Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- Heft 1386 (19.12.1922)
- Date
- 1922-12-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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(Wien: Znm Abholenh?dei*; Expedition, lF.,Taborstr.l-3, oder in einer Verschleißteile '(TrafÖc) »önatl. K 28,000 Mit Postversand für Wien tu Oesterr. monatl. JC* 28,000 Tschech o-J51owakei: Mon. K17. Ungarn: Pon. üC 600. Jugoslawien: Mon. Dinar 30. Polen: Mori. Mk. 3500. Deutschland,; Mon. Mark 800. Frankr„ Belgien; Monatl. Frcs. $ rNaeli*«|»lonf«u -- Prelserhölrutifftn ' wreehaHen «r. 1386 Oesterreichisches Postsparkassen'Konto Nr MMtzmber 1928 Ts ch s«ks «SlowjiktilV tschectii. K 1.“ Italien: Monatl. 10 Iif« R um an ie n,' Bulgaren Monatl. 60 Lei bezw. Lewa. S c h w vi r lind das übrige Ausland monatlich Pres. 3. Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab '6' Uhr abends 16*301. Tel-Adr.: .Morgenzeitung" Wien Re MwoMtm in der 7. W i e», IS. Dezember. . Die Konferenz von Laiisamn-e gibkvmr Zeit zu Zeit. DeVenszeichen vyn sich, aus denen man schließen kann, das; .sie noch tagt. Ja, noch mehr, sie rnackst sogar Krisen durchs pie allerdings bisher nicht sehr ernst waren,' da die großen iEntLNtestäaten durchihren- Streit um' Reparationen- und (Schulden.in Anspruch genommen waren. Sie Haben sich (gtzemigt, ihre - Einigung W verschieben 'und bn nächsten Monaivonneuenr zu beraten.Nuumshr bokonmven ne.' -wieder die Gelegenheit', in L-ausanue luich dem Rechten z». .ks-chen. . ' Dort haben Turnen - und Russen ihnen den Gefallen Letan, die Bexatrmgen vn die Länge zu zichen, und durchs die Muswerfüng immer neuer Fragen das Derhandlrmgsprogranmr zu eriveiiern/ Man 'hatte um die militärpolitische Frage der Meerengen gestritten med hierbei' die Führung des -Wortes den' Türken gestaltet^ ohne Zu eurem Abschluß tzU konrmen, da hinter dieser heiklen Frage -der Orien'tstreit zwischen Frankreich und England ' steht nnd auch Rußland nicht ausgeschaltet werden kann.- Ehrlichkeit ist im der Be- ,Handlung dieser. Angelegenheit.kaum zufinden.- Die Türken fürchten die. Epentuakität / eines - Krieges : zwischen der Mtenie und Rußland/ hie Hxe Hauptstädt en da§ Kriegs- Water einheziehen müßte. M Russen fürchten, daß ihre Whengen PwtekioyEnder in. Mgyra-erchvischen und sich «Epem AHiso reden alle ryn die <^che herum, Wm idmner.neue JtzstvuiMoMt -ein,: verfassen.-dicke Projükolle. Darüber ÄMwt der Sinnin Pergyssenheit, bei der es sich, -wie^mM Weh - bekannt, jffitüötStkfeliJloif**“ ar— Ny« Md van emer Men Mift gH-wchen:' mck -dies -: Mk scheint sie si ch doch " ernster und gefährlicher 'a-nzulassen. 8s geh^ jetzt nicht Mt 'militärische DiW:, um Beststigun-' gen, Kri^sschrffe und Munitionslager, sondern um Menschen. Und Zwar - MN diebedrückteste Menschenkategorie, die sich denken läßt, nämlich um die Minoritäten. Sind schon in den europäischen Staaten Mter den Augen der Frie-. densgamnten und -.des DM-erbüMZ die Minoritäten' Opfer der Tagespolitik. Md Objekte ' des Diplomaten^ Schachers, so sind sirrmOrierrtvollends wehrlose Menschen-' Iruppen, deren LÄen, Vermögen, Glauben und Ehre'zu esnem niederträchtigen Spiel