Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1396 (31.12.1922)
- Date
- 1922-12-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Sk. 1L96 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeituttg. 'St. Dezember .'1922? Seite 3 i» i: ■: .«!«'■«■■■■■■ nnnnnnnnnn■■«■■■■■■■■■■nnnnnnnnnnnee nnnnaa ■■■■■■«■■■■■ ■■■■»» *••*«*! HEUTE von 8 Uhr abends bis 3 Uhr früh; Statten im Korb erlauf K 30.000 (0tnJ>mtc«rftrttttjB.OOO), '» juir bis SamStag abeudS — a« Tage der BerauOoltu«« « ««d a» der Abendkasse rrhöbte Preise. Erhölfiich i» »! Kartenbnreau Mda. au rer Gophiensaal-Kaffe ititb »» K der Bachhandluug SzettuSli. R80 «z!»»«»«»»»»>»»» »>»»«»»»»»»»»»»»»»»»»»»»«»»»»>»^ IM Die WohmmMNsorderung. Morgen Len 1. Jänmr 1923 tritt bekanntlich das. Vundesgesetz über' die Wohnungsanforderung in Kraft. Dir alte Wiener WohnungsanforVenmgsver'- lütbitung tjt, wie erinnerlich, vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben! worden. Das Wohnuugsanforderungsgesetz gtl£ für bau ganzc Bundesgebiet. Es läßt aber für manche Bundesländer Zttrsnahrwn M Eine solche Ausnahim räumt das Gesetz für die allgemeine Wohnungsanforderung ein. Das Gesetz selbst ordnet die allgemeine Anforderung nicht an, sondern fügt nur, daß in Ländern, wo sie bisher beftmtdeu hat, durch Verordnung des Landeshauptmannes einge-> führt werden kann. In Wien bestand :mr die generelle Anforderung, und'sie ist mit einer Verordnung des Landesihauvtmannes von Wien n e u e r d i n g s Dtuiert worden. . Die Bermittlungs ämte r, dir nach dem Mre'ierMsetz ftn gewissen Gemeinden errichtet werden Müssen, werden auch in Wien ausgestellt, und zwar in :jed-rm Bezirk. Diese Schlichtungsstelle:: müssen nach dem Mietergcsetz bar Mietstrettigkeiten augerufcit werben, bevor sich die Parteion au die bei &u Bezirksgerichten errichteten Metkoni misstonen wenden können. Die Mietkommissionen sind aber nicht nur für Mietstreitigketten, sondern auch sür Emsbrüchs gegen Wohnungsan-- forderungen zuständig. / Das sind im we-sentlichen die Mitteilungen, die gestern Stadtrat Weber in einer Pressekonferenz machte und die sich nur als eine kurze Interpretation der einschlägigen Gesetze darstellen. Weber berichtete dabei auch über die Erleichterung des Wohnungstausches und über die NeuorganrEsitiou des Wohnungsamtes. Femfalemer BM. BowDr. Wolfgang Weist. - (Verspät;', eingelangt.) 8, November L.922. Bei uns herrscht noch immer wunderbares Sommcrivekter. Der Himmel ist blau und die Vögel singen, it.tj die Europäer gehen, in Waschanzügen und Tropenhelme': her, und die Herren vom H<mptbn:^au des Jüdischen Äalionalfonds, kls «Mich hier in der jüdischen.Hauplstadt seine Residenz aufgeschlagen hat, schwitzen. Bose ZuNMn 'bchcmpten, es sei nicht so sehr di: stmnterkiche Temperatur Palästinas, die ihnen warm mache, sondern noch vielmehr die ernste'finanzielle Lage des Acren Kajemeth. Und die ist allerdings bös genug. Sie tviffen ja vars den verschiedcucn Veröffentlichungen Heß Hauptburecnls, daß die Spendeneinnahmen des Jüdischen NationalfmOs, seit dem: Karlsbader Kongreß nnnnier- Ibrochen znrückgehcn. In den ersten mm Monaten dieses Jahres sttrd gar nur 64.000 Pfund Bruttoeingänge zu verzeichnen gewesen, denen natürlich ganz bedeutende Spesen Menüberst-chen. Dem: die Spesen sind genau so groß wie mt Jahve 1920, als die Einiiahmcu des Keren Äajonveth 170.000 Pfund betrugen: ein Kassier bezieht ja den gleichen Gehalt, ob er ituat Tausende oder Hunderte von Pfund einkassiert; die SammeMchse, die verteilt wird, kostet den: Mcitonalsordds gleich diel,, ob nun in ihr Goldstücke oder iAsterveichrsche