Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1395 (30.12.1922)
- Date
- 1922-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i;t ■■'■''■•’ v«* v c 7, v"‘ 1 'y> r" ' ' i . 5 ' ’ *• .nr,y Wien: Zum Abholep in dcir KrpediUon, II.,Tabor8tr.l-S, oder meiner Vcrßchleiastelio (Trafik) monatl. K 28.000 . . koadvvrsand für Wien u. Öesrerr. monatl. IC 28.000 j-Tfiche <;h ö-S l ow.ft ke i: jjMpn- K 37« Ungar«: Mp». j'K*600. lugoglawien: Mop. •Utaar 30. F o’l e n : Mo». •Mk. 4000. Deutschland:;Mon. Marl: 1200. (F ran kr;, ■Belgien: .Moinatl.. Frcs. 8 Na«Itzahlun'sron' •jä»e* PreipsrhBhbnjan . varbebalkeu «t. 1393 r '' Ts eh ©cho - Slowaüil •! tsehecha.K 1a—, Italien: Monatl. 10 Ru m arii en, Bulgari«» Monatl. £0 Lei b&rw. Lewa,; Schwei z und das üynge- Ausland monatlicji Frcs. X. Redaktion u. Administration! Wien, II.jTaKorstrassel—3: Telephone: 44-0*38,43#3»J9t? ab 6; Uhr abends 16-301.» * ich-Adr.: ,Mor^oo'r«du»r"i , Wien ■ ‘ ■! Oesterreiphisches Postspar-1 leassen-Konto Nr. 150.6931 ®nmßtß8. 3ö. Azember 1932 sp. W i e -«/ 80. Dezemdee. .Der anüftmisische Apchf.M-diü'HpchjWen'hat «ich '^''liheraLen.und sozialistischen Blätterau§ 'der Reserve, die sie sich in^ pu'Ncto Judenfrage M'.DvohnÜch' auferlegen, heraustreten lassen^ Es war /ahtzr-.vqrauszusehen, 'daß ihre Exkursion aüf dieses für sie so Hiklc Gebiet nicht sehr,in die Tiefe geirrt-würde ulch es.M wirklich nur eine DM, oberflächliche Abwehr, wenn matt,", wie die meisten fax besagten Organe, sich daraus beschränkt« den Fall füristisch zu beuÄeihen. nnd. die Forderltng nach dem Numerus clausus« der jüdischen Hörer' iM'Däzenten'bloß als ' „ungesetzlich" abzulehmn. Solchen: . „Gerechtigk^itsfanatisurus" - wäre ja Genüge getan, - weM - die jetzt in Kraft steheichen Slaätsgrmldgesetze, die-die Weichheit aller Staatsbürger .aussprechvtl, einfach außen Geltung gesetzt würden. Die-Antisemiten wünschen sich gar nichts besseres, jaes ist ihnen um eine solche Wederherstellung mrttel- «lteUichec.Rechtsainkeit weit mehr zu -tun, als um einen „Rechisbruch". Ihr - leuchtendes -Borbild ist Horthy- Angarn, wo der Kamps gegen die Juden auf streng „legitimem" ' Wege gesichrt wird. Ist er deshalb dort lveniger veraöstheMNgswürbig und schlägt nicht gerade ein solches „Recht", der höheren Rechtlichkeit ins- Gesichts, Enchrült doch just der.antrsernirische Kanrpf um die- Hochschulen die ganze ÜnsitÄchk^it des, Hqkenkreuzlertmns; - Denn. die von dieser 'Seiteerhobene Anklage geMdieJudyn/gipfelt.bekanntlich in dem Vorwurfe, daß sie ein'Parasitenleben auf Kosten der Wirtsvölker sichren, deren Lebenssäfte ste wuchörisch alussäugen/ '.- ' ” V;/ ’• Ern so begründeter/ sich gern ,Zvi.ss^nschajftlich" ge- ( chatvender Antisemitismus hätte,' nm seist«/"Ärechtiguing ' darsulegen'j den 'Nachweis -bog där llnsähißkeft des IuÄest-- tutns' M erbrmaen - aebabt» .sich hiMus^tk-emwUEi^SlEMftN' EMr^MUKe/HeKeu;" sLLrmt schlagen,. tvÄ-dre^ Juden 'ihrer' .^HirÄÜfpsianzm^g" fm/Sinne Mchsches nicht mir keinen'Widerstand entgegensetzen, sondern sie .sich inr GegenM-höchst angelegen sein lassen und zu ihrer Erreichung weder materielle' noch Moralische Qs^er scheuen.. Ern7 Symbol'der Größe dieser jOpWorudigkeit.' -iftT-er -berüchtigte „gelbe Schein", mit denrisich die. jüdifchtzn Studentinnen im ZaMrvoiche auf Kosten ihrer Frauenwürde desi Aüfmihalt w den russischen Nnivepfitätsstädtetzermöglichten. - /' ' Solch - beispielloser Feuereifer nach , Bildung und Wrffe».' straftzwar.'has antisemMsche Msihrei von der jüdischen Minderwertigkeit gründlich - Lügen, liefert aber den Hakenkreuzlitsem nur ein neues Schlagwort: Die jüdische „Herrschsucht".