Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1922-12-15 · Heft 1382 (15.12.1922) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
4 (1922)
Issue
Heft 1382 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
81% known words query
IRI
…/2979076-2980129-2980462--13168-2999788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mnm WÄM MWWdMU 15. ÄeKttlber 1922 Geiit TTTiii-nnrfifiiBiWrwiiinwi Zionistisches Iiandeslsomitee für Oesterreich 8örnitag den 17. Dkzember l, ' 8 Vlyr abends, SbpMensäle Festrede: Dr. Jakob Ehrlich. Mitwirkende: Wilnaer Trnppe (Erstaufführung ^Die Wand“), Oskar Beregi (Mitglied des Deutschen Volkstheaters), Hakoali-Orchester J [iiibiiii■■■■■■ Karten täglich von 9 bis 12 und 4 bis 6 Uhr im Bureau des zionistischen Landeskomitees, II,, Taborstrasse 20 ä Set venerallommMr. Der Geuerälkommissär Bürgernteister Dr. Zim- Mermann tr'lft heute ab-mds aus Rotterdam in /Wien «ein Azp steigt im Hotel Imperial ab» Me KreSitgarantie für Lefterreich im A«hen- - amschuß genehmigt. Prag, 14. Dezember. In der heutigen Sitzung des AuZ- Mufs^s für Aeußeres wurd^ die Vorlage über das Garantietzesetz bezuKich -Oesterreichs mich denr Anträge des Berichterstatters genehmigt. Gesandter Schlichter abgerüft. f' Der bevollmächtigte Vertreter der, Russischen sozialisti- ,scheu föd. Sowjetrepublik in Oesterreich Alexander .Schlichter ist für einige Wochen nach Moskau abge- Mist, um an wenr ann 20. d.- beginnenden Sowjetkortgreß Mlznnehyren. Während ftilter Abtveftlcheit ist -er Generalkonsul Dr. Koslowsky mit der Leitung der Ver> tretung betraut. Ler Bremcherger Helenen-Zchacht Sefterreich zilgewiesen. 1 Seit Februar I. I. Mar der Besitz des zum Brennberger Bergwerke gehörigen Helenen-Schachtes nebst seiner u,Mittelbar cm der Grenze des Plebiszitgcdieics aus österreichischer Veite gelegenen Umgebung bestritten, da Ungarn dieses Ge- Kiet als zum Betriebe des Bergwerks rmenibshrlich rekla- Mierte. Der internatioM-e Grenzregelulrgsausschnß für die Merreichisch-ungarische Grenze hat nunnwhr in seiner Sitzung »mn 12. d. entjdneben, daß diese Schachtanlage samt dein in Mede stehenden Gebiete bei Oesterwich belassen werde. Diese -Entscheidung, die der Ausschuß nach sehr oingchender Prüfung L»er Gewahrleistacng des ungestörten Fortbetriebes des Berg- Werkes gefällt hat, ist fiir Qesterreich von größter Bedeutung, La>. hierdurch, ausgedehnte Flötze hochwertiger Pmnnkohle in dkscr Gegend uns crhalten bleiben. - Men. Jer AM gegen Ramtowikz und die Men. /. Warscha«, 12. Dezember. (Tel. der ,Mr. Movgerrzig.*.) Die Nationaldemokraten beniesen fiir Sonntag' früh eine Ver-- jsaininlnng ein, an die sich ein Demortstvationszcrg anschließen sollte. Mehrere Agitatoren verlangten den Boykott gegen die Juden und die Entfernung Pilsudskis vom -nri I i tä r i s ch en Obe r ko mmaudo zugunsten Hallers. Am Schlüsse der Bersmnmlung wurden Resolutionen gefaßt; in der ersten wird Narutowicz ausgesordert, ans die Präsidentenstelle zu. Verzichten. In der'zweiten Resolution Wird Pilsudski aüsgesordert, das Oberckmumando an Gmeral Haller abgUgeben, während in der dritten Resolutiou die polnische - Gesellschaft anfgefordert wird, Maßregeln zu treffen, nm einer Berjnduug Polens vorzubWgen. Sämtliche Resolutionen wrivdm unter dem Geschrei „Tod den Juden" angenommen. Nach der Versammlung formierte sich