Kronenüoten liogen; die Propagandabroschüre,. tfe gedruckt lvrrd, Lostet ebensoviel, tvenn ihre materielle Wirkung gleich Null «war, oder ob sie schlveves Geld in dis Kaffen des Keren Kaj-smeth brachte — und so steigen denn die Spesen des Natioualfonds, die sich früher auf nur 15 Prozent stellten, immer mehr (prozentuell natürlich), je mehr die Einnahmen sinAn. Das ist aber nicht das Aergstc. Das' Ae:We ist mich nicht, daß der Nationalfonds heute nicht ei:mral iveiß, wo er das Geld hernehrnen soll, um die im Frühjahr fortzusetzenden AMstrowtwnsarbetten im Gmek Jesreol zu besohlen. Ganz offiziell spricht man schon von der Möglich-- Mt, die begonnewu Cntftrmpfungsavbeiten ettcstellen zu «tüffen, wenn nicht in den nächsten Monaten viel Gold ein-- 'lcmfe, Und das wäre freilich bös, dum.dann ginge ja die ganze Arbeit des Jahres 5682 verloren; Drattiageavöetten 'kann n:an nicht, unterbrechen. Aber ich glaube., offen gestanden, nicht daran, daß cs so schlimm werden «wird. Im letzten Moment wirb sich doch. irgeMvo und irgendwie bas Geld finden, mn bm Natttncalfonds ans seiner Klenmre rpr 'Helfen. '' Das ist also arkch nicht bas Aergfte. Das Aergste ist, daß gerade jetzt so viel arabisches Aand in allen Preislagen füe den Nationalsv:tds zu kaufen wäre, wenn er Geld hätte. (Die Araber haben nämlich noch viel weniger Geld Äs wir.) Tausende von Dunanrs brr .JevusaLm^ Zchntausende von Dmmms bei Jaffa, am Meer, int Emok Jesrvel srd zu haben. Man bettelt svvrnlich, daß wir doch Land ftmfctt sollen — nmd wir jLnnen nicht.' Es ist kein Geld dafür da . ., Es wurde vor einiger Zelt übrigens in jüdischen Kreisen die Auffassung vertreten, als vH wir imn — nach den großen Bodenkäufen, die der Jüdische Nationals 0 n d s gomemsam mit der Palest in c Land Deve-- I o p m c n t C o. in der: letzten Jahre:: genurcht hat. und demn sich dann:mch:fsettde Terra-inkäuse des Baron Rot hf ch i I d bei Caesarea anschloffen — über reichlich genug Land verstigten und nun ein Paar Jahre latrg kettcon Boden mehr zu lausen brauchten. Diese Auffassung stützt sich auf die ^scheinbar richtige) Tatsache, daß die gekauften Bödeu erst zu ameliorieven sind (ivas einige Jahve dauert), dann an Siedler abgegeben werden müssen, und daß man erst dann an nenr Bodenerwecbungeu zu schreiten brauche. — Das ist gang so, wie üveun mcur von Linen: Kaufmann verlangen würde, er solle nie nrehr TLave haben, als er am nächsten,Tage verkaufen könnet Wenn das jüdische Volk heute schon Tausende von Quadraüilonnteri: erworben hätte, könnte man vielleicht so reden.' Eine Atvin^pause würde dann weniger schade«: Aber wir haiben ja so verschwindend loemg Boden in Palästina! Die ewige Rechnung mit „Dunau:", den: arabischen Flächermlaßvon den: sich sein Europier eine ordentliche Vorstellung macht, täuscht mrs über die Ar:nselrgkeit unseres Bodenbesitzes hinLveg. Ich will die Dunau: in Quadraikilonwtcr umrechnen und an der Hand Ihnen bekannter Flächennwße veranschaulichen, was wir besitzen: Die Größe Patöjtinos . . Die Größe Riederösterreichs Die Größe -es g e s a m! t a « jüdischen Bodenbesitzes. . . Die Größe der Gemeinde Wien Die Grüße des Besitzes des Süd. Natiönalfonds .. Die Größe des Wiener Praisrs zirka 22.000 Quadraikilomerer . . §2.680 75Q 3D0 70 .18 0) Das heißt: Baron Rothschild.