- -' Und doch 'häbdn gerade antiseinitlsche Statististr in ihrem Uebereifer, die Verjudung getvifser Berufe zu .brcndmarken,: bewiesen, daß' tue aladennsch' gradUiertew Juden! weniger der - staütSbeherrschenden Bureaukratie zustveben, als vielmehr densstewn Armsen' der Advökaten, Aerzte nfw. 'Wenn m diesen' Berufen die 'jüdische Prozentnorm überwiegl/.so-zeht-das mir,^daß'M-'-'arischen'ÄkädeMiker dem freien MttbeUKrb der Kräfte dve/VersovgMigan 'der'Staatskrippe 'Vorgehen,-^wShrend^der"^Aude'.schon inr Ghetto zu der Auffassung exogen wurde, das'Studium »irr als Selbstzweck zu üben. Der 'Ostjude/-d^r den Talmud *Iernt", findet es auch heute noch ganz natürlich^ sich fein Brot uns eine -mit.seinem Studium in Wrrer Weise z»vsawmenihängende, oft harte nm>d demütigende Art zu verdienen,'io wie dereinst 'der Westsude Sp inoza das ihm angeborene Lehramt an . der -Heidelberger Universität abgelehnt und lieber durch BrillvnWeifen den Unterhalt für sein der Philosophie getvvihtes Leben gestunden hat. Deshalb ist es von grotestester Konstik, tvenn heute gerade die schon abgebauten oder vmn Abbau' bedrohten Staatspfründner durch 'das. HoMchaÄsüMtin 'der'Audm,'. deren „pavstrtäre"' Neigü-gsn LestäÄgt..finden'..uich.' unter den Übt-. die Freiheit.' der 'deutschen Arbeiter besonders Besorgst:» -'auch.die - PereinigUW geweseneri 'Offiziere nicht - sthlt. . Wenn diese sich's nicht versagen'konnten, dem Rektor , Diener zu .seiner' Anschäuung zu gpaiuljeren^ daß '-im, der /Pustterirs clausus .der schahlichen^^/Uaberfüllmig »der. Hör-/ Iföte' und Labowtorien zir steuert^ bpniM, dann handelten' sie eben, als' Laien, 'tzie Von dqn..tatsächlichen Bevhältniflen^ aus den HochMtsen^'keiüa Ahmrng'.habest.' 'Mnzanders /muß der Eing'ewoilste das Vorgehen '/W/.Herrn Reksors:! beurteilen. 'T^sern kann ^es nicht uühekamrt' sein, daß schon! vor' zwdj Mhre.U /au§ ° dem Schoße -chxr.. Hochschulen . selbst >ein 'Vo>7schM-ülisß«taücht -ist, .der.'Vch,'nn4pürKjgen-uwd .der . ivissenschastlichest 'Arbeit/ wirklich' -isirzutrqgl^ckM' Zustan-. Heu. "M Msteigende. Frequenz/M 'Hyitzschülen gezütigt. hat, ttt befriedigender W«is« ein Erwv' machen ' würde, i Damals haben nämlich die Privaldozenterc eine Betvc- IM W Dech-ZerMg Wx Ä| :: m KoMG. . FchMyg London, 29. Dezember. (Wolfs.) Nach dem diplomatischen - Berichterstatter der z,D a i l y Me w s" stehb es noch nicht endgirltig fest, ob B o n a „ L a w im heutigen Kabinettsrat . einen konLiteten Neuen Reparatronsplan uarerbrcitett werde. Es könne aber als ziemtich sicher geLten, daß Bonar Law einen söichert Plan mit.nach Paris nehmen werde. Dieser Plan habe noch keine endgNtige GestsrLt angenommen; seine Hanptgrundznge Log nie n jedoch Mit einiger Sicherheit, angedeutet werden: 1/ tzerabsehung.der Reparationsverpsttchtungen DeutschLands auf eine Summe, die innerhalb der Leist u n g s f äh i g k e i t D e u t s ch l ä n d s liegt/ und energische MastrmhmeN für den Fall eines deutschen Bcrzrches^ . '. / - - . . . ^.7/ - ' ,/ti Zsufammenfasinttg aller deutschen Bcrpflichtuttgen gegenüber den Ältiierten t n b kn t n e i n z j g c n Z ah l u n$ spl Befreiuntz Deutschlands von allen Zahlungen wahrend der; et st e n d r e i o d e r v i e r I a h r e und ErnEsilgnnsi der^Zahlungen während einer w'sWreä furzen^^Peöiode. 