ein Demonstratio,,szug, der zmn Belvedere ziehen wollte. Untettvegs passierten die Demonstranten das Wohnhaus des Genevals Haller, wo sie stehen blieben und den General Haller aufsordcrten, eine Ansprache zu halten. Interessant ist, daß dieser Rede der gewesene Ministerpräsident Ponikowski, der neben Hallers Palais wohnt, vom Balkon zuhörte. Nach der Ansprache. Hallers. imttde über .Antrag eines Offiziers eine Nc.ftlntwu gefaßt, in der die Uebevgabe des Hanptkömmau dos der gesamten Armee an Haller gefordert wird. Wahrend der Demonstrationen brachten die Demonstranten auf vielen Häusern die Inschristen „Boykottiert die Juden" an. Bon Hallers Wohnung begaben sich mcfyrm hundert Personen zum Belvedere. Der Weg dorthin lvnrde jedoch durch starke Polizeiaufgebote abgesperrt, so daß die Demonstranten gezwungen waren, ihren Zug auszulösen. Im allgemeinen herrschte in der Stadt Ruhe. Die Polizei hat mit außergewöhnlicher Energie die Ordnung aufrecht erlMlton. .Als eine Delegation der Rozwojorgcnüsation das Außcnnnnisterinm anfsuchte, um'dom Präsidenten Narutowicz die Resolution mitzMerlen, wurde ihr der Zutritt verweigert. Am Nachmittag sollte eine große Massenversammlung der RozwojorganisatioN mit der Tagesordnung „Gegen die jüdische Gefahr" staitfinden..Ms nach der Versammlung die Demonstranten einen neuerliche Umzug veranstalten wollten, schritt die' Polizei energisch ein inch Vertrieb die Persrinmeltem ^--■■—- RarütowKz' Eidesleistung. Warschau, 12. Dezember. (Tel. der „Wc. Niorgenzig.".) In der heutigen Sitzung leistete der nengowÄMe Präsident Narutowicz den Eid. Als Narutowicz den Saal betrat, toürde er von der Mehrheit des Hauses lebhaft begrüßt. Nach der Verlesung des Protokolls wurde die Nationalversammlung geschlossen. Unter Absingu^ng des Nationalliedes „Noch ist Polen nicht verloren," verließen tue Abgeordneten und Senatoren den Sitzungssaal. Die Nationaldemokraten nahmen an der Sitzung nicht teil. Donnersrag wird Parntowrcz das Amt' übernehmen. Zemisslon de« Kabinett«. Warschau, 14. Dezember. (P. T.-'Zt.) Der Sejm hat sich in der he-utigen Sitzung «jit einet Reihe von dringlichen Anirägm Änd Jirtenpell-ationeu beschästiigt, daxünter solche wegen der TEMonstral!i'0nen vom 9. bis .11. Dezember. , Im Beisein des Mm^torprasiden-ten und der Sejm- und EenatAmarschälle sowie mehrerer Minister saud heute, die »feierliche Amtsübernahme durch den wwm Präsidenten der RepMik statt. UmiMMar nach der Fe:er überreichte der Ministerpräsident dem Präsidenwu der Republik die Demission des Kabinetts, die mit oen m der De:' 'sjung vorgesehenen Bestimmungen sowi-e dur>h dett Ilmstand begründet wird, daß die H^enwärtige Regioung z 'r Crj'ülhiuz flciL umschrieb.-aer Ausgaben verüfeir war. Warschair, 1-1. Dezember. J'n der hurtigen Sitzttng des Sejm witvde das .Budgetprovisorium fiir' das erste ViertÄjahr 1923, das au Artsgaben 510.351 Millionen polnische Mark Vorsicht, ^der Finanzkommissiou zugcüviesen. Eine längere Debatte entspann sich 'bei denr Dringlichkeitsantrag der Sejnrgrnppmr Piast, Wizlowoleni unb der Sozialdemokraten auf schleumKte Embrmgrmg eines G csetzes znm Schutze der Republik. Dean Antrag, der von denr Abgeordneten Daszyivski 'begründet wurde, würde die Dringlichkeit znerkannt'und derfrlbe dem Ausschüsse zugowiesen. Nach der Sejnrsttzung Mwden die gememfamen Beraiiutgett