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Wiener Morgenzeitung · 1922-12-17 · Heft 1384 (17.12.1922) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1384 (17.12.1922)
Date
1922-12-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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iBÄunmerKlOOO Wi ©ns Zum Abbolen in der £xpfedition, II., T abor $tr. 1 -3, oder in einer Verscbleisstelle (Trafik) monatl. K 28.000 Mit Postversand für Wien u. Qesterr. monatl. K 28.000 Ts cii e c bo-31 ow« k e i: Mo«. K17. Ungar n: Mon. K 600. Jugoslawien: Mon. binar 30. Polen: tslon. Mk. 3500. Deatschland: Mpn.-Mark 800. Frankr., Belgien: Monatl. Frcs.8 MT N achs«hlung«ii 'MM bei Preiserhöhungen Vorbehalten Nt. 1384 S—imw.imwii—niiwiiiwiii—— v \ teuer Wien. Smmtäg. 17. Jezember lSLS Tsen « (hosliMttatS! tschecbi K1.~ Italien: Monatl. 10 Lire Rumänien. Bulgarien Monatl. 60 Lei b.ezw, Lewa, «Schweiz and das übrige Ausland monatlich- Frcs. 3- Redaktion u. Administration j Wien, II.,Taborstrassei—-3! Telephone: 44-0-38,43-3*19, ab 6 Uhr abends 16*301. TeL-Adr.: .Morgenzeitung^ Wien Oesterreichisches Postspar-: kassen- Konto Nr. 150.6931 smaamam 4. Fahrgimg Narutowicz. Warschau, 16. DezemLer. (Teil, -er Poln. Del.^Ag.) Heute mittags während der feierlichen Eröffnung der JahresaussteÜüng im GemAdesato« wurde gegen den Staatspräsident«« Narntowiez ein Attentat verübt. Ner PkWent emsrdet. — Rataj vravtsorifcher PrMM Mörder verhaftet. Ser Der Präsident ist tot. / Der Attentäter ist der akademische Maler Eligtusz NiewiadsmSkk. Er würde festgenommen. —y'. W i«n. 17/Dewmber. : Gabriel Naruivlvirz, zwei Tage lang Präsident der polnischen Republik, iv«r ein gläubiger Katholik. Aber der Schuß, der ihn traf, galt dem Judentum. Die- Agitatron, die sich unmittelbar nach seiner am 9. Dezeniber erfolgten Wahl erhob, trug die verzerrten Züge des antijüdischcn, bis zum Wahnsinn entflammten Hasses. Narulowicz war in einem heftigen Wahlkampf Sieger über. den. Kandidaten der reaktionär-nationalistischen Gruppen geblieben. Den Ausgang der Wahl hatten die nationalen-Minderheiten,/die Juden, Deutschen, Weiß- ' ruffen und Ukrainer entschieden- Kein Wunder, daß die Person dieses in der Schweiz ausgebildeten, vornehmen Pazlsisten augenblicklich zum Zentrumder wütendsten Angriffe wurde, der eine geschickte Hand alsbald den antisemitischen Grundton.gab. Das Schicksal, das NaruwwicZ' getroffen hat, war fast aus die Stunde genau vorausznsehen. So vehement und so gut vorbereitet war der Sturm losgebrochen, daß die polnische.-Negierung noch, knapp vor ihrem verfassungsgemäßen. Rücktritt! die Straßen der Hauptstadt hatte durch Militär besetzen! lasten und daß-der Präsident sich nirgends ohne Ulaneneäkortehafte zeigen durftn. ' •< 'Man hat Mrsttäwicz aW Kandilüvken^der Juden' susgvg^dhn>WRehMMöttM"jMsWAuteM«N' '. bLzWWMWW '> Soft HetziMftiM arbeiteten studentischen Jugenft demmzrerst. - Mod. Juden. scholl es nach-der-Wahl-durchs .die 'Slraßchr^ „KoyZott gegen die Juärn!".predigte der gewesene öfter-' reichifche 'GenerälstMer Haller, Molen -muß