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Wiener Morgenzeitung · 1923-01-02 · Heft 1397 (2.1.1923) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
5 (1923)
Issue
Heft 1397 (2.1.1923)
Date
1923-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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■ ••yr ' Mm, MenStas v;;^ L_ _ _ -■'—■« -—---- -- .. .. Sprüche, Aufsätze nnb Pappschachteln einander glichen, wie ein Ci dem anderen, das) die Einfalle ausgeklügelt die knappe, witzige AusdruckSweise aufgepickt war. Aber irnmer-- hin blieb dach für den flüchtigen Beobachter der äußere Anschein aufrechtder für die erfolgreiche Züchtung von Originalität sprach. Inzwischen ist genug Zeit verstrichen, um die Früchte der freien Erziehung zur Reife zu bringen. Und wessen Blick nicht durch den Fanatismus der Elternliebe oder durch den Fanatismus drr Idee getrübt ist, der kann Wohl lanni darüber im Zweifel bleiben, daß von dorr sogenannteil originellen jungen Menschen mindestens — zwölf -mich, Dutzend gehen. Sie sind alle auf so durchaus gleiche 'Äei'se „originell", daß man wirklich nicht tveitz, ob man darüber lachen oder tveiuen soll. Mehr als für die voll Erwachseireu gilt noch für die Jugend das böse Wort: es ist nur eine beschränkte Zahl von Mustern auf Lager. Waren alle diese burschikosen, entschlossenen jungen Mädchen mit dem hypertrophisch entwickelten Selbstgefühl, als-! die schweigsamen, nüchternen, kühl-fvechen Burschen «durch dir Mühle des großen „Knopfgießers" gelaufen, sie hätten einander nicht ähnlicher sein können. Ge- -wiß, sie sind alle „Ouitsider" und „Eigenbrötler", aber sie traten doch einträchtig dieselbe Straße weiter. Nun hieße cs wohl bitteres Unrecht tun, wollte man die Erziehung dcr Hemmuungslosigkeit allein für diese Erichcinung verantwortlich machen. Es ist. unleugbare Tatsache, daß die Originale überhaupt immer spärlicher werden, wenn man nicht geradezu amrehmen will, daß sie überhaupt anssterben. Wer sich an kluge alte Leute erinnert, au ihre Kernsprüche, ihre gehämmerte Ausdrucksweise, all ibre Schrullen, Wunderlichkeiten, Befonder- T>citc’.n, an ihren Mutterwitz und Humor, der wird bei jedem. Versuch eines Vergleiches sogleich Gold von Talmi unterscheiden können. Die Enge der Welt von ehedem, die Einförmigkeit bc* Daseins hat Eigenart emporwachsen lassen, die seht nnt viel Mühe und Kunst, großgezogen werden muß — eine kränkliche, duftlose, farbenmatte Zimmerpflanze. Wir mögen uns noch so viel Mühe geben: Die Origiimlitätszüchrung mißlingt immer wieder. V«irt«tMr, mit dem« man Brrmösea verdient. Die Leistrlilgen Mortons, des „Dkannes mit den Magerk", .der alle möglichen Dinge verschluckt und sie üann wieder heworbringt. machen gegenwärtig in Berlin Aussehen. Ater die Taten dieses „Zauberkünstlers" lassen sich durch eine merkwürdige organische Eigenart leicht erllären, wahrend es in der Geschichte des „Illusionismus" eine ganze Reitze von Virtuosen geyeten har, deren Tricks Rätsel geblieben sind. Wer heute'hinter diese Geheinrniffe längst verstorbener Meister des Varietes kommen könnte, würde große Neichtürner saumreln. -E'mige der geschicktesten tjeruberlüiijiler der %kli haben aber die eingchende Erklärung ihrer Tricks mit ins Grab genommen, so daß wir uns -teure. vergebens darüber die Köpfe zerbrechen. Von solchen geheimnisdollen Vacieteiricks erzählt der bekannte. Zauberkünstler Oswald Williams in einer englischen Zeit- Eine einzigartige Leistung vollbrachte der berühmte •%rveichischc „Illusionist' ia, mii> dieser Trick > ihm Tii;.nuiift nachgemacht worden. Der einzige sichtbare ^iegeust/.lnd, den er auf die Bühne brachte, tvar ein Würfel een drei O.uaüraizoll. Diesen stellte er auf einen Tisch, und rann wuchs der Würfel vor den Augen der Zuschauer zu h-c.rn grenzeniosin Erstaunen allmählich mehr und mehr, dr.; -v et-na Vstr Ouadrauuß groß mar. Dann öffneten sich um; Wort des Zaul-erers die eine Wand, und heraus -Apy-lic e : n? niedliche •!' l c t u e Da mc, die cmgenühuntim '.ui! dem Würfel g^rachsen ivar. Von Verschiedenen -U wu ed-e vor in-h«, diesen Trick nalhznaymen, aber es ist nnnnn.?. gNnngnn (z reust wenig hat mau hinter das Geck-üm'.tts von nun»' Trick des französischen Zauberkünstlers st v u. d i n g -lanscu lm-.ncn, der vor etwa vierzig Jahren Twch die We'e zog und riesige Dnunnen verdiente. Houdin!var ein ausv'rordeut'iich geschickter Mechaniker, der es in der stenernwing autoruatischcr Figuren zur höchsten Vollendung "nmt hun.>. Er?.eigk-e aick der Bübne das kleine Modell tines Hauses mit zwei Türen. Auf ein Signal von ihm cnschicn ein "i-wlitue Frauen gestalt, die aus einer der Türen trat m-d reichte Enrischrrugen, Süßigkeiten, Früchte und .n-Dcweo, um.* aus dem Zuschauerrqum gefordert wurde,!».wu-ru. Aus der anderen Tür trat ebenfalls auf seinen Bestick ein wlonncheu, das die mauuigsachstcn Arten von Getto'.len anbvt. Der „Eutftsseluugstünstler" HouÄini, der sich schon durch feinen Namen als einen Schüler Houdins bezeichnet, 'hat verschiedene der Trick? seines großen Vorgängers nachgemacht, aber diese eine Vorführung blieb auch ihm r--schlossen, und trotz sorgfältiger Nachforschungen in seinein Nachlaß fand man nichts, was auf eine Erklärung hiugewi^en hätte. Dieser Trick verschivand also mit seinem Erfinder. ' Houdini selbst aber har wieder Leistungen vollbracht, die ganz unerklärlich erscheinen. Seine berühmteste.Produktion war die, daß er -mit seinen Füßen in eimm Duck, der sorgfältig zusanmreugeschnürt und nnt einem Vorhängest-bZ verschlossen ivar, mit dem Kops zuerst in ein mit A a s s e r g e s n Nies Faß k r o ch. Das Faß mit seinem GZ-augenen wurde daun in ein Zelt gebracht. Davor stand ein Angestellter mit einer Axt in der Hand, um bei einem ll-. stücksfall das Faß sogleich auWvschlagen. Daun trat mit überraschender Plötzlichkeit Houdini als ein freier Mann aus dem Zelt. Die Vorhängeschlösser wurden bei der Prüfung vollkommen verschlossen gesunden. Bon einem anderen Trick T'.TiuiA erzählt Williams, und zwar hat er ihn selbst >vii'KOY PrivaLnirfirhrnng gesehen. Horrdrni legte. 24 Na- Mener Mm'genzettmrg. VMM 2. Jänner 1923 Seite 5 * Sittstlmistn aus Um WMnm. | SICHERE ÜrTHAARUNB OHNE RABIffiREN WALDHEIM D E P I LATO I RE Lelohtö und «lnfaohe Anwendung Qarentiert uneoh&dlioh Hftuptäopot uuÄ Verse.ad: 039 l?aldhelia>Apotlie!t8tWtisn, l.t HlRimelpyortg. 14 Preis per Fisken: in Oesterreich K 14.900 England —'2 sh Amerika so cts. mmmuamm Bol Voreiuscnduag des Bol/i’Airea lr&nht. Hüne ——- 1 dein auf fein® Zunge und verschluckte sie augenblicklich. Er bat dann einen der Awesenden, ihm eine andere Nadel durch -die Backe zu stecken, und auch diese verschwand in seinen! Munde. Dami verschluckte er einen an einem Ende zusammengeknupften Seidenfaden, und nachdem er sich eine Zeitlang angelegentlich unterhalten hatte, bat er einen der Anwesenden, den Faden langsam aus seinem Munde zu ziehen; dies geschah, und die 25 Nadeln waren an ihni aufgefädelt! Der amerikanische Illusionist Hartz, der vor einigen Jahren