Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1395 (30.12.1922)
- Date
- 1922-12-30
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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BK. 1390 Wwrr, Samstag Wiener Morsentzeitnns. Dezember 1922 Seite L \ «!,» detail »Wien, II. Kl. Sperlgasse 8 Eporf Ueber die Ausrüstung der ungarischen Nationalarmde berichtet „Wreme", daß die Ungarn mil italieni scheu Gaffen wohl versehen seien. Die Mobilisationsver« vrdnungen seien bereits sevbiggestellt und 'StupentenibataNone sowie ein Todrsbataillon unter der :Führung Iwan Hejjas organisiert., Der ungarisch». Kriegsplan soll, die Konzentration von zlvei Armeen bei Aalaegerszeg und Fahring vorsehen, damit die , Führung eines Defensivümpfts gegen Jugoslawien so lange ermöglicht wbÄ, bis die bwyrischen Orgesch- 'bataillone in die Lage kommen, die ungarischen Aktionen auf österreichischem Gebiete zu unterstützen. Eine andere Armee soll gegen. die Tschecho- Slowakei offensiv Vorgehen. Dieser Kriegsplan soll von Komad b.' - H ö tz e n d o r f, dem öhemaligen Geireralstabschef der österreichisch-ungarischen Armee, ausgeärbeitet worden sein'(?) „Wreme" weiß ferner von bereits für den Kriegsfall > angefiillten Proviantmagaziuen in Ka- 'nizsa, Zabregersze-g und Raab zu berichten. Italienische Kmwnen und Mstschinengolvehre sollen ständig nach Nn- .garn*gesandt weiden. Die' österreichischen und italienischen! Fabriken arbeiten Tag und Nacht an Bestellungen der jungarischen Heeresleitung auf Telephone, Teleskope und anderen technischen Werkzeugen. Die ungarischen 5kauonen sollen in Kaposmezöer Wald bei Kaposvar und auck) in unterirdischen Magazinen aufbewahrt sein. Bei Szeged sollen 28. Zentimeter-Mörser versteckt gehalten werden. In einer Fabrik in Fnnskirchen werden von ungarischen Hochischülern der Technik Granaten und Giftbomben erzeugt. Der ungarische Kriegsminister B e l i tz k a berief diese!Woche sämtliche .Tkreiskommaiidanteii zu sich und machte .sie auf die Möglichkeit einer n a hebe v o r st e h e n d e n Mobilisierung auftnerksam. Die gesamte ungarische Armee soll in zwei Mobilisiemngseinheiten geteilt vierten, die durch die Buchstaben A und B von enmudcr verschieden werden. ' - Diese Mitteilungen der ,Mremc" möchten wir noch chahin ergaben, daß tatsächlich Stephan F r i e d r^ch vor l«mgen Tagen in Wien weilte und hier eine Besprechung >mrt dem Major Pa Pst hatte, der seinerzeit den Mpp- Putsch gegen Berlin uütorganisiert hat. Dieser Papst lebt derzeit unter dem harmlosen Namen Peftres in Innsbruck. Die Verbindung zwischen . den magyarischen und italienischen Faszisten besorgt Oberst R o m a n e l l i per sich bei den Erwachenden besonderer Popularität erfreut. Pole». Rach der zweite« Wahl. (Bon' unserem Korrespondenten.) Warschau, 20. Dtzze^rwer. In ömet: Atmosphäre der Aengstlichkeit. fand 'bk Wahl stzes zweiten Präsidenten der polnischen Republik statt. Es ■Idftetc ausf allen das bittere Gefühl,'daß es, kaum drei Wochen snach der ersten Wahl, zur zivoiten kommen mutzte. Will nnmt dieses Gefühl auf {einen Ursprung prüfen, so würde man sme Verquickung von Schuldbewußtseiu und Verantwortung^- gesühl finden. Die schuldbeladene Rechte versuchte im letzten Moment, durch ihre Derlockungskimste die Linke zu einem Kompromiß