Üon den Juden befreit werden, die den Nanttöwicz auf ' den Hchild gehoben haben!" war der mit eintöniger suggestiver Kraft in' allen Versammlungen, alten Zeitungen wiederholte Kehrreim der giftigen Hetze-. Es ist unnötig zu sagen, daß die Mstimmung der jüdischen Abgeordneten nur Ausfluß des Rechtes ihres Mandates war und daß sie in der gegebenen Situation gar nicht anders hätten votieren können. Ebenso wie sie -hatten auch die Vertreter der' änderen nationalen Minderheiten sich für den Mann entscheiden müssen, der als / Minister des Aeußern bei jeder Gelegenheit-dm entschiedenen Willen zum-Frieden und zur inneren Konsolidierung Polens bekundet hatte. Der jähe Tod Narutowicz' ist ein furchtbares Signal für die ungeheure Gefahr der Vergiftung der Massen, insbesondere aber der jungen Generation, die berufen ist, Lwder Zukunft ihr Volk zu führen. Es ist ein Attentat, wie wir es in den letzten Jahren schon so oft erlebt haben. Seine Quellen sind die gleichen, aus denen der Tod Rathenaus und ErKerghrs kam. Nicht nur Deutschland ist Lurch dasl große Unglück - des Krieges seiner SelbstbesmMNg und Disziplin beraubt, worden. Auch Andere Völker, die-'als. Sieger gelten, sind bis in die Seele infiziert und. überall tritt die Seuche am.stärksten unter der moralisch, oder psychisch widerstandsunfähigen. Jugend hervor. Sie wurde und wird in dem Gedastken erzogen,'das jüdische Volk als Len Urheber und. Nutznießer . der Kxiegskatastrophe hasten zu müssen, und sie tut es. Sie wird' zu der unbedingten Anbetung. der Gewalt angehalten von denen, die ihr. VoMld sein sollen, die . ihre Erziehung leiten und sie darauf vorbereiten sollen, Tüchtiges zur Entwicklung der. Menschen.Zu tun.Ohne Hall, sittlich depra-, viert, ohne Kenntnis der Äenschen und Dinge, der Zusammenhänge, in der staatlichen und wirtschaftlichen Ge- . meinsamkeit, .'taumelt diese Jugend imirrer ttefer in die Gasatmosphäre des Hasses. Man druckt ähr die Waffe in die Hand und sie mordet.. < -. In tiefster Erschütterung nimmt man die Nachricht von dem Tod Narutowicz' entgegen, der m der vollen Lkraft seines Schaffens, 57 Jahre alt, auf dem Schlachtfeld der Politik gefallest ist. Der"Christ starb für das/ jüdische Volk, dessen Herz, getrosten werden, sollte. Das polnische Volk/hat Men schweren'Verlust'erlitten.Es Hab wieder einpn seiner Ähne für W Sache der Freiheit und des Rechtes Men' sähest' ustd mit ' allenanderen Rationen neigt sich auch das 'jiMhe'B'olk an dem frischen Grab,.. ... ....... ,y• -. \ Warschau, Iß. DHentber. (Poln. Lel.- Ag.) Heute nrittags während der feierlichen Eröffnung der Aahresausstellung im Gemäldesalon wurdegegen den Staatspräsidenten Narutowiez ent Attentat" verübt. Der Präsident ist getötet w ordert. Der ALtenItiLer, der^ aladeftiische Maler Ellglusz NrewLadoms tt wurde festgenorgmen, , M« MeachelmorL. Warschau, 16. Dezember. (Tel. der „Wr. Morgenztg") Präsident Narntowiez ljatte heute vormittags dem Kardinal K akowsri einen Besuch abgestattet. Gegen 11 Uhr vormittags begab er sich zur Eröffnung der Iahresausfteöung in den Gemäldesalon Zacheta. In seiner Begleitung befanden sich der Mef der Zivilkanzlei, zwei Adjudanten, MinisterpräsidrnL Nöw a f, sowie die Minister Makowski und Kümanieki. Beim Eintritt itt den Saal gab der äkademische Maler N i e w i a d o m s k i ans den Präsidenten von ristLwärts Pier Revolverschiisse ab.