der parlamentarischen Parteien der Mitte und der tionsregkrung der Mitte und der Linken gesichert erscheint. Me Konserenz der kMolMe« HochsM«. Warschau^ 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Seit einigen Tagen tagt hier eure Konferenz 'der katholischen akademischen Jugend. ' Bei der Erössnungssitzung begrüßten die Tagung Delegationen katholischer akademischer Organisationen Frankreichs, Belgiens,' der Tschecho-Sloivakei und Hollands. , Der Mi« Klub SstgMzkens. Warschau, 14. Dezember. (Tel. der „Wiener Morgenzeitimg".) Der jüdvsch-ostgaliZische Abgeordirerenklub hat beschlossVjr, in Krakau und Lemberg eigene Exposituren zn bilden. Die zu errichtenden" Bureaus lverden den Kontakt zwischen dsu Abgeordneten, Senatoren und den Wählern Herstellen, wie auch die Regelung der Interventionen bei den Zentralbehöchm durchführen. A«gam. Da« vertrauliche MitStMigei Budapest, 14. Dezember. (Tel 'der „Wr. MovgeiMitnng".^ Der Kriegsmiwstcr, Geneml Belitska hielt in den letzten Tagen vwträulichtl Konserenzrn ünt den Führern der Oppo- > s i t i o n 2 Part e ie at, dir er dafür getvann, bei der Budget-- debatte «das Militärbudget dciiner Detailtritik zu rmterzichen. Gras Appon hi sorderte. HXrrcmbien darsür, daß dir. Regicrmng nur für die Wi-eiderherstellnug des legi-- timen König.tu ms. Krieg führen wende; es werde sich -dam: znigen, wie sehr ider Gedanke >dor Legi t i m rtät mit dom der Integrität vetbundett sei. General Belitska erklärte Ms eine Anfrage, -daß sich die mt-gari!sche Regierung für der: äbriegsfall die jugoslawische Grenze als Aufinarschgvbiet ausorivählt lhätte. Der ätniegSminifter verhandolte daun mit den SozialdemokraLen, die sich gleichfalls feiner Anregung zugänglich erwiesen. Es 'ift also der Rergienrng gelungen, die Militärfrage den Angen >der OosfcMichkeit Zu entzichert. Die falschen Dokumente Malm. Budapest, 14. Dezember. (Tel. der ,Mr. Morgenzeitmrg".) Auf Antrag des Mnisverpräsitzenten hielt die Natwnaüiersammlung ctuic geheime Sitzung ab. In dieser legte'Graf Be t hl en sein auf das falsche Dossier Ulams gegen Rassay bezügliches Material vor. Nach Wiedeveröfftutug der Sitzung erklärte Minister- Präsident Gras B e t h l e tc, es . sei auch in der geheime» Sitzultg festgestellt tvorden, daß die auf den Abgeordneter Rressay bezüglichen, seine angebliche VerbiMtrvg mv den Tschechen betreffenden und dem Hause unterbreiteten Dokumente gefälscht seien. Falls Rassay zur Erm6 rung der Fälscher gerichtliche Schritte einleiten wolle könne er auf d'ie volle U n t e r st ü tz u n g der uu go* rischen Regierung zu dmn Zwecke, daß die Fälscher die verdiente Strafe erhalten, rechnen. . M Prouast-SMier für die MMe« Mel des Rmnervs rllmfus. . Budapest, 14. Dezember (Tel. der „Wr. MoMnztg."^ Per Graphiker und Maler Johann Mühlseith, ikt lange Zeit hindurch als Offizier des Pronay-Drtachentents an Men Ausschreitungen dieser weißterroristischen Ossiz-krssprmation ieilgenorrunen hat, erzählt in einer.Züschrist an ein Virdapester Blatt, daß er sich einige Zeit in Wien au.fgehcllten habe und nach seiner Rückkehr nach Blkdapest mcht umhin könne, eine feinen Verhältnissen errtsprechende Spende von 1000 ung. Kronen zugrmsten'der vertriobetrerr ungürisch-judischen Hochschüler in Wien zu übermitteln. Er habe' mit eigenen Arlgen gesehetr, unter welch kümmerlichetr Verhältnissen