starb, brachte aus einem alten .Hut eine solche Menge « von Bändern, ista-pirr, Fahnen, Vögeln ufw. hervor, daß er die gange Bühne damit füllte. Auch dieser Trick ist niemals in dieser Vollendung nachgeahmt worden. vdmermne» einer MtM « Andwerkerr. Von Heinz Hermcmn. Nachdruck verboten, „(gitttfototb gemacht." Am nächsten Morgen erhielt ich aber in einein rekommandierten Schreiben die Aufforderung, mich zur Asientierung in der Heimat zu stellen. Ich machte sofort eine Eingabe, mich in Paris stellen zu dürfen, was nach einigen Tagen von der Bezirkshauptmannschast von Proßnitz telegraphisch bewilligt wurde. Die Assentierung wurde bei der österreichischen Botschaft fiir den 5. Mai festgesetzt. Herr Gärtner setzte Minna zu Liebe alle Hebel in Bewegung, um mich vom Militär zu befreien und rechnete.bestimmt aus das Gelingen seiner Bemühungen. In Paris spielte ich schon eine gewisse Nolle. Meine Landsleute wendeten sich an mich, um Stellen zu bekommen. Ich war Mitglied de§ österreichischen Hilfsvereins und ausübendes Mitglied d-e§ österreichischen Mannergesangvereins von Paris. Ich lebte wie ein kleiner Herrgott und unterstützte dabei reichlich meine Estern. Und nun sollte dies alles durch meine Assentierung vorbei sein! Der Regimentsarzt der österreichischen Botschaft, Herr Dr. Wertheimer, fand mich untauglich, aber der Militäraüach«, ein Oberstleutnant,. bestand daraus, daß ich behalten werde, da er vernrutete, daß PvotektionSwirtschaft im Spiele sei. Er schrie: „Herr Regimentsarzt, ich schicke ijtefcit Mann ans meine Verantwortung nach Oesterreich. Ich bin vollkonimen überzeugt davon, daß D t^iglich ist." Es entstand zwischen den Herren eine lebhafte Kontroverse, bei der ich den 5türzeren zog. Am 12. Juli 1878 lenkte ich noch - die attgerneine Zlusinerksamkeit auf mich, intern ich zu Ehren des französischen Nationalfeiertages einen Teil der Ruc Maubeuge festlich dekorierte. Mein Name stand damals in allen. Zeitungen. Bevor noch meine Herrschaft aufs Land ging, mußte ich nach der alten Heimat zur Abdienung meiner Militärpflicht. Dcr A-bschied war um so schwerer, als der bosnische Krieg ausgebrochen war und ich damit wchuen rnußte, ins Feld zu ziehen. Herr Gärtner mrd. Minna gaben mir das Geleite zur Bahn. Minna tvcmte . . Bevor ich mich den Erlebnissen in der Heimat zumöchte ich noch einiges von meinem Pariser Aufenthalt Nachträgen. Während ich noch bei der Fivrna BeSueux und Gaston tätig war, erhielt ich einen Brisf aus Olmutz, vom Beter tes berühnnen Oteretterckomponisteu Leo Fall, Herrn Moritz Fall. Dieser war damals Kapellmeister bep v in Olmutz garnisornierten Regiments Nr. 9 mÄ bat mich, zu versuchen, in Paris seine Kompositionen populär zu machen. Um diesem! Mu.srker gefällig zu sein, ging ich in die Kaserne des Regnnentes, welches die beste ftanzösische Militärmusik hat, der Garde Republicaine. Ihr Kapellmeister, der sogenannte Chef dwrchestre, tvar ein Herr S l e «i t. Er uahin mir, nachdem ich ihm meine Bitte vovgetragsn, die Nown Falls ab und fot&erfc nkich auf, tu ein Paar Tagen wieder zu konrmen, bis er sich entschieden habe. Als er erfuhr, daß ich so nahe bei Austerlitz geboren sei, war er hoch erfreut und versprach, mir die ganze .Kaserne zu zeigen. Beim Betreten des ersten Mannschi.stsgmmrers rief der Unteroffizier: „Attention!" Joder Mann stellte sich in militärischer Haltung vor seinem Bett (Cavaletie) auf. Ich las die Namen auf den Kopstöselch^n. Welche UeLerraschrmg, daß cs duvchwogs tschechische Namen waren. Ich wußte