- Der Präsident sank tödlich/getroffen zusammen und verschiÄ bsitnen wenigen Minutäm " r ' ' ' '-Der ' herbeigeru^ene WiWsänwalt -deO -KrrrstzerichM^--1eiMe ''-strfM M Ort^ und- StMe die^MMrsuchüttD eW^^ > - - - i:, 'DUMWWMMDWMMMWMMtrck ÄstdienKsaale anfgebahrt. Die Keiche ist MiL dem Groftbande des weiften Adlerordens geschmückt. Lie Wahl Rarätswit»' Wr e?«e Tchandr." Bei seiner Feftnahme ertlärle der Attentäter pathetisch: Die Wckhl Narutowiez^ war eine Schande, die nnr Mif Blut getilgt werden konnte! NiewiadmNski hat einige Zeit in Petersbnrg gelebt und sich dort mit monarchistischer Propaganda besaßt. Er gehörte zu den geladenen Gästen der. Eröffnung der Gemäldeausstellung und hielt einen Revolver his znm Eintritt NstruLowiez' in dev rechten Rocktasche verborgene Um 12 Uhr 14 Min. erschien Narutowicz und Niewiadomski gah vier wohlgeziette Schüsse auf den Präsidenten ab, der zusammenbrach und nach wenigen Minuten eine Leiche war. Drei Schüsse waren tödlich. Mn rasch herbeigeholter Priester gab dem Präsidenten die letzte Oelung. SHWmirdversNch der UtteatAerr. Niewiadomski versuchte sich selbst zu erschieften, wurde aber däran Von den Umstehenden verhindert und feftgenommen. Die Nachricht von dem Attentat/ verbreiLete sich mit Windeseile in der ganzen Stadt und rief überall große Bestürzung hervor^ Ser Mentitter. Warschau, 16. Dezember. (Tel der ^Wr. Morgenztg.") Nach MitteLlnngen aus Kreisen der Polizei ist der Mörder Nrewiad o nr s k1Kunsthistoriker. Gr ist unter den Künstlern und Literaturhistorikern als exaltierter abnormaler Mann bekannt. Soviel bis jetzt eruiert werden konnLe, stand er mit keiner politischen Gruppe iu Berbiudung. Doch machte er sich in den letzten unruhigen Lagen Wiederholt durch scharfe antisemitische Reden bemerkbar.' Niewiadomski .ist oO Jahre alt, hat sich als Kunstmaler betätigt und war einige Zeit Sektionschef im -;KnEMß«ifterrnm. .' .,Ht betzM Zeit schrieb er für mehrere WarschWer Wätter, besonders °für die rechtsstehende ^GÄzetta Wärszaws- La" Kunstkritiken. Infolge eines schw/ren Straftenunfaktes, den er vor zwei Jahren erlitten, galt Niewiadomski als kaum zurech- «ungSMig. MmMae BttuMlmg der M. ' Sämtliche Parteien traten nachmittags zn Lrauersitzunge« zusammen und veröffentlichten Erklärungen, in denen sie die Tat auf das schärfste verurteilen. Abg. G Lo mbinski erklärte den Mord an Narntowiez als ein Unglück für das Land. Der Seniorenkonvent hat die Neuwahl! des Präsidenten für den 20. Dezember angesetzt. Mit der Kabinettsbil-nng dürfte Generalstabschef Ladislaus Sikorskr betraut werden. An seine Stelle soll im Generalstab Pilsudski treten. Rühe i» Pole«. Warschau, 16. Dezember. (Tel. der „Wr, Morgenztg.") In her Hauptstadt sowie in ganz Polen herrscht Ruhe. Die Ermordung des Präsidenten, hat zwar eine tiefgehende Erregung hervorgerufen, doch haben sich Zwischenfälle nicht ereignet. Die REonMersammlMg. / -Warscha«, 16. Dezember. (Poln. Tel.» Ag.) Infolge des Hinscheidens des Stwtts-; Vräfidenten N a tu towie z übetmimmt die KunWönen des Präfidenten im Sinne des Artikels 40 dep P^rfäsfnng Sejm-Marfchalk iMWM den nnverzWich d i e . N a t.i o « a l- AEsWrcWO^MgMWMDnochfUWs^!