Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 5 (1923)
- Issue
- Heft 1398 (3.1.1923)
- Date
- 1923-01-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 1393 Wien, Mittwoch W-ener MvVAenzettung. 3. Jänner 1923 Sekte 5 PFI 7 PFI 7 r LLJL-Fociise rkLiJh Nt M einfachsten tili tun Genre BILLIGER Wiener Pelz Warenmarkt Breitfeld & Lander, Wien, II. BC8. Sperlgesse 8s«,NL> KSn$gar<o® SEam «L«vckM.LL TT€»l.€»B»Bao«L Rundschau. Sie englische Regierung und der zionirmus. - London, 1. Jänner. (Tel. der „Wr. Movgenzvititutg".) ColoM Wedgwood hat an. den amerikanischen Keren Hajessod einen 33rief gerichtet, worin er u. a. schreibt, daß die Inden den Wechsel der britischen Regierung, soweit es Palästina betrifft, nicht zu bedauern hätten. In den Händen des jetzigen Unterstaatssekretärs Ormsby Go-re sei die Sache Palästinas ivohl ansgehoben; zähle doch OrmSbh Gore zu den eifrigsten Freunden der Brilsour-Deklaration. Anläßlich «der Grttn-dft-eiubeguug für einen jüdischen Klub in JdlM'weSÄuvg fand eine Gedenkfeier für die int Weltkrieg gefallenen afrikanischen Juden statt, bei welcher der südasrikan-ische Prennermin-ister General Smuts n. a. anssiihrte: Meiner Ansicht nach bildet das Palastina^lkandat eines der wichtigsten Resultate des großen Weltkrieges; es ist dies der größte Akt eitres Schadetters^tzcs, -den die Weltgeschichte kennt. Vor 200,0 Jahren haben die Inden ihr Elionales Land vvrloven. Soit^ dieser Zeit sind sie zerstreut, in der ganzen Welt. Eben dieses geschichtliche Unrecht hat der große Weltkrieg wieder gut gelnacht, indem er Pailästina als das nationale Heim des jüdischen Balles anerkannt hat. D a s' M a n d a t w i r d, möge was auch immer geschehen, voll dnrchgesührt werden, und Palästina wird anehr und mehr ziim wahren nationalen Heien werden für die In-- den, die wo anders geboren sittid, jedoch in -ihr heiliges Vaterland Mückzukchron wünschen. . Katholischer Antizionism«« in Aalie«. -Pater R os sh der Chefredakteur der -kathÄischon „Corvier« d'Jtabia", der soeben van einer Palästina-Reise zurückgekehrt ist, begann mit ider Vevöffonttichung einer Reihe van Artikeln über „Das Reich Zion". Mgese'hen von deit altbekannten, -durch nichts bewiesonierr Anschuldigungen gegen die Engländer und Zionisten, daß sie die Araber vertreiben möchten «sw., ist besonders interessant, daß Pater Rosst ans Gvund der konstatierten Entwickütng der Mischen kolmrisaivrischen Arbeit und -der hebräischen ^Sprache und Kultur zur UeberMbgung gelangt ist, daß Palästina allmählich aktiv jüdisch zu werden de- . ginnt. Dieser Umstand 'bereitet Rosst 'leibhaftes Unbehagen und er -beitristst. sich, seinen Lesern alle jette falschen oder tendmziosen Älachvichten über Palästina vorMetzen, ivelche man ans der klerikalen, ant-iz-ionistischen Presse 'bereits krimt. In soineth zweiten AvbM behauptet Rosst n. a., die jüdischen Staatsbeamten in Palästina, deren Einfluß und Macht er nrit beabsichtiglen Ueibertreibungen sch-ildert, ständen im Bezüge einer yöher-on Besoldung als die übrigsn öffentlichen Funktionäre. Die Sinwanderung nach Amerika und der eurodiiische Sften. Washington, 28. Dezember. (I. C. B.) Laut den vom Avbeitsdeparternent veröffentlichten Ziffern fchlen zur Aus-- sülluug der Einwanderungsquote für d^s Jahr 1922 ans den Ländern Rußland und Polen noch 25.000 Personen. Für Rußland steht für dieses Jahr noch die Einwanderung von etwa 20.000 Personen frei, für Polen gegen 5000 für Ostgalizien 4000, für den Kveis Pinsk 2500 und für Bessarabml 2500. ' Die Rückgabe deutschen Bm»8ge«s in Amerika. In den denffchen Kreisen der Vereinigten Staaten wird die Resolution des bekannten jüdischen Mitgliedes des Repräsentantenhauses S a