(gemeinsam mit der I. C. A.) und die Zionistische Organisation zusanunen haben in 40 Jahren, beziehungsweise 15 Jahren ein Gebiet erworben, daß zweieinhalbmal so groß ist als Wie«, drei Prozent des Bodens Palästtnas! Der.Nationaffonds wieder hat in 20 Jahren knapp so viel Geld gesamnwlt, daß €x Terrains von einer Gesaultüusdebnmlg von 70 Quadratkilometer erwerben konnte/das ist nicht ganz viernval so Viel als der Wiener Pr.ater!! . - ' Und da gibt es noch Zioniste::, die finden, wir hätten schon „genug" Boden, in ^rlästma. Wir könnten uns ein paar Jahve auf unseren Lorbeeren ausruhen! Wir brauchten keine neuen Bodenkäufe! .Ich.aber sage Ihnen: es ist enr herzbÄlenrmendes Gefühl, lventt nran stünden- und stundenlang durch Palästina wandert oder fährt,, ohne auch nur eine einzige jsidische Siedlung zu sehen. Ich fuhr vor wenigen Tagen voÜ Je r u s a l an über S i ch e m nach Nazareth..-. Drei Stunden Autofahrt im wahnsinnigen Tetnpo durch herrliche Gegend — und kein Fußbreit Land auf der 120 Kklrmreter langen Strecke bis Kf>nl«h ist jüdisch. Der Freinde, der Palästina auf diesen Straßen durchquert', sieht dort nichts von jüdischem Besitz. Und das ist ■ der Hauptgrund unserer politischen Schwäche. ,• Die jEsendis HMmpfen uns laut. Leise aber bieten sie r:ns ihre Böden an in der Hoffnung, die heilige Stadt Davids mit der ioeniger heiligen, aber ungleich amüsanieren Hruptstadt Galliens oder Aegyptens vertauschen p: können. Und daß wir ihre Selbstiiberivindung, nns Boden zum Kauf anzubieten, damit beantworten, daß wir sagen: „Beda-ueve, Kern GM" („Ma fisch," sagt der Amber) ... darüber kommen sie nicht hnUvcg. Das, jchrgert ihre Gegnerschaft gegen unsere Sache. Nun ist allerdings ein Mann an die Spitze des Nationalfonds getreten, deffon sprichwörtliche Mrergre sich (mit seiner ebenso sprrchtvövMchen fanatischen Liebe. für die ,-G e u l a t h Haare z", die Erlösung, den Loskamf des heiligen Bodens, Paart: M. U f f i f ch l i h wurde Gortver-- ncur des Direktoriums des I. N. F. Solange das Hauptbureau des Keren Kajemeth noch in Europa war, war sein Einfluß nattirlich nur Platonisch. Hier in Jernsalen: aber nahm er vom ersten Tage an die Kettung des Nationalfonds m feine Hände. So hoffen wir, daß die Uebersiedlung des Keren KajeNlsth-HauPtbureaus alle die Hoffnungerr verwirklicht, des wir feit encem Jahr darein setzen, daß ttn kommenden Jghr neue Bodenkäufe durch den Jüdischen Raüonalfonds geschahen tvevden und die „Erlösung des Bodens^ wieder ottren Schritt vorwärts machen wird!.. Kn Vorgänger des FudeMaates. Von Bernhard Weinert (Zürich). Im Jahre 1891 erschierr irr Hanckurg eine kleine „Di^ Judenfrage und die Znttrnft" betitelte Schrift. Der Vev-« sasser Gustav G. C o h e n, vom Wunsche geleitet, dvß ^ine späteren Nachkonmren in einer -kZeriode, die settun Traum vielleicht der Verwürkstchung näher gebracht, hier zweierlei finden möchten: „das was ihm als Ideal in bezug auf das -Judentum vorschtvebi und ein Bild jüdischen Lebens und Derckens seiner Zeit", übergab seine Broschüre nie dem Buchharckel. Die als Manuskript gedruckte Schrift ist daher heute nur in einigen wenigen Exemplaren bet Freunden des Bersirssers zu finden. ' In einer Zeit, in dtzr die Juden von vollständiger Gleichberechtignngo als dem einzigen -und besten Mittel zur Lösung der Judenfvage träumten, erhob Cohen die Forderung nach etrcer radikaler: Lösung des Judcnproblems. Ferrr den Zentren jüdischen Leberts, ohne die nationalen Hoffnungen, die schon damals «inen großen Teil unserer Brüder ttn Osten belebten, zu kennen, postulwrte ’ Cohen die nationale Wiederherstellung des jüdischen Volk e s. Schon das Motto der Schrift: W a s w a r e n wir? Was sind wir? Was sollen wir sein?! zeugt von einen: Manne, bei dem das stolze Selbstbewußisein als Jude, ungleich wie bei vielen anderen Inden in Westeuropa, nicht verloren gegangen ist. Es charakterisiert uns ganz