auf der Basis einer „rein - polnischen Mchcheit" zu bewegen,. um auf diese Werse die L-mke zn einem indirekten Schuldbekenntnis ft'ir die erste Wahl zu bringen. Die Linke ging darauf nicht ein- (trotz mancher Schivächeprobeu) und ^schloß sich zusammen unter der Parole einer eigenen Kandidatur. .So ist die Wahl Wo jcie chow sk.is Anstande . gekommen, der fcmti ersten Moment nach der Wahl Namtotoicz' als DertraumSmann Pilsudskrs gegolten hatte. Zusummen mit den Stimmen der Minoritäten, die, um die Rechte zu Fäll zu bringen, für Wojciechoivskr stmmrieu, gegen den sie früher gestimmt haben, wurde der zweite Präsident im ersten Wahlgang mit ’ einer großen Majorität ' gewählt. ' Wichtig abot und interessant ist di-e Art der Majorität. Es ist dieselbe, die Rarntowicz wählte: die polnischen Lmkspürtoien samt den Minoritäten. - Eine pikante Kleinigkeit" wii)d in den Couloirs erzählt. Vertreter der Piast-Gvuppe suchten auf die jüdischen Abgeordneten dahin zu wirken, daß sie sich der Abstimmung enthielten. Der Spuk der Chjena-Konzeption von „der rein polnischen Majorität" tvirkt nach bis in die Reihen der sinken... Dieser.Einladung gum Trotz fehlte dem Präsidenten Wojoiechowski, nicht eine einzige jüdische Stimme. Dieser Ilmstand -ist vielweniger >denr Vertvanen für die Persönlichleit des getveseneir. Ministers für innere Angelegenheiten zuzuschroiben als der Konsequenz einer jüdischen Politik rin pol-- urschen Seftn: Mit der Linken gegen''die antisemitisch«; Rechte. Es drängt sich die Frage nr.die Feder: Ist die Anke in .dieser Beziehung viel besser? Ich-will in diesem Moment die Frage nicht beantworten. Es war den Umständen entsprechend — richtig gewesen so zu handeln, wie es geschehen ist. . Um 7 Uhr abends des Wahltages fmtb die Beeidigung statt. In festlich geschmücktem Saale bei Antoesenheit auch der Rechten fand der feierliche Akt statt. Während die Linke 'dem neuen Präsidenten applaudierte, erhob sich die Rechte von ihren Platzen, blieb aber ruhig stehen. Trotz der größeren CimnütigkÄt wurde der neue Präsident kühler begrüßt. - Nach Schluß der Naliorullvwsammluug ertönte nicht wie bei der Wahl Namtowicz' die Volkshymne. In den Logen saßen in Galauniform Vertreter der fremden Mächte und wunderten sich über die Stimmunng der polnischen Wgeordneten. Die einen zürnten, die änderen schämten sich, daß die Wahl imtz den Stimmerm der Miiwritäten zustandogekommen war. Aus diesen gemischten Gefühlen 'der polnischen Parteien entstand die Atmosphäre, in der die Wahl vor sich ging'und die Angelobung stnttsand. Wann kommt die Stunde1 der Ueberwindung der chauvinistschen Phrase? Vielleicht gibt der Sejm in seiner späteren Arbeit die erwünschte' Antwort. Es liegt nur im Interesse der Minoritäten, aber in erster Reche im Interesse des Staates, daß diese Atmosphäre von Llengstlichkert und Schwäche verschwinde. Der Präsident der Republik hat Mr geringe konstittüwnelle Kompetenzen. Aber die eine Kompetenz besitzt er oder kann er erzwingen: alle Leute guten Willens zu gedeihlicher Mitarbeit zu zwnrgen. Auf seine Taten müssen wir warten. Die Stellung des AaatsprWenle«. Warschau, . 29. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Ein Erlaß.des Ministeriums des Innern besagt: . „Nachdvnr der Sejm und der Senat sich bereits konstituiert IMert, tritt der Artikel 2'der Verfassung in Kraft; nach diesem sind der Sejm, der Verrat, der Staatspräsident mir den Ministern und die Gerichte die.Organe der Souveränität. Im Zusannnenhaug damit ist den Organen der Sonveräniüit uitb insbesondere der Person des Staa tspräsrdertten, als Repräsentanten rwch außen und Chef der Exekutivgewalt, von allen Bürgern,mit beson-- d e r e r A ch-t u n g zu.begegGu., Me Versuche zur Hevabminderuirg der Autorität dieser Organe sind von 'den zuftä.ndigen Behörden mit allen gesetzlichen/ Mitteln strengstens zu unterdrücken." > Eine Rsrddroh««g. Lodz, 29. Dezember. (Tel. d. „Wr. Morgeryeitung".) Der Redakteur des hier erscheinenden „Gloß Polski" echielt von der hiesigen natiottalde jitokra tischeu Organisation einen Brief, in dem ihm angedvoht wird, daß er, falls er die Artikelserie gegen H alle r fortsetzen würde, vom L e b c n A b s ch i« d n e h m e n könne. Dasselbe Los werde auch sämtliche Mitarbeiter dieser Zeitung treffen, - falls sie sich der Fvrdemng der un.tioualdenwkra-iMwn Organisation nicht fiigen würden. Gsgen die Leuenmg. Warschau, 28. Dezember. (Tel. der „Wr. Movgenzeiturrjg".) Der Ministervat.'hat den Wirtschaftsrat beim Kabinett aufgefordert, binnen gehir Tagen genaue Anträge ^über die Ex por tp olitik Polens vorzulegen und darzutun, auf welche Weise durch Beemftussung der Exportpolitik zur Mrldevung der.Terrenrng beigetvagen ivevden könnte. Im Zusanmrenharrg damit hat der jüdische Abgeordnete Frostig den Vorsitzenden der TerrenrngÄommissivn mr Sejm aufgefordert, ehebaldigst eine Kottmüssionssitzung eru-- zubevufen, um dem Sejm konkrete Anträge zur Bekämpfung der Teuevung vorlegen zu können. Der Vorsitzende erklärte deur Abg. Fwstrig, daß sofort nach den Weihnachtsferien eine Sitzung der Teuemngskommission, an der sich auch eftr Vertreter der Stadt LLorscharl beteilige» -wird, einbevnfen wechm'wich,. Aufhebung der zeitwlgrzensnr. In der letzten Sitzung des Mimsterrates wurde beschlossen, die bisher gehandhabte Zensur von Auslandsdrucksachen Mbd Zeitungen aufzuheben. Mndschau. Hmding gegen die Weltwirtschaftskoasereuz. Ne w - N o r k, 29. Dezember. (Tel.- Komst.) DaS Schreiben des Präsidenten Hnr« ding mt den Senator Lodge wird allgemein als Initiative des Präsidenten gegen die vorzeitige Einberufung einer Weltwirtschaftskonferenz aufgefasxt. Die Abwehr Hardings, die Befngniffe des Präsidenten beschneiden zu lassen, wird wahrscheinlich noch politische Folgen habeN, deren Ausmaß im Augenblick noch nicht abzusehen ist. m\'r Die wichtigsten Stellen des Brieses .^ardings an Lodge lauten: „Ich hatte den Wunsch des Kongresses^ eine ZLeltwirtschasts» konserenz einzuberusen, für ungeschickt und unglücklich, weil durch einen derartigen Be, schlusi in Europa ein -falscher Eindruck ent? stehen und aus unser Volk ein schlechtes Licht fallen könnte. Eine Wettwirtschastskonserenz müsse so lange wertlos bleiben, als die Schul? denkonsvlidierungskommission nicht eine größere Bewegungsfreiheit hinsichtlich der Festsetzung der Zahlungsfristen und des Zinsfußes für Kriegsschulden erhalte. Wenn der Kongreß etwas tun wolle, so könne er seinen Beschluß widerrufen, durch den sich Amerika aus der Reparationskommisfion zurückzog." Kiimmkuifterr gegen FasKeu. Riga, Ä