-.-.den HW Präsidenten -rinberUfen wird. ' Marschau, lo. Dezember. (Tel der „Wr. Morgenztg.") General H a l l e r wurde ans seinem Amte entfernt, weil er nach feiner Tätigkeit als Haupt der rechtsradikalen Strömung zu betrachten ist und während der Unruhen gegen die Regierung hervortrat. Er hat in Straftenreden die demonstrierenden Studenten zum Sturz . des „Jndenpräsiden-- ten" und zu Pogromen aufgefordert. I« LchrvMuf he« ErMordÄe«. JntzeuHArr GobE Narviowieg stxrr 1863 in LitMen geboren, studierte «nsanTs^n Pebrrsburg, dann in her Schwerz, -wo er am Züricher Polytchn-ikum das Diplom -eines BvA-> ingmiMrs erwart. In eiiner 30Moigen Tätigkeit als Tech-- niker,. «der suf dsm, GsdiÄe der MasserTraftverwertung in wissenschaMchen Kvsilsen wachsenden Rns gewann, wurde er 1908 znm Profeffor an der Pvlytechnik in Zürich ker-na-lmr und mit der technischen' LMnvg der W a s s e 11x a f t <t n-- lagen.b«e.r Stadt Zürich Mrauit.' Zwei Jckhre nach dem Wasfenistillsta-nde verließ Ing. Naru-toiviez Zürich, nachdem er schon während des WelEvieges der Sache seines BÄerlanideS Dienste geNstet hatte, und würde im Kaibmett P o n i k o w s l i MiMster für öfseEche Arbeite«, hierausf in dem kurKesristeten Mmrsteriimn S l i d ins Ei Minister des Asußem. Am 31. Just d. I. wurde er als Mitglied des BeamtenkMuetts Nowak wieder Minister des Aeußern. Ms MtarLsiter des Äußen-- Ministers S k! r -mu n i hatte er Polen in der Konferetrz von Genua-vertreten. Naru-towicz gilt als Vertrauensmann des Stcvatschefs Pilsndski, mit dessen Bruder er unnMel'bar vor den Wahlen eine polnische Pcwtvi m den Oftdezirkerr ge-- . gründet hatte. Selm Enttvicklungsgang, ssine VangjähviM wisscn- - schasckiche. mtd pMiilsch-wchnische DetätMmg bis Mn Ende des HeltkriqFeS stellten chn anßerhaK der Partöieng.'KÄckes, womx ichm Mlch NÄgung gur Linken nachgvsagt wevden tonnte. . Präsident NavuMvioz haste den, größten Toll se-w-es Lr-' /.VßN8 M der EmliMktion verbracht» -er beherrschte di-e fvcmzöstschr rmd dsutsche Sprache. Am 9. d. wurde er ponder Mtiolralvcr- .stmmAng in Warschau'nrit 289 St-mmren zum Staatspräsidenten als Nachfolger Pilsudski Z - gewählt. 227 ®ltimrteu hatte sÄin. nationaldsnrokvLtischer GogeiMndidat Graf Z a-- mp y s ki erhaben. Der Wahl folgten sofont heftige onti---' Hmitftche.Unruhen, bei denen das Militär 4utovvemerönm-ußto. Am 14: d. Wermchm NavuGvicz die AmtKAeschäs-de und zwÄ Tage später , Die MWr MnWe Ges-üMchM. . In der Wiener polnischen GssaMschnst traf die Nachrichi von ^der^ Ennoodimg -des ^Staatspräsidenten ün Lause des Nachvrktqas M. Es wnüde sofort dst jchwMze Kahne gehißt,

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