genau die jüdische Umgebung Cohens und bas Denken seiner Zeitgenossen, wenn er,seine Schrift mit der Frage nach dem Vorhandenssiu einer Jüdetrfrage bediuut. Das war nötig, dem: ein großer Teil der Juden war selbst diese sür jeden Klardenlerwen evidente Tatsache zu vcnt-einen bereit. Von den letzten b-ehaupiet Cohen, daß sie eniwoders blind sind oder nicht seherv wollen, weil die Erkenntnis sic aus ihrer Behaglichkeit auf-» rütteln würde. Ur:d lvenrr sie schon, von den VerhLltnissen: gedrängt, das Vorhandensein eines Juderrpräblems nicht leugnen, dann betrachten sie das als eine Marotte, die vorübergehen wird und die man am besten vertuschen soll. Und doch dauert diese Krankheit schon recht lange, mau findet sie bereitsTnr alte« Aegypten. ,.Ja, es gibt eine I«-- denfrage," betont Cohen. „Das Problem ist vovharü>en^' sobald eine ganze Klasse von Menschen ... als ein fremdes, schädliches Element, ja von vielen geradezu als eine Pest betrachtet wirb.' Sie existiert für die Juden nicht urinder, wie für die Nationen, unter welchen sich ihr ^Einfluß fühlbar macht." Wie ist Liese Frage -zu lösen? Untergehen, ttn Völker--^ stron: verschwinden können wir nicht und sollen es auch' nicht. Im Gegenteil! Nur eine Wiederbelebung des Juden-» tums kann — nach Cohens Meinung — die Lösung rint sich bringen. Es muß wieder ein Etwas haben, um das es sich scharen, ein Ideal, das zur größten Krastanstren-- gung.auftnuntern soll, cs nruß seine Selbständigkeit als! Nation wieder erlange::. Erst dann kmnr eins grüMrchL Heilung der Krankheit eintreten. Cohen ffr sich bewußt, daß diese seine Bkeinung ihm! nur Spott und Hohn einbringcn kam:, in erster Nrche bw den Juden selbst. Aber er tröstet sich Labei, daß er sich tt» diesem Falle in guter Gesellschaft befinden würde. Hätte dvch die Errglanderin George,Elrot ttr ihrem bekannten Rornan ,^Daniel Deronda" den- Gedanken eine Wieder-/ Herstellung des jüdischen Staates in Pa'lasttna ausgesprochen. Unter dem Ettffluß dieses Buches begann sich Cohen schon arcsangs der achtziger Jahre mit diesen Fragen zu. befassen. Ittch tvi-e ettw Engläntterm es war, die dieses Postulat aufftrltte, so glmlbto. er, die englischen Juden , würden die ersten sein, dies« Idee zu unterstützen. Bei. ihnen ftnde man doch noch jene gewisse Pietät und Sy:npachie für das Jl:8enttrm. „Unter ihnen, wenn irgendwie, könnten sich einst die Mäinver finden, welche bereitsind Hand «nMegen, und auf diesem Boden wären sie den Sympathie und. wahvlch^üllich auch der Mrllvirknng ihrer! christlichen Mtbürgsr sicher." Allerdings sei dix Zeit (1691)- für-die DurckMhrung dieser. Idee noch nicht reif. Der^ Anstoß zu dieser Lösung wird aber sicherlich in einer Zeit! konnnen, ttr der die Judenftage zu eine«: brennendem Problem geworden sein wird. Und dam: wttd vielleicht der, m:ss äußerste getriebene Antifemttismus ein Heilmittel für: das Judentum werden. Die Abneigung der gebildeten Juden erschwert ungs-. mein die Verbreitung der Idee einer nationalen Mieter--! Herstellung. Aber sie wird sich durchsetze::. Das ist CohenK' feste UeberzeugMrg. Das Juteveffe m der eigenen Ver-! gcrngenheit und Zrckunst wird wieder, unter den Jbrdec: wach wett^em Momentan aber ist bk Lage bet Inden schwierig, die VevwiMchung des ElchzieW, das Cohen erstrebt, ttr werte Ferme geruckt. Dem: es laßt sich mit dem vorhandenen Mischen Menschenmateria! nicht viel unter-' nehmen. Daher bleibt als nächste Aufgabe die Arbeit.„au der physischen unö mo ralis cheu H ebun.g der! R.asse" bestehen. Vor allam aber wrch eine Kernvm- »m »., Taborctreße 48 Telephon 47-1-78 Iw gfoi in clwlal