b a t h betreffend die 'Rückgabe der wahrend des Krieges beschlagnahmten denffchen Vermögen dankbar ausgenommen. Die Resolution S a b a t h, die in beu nächsten Tagen im Repräsentantenhaus« zur Beratung kommt, weist inSbesmidere darauf hin, daß die während des Krieges in Deutschland und Oesterreich beschlagnahmt gewesenen ausländischen Vermögen bereitsfreigegeben worden sind und beantragt die Rückerstattung desjenigen Eigentums, tvelches Deutschen lind Oesterrerchcru gehört hat. die vor dem Kriege in den Vereinigten Staaten lebten und auch jetzt wieder dort ihren Wohnsitz haben; ferner die Freigabe aller anderen deutschen Vermögen in Amerika bis zur Höhe von 10.000 Dollar, jf Berlin, 1. Jänner. (I. I. B.) Der Bund der Ausländsdeutschen in Berlin.macht in einer öffentlichen Mitteilung feilte in Amerika interefferten Mitglieder erttf die guten Aussichten aufmerksam, die fiir die Annahme der Resolution des Abgeordneten Sabath im amerikanffchen Repräsentantenhause bestehen, und fordert sie auf, ihre ReklamaÜBren rechtzeitig geltend zu machen. Die Franzosen konfiszieren Lloyd George. Köln, L. Jä-mwr (Wolff.) Di« Rheinllmdskomnvifsion hat dir Entfernung der- Zeittm^anschläge angeordnst, die die Ausrincmders-etzuttg Mohd Geovges mit der franMischm RheinlandsMil-ik wiedergeben.- 'Das Verbot wird damit begpülndet, daß di« „nmtfer einer tendenziösen Uebersch-rift wiedergegebenen Erklärungen eines getoissen PMikers der Alliirten" goe-ignvt Ortzedt-H^ Lagesbericht. MnWches Lmdeskomitee fiir Desterreich. Pa'flsira!. Am 7. 6-nner, halb 3 Uhr nachmittags, sindrt im Saale der Zionistischen LandeskvNsiiees. 2. Bsz., Taborsiraße 20 a. die Sitzung des Parieiraies siaii. Tagesordnung: l. Äonstikuierung: °2. Bericht des Partcigertchtes; 3. Äsren Kajestod; 4. Bericht über die Tätigkeit seit dem Parlettage: 5. Eventuelles. Die Delegierten werden um pünktliches Erscheinen gebelen. Dr. N. M. G e l b e r. Dr. Desider F r i e d m a n n. Wiener zionistisches Lokallomfiee. Morgen» 7 Uhr abends, findet im Zionistischen Bureau. 2. Vrz., Taborstraße 20 a, die Sitzung des Lokalkomiless statt. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Debatte über die ScheKelaktion: 2. Jugend- und Ehaluzreferal; 3. Eventuelles. Kn ,Larb»th"-Fentta!e in Berlin. Auf Initiative des Berliner „Bcht Waad" fand vor einiger Zeit eine Versammlung von Vertretern Berliner jüdisch-kultureller Kreise statt, in welcher die Schaffung einer hebräffchetr Erziehungszentrale „T a r b u t h" in Berlnr beschlossen wurde. Die Zentrale setzt sich unter andereur zuut Ziel, stattstisches Material -über die jüdische Kultnrtätigteit in verschiedenen Ländern, insbesondere auf dein Gebiete des Schulwesens, ztr sammeln und einen jüdischen Kulturkongreß vorzubereiten. Die Zentrale sucht, die' Verbindung mit jüdffchen Kulturorganffationen in verschrMenen Ländem herzustellen und daraufhin Bulletins über jüdische Kulturarbeit herauszugeben. Es wurde ein Zentralburvau eingesetzt, denr er anderetr angehören: M. Aronsohn, Dr. S. Bernfeld, Sch. Betr-Ziou, H. Chermoni, Dr. Lölvenstein, S. Pugaffchow, Dr. A. .Katzenelson, B. Krupnik, M. Kleinmann und Doktor Rosenstein. (I. C. B.) Deutsche Dichter Wer de« Fudeuhaß. Die „C.-B.