Tczember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Zcntralausjchuß der- Dritten International« hat beträchtliche Summen in Gold der italierrischen Sektion, zu Propagan'dcizn'ecken gegen die Foszisten übermittelt. Der größere Teil deS Betrages soll der W i e n e r Sowjetvcrtretung überwiesen worden sein, in deren Händen jetzt die Leitung der kommunistischrn Propaganda in Italien ruht. M deiüsche Wwehr geze« territormie TMktionen. Berlin, 39. Dezsarbsr. GcgenÄer dsm >Pa-riser Cemmivivigm über den Beschluß der Res'aNrtionskmmnission, daß bas Wort LüchterfulluM" «l § 17 der MeÄev' Aniage guin RePaWtiwnskoPtte-l drs FricÄensverLvaVes denselben Sinn habe wie!dsr Ausdruck ,worsätzÄche Wchtcrfnllung" iw § 18 derseilbnr Anlage, erfahrr bas Wolffche Burrau von zustäirdiMr Stelle: Es widerspricht den elAnentarsteu Regeln der Ans- IbeWM'vön VertDa^'bDstimMltrnigen'mch es ist. eine wMüMche Dextüttdevung, tvenn mam mttMfchiÄdene Fälle n a ch -t r ä g i i ch als. KÜoichbedvntelvd hdHtM.'Aber fÄbst ivemr die Reparcttwrrd-- rmmMssion' ftmuell eme vorsätzliche NichteofAlmvg, sefiyeslM hätte, wäne konve «nÄMch. Von derl^cher Seihe ist wiedeHolt tlochgeiowsen und von der Gegenseite mienr-ÄS Widerlegt worden baß dar Vertrag atatfer keiner VoranS- *f.ctzmng den MÄerteu zu iivrritorrialen.Smcktwlten.das Recht gibt, - sondern nur zu w i -r t s ch a ft 4 i ch e m und f i u -nziellen Maßmihuren. LeMche Warm »ach AMmid. * Moskau, 29. Dezember. (WM.) Wie faie Russische gvaphen-agentur aus Petersburg meldet, ist dort eine Wtevl'Uu.g der 'rusfisch-dsuischLlr HandelÄMenges>eKscha!ft eröffnet lvorden, die sich mit der Einfuhr von Waren nach Ruchland bcsiassin Nüst).. Gerächte Wer eine griechische MabMeumg. London, W. Tezrmber. (Tol.-Komp.) „DaÄy Erpreß" erfährt ans Achen, -daß am nisuer Krieg zwischen Griechen und Türken attszubvechen droht. Ern griechischer Mmsterrat ho: beschlossen, die Jahrgänge 19A und 1S2Z zu tnobi'Iisieren und nach Thrazien zu befördsn^r. Tagesbericht. zümWches Lmweskomitee fiir LMrrerch. Es wird idavAts erusinerksam gernacht, daß die in diesem Jahre ansgogebemrn Schokelqwkttungen durch die Verschiedenheit der Farben die Sondervcrbände oder Landesorganrsationen kennzeichnen, und zwar blau für allgemeine tzionistische LandeSovganisat^onen, Eli!« Misrachi, rot Poate Zion, grün Hitachduth, braun Zeire Zion. Außerdem ist auf jeder Schekclquittuug die betreffende Föderation bezsichnet. Die von der öfterieichischen Organifatiou ausgegeben-Ln Schekasim tragen überdies ans der Schekelguittuug di- Stampiglie des Zionistischen Landesk.omitees, begiehungSwevs« der ansgebendest Bezirksscktion oder Ortsgruppe. Die Gesinuntzsgenosseu, die denr österreichischen Zionsstischen Landesverbarck) angehör-eu. werden anfgefordert, nur so bezeichnet«, blaue Sch eka lim M kaufen. ' ' Partoiraü > Für Solmtag. den 7. Jänner wird hi« erste Sitzung des ParLeirates -oircherufen. Tagesördmuvg: 1. .Konstrtiuirrung. 2. Bericht des' Parteitzimchtes. -8. Bericht über d>ie Tätigkrrt M dem Parteitage. L Keren' Hsjeffod. 5. Eventilelles. Beginn der .Sitzung halb 3 Uhr mrchmrttags im großen S-itzungsfaale de- Zionistischen Landeskomiiees, % Bez, Tahovstraße 20 a. Dr. N. M- Gelber. -'Dr<D-fiÄer'F'ried'mann.' > Schiffmann ii., TaborstraBe 48 Telephon 47-1-79 En gros Bu 4>til i D^/A