nicht, bin ich in Olnrütz oder Paris. Ich rief den Swiwt zu: „Ma um"; sie reagierten aber absolut nicht daraus. Darm sprach ich den Sergeanten, Herrn Navvatil, tschechisch an, aber auch er antwortete nicht. Und der Sergeant masor, namens Mslouzil, Lenahm sich ebenso. Er zuckte mit der Achsel und sagte französisch, daß er müh nicht verstünde. * Das Zkrueste ist . . . Das Rcueste ist nämlich, daß sich der dramatischen Kunst nrne Wege erschließen. Es sind Wege, die schnurgerade zur Äereinfachung führen. Da der 5kriea unsere Hausfrauen gekehrt hat, Butterteig ohne Fett und Eierspeise ohne Eier zuzuberetten, kann es schließlich niemanden weiter wunder nehmen, wenn er auch unsev Dramatiker zur Bescheidenheit erzogen und ihnen die Kunst bcigebvacht hat» wechselvolle Handlung von fünf ausgewachsenen Aktm aus zwei Personen ju »erisiten. Daß brr Dichter den letzten Düstüt noch nicht getan und sich nicht daraus bcschränl'i hat, einen Monolog in fünf Akten zu schreiben, bedeutet eine Konzession an das Publikum» das von dem Vorurteil nicht lassen null, zur dramatischen .Handlung und zum Kinderkriegen gehörten mindestens zwei. Vielleicht kann in diese durch nichts begründete Anschauung endlich Bresche geschlagen werden, und dem Drama der Zukunft, das sich ohne Worte abspielt und doch kein Kino» stück ist, Spielraum geschaffen werden. Eine Anbahnung dieser besseren Zeit wird vorläufig dadurch versucht, daß aus 'der Sprache jedes überflüssige .Beiwirk, wie Artikel Kapula, Verbum, Substantiv und Adverbium, schonungs» los entfemt werden. Erst wie die Sätze gerupft sind, wie die Weihnachtsgänse, abgeschuppt wie der vorgeschriebeue Karpfen und rasiert wie ein Wiener Amerikaner, wenn alles, was gesprochen wird, aussieht wie ein Haublock, auf dem Holz zerkleinert wird, erst dann erstrahlt die Sprache in ihrem hellsten Glanz. Endigungen verwirren nur und sind rücksichtslos über den Haufen zu rennen. Auch die routiniertesten Verfasser von Spartepeschen können von dieser gesprochenen Stenographie noch lernen. Kater Murr. * Manfred Weiß. Wir schon berichtet, ist in Budapest -am 25. d. Manfred SS cd tz, Baron von CsepcL, 66 Jcchve oü, ge-- störten. Der verstorbene Chef der weltberühmten Csepelxr MumtionL--, Stechl-, Dtetall« und Maschmenwerke war seit einigen Wochen le-idend. Während des Kommunismus in Ungarn wurde er dntttmiert und seine Fckbrdk sozialisiert. Manfred Weiß versuchte sich, erbrttevt darüber, nnt Beronal ,pr vergiften. Der Versuch wurde entdeckt und Weiß am Leben erhalten. Nach der kommunistischen Herrschaft hat er seine Fabrik «ttter englischen Schutz gcsteW. Vor emitfat Wochen erschien in tem Hetzbsatte der Budapester „Erwachenden^ ein langer Aussatz gegen ihn, in dem man ihn der Verbindung mit der Bcla Kun-Herrschaft beschu-wiM. WS er diesen Artikel Las, verlor er sein Sprechvermögen und bekam «men Schlaganfall. dessen Folgen er erlag. Seine Esepekr Werke, welche eiuck ganze Stadt vsi Budapest bilten. versorgten >schon vor dem Kriege einen beträchtlichen Teil des MmrüionS-- und Zdvi-sgZanSMungSbLdarses .-der chemaligsn Monarchie nnv fiefeiten für einige südamemkamsche ruck» asiatischL Staaten, ater auch für die Balkanstaaten und für Rumämen den größten Teck der Kriegsbedarfsarbikel. Manfred Weiß har als Selfmademan begonnen und stin Unternehmen mit nnerhönteni Fleiß eniimckell. 