-Zeitung" veröffentlicht eine Anzahl Stimulen hervorragender deutscher Dichter der Gegenwart üher den deutschen Antisemitismus. Anknupfend an die bekannte Stellungnahme Ger hart Hauptmanns und Thömas Manns über den Judenhaß heißt es dann weiter: Hermann Hesse nahm kürzlich in der Zrrffchrist „Vivos Voco" eindringüch und stark gegen die antffemittsche Strömung Stellung, Aehnlich auch Heinrich Mann, der schrieb:, „Die jetzt versuchte Juderchetze ist, wie jeder weiß, ein Ablenkungsmanöver von seltener Frechheit. Gerade die an dm Leiden DMffchlands Schuldigsten befassen sich damit." Nunmehr hat auch Her-! mann S t e h r, der deutsche Epiker, diese Frage öfstntlich berührt. In der „Neuen Rundschau" (Heft 9) schließt er eine Betrachtung über Walter Rathenau mit den Worten: „Rathenau ist nicht ails demokrattscher Politiker ermordet worden, man hat den Juden erschoffm und den mannhaftesten denffchen Mann zn Tode gettoffen. So möge diese alle Schande, der Antisemitismus, in Deutschland endlich tot sein, deim sonst ist jeder Schritt zur Gesundmtg eine tiefere Verwirrung und das Ende ein brutaler Kampf aller gegen alle." Herbert E u l e n b e r g schrieb: „Der Judenhaß ist überall häßlich und verwerflich. Besonders aber bei uns in Deuffchland. Ich persönlich als Künstler nmß bekennen, daß ich o h n e d i e I u d e n in Deutschland l ä n g st v o rhungert wäre." . In ähnlich scharfer Weise nahmen auch der Romancier Bernhard Kellermann und Bruno Wille gegen den Anttsemitisrnus Stellung. In der deutschen Zeiffchrift „Der Weg zur Vollendung" schreibt der bekannte Schrisffteller und Philosoph Graf Kayserling: „Die Juden sind zweifelsohne das als Beispiel wichtigste Volk der bisherigen Geschichte. Sie allein haben von der Prophetenzeit ab in ihrer Eigenart durchgehalten; sie allein sind weder ausgestorben noch degeneriert; sie sind dashöch st gezüchtete aller Völler in bezug auf Willen und Verstand. Nun, wenn anders es einen Meuschhritsforffchritt geben soll, müssen auch andere Völker mif dem. vorschnellen Aussterben und Entarten endlich einmal aufhören. Unser Planet wird gewiß noch manches Jahrtausend bewohnbar bleiben, ganz neue Völler und Kulturen werden immer schwerer entstehen, die Ansprüche an dvs Gefftesniveau möglicher Führer Müssen fortan m steiler Kurve ansteigen, also muß Eugenik in irgendeiner Form wohl eiügreifen. DaS bisher größte Beispiel solcher bieten eben die Jtiden. Man sage nicht, hier hMdle, es sich um ein Ergebnis negativer Züchtung; dieser Anschauung gegenüber hat Richard Nikolaus C o u dcnj hove-Kalergi, der in den besten heutigen Judtzn die ' ersten . Vorläufer der Aristokratie der Zukunft sieht^ trotz seiner Unterschätzung des Blutmoments, des Völkischen überhaupt und trotz des Radikalismus seiner Gesinnung, die eben deshalb beu Tatsachen als Verkörperuiigsmittes des Sinnes nicht genügend Rechnung trägt, das.Recht für sich. Die Juden mögen noch so unsympathisch fein, noch so viele unausrottbare Fehler und Schwächen haben, sie sind in ihrer Art höher gezüchtet als die eigentlich europäischen Völker. Also müssen )vir uns, anstatt billig über sie zu schimpfen, an ihnen ein Beispiel nehmen. Wir sollen gewiß nicht Juden werden wollen, aber wir dürfen uns anch^ nicht bei unserer Unterlegenheit bescheiden, wir sollen zumindest ebenso lebens- und geistesstark werden wie sie und unser Streben darauf richten, ihnen in allen Hinsicb ten überlegen zu werden." Mmsm in Wie«. Vor dem Ronachergebäude gab es vorgestern eine artige Sew sation, die auch in einer anderen Stadt, wo nicht jedes umge» fallene Komfortablerrotz als Sknsation wirkt, die schsuluftitz« Menge angslvckt und in atetnanhaitendes Staunen verseht hätte Auf einem großen Strerswagen, «uf dem 40 Personen jtandew saß vorn ein Mann, der die Deict-sel im Mund hiett. Die i» jedem Sinne des Wortes „spannende- Tatsache, daß am änderet, Ende dieser Deichsel zwei Pferde lustig zogen, bracht: zwar di« Zuschauer, aber nicht den besagten Mann aus dem Gleichgewicht« — weder aus dem seelischen noch auch» was noch mehr besage» will, aus dem physischen. Er stemmte emsach seine Füße gege» das vordere Wagenbrett und injolgedessen setzte