hem'bgewüvdigt wird, bei dem die Minoritäten es-nur allzu tief Äßen muffen, daß «sie aufder .Welt sind. In Kurze handelt -es sich darum, daß die Mächte prinzipiell für die nationalen und' konfessionellen Minderheiten die gleichen Garantien schassen ^Wollen, wie sie in allen Iriedensherträ-äen für. die Besiegten ^« Europa erscheinen. Die Dütkei will aber davon nichts wissen. Sie ist zwar — «warum denn nicht? — geneigt, die S^mderheitcn mit Wohlwollen zu behandeln. Aber da für solches Wohlwollen in Europa abschreckende Beispiele in Fülle -bestehen, so fordern Frankreich und England, daß der Schutz der Minderheiten' imter die Kontrolle des Völkerbundes gestellt werde, Insbesondere soll dies für die unglückliche Nation der Armenier gelten, denerr eine Heimstätte, ein eigenes Territorium mir autonomer Verwaltung gegeben werden soll. Wahrscheinlich Ivar für diesen Vorschlag, der von England kam,' da§ PM-judizder jüdischen Henn-stätte in Palästina maßgebend. Die Erkische DÄegatkon hat diese Forderung abgÄchnt. Einerseits, well sie in ihvml UnEEgrgkeitsemPfinden keine fremde Kontrolle anerkennen -will,: andererseits. deshM, Werl die Armenier samt und sonders Hochverräter - wären. Lord Eurzon fand es deshalb für -angemessen, seinen Vorschlag durch die Drohung mit dem Zlbbruch der Konferenz kräftig zu. unterstreichen. ' ' ' Der Mderstand der Türkei ist allerdings.ziemlich der», ftaMich. Sw stHt'ihren BerchäMuWs'Partlrew mit den Waffen in der.Hand gegenüber und fürchtet für ihr Prestige hei ^«.asiatischen Völkern. Weniger verMMch ist es, daß ihr Widerstand auch in dieser Angelegenheit von Rußland gestützt wird. Der Bölschewisnmszeigt sich auch'hier als ein imPeriocksstisth-chylitziMs - WÄnent,' dasdie Prin- •gtiptett des Sogialismus und ArMenschrnbefrevung nur m -ZeiÜtNgsartrkeln- und' Festreden ausdrückt, ansonsten aber ■:bk politischen Liüien des ZarisnWs niemals verläßt. Für das kaiserliche Rußland waven'Äe. -Böller,am>-BÄkaw und \ im -Orient -me -eHväs anderes' - als ^Mrkzeüge der diplo- - Mtifchen: Machtintrige.. Das. sptziaMi-sche Rußland denkt nsch^. anders und. liafe.rt die Pmdechöiten dem türkischen stratipnalisnms ans Messer. / ’ --V V AusNahmszustand in Warschau. W ir «f chau, 8., Dezember. Le^ Ahr.) Der gestrige -Lag' ist hier ruhig verkaufen. '..'77"'^.^'.'^ DuÄ ÄmtLbschtt peWseütLichL eine Berorduung betreffend die VerhKrrgung des A u s n"ü h m e s « ft.it | e s , Ä h e r d <* ß G v-. hiet der S.tudt -W'grfchuu. Der Kmu- Mis-är, der Stadt Warschau, Borzemski,- ist beurraubt worden; uu dessen Stelle ist; Ä n itiö z, getzrcten. ..D>LP^ Uplizeidirektor U rb'unpw iez wurde ubgesötzt. An seine Stelle LxUt Oberst Bayer. - . ' ' D.ie 'R'eaierllug SiLprs^i- 'hat ihre Amts- Lsitigkeit mit energischen Matzuahmeu einge» leitet, die den Zwecf Verfolgen, unbedingt e N u h e u U d "K r d n u n g aufrecht zu erhalten. Am KNufe deZ heutigen Tages wurden / zwei Adjutanten des Generals t u l lt r, nämNch Oberst M o h e l s L i und auptmau« Mal i u ö w i e z. verhaftet, ebenso der Oberst des Gesteralstabes Dö- Wojno S o l l o h u Die Röppskommandanten von 0 t aÄ a u und P r z e m Nsl wurden Von ihren Posten, enthpbeu^ Schließlich wur-- ' den gegen einige Offiiiiere HM.A«Ee Untersuchungen eingeleitet^ ' WM Heu letzteren befindet sich der Schlvager des Führers der national demykrntisch^st . Parwi D u b a Ä ororez.'" : ' ' v‘" ' ' W n r s ch a u, 18. Oezencher. LGstexstrM.) Zur BBämPfung der faszistifcheu Umtriebe, Äs deren Spiritus reetor von der Linkspresse Meneral H a l l e r bezeichnet wird, hat der vFustizminister im-' Wjm-Äin Gesetz^zum.