlM'iwgs. Hi-tzwgi «aliooh'lL « Uhr abends, gesellige Zuiammrnkunjt mit musikL AürLLiw. Jas WohmngslmfordeWMKSgmtz vom 7. Lezember WN. Kommentiert von Dr. Heiprich Kiwe (bei Perles 1923). Zpm Jahresende wurden mrs von unsevem Natiorlalvat mehrere für'die Allgemeinheit^ besonders bcheütnngsvolle Gesetze Hxschsr-.,- welche .das- Wohnungswesen regeln. Ans. jeder, Zeije dieser Gesetze liest man das 'Kompromiß, zwischen rechts ' 'Nrtzd links, - und damit auch das. für uns-so wichtige Prsugip dev, BodLnständig'keit nicht fehle, hat Mn sogar gegen das Pep fassungsgesetz Staatsbürger zweiten^ Ranges geschaffen, nainlich solche,-die «ruf Ovund der Option.die S aatsbürgerschaft.erlangt haben und. noch inkeiner Gemeinde der RepubM''das Heimat.-, recht, besitzen. Sta't die HeimatrechtsverhAtnisse dieser. Staatsbürger ehestens zu regeln, scheint^ man offenbar den derzerti-gsn Zustand perpe uieven.zu wollen und geht schon, daran, die Opfer dieses merkwürdigen Bevyaltens gesetzlich zu beschränken.. Auch der mit Recht so berühmte.Stichtag-vom 1. Au^A 1914 —. es lebe drs.-Äoaiition Richly Kupschak,. Sevsr. strrh Richter — spielt in ,-den meuen^ Gesetze»! eine überragende - Rolle.' .? Die Wo-hnnngsanforderung ist ein' besonders drückender Emgriff in dÄ Privatvcchts. Der bei allen Völkern .geltende Grundsatz des Hausrechtes -— mh house is my oaftle — wird durchbrockM. Wenn nun mich bei der cheu'igen Wohnungsnot eine Reihe, der getroffetren Maßregeln als notwendig anerkannt werden müssen, so ist es nnbsdingt erforderlich, daßi djs vorge- .nmnmenen Entvignungen ünwinem volle Rechtssicheuhsit gavantievenden Verfahrengeteoffen- -werL'Ln. Wi-e -wir wissen, war dies in dev Praxis nicht Inunep^der Iüll und daß die Mlßbvgüchsim Anfordevnngsve'rfahren füst HschV^rnden find, verdanken wir nicht , zuletzt der richtunggebenden'Rech ssprschung des BerwaltungsgerichiSyofes. Es ist' dahet? außerordentlich öodsrvevlivch, daß-durch da^nE Gesetz die Anrufung ‘ hes VertvÄtungsgerichtShofes Mnöglich gemacht'-Mürde nnd dieser.Nachteil kapn auch durch VMiligung^ ebwS Richters an. der EntschsLnntz der' Miotkommlfliv»-mcht '--wettstWaO/vÄden;. ES ist'«nverstäMich, daß jedermann in einer Ehrenbeleidigungssache-oder in einem. Ziviwrozesse über M.090 K. -das Recht zur Anrufung VM zwei bis drei Instanzen hat,'' -während jemand^ der fein Heim verlieren fall, sich mit der EnffchsKuNg-e!'»«- Instanz '-üfriÄmi' gerben muß, es Ware-denn, daß man die ohne korÄvadiktorifches Verfahren-zustande komirrsude Anfordevungsentscheidung' des Miohnungskommissärs ernstlich als sine erstinstanzliche Entscheidung ansehen will. Herr Dr. Heinrich Kiwe hat sich der LankenÄverten Aufgabe unterzogen,,idas.neue Mohnungsgesetz zu tom-MHu^ieren. Dioses. Büchlein wird - Juristen unh Laien, in der Praxis große Dionste'-- lerston. Besonders wichtig ist die Aufnahme der bishö-vsgett'-Spruchpvaxis'des DortvÄturigsgerichtshöfes,-die, da nvue Gesetz im -wesenküchen sich -an.dchz' Wortlaut de-r' alten Wienep/Verordnung anschließt, -w'ch für die nunmehr zur Entscheidung berufenen Miet'kommissionen maßgebend fom wird. Das Buch enthält auße.r. dem Aor' laut -des Anfovdevungs-gcfetzes, 'dem Kommentar,hErrzu.und der Durchführungsverordnung des Bürgermeisters von.Wien -auch, den. Text des neuen, Misten- Msetz-es, so /daß -der . Leser -einen U-eb-echlick über sämtliche wohn-üngspolitischen.Gesetze her -letz.rn, Zest gewinnt.. . - . . Dr. Georg.Weiner. ' Eo I a si d-Bil. Sin e Ensemtile-Gastspiel; der W;II.N ABH TRUPPE Heute Sonntag. 