25.000 Arbeiter und Angestellte artetteten in seinen Betrieben, die im Kriege einen ung«thnten Aufschwung nahmen. Fm Jahre 1915 lud Manfred Wsiß den Grasen Imins Andrassy ein, seine Werke zu besichtigen nnb a&iate ihm die zur Wfahrt ssrriggestellten Riesensendungen von Munition nach Rumänien. Damit wollte « seine itrbüi lOceinmtA unteEützeu, daß NAmänieu nicht gegen die Zentralmachte einznschroiten gedenke. Nach dem Umsturz gelang irS Ätfreb Weiß, seine Merke zum gwßen Teil für die Friedens Produktion Landwirtschaftliche Maichmen, HasiSgeräte. Konserven usw.) einzurichten, doch blieb seine Fabrik diejenige, im Früdensdertrag Ungarn al§ einzige Fabrik für MnndüonserzNMrng geiasien worden ist. Die Cstpeler Werke werde» vom bisherigen Genevaldirektor Ritter v. Wahl und tem Schwiegersohn Manfred Weiß'. Baron Pmtt v. Korn seid, tye-iiergeführt werden. Eiwr Tochter Manfred Weiß' D mir. dem bekannten Geigenvirtuosen BvmiÄow H. über mann vermählt. Die russischen Emigranten i» Paris. Wiederholt war schon in ter Presse von jenen russischen Aristokraten die Rede, die in Paris als Virtuosen, Schauspieler, Sänger, ja sehlöft als Chauffeure ihr Brot verdienen. Nun haben einige dieser Emigranten sich zu einer Gesellschaft zusammengeschloffen, die demnächst in einer Musikhake Vorstellungen veranstalten wird. Die Generalprobe, zu der die Presse eingeladen tvurde, und der auch der Schreiber dieser Zeilen beizuwohnen Gelegen heit hatte, verlief imtr dem Zeichen eines außerordentlichen. Erfolges. Besonders hervorragend als Pianist ist Graf Tolstoi,! der ehemalige Adjutant des Großfürsten Michael» der in der' Tat auch seine Existenz sich sichern könnte, wenn er nicht den. glänzenden Namen Zblsioi führen würde. Gras Tolstoi ist, nämlich der Sohn des großen Dichters Leo Tolstoi und, wiei er den Lei der Generalprobe anwesenden Journalisten et*: klärte, hätte er niemals gedacht, daß er als Klavierspieler sich^ ftribringen werde. Sein Vater war der Meinung, daß auch deri Sohn «IS Schriftsteller tätig fein könnte, doch Graf Tolstoi^ fügte hinzu: „E8 ist selbstverständlich, daß ich ebensowenig zur! Feder greifen kann, wie es der Sohn Goethes tat. Wir Trägereines unsterblichen Namens leiden, unter dieser Gnade. Ahev mau darf nicht vergessen, daß wir leben müssen. Besondersein Familienvater, wie ich, der eine Frau und sieben Kinder; besitzt, muß seine bescheidenen Talente zu verwerten trachten,! so gut es eben geht." Neben dem Grasen Tolstoi werden noch^ eins Anzahl russischen Fürsten und Fürstinnen als Sänger anstreten. Den größten Erfolg aber dürfre Frau Spiritovics haben, eine entzückend schöne, blonde Dame, die Zigeuner^ tveisen vorträgt, dir an ungarische Lieder erinnern, und die, auch in ihren Tänzen eine Verve bekundet, die eher ncagyarisches als tatarisches Kolorit ausweist. Ten Aufführungen dieser, russischen Dilettanten, die aber als Künstler ongesprochen werden können, sieht man in der Pariser Gesellschaft mit teP größten Interesse entgegen. Es versteht sich von selbst, daß die ganze, zahlreiche ^rrssische Kolonie, an ihrer Spitze der Großfürst Alexander Michaclowitsch (dessen Adstitant der er wähnte Graf Tolstoi gewesen ist), bei der Premiere öertm;u sein wird. * Hebräische Schule für die Bezirte 12 bis 15. Anfangs Jänner gelangen neneKursederhebrärfchen Schule für Anfänger und BoMeschritlene zur Ewfftnrvg. Mtw Jänner soll für volksschnlpflichtige Kinder ein Kindergarten eröffnet werden. Anmeldungen werden, mit Rück^ sicht auf die beschränkt« Zahl der Teilnehmer, von ter Leitung der hebräischen Schule, 14. Bez., Herklatzgassc 21..5 , ichon stick entAegengenommen.

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