^ Schutze der Republik . nach deutschem' Muster eingebracht. Seinerseits hat General Haller einen Aufruf erlassen, in welchem erzu« Ruhe und zur Achtung vor der Verfassung auffordert. Gr hat W a r s ch a u v e rlassen. - Iris MbntkL — ein imUMWcher M. Warschau, 18. Dezember. (Tel. bet „Wr. Morgettzeitnttg") Der Mörder N i ew i a d o m s k i erklärte beim ersten Verhör, seine Tat ans ' Patriotischeu Gründ e n verübt zu haben. .Er habe nicht dulden wollen, daß au der Spitze Polens ei« ch o n Zu den gewählter Präsident stehe. Alle Vorstellungen iu dtn Theateru sind abgesagt. In der Stadt herrscht Ruhe. Gestern nachmittags fand die Beerdigung eines sozialdemokratischen. Fä Huri ch ß statt, der bei den letzten Demonstralionen ers-chvssen worden war. Die Sozialisten veranstalteten anläßlich der Beisetzung eine Kundgebung^ an der etwa 25.ÜW Personen teilnähmen. > Die Kundgebung verlief ohne ZwischenfaLt. W a r s ch a n, 18. Dezembern (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") Das Palais der Knnftansstellnng, in welchem der Mord verübt wurde, ist zum Zeichen der Trauer geschlossen worden. Der M i n i st e r d e s F nn e t:n.veröffentlicht-eine«:Alnfvuf an.die Pe« völkernng, in welchem. es unter anderem heißt: „Gine unverantwortliche Hand hat am 16. Dezember einen ruchlosen Mord an der Person des höchsten MÄrdenträgers der Ri> publik, an der Person des Präsidenten NaLNtovicz vollführt. Der Attentäter wurde festgenommen und wird die verdiente St ras e erleiden. Fch. fordere alle Bürger auf, in dem Monrent einer für den Staat ss schweren Prüfung abfolnte Ruhe und W ür de zu bewahrdn^ > Dik A b ge o r d Net e n k lu b s, die Im Sejmgebäude Beratungen abhielten, haben die Sitzungen sofort nach Bekanntwerden des Mordes an dem Präsidenten geschlossen» .. Mittwoch — WM des ne«m MMytea ■ ^«rscha». 1L Dez«mbrr. (Polii. LÄ.-Ag) Rach edirr ostizlUen' Mitteilung hat Se.jmmärschall -R a ta j erklärt, daß er nicht die Absicht ha^be, für dm Posten 'des Präsidenten der Republik zu ka-ndidieren. Die SejmkanFlei hat heute, an die- Ahgeord-lreten nüd 'Senatoren die Einladung 'des Schmmarschalls zu der <un - 20. Dezember 12 .Uhr' mittags stattfmdenden Sitzung der N atso nalve r sarnmlü ng -verseUldet, in ' der die Neuwahl des Präsidenten vopgenmmtten -werden soll. . : - Mei der „Knrjer Warsga«wski" 'MÄdet, hat Mnffterpräsident S i k o r s k i heute Besprechungen' Mtdem Führer der Piast-P-artei W i t o s, ferner mit den: Führer der, s d z i a l i st i s ch e n Partei' Abgeordneten B a r li c ti und dem Führer der radikalen Bolksparter „Wiswolenre" - Du g u t abgehaMn. Die Bssprechomgen gezogen sich auf die zur Sicherung -der R u h e u n d D r d n u n g zu tref-. senden