4: Diche PefreiMg braucht kein völlstäudiger Erlaß zu lein.;'L/v, - - ' ■ / Eine Summe MUiarden Go^d-- mark. verteilt auf. eine gMiffe Zght von Zah- .. ■ ^^6 Drs- MK? Äefämt-. fuMMe gtzf..'-hie^ von einer ihe!känstten franzöHl Men F'ilianzautoritäL' vorgcschMgenen. M MWrden Goldmark Vermi9idern könnten, jeder Beweggrund gegeben werden, seine Berpflichtungen 'richtig- 'KU/'mMWM:. MeS könne Deutschland natürlich nur Mit hilfe Von. äuherM'/Mnleih.en tun.-. 7. Frankreichs besondere Nolle bei einer Regelung würde in der Annahme deutscher Reparcstrpusböns, vielleicht Pülcher einer besonderen . Kategorie an»ltog den Bons der Serie E,' MM Zwecke der Bezahlung der Alliiertenschnlden an Großbritannien Heftehen und vieUeicht außerdem auch darin, daß ihm seine Schutdsn teilweise gestrichen werden. Mit Bezug aus die nichtgestrichenen Schulden rönne eine Äbanderuug des Grundsatzes der Balsoue-Note, wodurch' eine gewisse Bezie« huttg zwischen den Zahlungen an Amerika und dett Forderungen an die ALliiertenschuld» ne« geschaffen werde, angenommen werden. 8. Frankreich muß seinerzeit ebensaM bis zu einem gewissen Nlaße die ihm . von seinen europäischen Alliierten geschuldete^ Summen erlassen. ' i' Einige der hier angesührLen Vorschläge würden vielleicht noch vor .Erössnung der Pariser Erörterungen abgeändert werden. Außerdem können sich die Ereignisse in Paris oder in Llrashington so entwickeln. Laß dpv britische Plan überhaupt nicht vorgelegt werde '' ' Sie MermchW-MMrischrNNsMeMchuldÄ. * Paris, 28 Dezember. (Havas.) Der ,^Lemps" meldet: Die UeparationskommissLorr setzte heute nachmittaKs offiziell die Prüsüng der, Aufteilung der. österreichisch-ungarische». Schulden unter die Nachfolgestaaten fort. W wurden die Grundsätze, nach denen die Aufteilung erfolgen soll, angenommen^ Gewisse Nachfolgestaaten : äußerten jedoch '/.HM Wunsch, - Vorbehalte, hinsichtlich einzelner Punkte vorzubringey, Hierzu - wurde - ihns»! Mne Frist bis 31-. '-DezeMen.gewÄ^' -- Oie., österreichischen und die ungärischen Delegier* teu werdet anfangs ZänNer atzgehort hieroeÄ.. -' -; M i;c n,' 29y cheMÄhM/iZn dem Minister-. «»tty de« heute '.nachmittags stattsand^ LeriMt'eten der Bundeskanzler und die BMjWsMruM. ster/ Dr. Grünberger urch Dr. KienbW eingehend über die Pesprechnngen, die sie in den letzten Lagen mit dem MneralkomMisD^ Lp- Zimmermann und Äsir. Mvenol . sowohl' nber die Durchsührunge« des WiLderaufvaugesetzes als über den Stand der Kreditverhaudlüngen geführt haben./ - Bnudesministep Schwitz berichtete über die bisherigen Ergebnisie der neu eingesührten produktiven ArbeiLsLosen sürsorge. -.... - /. Bei durchzuführenden öffentlichen Arbeiten sollen 82Ä ArbeLtsLose neu und ^28» wiedereingestellt werden. - - betriebe-' .'eingeleitet- und einer ihrer Vorschläge war die Austeilung der Ordirrarieu, die seit jeher eine Siüekttve einiger weniger: Pr'osefsoror: :bildeü, :imter sämilichs zur Verfügung, flc^nbe- Lehrhafte Dervernünftige. . Plan,, besten Dürchfühnrng eine' größere' .Mrteffüng der Höver, bewirkt-hätte, schLitertc an dem brutalen Eigennutz der itau ihre Einküßlfte, und alten Vorrechte bangenden Professoren. Diese stheuen sich mcht^ aus der. einen Seite das, schtnachvölle ' Gespenst eines Rüurerüs cläuftts der Hqrer herallfzu'vdschwörLN und auf der arideren die wrllrgen . -Helfer, /"deyrn -gcrechte 'Hera-stzichMg - dieses Gespenst/d^r Peahiost..rw .ban-neyinrstarchtzwäre, in. Not - und. Elend ^trückzusidHen'. ,SÄt BrotErhalten /die' Privatdozentlknsitzt. Steine/ die/sie sich. geHenseitu; W die Kopse Wersen sollen..' - 7 - Denn ich. Lichte der geschilderten/Sachlage stellt sich der bekannie^ Seiierlbieb dB- Rektors - ans die Dozenten--', hrWtterungen,. .die zuur Bedauern /.deK.'Herrn. Diener „nür" [ auf. Grund., der wissenschaftlichen,- Ä-ualifikätion -er-- folgen, '.M/ein Schachzug. zurnational^ Spaltungde'r- PrivaidoMten, die damals unter .der Fhhnlng des Aristrs Dr.^Cdstle. einig und geschlossen/ Vorsingen, /dar. Die äri--. schen-' Privaidpzenlen werden 'zwar - auch'. tveiterhin ebensöwenig spie' die -jüdischen /ins ^/.Ahllegistnr",' zugelassen, - wo. die Ltzbeusfrägen ihres Standes, Häbsiitierungeu. und'R'eü?' . hesetzsingtzn^/zurEytscheidu»H",gelangen-,--' .aber sie dürfensich' -wenigstens - v v-l k i s.ch.msi'.-'den '-GMlWfLrn"der-/a!ßä-/ ^nMhchf''Wür^n' e-m^ stchlen. 77 > 7../'/'/"- "Leider-scheinendie arischen 'Süchienbeflistenen diese. Ehre nichf/ganz nstch, Gebühr ei'nzuschätzen, sonst wära/ihr Andrang zur Dozentur -'so'/größ,'.-däß -die teutonische.Angst: vor der Berjüdunst" des.Standes Höftzrb.' 'erscheiyen. mÜW., Wäre es dm akaöemischen Machthabern mit dieser Ängst ernst, danit müßten'sie eine Verbesserung der sozialen LchK dg; MivSÄMtW.MMWe-U 1« tpidersetzen.' .Denn die. .heutige« ÄerhaltnistL/-in. /dieswr Stande locken nur Idealisten, die iw Dienste der Wissenschast auch vor Hunger - und Elendnicht zurückfchreckeu. Wenn nun die Tatsachen: lehre«,, daß dieser Amstand dse^ Verjudung der Hochschulen Vorschub leistet, dann betveist das eben aufs neue, answelcherSeite -diewahren Jdea-. -. listen - zu finden sind. 7' / Und diese Erkenntnis beruhigt uns. auch über, die Gefahr/des Numerus cläüfus/ Der: ^jüdischen Jdealisntus hat/ noch ' kein Gesetz zu brechen vennjocht und ein Mittel,' die Wege'zu Bildung und'Wissen dem, -der ehrlich darnach strebt,/zu verrammeln, gibt es nicht. Man kann ihm im' schlechtesten '.Falle - die offizielle - Bescheinigung / über seine Kenntnisse vorettthalten, 'aber nicht die ungleich wichtigeren Kenntnisse selbst.^.'Die wahre /Macht' jedoch liegt im'W-isseu nnd nicht in den -Diplomen. Das -beweist die Geschichte des jüdischen Volkes eittdringlich' genug. Die Antisemiten / irren sich nämlich,- -wenn sie'die geistige „Vorherrschaft^ ' der /Juden erst von dem Ireiheitsjahr 1848 an datieren. Denn schon-im tiefste«'Mittelalter-hat man die Juden als wissenschaftliche Mitarbeiter zu schätzen gewußt und unter dem- 'großen» Hohenftaufenkaiser Friedrich dem' Zweiten Hallen sie dem > christlichen.-'Abendland die Kenntnis des Aristoteles' vermiftelt, ans dem ' die. katholische Scholastik ausgebäut' wurde. - Deshalb Wen die großen'Denkerder Deutschen gerade -in den -Blüteperiöden' des. Deutschtums Vie.religiöse und nät.io:rale Toleranz, de« Z'irden gegenüber gepredigt und es ist «ach Wilhelnc S che r e r ein Zeichen des Verfalles im Mittelalter wie.in her neuesten Zeit, wenn die Fanatiker -auftreteu, die -den Antisemitismus atzE ihr Bannergeschriebeir haben. Es'kann nicht bezweifelt tperdän, daß' das Deutschtum jetzt:erste Periode des Verfalles dürchmacht.' Nenn ihm wräier eilte Blüte beschießen fei« wird, dann wird es auch die H-udtzn als kultiirelle Mit-. KchMx svicder M sthätzes wissen, /