14. Jänner 1923, 7,3 Uhr neehmlttags Dev Wi 1 zi aet fia lab eml Drama in 4 Akten von Mark Arcnskln 7 Uhr abends? ti ü Schauspiel in 4 Akten von Lconld Andrejew AndreiÄvs „Dte Söfli pferes Wem". Dtwgestellt vsn de« „WttnäeW Moland-Bühnc). Nach allen Aktschlüssen stürmten did jungen Menschen aus den billigen rückwärtigen Titzpechen vor Md dankten in -Me. uyd.Ergriffenheit den «WMatzrn^^-D^MgeiM rung bmr echt und herrlich, wie dieses Schauspiel>echt und b« AuMrunA eüüach cherrlich ist.- Wie konnte dieses Ute* ^rarisch werwolle Wer? > Alndrejews bismm in Wien .unbv' . kanndbleiben? - -/ - Kennt ihr das deutsche Studentenlied „Wir hatten g^.- bauet ein stattliches Haus", und wißt ihr, tvie es entstand^ Es, war der Grahgesang einer edlen Jugend für die deutsche Freiheit. Äehnliche Bedeutung hat der russische StudLntenn chor „Die Tage unseres Lebens". Er entstand» als die . Ochmna die russische Revolution erschlagen hatte'^ Dem'- Geschlecht, das diese. Weise sang —' von' einer ftärkerech.. grausamen. Faust medergezwungen, flügellahm, . verzweig felt, ohnmächtig geworden —. gilt Andvejews Stück, uE wer seine „Geschichte von den sieben Gehängten" kennt, begegnet hier den Erben jener namenlosen Helden, die fruchte lös am Galgen starben. ‘ Urch alle „Revolutionsstücke" mit entfalteten rySY»-.! Fahnen und begeisternden Reden, alle „Proletarier» - dramen" zusammengenommen können, mcht solche Wirkung üben, wie dieses Unendlich '.zarte und .doch. so kraftvolle,. dieses allen Gesetzen der Dramatik hohnsprechende und doch ' so aufwühlende Sitten gemälde — das dem Mgebrühtesten die empörte Klage abringt: . . > Was haben böse Narren angerichtet, da sie eine reine. ' gütige, opferfröhe Jugend zu Alkohol und Prostitution verurteilten? ' - Keine Handlung. Ein Stück, so lebensvoll, überreich an Gestalten, bezwingend., durch Stimmüngsgehalt und fesselnd dirrch feine Dialogführung, bedarf keiner Handlung.' . ... /' ’ . .. Einige Mguren: Der immer betrunkene Studeiif Onuirij, der feine , nutzlos gewordenen FuMreigenfchaften mit Schnaps betäubt. Mer-.hiewell er rülpsend semL .biLteriromschen, geistvollen Betrachtungen.anstellt, sorgt er, der kluge, seelensgute Säufer,- für die Genossen, behütet sie vor Selbstzerfleifchung, fft doch der Aktive in diesem Kreise der . Zerbrochenen. Und sie tvissen, daß er ihr-Hort ist. — Der junge Leutnant aus dev Provinz, strotzend von Lebenskräff und Lebenslust, ahnungslos in den Algrnnd taumelnd. - Das Liebespaar: Sie von der eigener! Mutter zur Prcstii tutiqn gezwungen, seelisch unberührt von . dM .Mchi Schmutz bezahlter, Llebesstunden, unsäglich traurig,' >, ex», schütternd durch ihre/ erzwungene Ergebenheit. Er, em . Jüngling voll Poesie, gleichsam von einem furchtbaren Keulenhieb gelähmt, da er aus dem Munde der Geliebten erfährt, daß sie eine Dirne ist, unendlich rührerid bei den vergeblichen Versuchen, sein Leid /mit Fusel aus der Bmsl zu brennen. V - ' ... - Einige. Szenen: .Wnge Vtenschen»:. Studenten.. und Mädchen, lagern im Walde fern vom DunfstreiL, der her» pesteten Grotzstadtz Freier wird daß Gemüt im Anblick des Ubenhhi.mmM Das Mäuschen -er BMme' ^apftigt ihvr seelischen Leihen.- Ka ^ertönen von fenche^ -'He 'ÄheM glockm Moskaus. Was ist ihnen jetzt die gelrebte, helliga Stadt? Ein Augenblick weihevolkn SchweWch, dann sin-». gen sie ',D^elTaße unse^s Lehtzns"^. .^; 1 . Platzmusik im. Moskauer Park. Ditz Studenten sitzech.. auf einer Bank, treiben einen Augenblick.chren" Spaß E. dem „Wächter dr Ordnung". Das Liebespaar sitzt abseits. Sie hat ihm,Einblick in ihr.verfluchtes Oirnenleben gegeben und gestarchen, daß sie schon zwei Tage hungert. Er hat die Freunde förtgeschickt, damit sie Geld auftreiben - und ihm ermöglichen, die Geliebte davor zu schlltzen, mit. ihrem Leibe ein Nachtmahl zu zahlem Während die- Freunde forterlen,. verkuppelt die Mütter neuerdings das. Mädchen vor den Augen des ohnmächtigen Studenten. Dis-, Freunde kommen mit Geld zurück" und finden ihn schon, allein. Da. gehen sie alle, das geborgte Geldversaufen. "L . v ■ Wie dre Wilnaer Truppe dieses Stück spielt? Ein btiUkonischer Feuerherd knistert, grollt, .loht unter den Brettern, auf welchen diese Stimmungsbllder abrollen. Man fühlt^ jetzt und jetzt Muß sich rer Boden, öffnen und die Flarnnch.. aufschießen. Leib K a d i s o n ist wieder als Spielleiter dM -schöpferischer Eigenart zu erkennen' und vereinigt feine).: Schar zu eimr Kunstleistung, für welche das' Wort „voll-, endet" gerade gnt genug ist. Die Tücken des öden unakusti^ schen 'Saales, die technischen Schwierigkeiten,' dw Hm. - du?- untaugliche „Bühne">macht, meistert er spielend. Auch als' Darsteller des Studenten Onutrij ist Herr. Kadison unvergleichlich und alle übrigen Darsteller sind es in ihrem) Zusammenwirken. Mirjam Orleska als Dirne Olga, vön rührendster Schönheit und Hoheit. Eine gebrochene Lilie. Alex Stein in der Rolle des Liebhabers bewundernswert einfach, völlig eins geworden mit der Gestalt, ditz^ ihm anvertraut ist. und eine Freude wiedew der junge Josef Bulow, ein« der größten Hoffnungen der jüdischen Bühne. Ueberaus 'charakteristisch' noch insbesöndere- Paüla Walter, Josef- Kamen, Luba Kadison,: . Säm.S che fiel. Es war keine „Premiere", sondern ein künstlerisches/ Ereignis.' ' . Ätto Abel es. „Der Gatten der Lualen". Kammerspiele. — Gastspiel Leopoldine Konstantin -Oskw .' " ,v ' " Beregi. (Drei Akte Vo8 Andre he Lo rd e unid Pierre Eh a ime, deutsche Bühnenibsarberbu-ng von Robert B l u m. Mach dem Roman. von Cci-otoc Mivboa-u.) . Die, Gtatisrefl-ame:' für. dieses „untere sttenpvl'^eflichßp Kontrolle" stchrnde Stück, hat die löbliche Zens-urkommission> . beigestellt, welche das Stück für drei Äbetche - fveigab»: Ms sichl das Putblikum keine- Störungen zisschplLM kommen lasse. Ms_