Maßnahmen. - . - i Wie dasselbe Blatt 'meldet, hat der ukrainische Parlamentarische Klub gestern Leschl-assen, die -ukrainische Nation in Oftgalizien Qusznforderu, unbedingte Ruhe z-u bewahren und an den Parteiiämpftn des Polnischen Volkes nicht teil-- Mvchrnen. ' M AWee.; . ' Warschim. IS. DeWÄer. (Pol». Äl,-ztz.) Kriöglmmisier S ö s nko.w sf i hat /eine seckMvochig-e. offizielles Trauer in der Armee' verfügt.' Heute' lyurde' m die gesamte -Mrch. .M,T atz-Ls^ He. fS,hl. de s ,'K r i eg SM i n i stets' . ich Ängedchk M Aauer w Warschau. Warschau, 18. Dezember.- (Poln. Tel.-Ag.) Die Bev»' hänglM des A ü s n ahm s z u st ä n Ä e 8 ü b e r die Stadt Warschäu wurde ruhig ausgenommen. Ueberall - prägt-sich der. Ernst der Lage aus.' Anis den Begiemngsgebauden wehen T r a u e rf a h n e rn Irr »eue j^MWWest., Warschau, 18. DszenBer. (Tel. der ^Wr. AtochsM . Wertung".) .Ministerpräsident Ladislaus Sikorski wuvde mr Jcchre-1881 im astgaWschen Städtchen Tnchow geboren. Seine Studien oibsolvierte er. an der Technischen Hochschule i» Lemberg. Zu- Beginn. des WÄtkrieges Ivar er. Wteilungschrf' der polnischen Legionen und nahm Mit Pilsndski an v&c, Oogamsatvon des polnischen Freischa-rlerkorps teil. Zur Z«it der Offensive der russischen.Soivjetarinee übermchm. SÄMskr das Konrmando der- -drmen polnischen Armee; er wurde nach« her zum Kriegsmiinister ernannt.'Im Jcchve 1921 trat ec an die Spitze des polnischen Gen-eralstab^Z. Im Herbst 1922 ty-llvde er vom fvanzüsischen und vom englischen Genera'Htab e'Mgeladen, den Manövern in Frankreich und England beizu-. wohnen. Bei dieser. Gelegenheit hielt Sikorski mehrere viOl« beachtete' Noden mMtärisch-polit-ischen .Inhalts. Nach -dem Rück-« ttÄt des Staatschess Pilsudscki galt er. als.dessen -sveutueller Nachfolger. Snne. Kandidatur wurde jedoch. von bs«, NöckionoSÄsmoLraten Wigt bekämpft. ' Sterna« Kabinett. Warschau, 18.' Dezember. (Tel. der Mr. D'corM» Müntz".) In dem.-neuen Kabinett wurden die mefften Ressorts mit Mitgliedern des früheren-Kabinetts besetzt. In mil'itärischer Hinsicht scheint das Kabinett eine-Art Kompromiß dapzustellear. Währerrd der gegenwärtige Ministerpräsident Sikorski zu den engsten Vertrauensmännern Pirlsu-dskis gehört, steht dex Kriegsrninister- Sosnkowsk'i stit döa letzten Monaten des KabinÄts Nowak in engen Bezichun« N»n M den Nationaldemokvaten und galt währ-mrd der WaM- Hampagne als deren Vertrauensmann. Durch seine Ernennung Krm Kriegsminister schei-rrt es Sikorski gelangen zu sein, auch sine Elemente der Armee, die Pilsudskis Gegner sind, für sich IN gswmneü. Der -neue Außenminister Skrzhnski sollte schon nach Skirinunts St-urtz mit -der Leitung des' Außenmnvisterrums betraut werden, doch wurde seine Ernennung von den Nat-ilmaldvrnokrate-tt vevAtslt und an feinet' Stelle dev txmordete Präsident Närutowiez §um Außenminister oruannt. Die Minister Jastrzebski,' Marynowski, -LovuZzewski, Chodzko und Darowski gehören kmir-er Partei an und die meisten von ihnen wurden, nachins. Kabi- -nett Nowak lediglich als Fachmänner berufey. . P o m o r s i i, der neue UnterrichtMinister, . -ist Mltzrostssor in Warschau 'npid gch-xj, kMr Part« aji.