diese utiglückseligen Opfer des Ntunerus clausus ihren StuL°cen obliegen und sich dabch ihren Lebensunterhaslt als Packträger, Straßenkehrer unb d-nrch Verrichtung >der nntergeordnetsten Dienste zu decken frühen. Cr hofft, daß auch andere seinetn Beispiele folgen werden und fordert seine den Ldunftkreisen angehörerwen Freunde ans, ihnr zu folgen. . In vom Maler Johann M ühlfci th nmß eine gründliche innere Wandlung vorgegarrgerr sein, denn als er noch dem Prouay-Detachement als Offizier angehörte, hat er sich durch ein Holzschnittalbrnn unrührnlich bemerkbar gemacht, in welchem die Gransmnkerten der Pronay- und. Hejjas-DeLachenwnts als patriotische Heldentaten vecherrlicht waren. Wie falscher L«Äe«materlal fabnziert wird. Aus Budapest wird uns berichtet: Das eben erschie-- nme. Marlbuch dör Dudapester Polizei über ihre.Tätigkeit im Jahve 1921 trägt zum ersten Male der herrschenden politischen Richtung dadurch Rechnung, daß es die Kriininalfälle in'ganz tendenziöser Weift nach der Konfession dev an diesen Füllen Beteiligten behandelt und zu dem Schlüsse gelmigt, daß 46,S Prozent der Täter dieser aufgeklärten Krimiüalfälle Juden gewesen seien. Daß hiev a ls . Kriminelle auch Personen angegeben sind, die auf Grund irgend ei ncrVerl e ri m d u n g tvegen ' angeblicher polcüjcher Delikte in Untensuchullg gezogen Äwr vielleicht auch gar verurteilt wrrrden, wird selbstverstäMich verschwiegen. Das Jahr 1921 war bekanntlich besonders reim an sogenannten Unaufgeklärten. Derb reche m die mich bis heute noch unaufgeklärt geblieben sind. Die Opftr dieser Verbrechen waren zum all>:rgrößtcn Dcil Juden. Ueber diese Fülle stiehlt sich Äer Polizei« bericht aus die Weift hinweg, daß er alle die verschleppten und errnordeten Opfer des weißen Terrors in die Rubrik der Selbstmorde einreiht. Entsprechend - ’ dieser Methode amtliche Statistik zrl nmchen, firhrt der Bericht fiir das Jahr 1921 im ganzen sieben M o r d s ä l l e an uniregistriert 349 Selbstmordsälle, ohne natürlich hinzu» zufügen, daß die Qualistzierrtng.dieser Fälle als Selbstmordfälle eirte. politische Lüge ist: ' "4 Hingegen entnehmen wir dem Bericht das interesianie Geständnis, daß die berüchtigte Verordnung, durch die den' jüdischen Kinobesitzern die Konzessionen geraubt «nV an die Günstlinge des ch.rist lick)-nationalem Kurses verschenkt tmuLen, mcht das erhoffte Resultat gezeitigt^ habe. Schuld daran sei hauptsächlich die Uner« fthrenheitz lnrd GeschäfLstlntüchtigkeit der neuen Besitzer. Der Berscht geht wohl nicht des näheren auf diesen Punkt ein, sonst 'hätte er auch feststellen müssen, daß der Staat in wirklich krimmellor Weift den neuen K'mobesitzern ungezählte Millionen geschenkt und vorgestreckt hat uttfc> daß' dieses Volksvermögen verbrecherisch verschleudert worden ist,, . . , ,.n “ ‘ ' Rllmayieu. Die Horthtz-Hetze. Das I. <£. B. meldet ans BMW: Der Mische Dchutierte Dr. Stern richtete eine Anfrage arr den UnterrichtL-i minister AnOeloscn über die von den Stitdenten arrangierreus aMMschsit Exzesse m Klausendur,g. Der Minister er.' widerte, er sowie der Jmvomnrnister femt von dev Regierung^ ermächtigt tvorden, Mgen die antisemitische^ ExzedeMr mit^ den schärfsten Mittv4n eiuzuschwiten. Die Ilchsber Lecj IL. TaborstraBe 4 TetjBphon 47-1-79 Elf gres En d«u

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.