sich der Wagest in Bewegung und fuhr so sloti daraus los, als ub die Pferd« auf normale Weise direkt an jdem Fuhrwerk angeseilt gewese» wären. Nicht jeder Maulheld fährt so gut... > Der Monn, der seine so ungewöhnliche Körperkrast jetzt im Rvnacheretabtissement als Artist zur Schau stellt, ist Jude und Sohn eines Lodzer Schmiedes. Srin Name ist Siegmund B r e i t b a r t. Die Wrtte des Herrn Franz Zgsst. Am 28. Novombsv V. I. wu-vd« vor Firma „Ha>buug^, 1. Brz., Dorotheevgaffe 7, mi-ttÄs telephomschen Auisvufs im' Namen der Firma Blaha eine Menge von etwa 4000 Kilogranvm Zucker tm Werte von 33,330.000 K. entlockt. Der Täier' hatte sich einen Zkrssolgeschein vorboreiten il-assen, ihn behoben.' und mit diesem Schein -beim Reichswirt schcrftsbunb - der Festan-gLstellten, wo sich die Magazüte der „Halbung" beMtdeu, beit; Zucker abgelM. Hierauf ochielt die Firma ein artonytne». Schreiben mit der AuMrung, .daß es sich um eine Fiktion! handle, und daß der Ä-reich mff «ine Wette Wvückzuff'chren sri^ Ms Beweis -ließ der Schreiber am selben Tage beim BanAzauL Langer und Comp, in der Kärntnefftraße einen Betrag von з, 331.000 K. erlegen. Am 26. Dezernber brachte dann ein' Dienstmatm mit einem neuerlichen Schreiben, das die apotyphe Untevschvis-t ,^vantz Jgnot" tMg, fünf WWionen Kronen und einige Tage darnach aberrnails vier Millionen Kronen, fo, daß noch een ungedeckter Betrag von 16 Mittio-nen Kronen^ blieb. Gestern nachmittags um etwa 4 Uhr kam nun int die Bureauräume der „Habung" ein Dionstmamt, und brachte ein Paket, Es enthielt die noch sichtenden 16 Millionen Kronen in Barem. Es kam also ivieder von dem fannosett »Herrn Jgnot". Der Dienstmaun wurde rasch einvernommeu und gab an, er seivon einem etwa 14jährigen Jungen auf dem Stephans- Platz für diesen Weg ausgenormnen worden. Die Aussage schien glaubwürdig. Im Sicherheitsbureau wiederholte der Dienstnnann die Atlgabien. Dom Grillte ilag wieder ein Brief bei, der nvbt Schreibmaschine geschr.ieben und absichMch durch orthographische Fchler entstellt ist. In .dem Schreiben schiebt der Mann die verspätete Zahlung auf den schi-echten Goschäftsigang и, nd auf Krankheit. Diese Gründe und die schlecht überleg!« Wette hätten seinen Entschluß gezeitigt, di« letzten''^ Millioueu zu senden. Nun ist der Schade tvohl nominell gutgsmacht. Ta aber mit dem Besteller die Bezahlung für den 4. DeMuber ausgemacht war, erwächst der Firma „Habuug" ein hoher Schad-rii. Bon dem eigentlich«! Täter hat man bisher keine Spur. Es gibt aber eine Reihe von Aus'kunftspersonen, die zur E-rmitttog des Betrügers beitragen -könnet. Für sie ist inr Falle des Gelingens eine hohe Belohmmg ansgesetzt/ Alle diese Personen werden ersucht, sich bei Regievungsvat Nemetz im Stadtkontmrssariat, 1. Bez., Schottenving 11, zu meiden. * Vermteilnug des poale-sionistischen Führers Darrt. Der SondetLevichterstatter .des I. C. B. in Nußiaüd meidet: lDer Mchrer des rechten Flügels der Poail« Zion in Rnßiland B. Barn wurde zu einer Gelidstrase von 200 GoidrnbÄ und zum Verlust der staabsbürgeMchen Rechte siir di« ' Datvör eines Jahres vLmrrieM, well er im Monat Juni voriMtr JcchveS auf einer BevsamnÄMtg des Moskauer Jdgesbom dem Mischen Kammunisten L« Vit an eine Ohrfeige versetzte. Das Urteil gegen Baku toird hier als eine Bestrafung der gesamie-t« poake-zionisttschen Bewegung in Rußland aufgefaßt. Baru hat in seiner Verteidigungsrede vor Gericht das Poale-Mnistischa Programm erläutert und die Behauptungen Levitans in der genannten Jdgeskom-BersainmAng, daß die russische Poal^ Zion zur Schicht« der N. E. P.-Äeute (Nutznießer der neuen ökonomischm Pokitik) gehören, durch eine Reihe von Taffacheq KN wideÄvgeu versucht, D6B